Sonntag, 3. Dezember 2017

1. Advent.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ... am ersten der vier Adventssonntage vor dem Weihnachtsfest. Diese vier Sonntage bis Weihnachten symbolisieren die viertausend Jahre, die es laut Geschichte vom Sündenfall bis zur Geburt von Jesus von Nazareth gedauert hat - einer steht für jeweils tausend Jahre. Im 7. Jahrhundert legte Papst Gregor diese Anzahl fest, das Konzil von Trient bestätigte die Regelung und dabei ist es bis heute geblieben. Natürlich hat die Adventszeit zuallererst eine christliche Bedeutung und was ganz früher eine Zeit der Buße und des Fastens war, wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte in der katholischen und protestantischen Kirche zu einer Zeit der Besinnung, der Hoffnung und der Vorfreude auf die Menschwerdung Gottes, auf den Erlöser. Auf fast jedem Tisch findet sich in der Adventszeit ein Kranz oder ein Gesteck mit vier kranzförmig angeordneten Kerzen - ein Kranz als Symbol des gewonnenen Kampfes christlicher Werte gegen das Dunkel des Lebens. 




Aber wie viel der christlichen Bedeutung steckt heute noch in der Adventszeit? Was ist davon noch übrig geblieben zwischen Dekoschlacht, Einkaufsstress, Konsumwahnsinn, Zuckerschock und Last-Christmas-Dauerberieselung? In der Politik und im Alltag merkt man davon wenig. Statt Besinnlichkeit und Hoffnung herrscht ein einziges Hauen und Stechen, der Untergang unseres Landes wird herbeigepöbelt und über eine angeblich schreckliche Realität fabuliert, in der man sich nicht mehr vor die Tür trauen könne, ohne zum Opfer zu werden. Überhaupt ist die Inszenierung als Opfer gerade hoch im Kurs, als gäbe es das Märtyrergewand im Ausverkauf billiger und am Jahresende würde der Preis winken für den heroischsten Retter des Abendlandes. Manchmal möchte man sich nur noch mit Grausen abwenden. Nein, nicht von unserem Land, unserer Gesellschaft oder womöglich der Demokratie, aber von jenen, die angeblich die Werte des christlichen Abendlandes retten wollen und doch gleichzeitig am allerwenigsten verstanden haben, um welche Werte es eigentlich geht und diese deshalb auch nicht mit Leben füllen können. 




Ich bin nicht religiös und gehe trotzdem manchmal in Kirchen. Die Atmosphäre ist dort still und friedlich und die Türen stehen offen für jeden, der Ruhe und Besinnung sucht. Auch die christlichen Feste Weihnachten und Ostern feiere ich seit meiner Kindheit als traditionelle Feste, deren Bedeutung ich schätze und respektiere, auch wenn ich keiner Kirche angehöre. So ist auch die Adventszeit, das Weihnachtsfest und die darauf folgende Zeit zwischen den Jahren für mich immer eine Zeit des Rückzugs, der Besinnung und auch der Hoffnung. Nicht darauf, dass eine einzelne Person als Erlöser kommen und alle Probleme lösen möge, sondern der Hoffnung darauf, dass ich selbst im Kleinen und weise Menschen im Großen Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit entwickeln, die wirklich der Tradition christlicher Werte folgen und die in diesem Sinn für die Menschen gemacht sind und nicht nur für den Profit. Der Tradition jener christlichen Werte, die auch ich als nicht religiöser Mensch mit unserer Gesellschaft verknüpfe und von denen ich mir wünsche, dass sie viel mehr gelebt, anstatt nur diskutiert und verteidigt werden. Ich wünsche mir, dass das Licht über das Dunkel siegt.



Habt einen schönen 1. Advent.
Mehr weihnachtliche Dekoideen findet ihr > dort.


Holzschale: vom Sperrmüll Moos : von hier
Pinienzapfen: Aus der Toscana mitgebracht
Kerzen: Depot
Tiere: Bastelladen
Kissen: DIY


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Kommentare:

  1. Toll geschrieben - Danke, Katja!
    Ja, so geht es mir auch, ja, das wünsche ich mir auch!
    Einen schönen 1. Advent euch!

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  2. Ein frommer Wunsch, liebe Katja! Euch einen gesegneten ersten Advent. Drücker, Nicole

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  3. Als bekennende Agnostikerin hätte ich es nicht schöner sagen können.-
    Die Formulierungen "Märtyrergewand im Ausverkauf" und Preis für den heroischsten Retter des Abendlandes" finde ich sehr zutreffend und mir gehen da eine Reihe von Mitmenschen, die aus unserem Land ein Jammertal machen, gehörig auf den Senkel. Undankbar zudem: Wer hat schon 72 Jahre in Frieden leben dürfen im guten alten Europa?
    Dein Adventskranz gefällt mir sehr.
    Hab's fein!
    Astrid

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  4. Handeln statt laut reden- genau das ist der Adventgedanke. Ich schließe mich deinen Hoffnungswünschen an- und wenn mehr Menschen mitmachen kann es gelingen : Zufriedenheit und Dank
    Adventsonntaggrüße zu dir von
    heiDE

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  5. Wunderbar und treffend formuliert. Mit diesen Gedanken bist Du nicht allein.
    Bei uns ist es kein Kranz, sondern ein Rentierschlitten, der mit Kerzen bestückt wird. Ich muss ihn gleich noch anschirren.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Liebe Katja, ich schliesse mich meinen Vor-SchreiberInnen an. Es ist sehr wohltuend Gleichgesinnte Menschen zu kennen, und dazu noch so Ausdrucks- Stark!
    LG pipistrello

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  7. Harmonie in Bild. Natur in Bild. Tradition in Bild. Ich freue mich immer wieder von neuem über deine Bildwelt. Und Wortwelt. Lichtvolle Grüsse, Sibylle

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  8. Liebe Katja,
    wie so oft hast Du es auf den Punkt gebracht. Danke!
    Die Schale mit dem verschiedenen Moos, den Tieren und den Kerzen sieht so toll aus. Gerade gestern habe ich meine große Holzschale in der Hand gehabt und überlegt was ich reinmache - die ganze Zeit lagen noch getrocknete Blätter drin, dank Dir habe ich nun eine Idee.
    winterliche Grüße
    Margot

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  9. Total schlicht und schön und Deine Gedanken regen zum Nachdenken an. Liebe Grüße Birgit

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  10. Hallo Katja,
    was für ein schöner Post mit so tollen Bildern. Deine Deko ist schlicht und edel, das gefällt mir.
    Liebe Grüße
    Silke

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