Samstag, 19. November 2016

In heaven No. 240 - Himmel & Hölle

Wenn Menschen sich mit der Hölle auf Erden, oder auch nur der in ihrem Inneren beschäftigen, dann scheint der Himmel immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Je mehr man über die Hölle debattiert und je lauter, desto weniger scheint der Himmel noch hör- und sichtbar oder überhaupt vorhanden zu sein. Das gilt sowohl für die persönliche Innenschau, als auch für die Darstellung des eigenen Landes und der Welt in den Medien und vor allem sozialen Netzwerken. Sich nicht ausschließlich auf die Hölle zu konzentrieren bedeutet nicht, ihr Vorhandensein zu leugnen, sondern sie durch die gleichzeitige Betrachtung des Himmels in ein sinnvolles Verhältnis zu setzen, um eine objektive Einschätzung der Realität zu ermöglichen.
Barack Obama sagte bei seinem Abschiedsbesuch in Deutschland: "Wenn Sie ein Modell haben wollen, um zu sehen, was möglich ist, wenn Sie eine friedliche, dynamische Gesellschaft schaffen wollen, dann sehen Sie sich Berlin an, sehen Sie sich Deutschland an." Das ist eine Sicht auf unser Land, die die meisten anderen Staatschefs und Menschen der Erde teilen. Würde man dagegen der Darstellung vieler Deutscher glauben (zumindest derer, die am lautesten sind), dann ist unser Land inzwischen kein Ort zum Leben mehr, es herrschen grauenvolle, höchst kriminelle Zustände, man traue sich nicht mehr auf die Straße, alles sei quasi verloren und vernichtet und die Zukunft sehe schwarz aus. 

Wie können Eigen- und Fremdeinschätzung nur so unfassbar auseinanderklaffen? 
Wenn ich morgens das Haus verlasse, in die Stadt fahre, die regionale Zeitung oder auch die überregionale lese, dann hat sich in den letzten 2 Jahren direkt durch den Zuzug von mehr als einer Million Flüchtlingen nicht viel zum Schlechten verändert in Deutschland. Ja, es gab einige terroristische Anschläge und die waren furchtbar, wie es terroristische Anschläge schon immer sind. Aber es gibt für mich persönlich und in meiner Stadt nichts, was spürbar wäre, nichts, was meinen Tagesablauf, mein Sicherheitsgefühl oder mein Handeln negativ beeinflussen würde.
Die persönlich spürbaren negativen Veränderungen bestehen ausschließlich aus den verbalen, politischen und aggressiven Reaktionen von Einheimischen und Internetnutzern auf die Angst davor, es könnte sich durch Flüchtlinge vieles zum Schlechten verändern. Die negative Veränderung des menschlichen und politischen Klimas in Deutschland besteht also hauptsächlich aus Angst aufgrund der Projektion von etwas, das aber gar nicht eingetroffen ist. Welche Blüten das gerade in sozialen Netzwerken, aber auch auf Blogs treibt, schockt mich immer wieder. Man könnte meinen, Deutschland wäre zusammengebrochen und dem Bürgerkrieg nahe. 
Wahlumfragen sind ja seit Kurzem etwas in Verruf geraten, aber schenkt man ihnen noch annähernd Glauben, dann halten SPD und CDU immer noch die absolute Mehheit und AfD, Grüne und Linke liegen etwa gleichauf mit je zwischen 10 und 13 %. Die bundesweiten Umfragen spiegeln also das subjektive Gefühl der Lautesten, mit ihrer Meinung zum Untergangs des Abendlandes in der Mehrheit zu sein, nicht wieder.

Es macht also Sinn, das laute Kommentar-Gekreische auf Facebook & Co auszublenden und sich stattdessen zielgerichtet auf  das Bewältigen von Herausforderungen und Problemlösungen zu konzentrieren mit der Intension, ganz persönlich etwas zum Guten, Besseren, Menschlicherem, Fortschrittlicherem in unserem Land zu verändern... um nicht selbst aufgrund der überproportionalen Lautstärke von Hetzern in ein immer düstereres Gefühl des drohenden Untergangs zu verfallen. Die Errungenschaften zu betrachten, die wir in Deutschland haben, die Freiheiten - auch die, selbst den größten Schwachsinn unbehelligt veröffentlichen und herumbrüllen zu dürfen -  die wir genießen und auch den Wohlstand und die Sicherheit wertzuschätzen, anstatt immer so fucking undankbar, hysterisch, passiv, depressiv und aggressiv zu sein, hilft, das Verhältnis von Himmel und Hölle zu relativieren.

Den Himmel wertschätzen und daran mitarbeiten hilft, die Hölle auf ihren Platz zu verweisen.


Die ganze Pressekonferenz mit Barack Obama und Angea Merkel findet ihr > hier zum Nachlesen.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Kommentare:

  1. Liebe Raumfee, genau!! Zum Glück gibt es Leute, die nie den Himmel aus den Augen verlieren, neben denen, die laut "Hölle" schreien. Das "laut schreien" scheint mir immer wiede (zu) viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen (unter anderem auch mit gefälschten News, Meldungen und Filmchen...), aber wir dürfen es nie mehr Überhand nehmen lassen. Eine Schweizer Mundart-Musik-Gruppe: 'Patent Ochsner' singt in ihrem Lied: 9-10-100-4: 'Glaube keinem, der behauptet "Hunde, die bellen beissen nicht" - sie bellen nur, bis du schläfst und beissen dann'. In diese Sinne: danke Dir fürs wach sein und die Schönheit des Himmels sehen. Liebe Grüsse, Miuh

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  2. ja. genau darüber haben wir heute morgen am tisch gesprochen. vielleicht ist das kollektive regulat kaputt? da kann man nur sich selbst sein, bleiben oder werden. denn, nicht stets auf einen destruktiven monstermeckerberg zu blicken, ist in dem sinne ja kein verdrängen. sondern man blickt woanders hin und such platz um anderen dingen mehr raum zu geben.

    die tabea grüßt. ach ja. der mond. ich war ihm auf der pirsch! begeistern konnte ich mich dafür, dass er genau dort aufging, wo ich dachte. dann aber nicht ganz so groß, wie man ihn per medien gemacht hat ;o) und dank der späten stunde und dunkelheit, war also entweder der mond scharf oder das umfeld ... ich bin halt mondfanganfängerin. war aber ein schönes erlebnis.

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  3. Danke! Das müsste doch mal gesagt werden ( auch wenn auf den Spruch andere den Alleinvertretungsanspruch haben ).
    Bin gestern mit dem Herrn K. durchs nächtliche Köln gewandelt und habe keine einzige unangenehme oder gar bedrohliche Situation erlebt, wie es mir ja bestimmte Leute dauernd prophezeien...
    Bon week-end!
    Astrid

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  4. Danke für deine Ausführungen und für den Link Katja.

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  5. Danke fürs "Hell"-statt Schwarzsehen! So ein positiver Ausruf ist dringend nötig. DANKE DANKE DANKE

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  6. Die modernen Medien verhelfen solchen dunklen hetzerischen Schwarzmalern natürlich zu einem raschen Widerhall. (Aber das hat früher ja auch anders gut funktioniert...).
    Meinungsumfragen traue ich überhaupt nicht über den Weg, wo ich doch so nahe an denen sitze, die sie ausbrüten...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ich hoffe trotzdem, sie spiegeln in etwa die Meinung der Gesamtbevölkerung wieder, denn wenn ich mich in meiner Stadt umsehe, wenn ich die Genervtheit ob der Demos von Pegida und die Anzahl der Gegendemonstranten messe und wenn ich hier sehe, wie gut das Zusammenleben der unterschiedlichsten Nationen und Religionen funktioniert (Wir haben einen im bundesvergleich weit überdurchschnittlichen Anteil von über 50% Einwohnern mit Migrationshintergrund, davon viele Muslime und gleichzeitig die niedrigste Krminalitätsrate in Bayern), ohne dass unsere "westlichen, christlichen Traditionen" in irgendeiner Weise eingeschränkt oder aufgegeben wären, dann ist es für mich genug Beweis, dass die düsteren Prophezeiungen vom Untergang des Abendlandes durch Flüchtlinge oder Migranten einfach falsch sind.

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  7. hier in Frankreich ist es genau so * es scheint einfach zu sein den leuten angst zu machen und danach bei den wahlen stimmen zu bekommen * wenn man sich informiert oder selbst erlebt wie es in anderen länder zugeht kann man nur glücklich sein in einer "démocratie" zu leben auch wenn nicht alles rosa ist ! danke für deinen beitrag und die schönen mond-bilder !

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  8. Zwei gute Artikel zum Thema "Haltung zeigen" udn "Ursachenforschung" haben ich heute gefunden.
    Bei MIMA: http://m-i-ma.de/2016/11/21/haltung-zeigen-aber-wie/
    Bei Astrid: https://lemondedekitchi.blogspot.de/2016/11/meine-46-kalenderwoche-2016.html

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!