Sonntag, 4. Dezember 2016

Neun Köpfe und neun Uhren.

Die Namen von Bergen lassen sich oft aufgrund ihres Standorts oder Aussehens ganz gut erklären. Weißhorn und Zuckerhütl bekamen ihren Namen sicherlich aufgrund der meistens schneebedeckten Gipfel, der Dachstein sieht wirklich aus die ein buckliges Scheunendach, am Regenstein verfangen sich womöglich gerne die Regenwolken, um sich auszuschütten und die Alpspitze ist eben die Spitze, die über die Alpen hinausragt. Wie aber erklärt sich ein Knorrkogel, ein Mutennock, ein Pluderling, ein Schinagl, ein Quirl, ein Tschorn, ein Fallmetzer und ein Zinsnock? Denn auch wenn diese Namen klingen wie eine fantasievolle bayerische Schimpfwortkanonade, handelt es sich dabei doch um Berggipfel in den Alpen. Bisweilen entstehen Namen so wohl auch einfach, weil im Lauf der Jahre offensichtlich bei der Flüsterpost genuschelt wurde oder jemand eine unleserliche Schrift hatte. 








So hat das Neunerköpfle in den Allgäuer Alpen auf dem Boden des österreichischen Bundeslandes Tirol gar keine neun Köpfe, wie es der Name vermuten lassen würde, sondern nur einen. Als Herr Köhler 1889 in einer Zeitschrift des deutsch-österreichischen Alpenvereins vorschlug, den Berg doch Neunuhrköpfle zu nennen, weil von Tannheim aus gesehen die Sonne um 9 Uhr über dem Gipfel steht, da hat irgendjemand das wohl nuschelig vorgelesen oder falsch abgeschrieben. Kommt vor. Deshalb heißt das Neunerköpfle jetzt eben Neunerköpfle und nicht Neunuhrköpfle, obwohl es gar keine neun Köpfe hat. Auch keine kleinen. Ehrlichgesagt reicht es mir aber auch völlig, einen einzigen Gipfel pro Tag zu besteigen... vor allem, wenn er in der Nacht zuvor so schön frisch geweißt worden ist.








Während das Wasser unten im Tal in der Nacht in flüssiger Form und reichlich angekommen war, hatte es sich um die obersten Alpen und Gipfel der umliegenden Berge in der gefrorener Version wie ein Mantel gelegt. Die Sonne gab am Vormittag alles, um die Schneewolken zu verdampfen und die Rundumsicht freizulegen. Während wir uns von der Bergstation der Gondel durch den Schnee zum Gipfel des Neunerköpfle emporarbeiteten, schaffte sie das auch glücklicherweise genau in dem Augenblick, als wir das Gipfelkreuz erreichten. Ihre Kraft reichte nicht, um den frierenden Jesus aufzutauen, aber sie schenkte uns zumindest eine Teilsicht auf die umliegenden Gipfel und wärmte uns kurzzeitig das Gesicht.





Ein nicht andauerndes Sichtvergnügen, denn der Himmel zog wieder zu, die Temperaturen fielen schlagartig und der Schnee verwandelte sich auf den Steigungen stellenweise in Glatteis, was meine Kehrseite schmerzhaft zu spüren bekam. Die Wolken erwiesen sich schließlich als hartnäckiger und hüllten unseren Weg zurück wieder in dichten Nebel. Trotzdem war die Sicht noch gut genug, um mein Inkognito beim Heruntereiern der glatten Treppen zu lüften - denn wenn ich mit viel gerechnet hätte, aber nicht damit, dass mich jemand im vermummten Zustand auf einem kleinen österreichischen Berg im Novembernebel anhand meines Profilbildes erkennt. Sachen gibts. Mein Sohn hält mich jetzt irritiert für irgendwie berühmt und ich weiß jetzt auch, wie Melanie alias "Meine grüne Wiese" aussieht - damit ich sie beim nächsten Zusammentreffen auf einem Allgäuer Berg dann auch erkennen kann. :-)





Gut gelüftet, gerollerfässlet, weiß paniert und schneebeseelt ging es nach 4 Stunden auf dem Berg wieder zurück ins grüne Tal - als wäre der Winter gar nicht passiert... 
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Kommentare:

  1. Geniale Bilder, die Sehnsucht nach Schnee machen!
    Vielleicht sollte mein Radiosender für sein Quiz, bei dem nach "Berg oder Essen" gefragt wird, mal in den Bayrischen Bergen nachschauen. Na, steht ein "Pluderling" auf der Speisekarte oder muss man ihn besteigen? ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Na siehste ;-) Da waren wir auch auf dem Neunerköpfle, haben uns aber keinerlei Gedanken um den Namen gemacht. Das ist für mich eigentlich untypisch, denn sonst will ich doch auch immer alles wissen ;-) Danke dafür!
    Deine Bilder sind gigantisch! Du fotgrafierst auch mit einer Canon - hab ich auch gesehen bei unserem Treffen ;-)
    Ich habe auch eine Canon (EOS 750 D). Die ist mir allerdings für so Ausflüge zu groß und zu schwer. Deswegen darf dann immer meine alte kleine Digitalkamera mit.
    Wenn ich mir allerdings deine Bilder so anschaue ...
    In Zukunft werde ich dann schon mehr darüber nachdenken, ob nicht doch vielleicht die große mitdarf :-)
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  3. wow
    soooo tolle Bilder
    da spürt man förmlich die Kälte..
    und wie genial jemanden aus dem Bloggerland unverhofft zu treffen
    liebe Grüße
    Rosi

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  4. Die Welt im Schnee ist eine ganz besondere.Tolle Bilder,da bekommt man sofort Lust einen Gipfel zu erklimmen.Musste lachen bei, der Sohn hält dich für berühmt...das soll er ruhig mal wissen. :-)l.g Alex

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  5. Was sind das für Traumbilder! Die glitzernden Gräser und die überzuckerten Bäume - herrlich. Aber ehrlich gesagt, hätte ich mich das nicht getraut - und wenn: nur zu dritt! Zum Glück ist es ja gut gegangen ...!
    Gros bisou
    Sandra

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    1. Liebe Sandra, da stehe ich jetzt irgendwie auf dem Schlauch. Was denn getraut? Von der Bergstation zum Gipfel und zurück zu laufen? Daran war nichts gefährlich. Glaube ich zumindest. ;-)

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  6. wieder so wunderbare fotos. sie sollten ein buch herausbringen.
    einen lieben gruß zum 3. advent.

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