Sonntag, 1. April 2018

Märztisch - die saxifragaletische Ostergleiche

Zu Religionen habe ich ja, wie ihr wisst, ein eher gespaltenes Verhältnis. Ich wuchs in einer säkularen Familie in einem säkularen Land auf und konnte mich mit den Gedanken der Auklärung schon immer sehr viel mehr anfreunden, als mit dem Gedanken an einen personifizierten Gott und das ganze Drumherum. Nichtsdestotrotz kann ich nachvollziehen, warum Menschen an einen Gott und dessen Propheten glauben wollen. Vor allem den Paradiesgedanken, mit dem es nach dem Tod weitergeht, stelle ich mir sehr tröstlich vor. Glauben kann auch Halt, Orientierung und Sicherheit geben in einer immer komplizierter und unübersichtlicher werdenden Welt, in der die schnellen Veränderungen Unsicherheiten und Ängste hervorrufen, weil man davon überzeugt ist, dass da jemand ist, der alles lenkt und dafür sorgt, dass alles gut wird. Deshalb soll jeder glauben dürfen, was er möchte und deshalb respektiere ich jeden Glauben, solange er nicht dazu führt, andere Menschen herabzuwürdigen, in ihren Rechten einzuschränken oder sie zu verletzen. Selbst das reformierte Christentum tut sich so viele Jahre nach der Reformation damit immer noch schwer, andere Religionen kauen noch wesentlich härter daran.







Dabei könnte es so einfach sein, wenn Achtsamkeit, Respekt, Toleranz und Wohlwollen der kleinste gemeinsame Nenner wären, auf den sich alle religiösen und nichtreligiösen Menschen einigen und auf dessen Basis sie sich treffen würden. Humanismus eben. Klingt so einfach und ist doch anscheinend so unglaublich schwer und momentan geradezu unmöglich. Ausgrenzung, Pauschalverurteilungen, Schuldzuweisungen, Intoleranz,  Verdächtigungen, Hetze - gerade jene, die sich für besonders gläubig halten, stellen sich als die intolerantesten Kämpfer für ihren angeblich einzigen und wahren Glauben dar, zum Äußersten bereit - obwohl doch letztlich alle nur an etwas glauben, das niemand beweisen kann und das ausschließlich auf jahrhundertealten Legenden und Mythen basiert.
Als Außenstehender schüttelt man da manchmal nur noch mit dem Kopf und fragt sich, warum man Mythologien mit Zähnen und Klauen verteidigen kann, die doch so viel Rechthaberei und Konfrontation verursachen und offensichtlich nur etwas wert sind, wenn man wütend darum streitet und immer noch ganze Regierungen darüber zu stürzen drohen. Was, verflixt nochmal, ist so schwer daran, sich gegenseitig zu respektieren?

Denn selbst innerhalb der Regierung gibt es kaum noch ein anderes Thema, selbst innerhalb einer einzigen Partei davon wird inzwischen doch allen Ernstes in Frage gestellt, ob einzelne Religionen zu Deutschland gehört oder nicht. Für mich ist diese Debatte überflüssig und lächerlich in Anbetracht der Tatsache, dass die Religionsfreiheit schon seit 1949 in unserer Verfassung verankert ist und besagt, dass die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich sind und dass jeder Bürger unseres Landes seine Religion im Rahmen unserer Gesetze ungestört ausüben kann (GG Art.4). Selbstverständlich gehören damit auch alle Religionen, an die jemand hier glauben möchte, mit zu Deutschland, solange sie die Rechte anderer respektieren - genauso, wie natürlich auch der Atheismus zu Deutschland gehört. Warum man darüber überhaupt diskutieren und sich die Köpfe einschlagen muss, erschließt sich mir nicht. Man könnte in der darauf verschwendeten Zeit so viele wirkliche Probleme lösen.

Man könnte sich auch darauf besinnen, dass Jesus, dessen Auferstehung drei Tage nach der Kreuzigung die Christen an Ostern feiern, nur einer in einer Reihe von vielen Propheten und Lichtbringern ist und dass es keineswegs gesichert ist, dass er als Person überhaupt jemals gelebt hat - ebenso wie alle anderen Propheten und Götter, an die Menschen glauben Es gibt Theorien, die besagen, dass die Bibel ein astronomischer Kalender sei, aufgeschrieben und überliefert in Parabelform, weil die Menschen ihn so leichter verstehen konnten.
So liegt Ostern auch jedes Jahr an anderen Tagen im Kalender, weil
es sich an der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche orientiert - also dem Datum, an dem die Sonne die Dunkelheit überwunden und besiegt hat und wieder aufersteht nach einem langen Winter. Das entspricht der Geschichte der Auferstehung Jesu, des "Lichts der Welt" ... und ist gleichzeitig eine mythologische Struktur, die auch bei vielen anderen Propheten und Göttern der Sonne und des Lichts vor ihm beschrieben wird. Spannend, wenn man sich mal ein bisschen in das Thema einliest. Es würde vielleicht helfen, sich selbst und seinen Glauben nicht so wichtig zu nehmen und als den alleine Seligmachenden zu betrachten.








Rosa Tulpen . Saxifraga . Wachteleier


Ob ihr nun am Sonntag und Montag mit dem christlichen Osterfest die Auferstehung Jesu feiert, mit dem jüdischen Pessach-Fest den Auszug aus Ägypten und damit die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, oder den Sieg der Sonne über die Dunkelheit des Winters:

Ich wünsche euch erholsame Feiertage!
 
Monatstische 2018

Januar ° Februar ° März


Meine Monatstische aus den vergangenen Jahren findet ihr alle  > hier.
Verlinkt mit: 12tel-Blick bei Tabea  
 
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Schale:  Pottery Barn
Krug:  Familienerbstück
Truhen, Cloche, Tischbeine: älter, Schwedenkaufhaus
Kissen:  DIY
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Kommentare:

  1. Auch ich wünsche Dir wunderschöne, friedvolle Feiertage. Danke für Deine schönen Bilder und den wunderbaren Text. Lg Maren

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    1. Danke liebe Maren - die hatte ich. Heute habe ich mit tollen Menschen zusammen so viel gelacht wie schon lange nicht mehr. Gut hat das getan.

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  2. Der bayrische Zampano hat mich am Freitag auch veranlasst, wieder einmal zu diesem Thema zu posten. Es ist wohl sehr schwierig, Menschen einfach zufrieden nebeneinander leben zu lassen. Ich sehe das auch angesichts so vieler drängender Fragen als Zeit- & Energieverschwendung an.
    Ich hoffe, du hattest ein paar schöne freie Tage.
    Herzlich
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      ich sollte mich eindeutig wieder häufiger und intensiver im Bloggerland herumtreiben, damit mir keine so guten Blogposts wie die deinen entgehen - danke dafür und absolute Zustimmung. Absolute inhaltliche Zustimmung auch zu dem von dir verlinkten Herrn Möller, wenn seine Worte auch sehr spitz formuliert sind und sich sicherlich einige Menschen in ihrer Religiösität dadurch verletzt fühlen werden.
      Jeder darf gerne glauben, was er möchte - aber Religion sollte absolute Privatsache der Menschen und strikt - auch finanziell - getrennt sein vom Staat. Zu der Logik, dass alle Menschen von gelebten humanistischen Werten profitieren, kommt man auch ohne Religion, allein durch das Nachdenken über jahrtausendelanges "Try & Error".
      Überhaupt könnte Nachdenken so viele Probleme lösen, wenn es denn mehr Menschen mal ernsthaft verschen würden - auch und gerade in der Politik.

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  3. Du sprichst mir mal wieder aus der Seele. Warum Humanismus so schwer ist? Ich verstehe es einfach nicht. Leben und leben lassen, eine gute Portion Toleranz, die sehe ich auch in Östereich immer weniger. Was hier von unserer neuen Regierung im tagesrythmus für Ideen aufkommen, pfff. Der Humanismus ist da recht weit weg. Das eigene Wohl steht momentan ganz oben auf. Nicht bei allen! ...aber für meinen Geschmack bei zu vielen.

    Fein ist er wieder, dein Tisch!

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    1. Liebe Eva,
      völlig verkehrt ist es ja auch nicht, an das eigene Wohl zu denken - auch das ist wichtig. Wenn man aber anfängt, Menschen nach bestimmten Kategorisierungen wie Herkunft, Religion, Sprache oder Aussehen in "gute" Menschen und "schlechte" Menschen einzuteilen und danach zu urteilen, welches Menschenleben mehr ist und welches weniger, dann sind wir von 1933 nicht mehr weit entfernt.

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  4. Der Link zu "Ist die Bibel ein astronomisches Kalender?" ist tatsächlich sehr spannend und auch überraschend. Was immer da vor Jahrhunderten Jahren passierte, es ist alles sehr nah beieinander. Jedenfalls näher als wir Menschen uns sind. Religion bzw. Glaube ist für so viele Menschen tröstlich, wie schade, dass die Menschheit es nicht schafft, diesen Glauben privat und persönlich zu halten. (Und dabei kein Geschlecht dem anderen überordnen!).
    Dein Tisch gefällt mir einmal mehr. Ach, und dein Titel: Ein schwieriges Adjektiv, muss hochdeutsch sein = Fremdsprache für mich ;-).
    Frühlingshafte Grüsse
    Sibylle

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    1. Eine Mischung aus Saxifraga (roter Steinbrech) und superkalifragilistischexpiallegetisch (Mary Poppins). ;-)

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    2. Jäh soo. Und so also: "Wer es laut genug aufsagt, scheint klug und fast prophetisch, supercalifragilisticexpialigetisch." (Wikipedia) - Das muss ich auswendig lernen... puh, gar nicht so einfach... aber prophetisch tönt einfach... nach sehr wichtiger Botschaft... nach "Ass im Ärmel"... so irgendwie... - ha, genug Nonsens. Ich wünsche dir also eine supercalifragilisticexpialigetische Woche (einfach ohne Sühne)

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  5. ich hoffe du hast schöne Feiertage gehabt ;)
    hübsch deine Blümchen..

    zu deinem Thema
    Staat und Kirche sind getrennt ..es gibt keine Staatsreligion
    nur einige Veträge zwischen den Kirchen und dem Staat
    (das hat noch mit der Säkularisation zu tun wenn ich mich richtig erinnere )

    der persönliche Glaube und das Erleben eines persönlichen Gottes hat mit der Volksfrömmigkeit die vielerorts praktiziert wird nur wenig zu tun ..das ist in meinen Augen irgendwie nur noch Brauchtum
    aber die Menschen hängen an ihren Bräuchen ..
    verbietet mal im schönen Bayern die Schützenvereine ;)

    in einer sich so rasend schnell verändernen Welt halten sich viele Menschen mit Zähnen und Klauen an ihrem Brauchtum fest.. sehen es von fremden Einflüssen bedroht..

    ein lebendiger Glaube braucht das nicht
    er ist im Herzen .. nicht in der Kirche .. (klar man geht auch hin um Gottes Wort zu hören und Gemeinschaft zu haben )..aber ich kann auch in die Natur gehen ..auch in eine Moschee um mich Gott nahe zu fühlen
    das Gebot Jesus lautete .. liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst ..
    wenn sich alle daran hielten bräuchten sie nicht auf das Paradies zu warten ;)
    ich bemühe mich in anderen Menschen meine Nächsten zu sehen
    klar dass das nicht immer gelingt
    aber Hass und Ausgrenzung ist mir zuwider

    hoffentlich habe ich dich jetzt hier nicht zugetextet ;)

    liebe Grüße
    Rosi

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