Mittwoch, 21. Februar 2018

Muttersprache.

Würde man euch fragen, was eure Muttersprache ist, dann könntet ihr diese Frage wahrscheinlich sofort beantworten. "Muttersprache", das ist für alle Menschen, deren Mütter, deren Eltern und Großeltern Deutsche sind oder waren, die deutsche Sprache. Gibt es dafür eigentlich einen adäquaten Begriff in anderen Sprachen? "Native language", also in etwa "die angeborene Sprache" nennt man es zwar in englischsprachigen Ländern, in spanisch sprechenden jedoch ebenfalls "idioma materno", oder
"madrelingua" auf Italienisch, "langue maternelle" auf Französisch.
Fast auf der ganzen Welt wird die Sprache, die man als erstes im Leben lernt, mit der man aufwächst, "Muttersprache" genannt. Aus gutem Grund natürlich, sind es doch in der Regel weltweit auch immer noch meistens die Mütter, die sich um Babys und Kleinkinder kümmern und die ihre Sprache an ihre Kinder weitergeben - unsere Muttersprache, in der wir denken, träumen und in der wir unsere Eindrücke, Stimmungen und Gefühle am besten in Worte fassen können.



Fragt man Menschen in anderen Ländern, was für sie "typisch deutsch" ist, dann wird oft angeführt, Deutsche seien überpünktlich, pflichtbewusst, diszipliniert, ordentlich, bodenständig, schwermütig und etwas humorlos. In Bezug auf die deutsche Sprache wird von Menschen aus anderen Ländern oft angeführt, sie klinge hart, brutal, rauh, kühl und sei sehr schwer zu lernen.
Klingt alles nicht wirklich so richtig sexy, nicht wahr?
Als Muttersprachler wird man das aber wohl nur selten so empfinden, ist die Sprache, die man von klein auf lernt, doch das Selbstverständlichste überhaupt und auch etwas, in dem man sich tagtäglich bewegt und in dem man sich wohlfühlt, weil man sich darin am besten ausdrücken, seine Gedanken und Gefühle damit am besten in Worte fassen kann.
Für mich ist das so. Ich empfinde die deutsche Sprache nicht als hart, sondern als ein Stück Geborgenheit, Zuhause und Heimat, weil es meien Muttersprache ist und weil ich mich in ihr ohne groß darüber nachdenken zu müssen, mitteilen kann - in allen Nuancen, Stimmungen und Anliegen.




Außerdem gibt es in unserer Sprache wunderschöne Wörter, für die es in vielen anderen Sprachen überhaupt keine Entsprechung gibt - vielleicht, weil die dahinterstehenden Gefühle oder Gedankengänge, die sie beschreiben, ja auch typisch deutsch sind? Vielleicht ist unsere Muttersprache nicht besonders hip oder melodiös, aber ich weiß, dass sie Worte hat, um das was ich sehe und in meiner melancholischen, deutschen Seele empfinde, auch richtig auszudrücken ... was ich in keiner anderen Sprache der Welt so angemessen beschreiben und gleichzeitig fühlen könnte. Meine Muttersprache ist für mich ein Strument, auf dem ich spielen kann - und dafür bin ich dankbar.






Von den 6.000 Muttersprachen, die weltweit gesprochen werden, sind nach Einschätzung der Unesco ungefähr die Hälfte vom Aussterben bedroht. Was für ein Verlust an Tradition, an schönen Worten und an Seelenausdrucksmöglichkeiten. Die Muttersprache ist ein Kulturgut von großem Wert und ich hoffe, wir alle können dazu beitragen, unsere Muttersprachen zu bewahren, indem wir sie sprechen und ausgiebig nutzen, um uns auszudrücken, uns zu verständigen und sie so am Leben zu erhalten.

21. Februar 2018 - Internationaler Tag der Muttersprache.

Muttersprache, Sprache, Spracherhalt, deutsche Sprache, schöne Wörter

Kommentare:

  1. Es ist tragisch, dass so viele Sprachen und Dialekte aussterben, denn in einer Sprache ist mehr, als ein Verständigungsmittel. Sie ist auch eine Art die Welt zu sehen, zu interpretieren, ja eine Philosophie.
    Meine beiden Enkelinnen wachsen ja zweisprachig auf - mit der Muttersprache Deutsch und der Vatersprache Englisch. Ich werde sie mal nach deinen Wortbeispielen fragen. Da sie in USA leben, sind sie ja nur von Vatersprachlern umgeben...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Oh ja, das wäre spannend. Eventuell gibt es ja auch in der englischen Sprache begriffe, die bestimmte G
      Gemütszustände beschreiben, die wir nicht haben?

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  2. Meine Tochter studiert gerade Englisch und Deutsch in St. Andrews. Deutsch hat sie bewußt gewählt nachdem sie erstmals Berthold Brecht gelesen hat und ihr aufging welchen literarischen Reichtum auf Seiten ihrer Muttersprache sie bisher völlig verpaßt hat. In ihrer Vatersprache schreibt sie seit vielen Jahren. LG ♥nic

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    1. Trotz vielen Jahren Schulenglisch stelle ich fest, dass es mir sehr schwerfällt, das was ich meine und fühle wirklich so auszudrücken, dass es genau dem entspricht, was ich sagen möchte. Dafür muss man wohl mit beiden Sprachen gleichermaßen aufgewachsen sein.

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  3. wie schön du alles über die muttersprache geschrieben hast... meine ist auch die deutsche sprache die ich nur zuhause gehört habe und dann ab 3 jahre war es die französische sprache die ich in der schule gelernt habe denn wir wohnten in frankreich. deutsch klingt für mich zart und gehe gerne auf deutsche blogs damit ich diese sprache weiter mit meinen gedanken verbinden kann. denn jede sprache hat ihre wege die die gefühle leitet... höre sehr gerne opermusik in deutsch, auch italienisch dagegen in französich höre ich lieber einfache lieder oder poésie... sehr schöne wörter hast du ausgesucht * wanderlust z.b. ;)

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    1. Zwei Muttersprachen zu haben stelle ich mir schön vor - dann kann man vermutlich in beiden Sprachen Gefühle und Gemütszustände adäquat ausdrücken und auch in beiden träumen.

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  4. Wunderschöne Bilder und Worte.

    Eine Muttersprache zu haben (Schweizerdeutsch) und eine Fremdsprache als Schriftsprache dazu (Deutsch) hat übrigens auch so seine Tücken. Hochdeutsch müssen die Kinder (wir 😊) regelrecht lernen, so dass die Lehrpersonen auf Kindergartenstufe angehalten sind, 50% der Zeit hochdeutsch zu sprechen und in der Schule ist es dann beinahe 100%. Ich mag die deutsche Sprache sehr, weil es die Sprache ist, in der ich mich am besten schriftlich ausdrücken kann und in der ich lese. Die Vorgehensweise in der Schule hat starken Einfluss auf die Mundart-Sprachgewohnheiten meines Sohnes. Gewisse Wörter und Satzstellungen tönen für mich aus Sicht Mundart sehr unnatürlich, sind sie doch Abwandlungen aus dem hoch- ins schweizerdeutsch. Jäh nu! Sprache lebt. Und für einmal sag' ich also hier zum Schluss: Härzlechi Grüess, Sibylle
    (hoffe mein Mundart-Gruss hat die Autokorrektur überstanden)

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    1. Hat er. :-)
      Ich hätte gerne zwei Sprachen von klein auf gelernt, dann könnte ich mich vielleicht auch in einer zweiten Sprache besser ausdrücken. Mein Sohn hatte spielerisches Englisch bereits ab der 2. Klasse und spricht heute, in der 8. Klasse, besser Englisch als ich damals in der 12..
      Schweizerdeutsch klingt in meinen Ohren wunderbar. Aber ich mag jede Art von Sprache und Dialekt, bei der ich zumindest noch ansatzweise etwas verstehen kann. O.K., fast jede. :-)

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  5. Einen tollen Post hast du da verfasst, sowohl vom Text als auch den Bildern und vor allem was die ausgewählten Begriffe anbelangt. Es gibt keine Sprache, in der man so wunderbar durch Zusammensetzen ganz neue Begriffe schaffen kann ( das betrifft ja nicht nur die Nomen: mindestens ebenso begeisternd finde ich die Adjektive ). Auch kann man auf Deutsch vieles kurz und unkompliziert ausdrücken. Ich mag meine Muttersprache sehr, habe aber auch die Sprache ( die echte ripuarische als Variante des Mittelfränkischen meine ich da ) meiner neuen Heimat schätzen gelernt, in der Gefühlszustände, Befindlichkeiten sehr anschaulich & wunderbar auszudrücken sind. Manchmal sammle ich die Begriffe des Kölsch in meinen Collagen weil sie mir so schön erscheinen.
    LG
    Astrid

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    1. Jetzt musste ich erst mal googlen, was "ripuarisch" ist. "Familienkölsch", ist das richtig? :-)
      Ich mag meine Sprache, ich mag auch die meisten Dialekte und ihre ganz eigenen Nomen und Adjektive sehr, die sich - zumindest in Mittelfranken - teilweise schon von Familie zu Familie unterscheiden.
      So brachte mir die Mutter meines ehemaligen Lehrmeisters immer Erbirrn aus ihrem Garten, während ihre Schwiegertochter von Bodaggn sprach ... und meine Mutter sich freute, dass ich Grummbiern mit nach Hause brachte (Baden) und davon so viele, dass sich auch die Nachbarin noch über Erdäpfi freuen konnte. Soviel Ehre für ein paar Kartoffeln. :-)

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  6. ein wunderschön bebilderter beitrag mit lieblingsworten. ich mag die deutsche sprache, habe mir aber immer gewünscht zweisprachig aufgewachsen zu sein (am liebsten mit dänisch..). es ist mir leider immer schwer gefallen sprachen zu lernen. sehr schade finde ich, dass die dialekte immer mehr verschwinden. ich habe lange zeit mein "kasselänersch" verleugnet, weil es sich gerade in studentenkreisen "nicht gehörte" dialekt zu reden. gut, dass ich einen schwager habe, der es heute noch ganz gut sprechen kann!
    liebe grüße
    mano

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  7. Liebe Katja,
    ich bin auch ganz begeistert von deinem Beitrag zu unserer gemeinsamen Muttersprache :-) Die wunderschönen Bilder mit den sehr schönen deutschen Wörtern habe ich sehr bewundert. Die deutsche Sprache ist doch toll! Ich ärgere mich auch immer wieder, dass unsere Sprache als unmodern gilt und Anglizismen deutsche Begriffe vertreiben. Sogar in der Grundschule verbreiten sich immer mehr englische Begriffe. In der Bloggerwelt gilt es ja auch als hip z.B. bei dem Wort "Handlettering" oder "Statementketten" bekomme ich regelmäßig Hitzewallung ;-)
    Danke für diesen schönen Beitrag!
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  8. Der Rest der Welt würde wohl meinen, dass wir eine Muttersprache haben - Deutsch.
    Du bist in der Nähe von Nürnberg daheim - stimmts? Ich in Ostösterreich. Es gibt wohl noch krassere Deutsch-Unterschiede als unsere beiden Muttersprachen. Aber eines ist klar. Deine Muttersprache, so gut ich dich auch verstehe, ist nicht meine. Geschrieben klingen wir ja recht ählich, aber gesprochen... da tun sich Welten zwischen unseren Muttersprachen auf.
    Schön ist das! Eins zu haben und doch jeder seins.

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  9. Ein schöner Beitrag!
    Wie sehr mir meine Sprache Heimat ist, habe ich erst gemerkt, als ich im Ausland lebte. Trotz einiger Übung wird es mir nie gelingen, mich in einer anderen Sprache so sicher und variantenreich auszudrücken.
    LG, Bele

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  10. Ich habe mal gelesen, französisch sei die Sprache mit der man heikle Dinge elegant ausdrücken könne, in deutsch könne man Gefühle am besten zum Ausdruck bringen und englisch sei die Sprache, die man sprechen können ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen... ;-)
    Annette

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