Samstag, 12. November 2016

In heaven No. 239 - Weitsicht

Wenn der Blick nur auf das geht, was jemand verspricht, wenn man vermeintlich einfache Lösungen statt aufwändig umsetzbare und klare Feindbilder und Schuldige benannt haben will und wenn  das Hauptziel generell ein "Fuck you" ans elitäre Establishment ist, dann kommen unglaublich viele verunsicherte, wütende Menschen auf die Idee, dass derjenige die beste Wahl sein könnte, der am lautesten das Himmelreich verspricht. Wenn die Weitsicht fehlt, dann feiert man einen Erdogan als Erlöser, wählt man sich einen Orban als Regierunschef, sich aus der EU heraus oder die AfD in Parlamente hinein. Wenn die Weitsicht fehlt, dann wählt man sich einen psychopathischen Narzissten wie Donald Trump als Präsident seines Landes. Weitsicht bedeutet, sich vor Versprechungen, vor Beschuldigungen, vor Drohungen und vor allem vor seinem Handeln über die Umsetzbarkeit und Realisierbarkeit, aber vor allem über die Konsequenzen Gedanken zu machen und all das abzuwägen, bevor man den Mund aufmacht und bevor man an die Wahlurne tritt. Bei der Entscheidung des amerikanischen Volkes, Donald Trump die Macht über den roten Knopf zu geben, hat die Weitsicht komplett gefehlt.




Blick von Burg Hohenfreyberg bei Pfronten, Allgäu.


Ich fühle mit den jungen Amerikanern, die jetzt auf den Straßen verzweifelt versuchen, gegen das Unabänderliche aufzubegehren, das sie für ihre Gegenwart und die Zukunft ihres Landes nicht gewollt haben und doch akzeptieren müssen. Und mich gruselt vor der dadurch ausgelösten enthemmten Bugwelle, die jetzt über den Atlantik schwappt und auf welche alle europäischen Rechtspopulisten sofort aufgesprungen sind, um sie begeistert zu reiten.... den Blick immer fest auf die Welle geheftet, nicht auf den Horizont.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Kommentare:

  1. Oh, das zweite Bild sieht ja toll aus... fast schon unecht!

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  2. Keine Frage, die Weitsicht und der Durchblick haben gefehlt. Meine Frage ist nur - wie kommt es zu der Wut auf das Establishment, was will uns das (bzw. den Politikern) sagen und was muss geändert werden? Auf Trump- und andere Populisten-Wähler schimpfen, reicht doch nicht. Dadurch ändert sich doch nichts. Hillary Clinton verkörperte genau dieses verhasste Establishment nahezu perfekt.
    Ob man hierzulande daraus lernt? An die Ursachenforschung geht, handelt, ehe es zu spät ist?
    Ja, so einen tollen Überblick wie auf deinen schönen Fotos hätte ich auch gern. Und dann die Rückzugsmöglichkeit der trutzigen Burg, die Zugbrücke hochziehen und ausharren. Hat leider auch damals noch nicht viel geholfen...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Wie es zu der Wut kommt, ist kein Geheimnis - wer Politik macht, die den Großteil der Bevölkerung zu Verlierern und die Reichen durch Lohndumping und Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland noch reicher macht, bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Bildungspolitik, der sät Unzufriedenheit und Wut.
      Insofern ist ein Tritt für die Entscheider des Establishments ja auch folgerichtig, aber nur, wenn dieser Tritt nicht absehbar nach hinten losgeht, indem man eine Partei wählt, die noch mehr Lohndumping und noch mehr Kürzungen, noch mehr persönliche Gängelungen für die Geringverdiener und die Mittelschicht in die Wege leiten möchte.... und in diesem Fall einen Mann, der nachgewiesenerweise ein notorischer Lügner und ein irrationaler, aggressiver Narzisst ist, mit Befugnissen ausstatten wird, die die Welt vernichten könnten. Das Problem sind die fehlenden sinnvollen personellen Alternativen in der Politik - und auch diese Alternativlosigkeit führt zu ohnmächtiger Wut und Kurzschlußhandlungen, in denen dann auch ein Trump aus vermeintlichem Protest Präsident werden kann... mit beängstigenden möglichen Folgen für die Welt.
      Ich würde mir sehr wünschen, dass man hier in Europa aus Brexit und Trump seine Lehren zieht, bevor es zu spät ist... ich sehe nur keine Politiker, denen ich einen Wandel im Sinne der Bürger und auf Basis des Grundgesetzes und der Menschenrechte generell zutrauen würde.

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    2. Da geht es mir gerade in letztem Absatz genauso wie Dir. Das lässt mich schier verzweifeln. Die Alternativlosigkeit, das Fehlen von demokratischen Gegenentwürfen, das Gefühl des Ausgeliefertseins macht mutlos.
      Um meine Tochterfamilie in den Staaten mache ich mir Sorgen. In deren Bundesstaat hat Clinton gewonnen, dort befindet man sich noch einer Schockstarre...
      Liebe Grüße
      Andrea

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    3. Mein amerikanischer Familienteil ist so gespalten wie die Gesellschaft - die Jungen sind fassungslos entsetzt, die Alten jubeln...

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  3. Ja, die Bugwelle, die macht mir auch Angst. Aber noch mehr Sorge macht mir, nicht zu wissen, wie man sie aufhalten kann. Es gibt leider keine Pille, die verabreicht zu mehr Weitsicht verhilft. Ich befürchte sogar, dass so lange nicht Acht gegeben wurde, was da auf uns zukommt, dass wir noch nicht mal in die gleiche Richtung sehen. Und dass es mit einfachen Erklärungen schon lange nicht mehr getan ist...

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  4. Liebe Raumfee,
    die Jugend hier bei uns muss heute auch in einem Land leben, dass sie so nicht gewollt hat - oder weil den Ü-40Jährigen vor mehr als einem Jahrzehnt der Weitblick – (dein Zitat: weil sie hirnlos waren und sich in geistiger Umnachtung befanden) -fehlte, sondern weil dem amerikanischen Establishment der Weitblick fehlte, als dieses den Irak bombardiert hat. Und damals gehört Hillary Clinton zu diesem Establishment. Obwohl damals vor den Folgen dieses Krieges und einem Flächenbrand im gesamten arabischen Raum ausdrücklich gewarnt wurde, hat man diese Warnung ignoriert.
    Mit den Konsequenzen müssen wir heute in diesem Land und in Europa leben.
    Übrigens die „hirnlosen, sich in geistiger Umnachtung“ befindlichen Ü40jährigenin den Staaten haben ihre Situation, in der sich einer hohen Anteil der ehemaligen Mittelschicht befindet, nicht selbst verschuldet. Es war das Establishment, welches ihre Arbeitsplätze vernichtet – und höherer Profite wegen, nach Mexiko oder Asien verlagert hat.
    Auch wenn sich außer den Russen, weltweit - mich eingeschlossen - kaum jemand Donald Trump als zukünftigen Präsidenten der USA wünscht, so hat er zumindest erreicht, dass unsere Politik- Wirtschafts- und Banken-Eliten in ihren Elfenbeintürmen aufgeschreckt wurden und gar befürchten, dass sich ähnliches wie in den Staaten, im nächsten Jahr auch hier wiederholen könnte. Alleine das ist schon positiv zu bewerten.
    Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass auch diejenigen aus Politik, Wirtschaft sowie der Finanz-und Medienwelt hierzulande, die ihn z.B. als Hassprediger und was weiß ich, bezeichnet haben, ihr Fähnchen sehr schnell mit dem Wind drehen werden. Wir werden also noch viele Wendehälse beobachten können. Und genau von dieser Scheinheiligkeit, dieser Verlogenheit, dieser Heuchelei, hat die Mehrheit der Menschen (Gutmenschen ausgenommen) hier im Land die Nase voll. Und bei diesen Menschen handelt es sich keineswegs um „hirnlosen, sich in geistiger Umnachtung befindlichen Bürgern dieses Landes, sondern um Bürger mit einem gesunden Menschenverstand.
    Hier noch ein Beispiel, wie ein junger Mensch hierzulande die Lage im diesem Land beschreibt:
    https://www.youtube.com/watch?v=T1aM8E9IrSc
    In diesem Sinne, ein schönes, erholsamen und entspanntes Wochenende
    Laura

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    1. Werte Laura,
      ein Blog ist so etwas ähnliches wie ein Wohnzimmer. Dieser Blog ist mein digitales Wohnzimmer. In mein reales und digitales Zuhause lade ich mir die Menschen ein, die ich mag, die mir sympathisch sind, mit denen mich Gemeinsamkeiten der Weltanschauung verbinden - in Vorlieben wie in Abneigungen. Menschen, die mir hochgradig unsympathisch sind, lade ich hier wie dort nicht zu mir ein.
      Aus diesem Grund möchte ich dich bitten, zukünftig draußen zu bleiben. Ich betrete dein digitales Wohnzimmer ebenfalls nicht, um dort ungefragt meine persönliche oder politische Meinung zu verbreiten, oder dich wegen deiner AfD-Parolen und rassistischen Meinungsäußerungen zu maßregeln. Lauras Home and Garden ist dein Blog und dort ist ausreichend Platz für deine rechtspopulistische Meinung. Hier zukünftig nicht mehr.
      Danke.

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  5. Wunderschöne Fotos, die mich wieder mit der Welt versöhnen! Aber wie die Kommentare zeigen, kann man diese Welt ja aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, und ich muss sagen, ich bin in dieser Woche immer wieder sehr erschüttert darüber, wie ein und dasselbe so verschieden wahrgenommen wird. Aber das Zusammensein mit so vielen Menschen aus der Blogosphäre an diesem Wochenende hat mich auch wieder gestärkt.
    LG
    Astrid

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  6. Auch zwischen dunkelsten Wolken kommt irgendwann ein Stückchen blauer Himmel, Sonne und manchmal auch ein Regenbogen... Keine Ahnung, wer mir in all dem Sch... diese Zuversicht erhält. Lieben Gruß Ghislana

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  7. Liebe Katja,
    man sollte sich von Menschen fernhalten, die meinen, Menschlichkeit sei teilbar- und die mit ihrem nicht existenten Herzverstand genau diesen Satz nicht in der Lage sind, zu verstehen. Die Argumentationen sind innerhalb eines Systems immer plausibel. Das Herz könnte dieses System verlassen. Das Herz, das eben spürt, dass Menschlichkeit unteilbar ist.
    Und manchmal muss man deshalb diese Zeitgenossen, die genau das nicht spüren können, bitten zu gehen.
    "Wenn ihr es nicht fühlt, ihr werdest nie erjagen"- so ungefähr der alte Goethe, der ja nicht ganz dumm war :-)
    Ansonsten freue ich mich immer über gute Menschen...und über Deine Worte.
    Lieben Lisagruß!

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  8. Liebe Katja, besser kann man es nicht ausdrücken. Wir müssen im nächsten Jahr sehr wach bleiben.
    LG
    Magdalena

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  9. jede demo gegen trump ist eine freude für mich und jede demo gegen die afd ebenso. da haben wir das nächste jahr gut zu tun! schöne himmelsbilder, trotz schwarzer, äh brauner, politischer wolken.
    lg, mano

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!