Dienstag, 20. Dezember 2016

Von Märchen, Glühwein und Orks.

Am Sonntag stürmten die Heere der fiesen, zähnefletschenden Orks auf den einsamen Berg zu, wo die arroganten Herrscher der Menschen, Zwerge und Elben gerade dabei waren, ihre Soldaten ohne Rücksicht auf Verluste aus verletztem Stolz, Narzissmus, Macht- und Geldgier gegeneinander zu hetzen und in Tod und Verderben zu stürzen. Während die Anführer, machtgeil und geblendet vom Gold, stur auf Krieg beharrten, beschämten die Gutmenschen in den jeweiligen Lagern ihre kaltherzigen Kriegsherren durch selbstlose Menschlichkeit, gegenseitige Unterstützung, mutige Zivilcourage und heldenhafte Liebe. Die vermeintlichen Gegner besannen sich schließlich, verbündeten und unterstützten sich und stampften mit empathischem Teamgeist und etwas Magie alle gemeinsam die seelenlosen Orks in Grund und Boden. Ein weiser alter Mann, ein herzensguter Hobbit, mutige Menschen, viele Zwerge, mehr Elben, von allen die besten mit Herzensbildung, noch mehr Orks und so viele Déjà vus.

Am Samstag hatte ein netter Professor für Literatur auf Facebook den gut gemeinten Rat gegeben, den Kindern doch wieder mal richtige Märchen vorzulesen... und wurde dafür vom Mob verhöhnt und niedergemacht. Von einem Mob, der Märchen für völlig veraltet, lächerlich und überflüssig hält. Ich stand mit meiner Zustimmung auf fast verlorenem Posten.

Orks haben keine Eltern, die sie geliebt, ihnen von der Welt erzählt und ihnen Märchen vorgelesen habe. Sie werden aus Schlamm geboren und von anderen Orks durch Kaltherzigkeit und Hass konditioniert. Wer selbst nie Verfolgung, Not, Angst und Krieg erlebt und auch keine Eltern hat, die noch von dem Grauen aus erster Hand erzählen könnten... wer unter empathielosen Menschen aufwächst und seine Bildung fast ausschließlich aus seiner persönlichen Filterblase bezieht... wer ohne humanistische Vorbilder und ohne die moralischen Instanz von Märchen aufgewachsen ist... der wird womöglich zwangsläufig ein Ork.

Ich glaube, sehr vielen Kindern werden heute keine traditionellen Märchen mehr vorgelesen und die erwachsenen Kinder verstehen deshalb auch die Parabeln und den Sinn hinter den Märchen nicht mehr. Das herzliche, bescheidene Gute gegen das kaltherzige, gierige Böse... doch am Ende siegt immer das Gute und wird reich belohnt, während das Böse seine gerechte Strafe erhält. Sei einfach kein Arschloch... das ist die so einfache wie nachvollziehbare Moral hinter allen traditionellen Märchen, völlig unabhängig davon, welchem Kulturkreis sie entstammen. Herzensbildung.
Für die heutigen Erwachsenen hätten wir vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren viel mehr traditionelle Märchen gebraucht und dazu herzenswarme Eltern, die sie vorlesen. In einer Welt, in der die Gier, der Narzissmus und das Böse immer öfter gewinnt, brauchen wir Märchen dringender denn je, davon bin ich fest überzeugt. Wir brauchen keine frühkindliche Förderung mit Mandarin und Kniggeschule, sondern deutlich mehr Herzensbildung. Deshalb schließe ich mich dem Wunsch an, dass wieder mehr Eltern ihren Kindern Märchen vorlesen. Ich glaube, Kinder brauchen viel mehr Märchen.

Und der Glühwein? Der Glühwein sollte an dieser Stelle als Hommage an das Gefühl der Weihnachtszeit und an traditionelle Weihnachtsmärkte stehen. Ein Stück real erlebbare Märchenwelt als Insel in der momentan oft eiskalten Realität. Gemeinsam über den Weihnachtsmarkt bummeln, hier und dort naschen und, den Weihnachtsbaum schmücken und eingemummelt auf der Couch zusammen mit den drei Nüssen für Aschenbrödel den restlichen Abend verbringen, ist für mich die Umschreibung meines Weihnachtsgefühls schlechthin.
Und dann der gestrige Abend. Unschuldige Menschen, ermordet und verletzt auf einem Weihnachtsmarkt, von einem hasserfüllten, verblendeten Ork. Und dann sofort tausende weitere, die hasserfüllt und empathiebefreit direkt danach die Opfer und ihre trauernden Angehörigen dieses feigen Mordanschlags für ihre politische Propaganda instrumentalisieren und dabei nicht mal merken, dass sie damit keinen Deut besser sind als der Mörder selbst. Orks.


Als ich gestern am späten Abend einem Freund von meinem eigentlich geplanten Post für heute erzählte, sagte er, dass ich diesen Post gerade deswegen erst Recht schreiben sollte. Weil diese mit Worten und Taten hetzenden und mordenden Orks sonst gewonnen hätten. Und er hat Recht.
Wo das Ziel ist, uns durch Terror, Mord, Angst, Panikmache, Schuldzuweisungen und tumbe Hetzerei unsere Freiheit zu nehmen und die Gesellschaft zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen, um sie zu zerstören, da ist die einfachste Form von Protest, genau das nicht zuzulassen.
Meine Empathie gilt den Opfern und den Angehörigen feiger Mordanschläge, die nichts anderes wollten, als sich friedlich gemeinsam in der Öffentlichkeit zu bewegen - so wie die meisten Terroropfer weltweit. Mein Mitgefühl gilt auch den Augenzeugen und Rettungskräften.
Meine Angst, meinen Hass und vor allem meine Freiheit, die kriegen die Orks dagegen nicht - völlig egal, woher sie kommen, welche Nationalität sie besitzen, an welchen Gott sie angeblich glauben und welcher Partei sie angehören. Fuck you.

Deshalb bleibe ich (trotzig) bei meiner zumindest kleinen Hommage an das Weihnachtsgefühl. An sinnlich duftende, wärmende Gewürze und das Gefühl von Menschlichkeit, Daheimsein und Geborgenheit. Kein Orkgefühl.


Glühwein-Gelée

Zutaten (für 3 Gläser à 400g):

1 Flasche halbtrockener Rotwein (hier: Dornfelder),
1 Flasche Heidelbeerwein (oder anderer Beerenwein oder auch nur Rotwein - dann wird es vielleicht etwas herber)
400g Gelierzucker 3:1
15 Nelken, 6 Zimtstangen, 6 Sternanis, 6 Kardamom-Kapseln, 6 Piementkörner, 1 Vanilleschote, 1 Stück Ingwer
Mit dem Sparschäler abgeschälte Schale von je einer Bio-Orange und Zitrone (oder fertiges Glühweingewürz
3 Schraubdeckelgläser à ca. 400ml

Zubereitung:

Beide Weine zusammengießen und gemeinsam mit den Gewürzen ca. 15 Minuten kochen lassen. Dabei verdampft ein Teil Flüssigkeit und der Alkohol. Dann durch ein Teesieb abgießen.
Gelierzucker zum Wein dazugeben, umrühren und nochmal 4 Minuten sprudelnd kochen lassen. In der Zwischenzeit die Gläser heiß spülen.
Das heiße Gelée in die vorbereiteten Gläser füllen, Deckel drauf, fertig.

Ein märchenhaftes Mitbringsel zum Weihnachtsessen, perfekte Füllung für Plätzchen und so weihnachtlich lecker auf dem Frühstücksbrot.

Und heute Abend... gehe ich auf unseren Weihnachtsmarkt. Jetzt erst recht.

Verlinkt mit:
Creadienstag


#berlin #breitscheidplatz #weihnachtsmarkt #glühwein #glühweingelée #meineangstkriegtihrnicht #orks #hasssucks

Kommentare:

  1. Ich besuche einen größeren Weihnachtsmarkt am Donnerstag. Jetzt erst recht!

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  2. das mit den märchen finde ich spannend. vorlesen finde auch ich superwichtig aus vielerlei gründen. doch märchen gilt es mit bedacht auszuwählen. viele waren und sind nicht für kinder gedacht, werden für schlaflose und nasse nächte sorgen. andere haben (meiner meinung nach) ganz schräge rollenvorbilder im hinblick auf geschlecht. es gibt eine hand voll guter märchen, nicht zu gruselig, mit anständigen rollenvorbildern.
    lass dir den glühwein heute abend schmecken. und ich finde den beitrag für heute auch sehr passend.
    liebe grüße,
    jule*

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  3. Wenn man Märchen wörtlich nimmt mag das so sein, aber das sind sie ja nicht - die Prinzessin steht für eine Seeleneigenschaft, nicht für das Frauenbild, und deren Erlösung für die wiedergefundene Balance aller Seeleneigenschaften in einem Menschen. Auch das ist vielen Menschen schon verlorengegangen - wie biblische Geschichten sind Märchen keine "Tatsachenberichte" und wem die Märchen zu gruselig sind, der sollte auf gar keinen Fall die Bibel lesen...(das nur so nebenbei). Dabei kommt es auch sehr darauf an wie sie vorgelesen werden und mit welchem Hintergrundwissen - Kinder verarbeiten erstaunlich viel wenn es ihnen richtig vermittelt wird und sie denken in Bildern wenn sie klein sind und haben damit vermutlich einen direkteren Zugang zu den Wahrheiten in Märchenform als wir: Herzensbildung, wie Katja sagt. So sehe zumindest ich das aus langer Erfahrung mit dem Märchenerzählen. ♥nic
    (Der Professor hat lediglich aufgegriffen was in den USA vor Jahrzehnten schon so erkannt wurde: Kinder brauchen Märchen! The Uses of Enchantment - Bruno Bettelheim)

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    1. Es gibt kaum ein Kind, dass mit der brennenden Hexe im Ofen oder der bösen Stiefmutter, die sich in glühenden Schuhen zu Tode tanzen muss ein Gruselproblem hat. Kinder sind abstraktionsfähig und können - zumindest erscheint mir das so - sehr gut zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Besser als Erwachsene womöglich. Sie verstehen durchaus das vereinfachte Bild von Gut und Böse, in denen das Gute siegt und das Böse bestraft wird - mal ganz unabhängig von der ausgefeilten Märcheninterpretation für Erwachsene. Karma eben.

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  4. Liebe Katja, so sehr ich Deinen Zorn verstehe - und ich verstehe ihn wirklich sehr, sehr gut, fürchte ich: Es ist eine ganz haklige Sache, einem anderen Menschen die Menschlichkeit abzusprechen. Es ist überheblich, es ist verächtlich, und es schlägt eine Kluft, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr überbrückbar ist.
    Die Orks - sie stehen für das, was jemand tut, etwas Unbegreifliches. Sie stehen nicht für das, was jemand ist - ein Mensch ist kein Ork. Er bleibt, was auch immer er tut, immer ein Mensch. Gerade das ist ja das, was so erschreckend ist, so schwer auszuhalten. Dass gestern ein Mensch einen Lastwagen mitten zwischen andere Menschen gesteuert und viele getötet, verletzt, schwer traumatisiert hat. Dass es Menschen sind, die Shitstorms über andere Menschen ergießen, die ihnen nichts getan haben, sondern nur eine andere Meinung haben, mit der sie nicht einmal irgendwem schaden wollen. Leid und Elend: Immer fängt es mit der Entmenschlichung des Gegenübers an. Mit seiner Nichtwahrnehmung als Mensch oder dem aktiven Absprechen seiner Menschlichkeit. Und so schwer es ist, jemandem gegenüberzutreten, der das mit anderen macht: Es ihm in berechtigtem Zorn darin gleichzutun hat meines Erachtens in der gesamten Geschichte der Menschheit noch kein Gramm Gutes bewirkt.

    Du bist so verletzt, so fassungslos, so wütend. Ich würde Dich wahnsinnig gern irgendwie trösten, aber ich weiß, dass es manchmal keinen wirklichen Trost gibt. Und dass man manchmal auch keinen Scheißtrost will, aus verschiedenen Gründen.

    Ich glaube übrigens nicht, dass Kinder unbedingt klassische Märchen brauchen. Ich glaube, Kinder brauchen (gute) Geschichten. Und vor allem brauchen sie jemanden, der sie ihnen erzählt. Der mit ihnen gemeinsam Ambivalenz aushält, ihnen zuhört. Jemanden, dem sie wichtig sind und mit dem gemeinsam sie das Menschsein erkunden, manchmal im Großen, oft im ganz Kleinen. Die meisten, die ihren Kindern Märchen vorlesen, sind genau solche Menschen. Aber ich glaube, dass es da mehr auf den Menschen und gemeinsam erlebte (gute) Geschichten ankommt als explizit auf Märchen.

    Ich bin momentan aus irgendeinem Grund nicht so wütend, wie ich mein halbes Leben lang schon war, wenn nicht mein ganzes. Ich bin erschrocken und bestürzt. Über die Entwicklung, die derzeit vieles nimmt. Über die Hässlichkeit, die in uns Menschen wohnt, obwohl ich im Grunde genommen nie wirklich etwas anderes angenommen habe. Darüber, wie dünn die Schicht der Zivilisation ist, auch wenn ich immer behauptet habe, genau das zu glauben. Aber etwas zu glauben oder zu wissen und es zu erleben, das ist ein Unterschied. Was ich eigentlich auch weiß. Aber wissen und erleben ...

    Es ist in Ordnung, Dir mal ein paar Tage Facebook-Pause zu erlauben, das weißte, oder? Brenn der Welt nicht aus, Du würdest schrecklich fehlen.

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    1. Da stimme ich dir nicht ganz zu. Der Ork ist für mich, wie die ganze Hobbit- und Herr der Ringe-Geschichte, eine Figur innerhalb einer Parabel, die für bestimmte Eigenschaften, in dem Fall die grausame, ausführende Hand des Bösen steht. Für die totale Entmenschlichung. Insofern hat es für mich seine Berechtigung, diese Figur auch sinnbildlich auf den Menschen zu übertragen. Wenn das überheblich und verächtlich ist und eine Kluft schlägt, dann deshalb, weil da bereits eine definitive, durch keinerlei Argumentation mehr überbrückbare Kluft für mich besteht - zwischen einem Menschen und dem was Menschlichkeit ausmacht und einem Terroristen und auch denen, die die Opfer ausschlachten und jenen, die schreiend applaudieren. Eben diese Unüberbrückbarkeit der Kluft durch Argumente und die Unmöglichkeit, das Menschliche in manchen anderen Menschen doch noch zu finden oder noch erreichen zu können, ist das traurige Fazit, das ich nach dem letzten Jahr ziehe. Das Bestialische hat für mich nichts mehr Menschliches an sich, weshalb ich die Übertragung auf die Figur des Ork sehr passend finde.
      Das ist natürlich nur meine subjektive Meinung, die niemand teilen muss.
      Und nein, persönlich verletzt bin ich nicht, nur entsetzt über eben jede Erfahrung, Tag für Tag aufs Neue.
      Gruß, Katja

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    2. @kleineviecher
      ich danke Dir! Für mich hast Du das total richtig und gut auf den Punkt gebracht und ich würde noch gerne etwas hinzufügen wollen : solange ich mich selbst immer als ein Opfer sehe und meine eigene Unzulänglichkeit nicht anerkennen kann, ja und auch, dass ich mich selbst längst zum Täter gemacht habe obwohl ich das nie und nie nicht sein wollte, wird es immer genau jene Menschen geben müssen, welche mir das spiegeln.Ich verbinde Menschlichkeit nicht nur mit guten Eigenschaften, aber ich verurteile auch jene nicht, die grauenhafte Dinge verursachen.Ich bin genauso erschüttert und entsetzt über all diese schrecklichen Ereignisse.Für mich stellt sich die Frage, welcher Energie gebe ich den Raum und was will ich stärken und wann und wie fange ich an, selbst Verantwortung zu übernehmen? Und auch zu bejahen, dass ich selbst nicht nur ein Gutmensch bin.

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    3. Für mich schließen sich das Erkennen und Anerkennen eigener Unzulänglichkeiten und die Kritik an Mördern und Hasspredigern nicht aus. Für mich eine Frage der Wertung, denn letzteres ist für mich keine "Unzulänglichkeit", sondern eine Abkehr von der Menschlichkeit. Das ist sicherlich eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise - nämlich, ob Menschlichkeit Grenzen hat. Für mich hat sie das und ist bei Überschreiten dieser Grenze auch verurteilbar von Menschen, die nicht makellos sind.
      "Menschsein definiert sich nicht im Tod, sondern im Leben. Wer so sehr hasst, dass er Mord und Tod dem Leben vorzieht, der hat die Sphäre der Humanität verlassen." schreibt Kurt Kister in sienem heutigen Kommentar in der SZ. Dem stimme ich voll und ganz zu. Nicht alles ist menschlich vertret- und entschuldbar. Für mich.

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    4. Es geht mir auch nicht ums Entschuldigen, sondern darum, dass ein Mensch immer ein Mensch bleibt, auch in der allergrößten Hässlichkeit. Es steht uns nicht zu, Menschlichkeit so zu definieren, wie sie uns gefällt, sondern Menschlichkeit definiert sich selbst - durch die gesamte Spannbreite dessen, wozu Menschen fähig sind, im Guten wie im Schlechten. Das gefällt natürlich nicht immer. Puh. Sogar selten, oder? Wenn man es wirklich runterbricht auf das, was jemand tut und damit anrichtet, dann sehen wir alle nicht so gut aus. Ich beispielsweise bin Vegetarierin, aber keine Veganerin, und mein ökologischer Fußabdruck liegt bei 2,7. Das heißt: Damit alle Menschen so leben könnten, wie ich es tu, bräuchten wir 2,7 Planeten, allein um die Ressourcen bereitzustellen. Und ich liege weit unter dem Landesdurchschnitt. Da stellt sich ja doch die Frage: Wie ist es um meine Menschlichkeit bestellt? Ich sehe das Leid nicht, das anderswo um meinetwillen angerichtet wird, aber es ist da. Ich betreibe Raubbau an der Welt auf Kosten anderer Lebewesen.
      Ich glaube aber, Du sprichst anderen Menschen gar nicht das Menschsein ab, sondern sagst, dass sie sich nicht menschenwürdig verhalten, oder? Da liegt für mich nämlich der Knackpunkt. Man darf niemandem das Menschsein absprechen, niemandem die Menschenwürde. Sein Verhalten kritisieren verurteilen darf man aber schon. Muss man sogar, was sonst? Schwierig wird es erst, wenn jemand sagt: "Du benimmst dich nicht wie ein Mensch, also muss ich dich auch nicht wie einen behandeln." Und das kann ich mir bei Dir trotz aller Ratlosigkeit, wie man damit umgehen soll, wenn jemand auf jeden Anstand scheißt, nicht vorstellen.

      Liebe Grüße
      Maike

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    5. Ha! Gerade noch mal den ökologischen Fußabdruck neu berechnet (mache ich eigentlich immer erst im neuen Jahr), und erstens war es nicht 2,7, sondern 2,3, und zweitens bin ich auf 1,8 Planeten runter. Immer noch over the top, aber hey, weniger als vorher. (Wie akkurat es auch immer sein mag, aber immerhin.)
      Andererseits - 1,9 Planeten. Ist ja nu nicht so, dass wir die hätten.

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    6. Natürlich ist ein Mensch, der Grauenvolles tut, immer noch ein Mensch. Aber es geht ihm die Menschlichkeit ab und deshalb stimmt für mich die Ork-Parabel. Für mich hat Menschlichkeit neben der Summe allen Verhaltens, zu denen ein Mensch fähig ist, auch eine normative Bedeutung und kann neben der persönlichen Interprtation auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Menschenrechte heruntergebrochen werden. Die sollten eigentlich selbstverständlich sein... was sie aber eben leider nicht sind.
      Dürfte nur noch der das Verhalten anderer Menschen kritisieren, der selbst in allen Lebensbereichen komplett ohne Tadel ist (z.B. ich darf einen Mörder nicht kritisieren, weil ich Auto fahre und Milchprodukte esse), dann würden niemand mehr für sein Verhalten kritisiert oder müsste sich deshalb zur Rechenschaft ziehen lassen und ich fürchte, dann würde es auf der Erde noch sehr viel schlimmer aussehen.

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  5. Liebe Raumfee, ich bin manchmal sprachlos, wie wunderbar Du jedesmal richtige Worte findest (fast schon Gänsehautgefühl), danke für Deinen Blog!! Anna

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  6. Nachdem ich geschrieben und geschrieben habe, Katja, drücke ich gerade die Löschtaste.. ich kann mir all' meine Worte eigentlich sparen. Denn es gibt ein Verb das meine momentane Gefühlswelt umschreibt: ver.za.gen
    Drück' Dich dolle, Nicole

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  7. Dein Text ist toll, und der Vergleich mit den Orks nachvollziehbar.
    Frau "Kleinviecher" hat auch recht.
    Das Absprechen von Menschlichkeit kann nur deutlich als Bild funktionieren, um nicht schnell in Hass umzuschlagen.

    Du lass Dich nicht verhärten in dieser harten Zeit....

    Bleiben wir weich. Trotz allem.

    Lieben Lisagruß!

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  8. Bin zwar geflüchtet in ein Winterwunderland, um die Seele etwas zu schonen, möchte dir aber von dort sagen, dass ich dir zustimme.
    Herzlichst
    Astrid

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  9. Vielen Dank für den tollen Post. Bei den Märchen stimme ich Dir zu und der Vergleich mit den Oaks finde ich sehr passend. Habe heute mit meinem Sohn ein Weihnachtsmärchen gelesen und werden morgen unsere Grimm-"Bibel" rausholen und mal wieder ein klassisches Märchen lesen!
    Dir und Deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest!!

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  10. ich habe als Kind ein dickes Märchenbuch von den Brüdern Grimm gehabt..
    und ich abe die Märchen geliebt.. (damals gab es noch kein Fernsehen und keine Phantasygeschichten)
    alle spielte sich im Kopf ab .. mit eigenen Bildern und gab Anregungen zu eigenen Geschichten..
    auch heute finde ich es sehr wichtig ..auch als Gegenpol zu den lauten Geschichten die das Fernsehen zegt ..ich frage mich immer warum in den Sendungen immer zu geschrien und gekreischt werden muss..
    die Kinder bekommen ja gar nicht mehr die Möglichkeit sich selber etwas auszudenken ..sie bekommen alles fertig vorgesetzt.. und harmlos sind die heutigen "Märchen" ganz gewiss auch nicht..
    dann lieber einen verzauberten Prinzen.. als Froschkönig..

    ich muss aber auch kleineviecher Recht geben..
    auch wenn sich alles in uns sträubt mit solchen Individuen eine Spezies zu teilen..
    auch die "Bösen " sind Menschen und müssen als solche wahrgenommen werden..
    den es ist gerade die Absprache der Menschlichkeit die solche Auswüchse ermöglicht..
    die jesidischen Frauen haben erzählt dass ihre Peiniger sie nicht als Menschen anerkannt haben und sich deshalb im Recht sahen sie zu missbrauchen..
    auch Hiltlers Schlächter waren Menschen die die Menschen die sie umbrachten nicht als solche ansahen ..
    es graust mich noch heute wenn ich daran denke wie sie nach all den Morden und Gräueltaten zu ihren Frauen und Kindern zurück gingen und liebevolle Männer und Väter waren ..
    man kann sich diese Schizophrenie kaum vorstellen ..
    aber spricht man anderen ab ein Mensch zu sein kann man alles mit ihm machen.. :(
    es trägt wohl jeder auch eine dunkle Seite in sich..
    es kommt darauf an ob man ihr Raum gibt..
    ich hoffe dass wir jetzt doch noch ein einigermaßen friedliches Weihnachten erleben dürfen..

    liebe Grüße
    Rosi

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  11. Liebe Raumfee,
    ich sehe alles genau wie Du..... habe gestern ja selbst einen Post zu diesem Thema geschrieben... nur leider Gottes konnte ich diesen wohl niemals nie so auf den Punkt bringen wie Du. Chapeau!

    Ich schick Dir liebe Grüße - und wünsche Dir trotzdem bzw. vielmehr jetzt erst recht (denn unterkriegen lassen is nicht) ein fröhliches und vor allem friedliches Weihnachtsfest.


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    1. Liebe Pamy, ich finde durchaus, dass du das ganz hervorragend auf den Punkt gebracht hast in deinem Post. Wobei das vielleicht der falsche Ausdruck ist, denn diese ganze Thematik ist so schwierig und so weit weg von einfachen Lösungen, dass es nicht auf einen Punkt zu konzentrieren ist.
      Mit der Weihnachtsstimmung tue ich mich dieses Jahr auch schwer. Das sinnlose Morden in der ganzen Welt, die Verrohung des Umgangs und der Sprache, das Instrumentalisieren von menschlichem Leid aus niederen Beweggründen - das alles lässt mich oft verzagen. Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig, mutig nach vorne zu gehen, nur... Lösungen habe ich auch nicht parat. Ruhig bleiben, Argumentieren, Überzeugen, das alles habe ich jetzt mehr als ein Jahr lang versucht. Es war völlig umsonst. Wo wenig Hirn auf noch viel weniger Herz und geschürte Angst trifft, da ist jedes Argument für die Füsse. Das ist sehr frustrierend. Resignieren will ich aber trotzdem nicht, das ist nicht meine Art. Mich dagegenstellen, aber zukünftig ohne den Versuch, noch mit den Hetzern zu diskutieren und zu argumentieren, sondern einfach, indem ich persönlich im Leben 1.0 etwas anderes lebe.
      Du fragst: "Darf man das eigentlich überhaupt noch? Das Fest der Liebe feiern?" Ich sage deshalb: ja, mehr denn je. Sich nicht den Hass aufzwingen lassen, nicht die Projektionen, nicht die Angst und sich die Freiheit und die Menschlichkeit niemals nie beschränken lassen. Nicht von Terroristen und Mördern, nicht von Hetzern aus beiderlei Lagern, nicht von der Angst.

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    2. Auch hier gebe ich Dir vollkommen Recht. Man kann einen Hirnverbrannten nicht vom Gegenteil überzeugen. Das zermürbt nur selbst und frustriert vor allem ungemein. Dennoch werde ich nicht aufhören zu argumentieren und diskutieren. Das bin ich den Menschen, dem Frieden, den Opfern, dem Unrecht in der Welt, gegenüber mir selbst oder wem sonst noch alles einfach schuldig.

      Und mehr kann man ja irgendwie bei all der Hilflosigkeit irgendwie eh nicht tun. Außer weiter dagegen stehen und uns nicht unterkriegen lassen. Und deshalb - oder eben genau deswegen - darf und muss man auch das Fest der Liebe feiern und das sollte man auch tun. Meine Fragestellung „Kann man dieses Jahr überhaupt Weihnachten feiern?“ war deshalb vielmehr auf den Hintergrund bezogen, dass es in diesen Tagen einfach nicht so leicht ist, mit strahlenden Augen, Lichterglanz und heiter "Oh du fröhliche"-trällernd unterm herrlich geschmückten Weihnachtsbaum zu sitzen und das Fest der Liebe zu feiern.

      Dennoch werden wir es tun und dabei aber allen Opfern ganz besonders gedenken.

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    3. Vielleicht muss man das Fest aber eben auch nicht immer heiter und trällernd feiern, um seine Bedeutung zu spüren.

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  12. Danke! Danke für deine Worte....die wärmen....und den glühweingelee werde ich jetzt gleich kochen....genau das richtige für meine Freundinnen, ein feines Geschenk!
    Wir? Lesen Märchen, Grimms! Und ich aus aller Welt.

    Dir und deinen lieben ein friedvolles Weihnachtsfest

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  13. liebe katja,

    hier gehts ja interessant her! ... .... ... ob es nun in diesem jahr besonders schlimm auf dieser erde ist, weiß ich nicht. wir sind auf jeden fall besonders gut informiert. und ob unsere herzen und seelen dafür gemacht wurden, all das leid, welches auf dem erdballen geschieht, zu tragen und – mit all der tiefe und den details und der aufgeklärtheit – zu verdauen, das weiß ich auch nicht.

    du hast mal darüber gepostet, warum uns dinge, die im eigenen radius passieren, besonders betreffen und berühren. daran halte ich mich manchmal. sich erden, aus dem fenster lehnen und schauen, was kann ich im eigenen umfeld tun. was kann ich bewirken, wem kann ich helfen.

    zu den märchen. ja lesen, lesen, lesen. da bin ich dafür. pauschal irgendwas gut finden, wie die bibel oder märchen, das ist doch logisch ... nein!!! nicht jeder kommt mit allem klar. ich als kind habe märchen geliebt. ich war schon alt, da habe ich sie immer noch und ständig und immer wieder gelesen. aber in unserem hause lebt ein kleiner junge, dem gruselt es. und zwar so, dass er schlecht träumt. trotz erklärungen und dergleichen. ihm wird trotzdem vorgelesen, aber wir passen die geschichten seiner seele und dem was sie gut verträgt an. märchen haben mehr mit unserer geschichte zu run, als orks. trotzdem habe ich dann mit 15 alles von tolkien verschlungen.

    orks. der unterschied zwischen menschen und orks ist, dass ein ork keine chance hatte. er wird für eine bestimmte rolle »produziert«. den meisten menschen ergeht es hoffentlich anders. wir mühen uns doch drum. selbstfindung, persönlichkeit, vielfalt, meinung und so. und ... jetzt kommts, deine beschreibung passt dann wieder doch, wenn man beachtet, dass es menschen gibt, die verkorkst aufwachsen. die wie orks mit lügen, propaganda, religion und hass groß gezogen werden. ja vielleicht sogar schon genau für die rolle als kämpfer, terrorist, hassprediger geboren werden. die verblendet, mit gehirnwäsche und programm aufwachsen.
    das klingt nun seltsam, doch ich bin unter fanatischen christen aufgewachsen. solche, die ihr leben für den herrn geben würden und jedes wort in der bibel glauben. damals hatte das noch nicht so viel bedeutung wie heute. aber ich weiß, was fanatisch bedeutet. und wie man lebt, wenn man menschen in gotteskinder und heiden einteilt. und wie schwer es ist, da raus zu kommen. nein, ich möchte mich und meine situtation damals nicht mit dieser direkt vergleichen. nur ein kleines bisschen. sind ja alles nur gedanken, die in alle richtunge springen.

    ein bisschen lang geworden. sorry. dein baum ist schön. ich habe heute spontan einen weihnachtsbaum gekauft ;o) sonst mache ich immer einen selbst. ich dachte an meine kinderchen und ihre großen augen, wenn da ein echter baum in unserer bude steht und leuchtet ... und kinderglühwein gibts auch. aber schon fix und fertigund ohne gelee.

    liebe grüße . tabea

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  14. Toller Post mit tollen Kommentaren
    - genau diese Posts machen Deinen Blog für mich so lesenswert.

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!