Samstag, 8. Oktober 2016

In heaven No. 235 - herbsthimmelige Kaiserburg

Leider ist es in meiner Heimat Fürth nicht ganz so leicht, der Stadt aufs Dach zu steigen und einen schönen, weiten Blick über selbige zu werfen - es sei denn, am wohnt in einem der beiden Innenstadthochhäuser, oder man quetscht sich mit hundert anderen an speziellen Führungstagen auf den Rathausturm oder den Turm der St.Michaelskirche. Dann gäbe es momentan noch die Möglichkeit, vom Riesenrad auf der Fürther Kärwa aus ein Bild der Fürther Dachlandschaft für die Ewigkeit festzuhalten, aber dabei habe ich kläglich versagt. Dreht sich zu schnell (samt meinem Magen), um die Kamera ruhig zu halten. Dafür gibt es in der Nachbarstadt Nürnberg gleich mehrere Möglichkeiten, um die Altstadt und das Umland zu überblicken. Den höchsten Überblick über die Stadt hat man von der Kaiserburg aus - was aber leider den Nachteil birgt, dass man die Kaiserburg dann natürlich nicht sehen kann. Oder aber, man begibt sich auf das oberste Deck des Parkhauses Adlerstraße - dort gibt es den herbsthimmeligen Postkartenblick auf Altstadt und Kaiserburg nämlich ganz umsonst.

Im Zentrum des Bildes die mächtige St. Sebaldus Kirche, die älteste Nürnberger Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert. Hinter den Türmen von St. Sebald und halb verdeckt vom Kirchenschiff, die Kaiserburg mit Doppelkapelle. Etwas rechts davon, im östlichen Burgvorhof, steht der mächtige Sinwellturm. Hier lohnt ein Aufstieg, um einen Blick weit über Nürnberg zu werfen. Rechts davon der ehemalige Marstall der Burg, in dem heute die Nürnberger Jugendherberge untergebracht ist. Davor breitet sich der Stadtteil St. Sebald aus, der die Nürnberger Altstadt umfasst.

Die Kaiserburg zu Nürnberg und innerhalb ihrer Mauern die Doppelkapelle hatte ich im Rahmen meines Posts über das Reichsparteitagsgelände erwähnt, weil die "Große Straße" in Luftlinie direkt darauf zuführt, um eine anspruchsmäßige Verbindung zwischen dem Sitz der Kaiser und Ort der Reichstage und dem Naziregime und dem Ort der Reichsparteitage zu schaffen. Dafür kann die Burg aber nichts. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie im Jahr 1150 und sie wurde, wie so viele Burgen, einfach auf der höchsten Erhebung der Region, einem großen Sandsteinfelsen, errichtet. Sie wird samt der darunterliegenden Altstadt von einer Stadtmauer mit tiefem Graben und hohen Wachtürmen umgeben, die heute noch zu großen Teilen erhalten sind oder wieder aufgebaut wurden.

Links im Bild das mächtige Kirchenschiff von St. Sebald, dahinter der Sinnwellturm im Burghof. In der Bildmitte der Marstall (Nürnberger Jugendherberge), der eingerahmt wird vom Fünfeckturm links und dem Luginsland rechts. Im Zentrum des Bildes die Ecktürme des Nürnberger Rathauses - wer sich gerne gruselt, der kann sich dort im Keller die alten Lochgefängnisse und ihre Folterinstrumente anschauen. Das Mittelalter war kein Ponyhof.

So pittoresk Nürnberger Altstadt und Burg heute auch für Touristen aussehen, sind sie doch fast ein kompletter Nachkriegsneuaufbau. Als Stadt von Hitlers Reichsparteitagen wurde Nürnberg samt Kaiserburg im 2. Weltkrieg von den Alliierten fast dem Erdboden gleichgemacht. 

In der Bildmitte der Neutortum aus dem 13. Jahrhundert, der im Norwesten einen der vier Hauptzugänge in der Stadtbefestigung markiert. Links dahinter der Turm der St. Johanniskirche, Zentrum des gleichnamigen Stadtteils außerhalb der Stadtmauer.

Die Nürnberger Altstadt ist samt Burganlage, Doppelkapelle, Stadtmauer, Außentürmen und all seinen Museen und prächtigen Kirchen auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn ihr Mal in Nürnberg seit. Sogar übernachten könnt ihr in der Kaiserburg - der ehemalige Marstall ist heute eine der größten Jugendherbergen Deutschlands und bietet auch Komfort- und Familienzimmer an.
Bestimmt werde ich euch aber auch noch auf den einen oder anderen Ausflug ohne Übernachtung nach Nürnberg mitnehmen - für mich ist es ja nur ein Katzensprung.

Finster umwölkt stehen hier im Rücken des Parkhauses die beiden unterschiedlichen Türme der Lorenzkirche - eine weitere bedeutende Kirche in der Nürnberger Altstadt, erbaut von 1250 - 1477 und wie die Sebalduskirche eine evangelische Kirche.
Kaiserburg-Sebalduskirche-Lorenzkirche-Klarakirche-Hauptbahnhof bilden übrigens eine dieser spannenden, von kirchlichen und weltlichen Fürsten über Jahrhunderte hinweg bewusst gewählten "Machtlinien", die ich > hier beschrieben habe.

Und wenn man eine gute Stunde später wiederkommt, um nach einem Termin sein Auto abzuholen, dann kann es sein, dass sich die Stadt auf einmal in ganz anderem Licht präsentiert - deshalb gibt es als Himmels-Zugabe die gleichen Ansichten von Nürnberg jetzt nochmal in freundlicher Herbstsonne, statt unter himmlischem Oktoberdonnerwetter...


Hier der bisher noch nicht gezeigte Blick nach Osten. Ganz links am Bildrand gerade noch angeschnitten, einer der Türme der Egidienkirche - eines der seltenen Barock-Bauwerke in Nürnberg. Rechts davon der Laufer Schlagturm, ein Turm der inneren Stadtbefestigung. 
Dann folgt der runde Laufer Torturm - das nordöstliche Tor in der Stadtbestigung. Die vier runden Tortürme der Stadtbefestigung waren ursprünglich als gotische Vierecktürme gebaut worden - bis sie im 16. Jahrhundert massiv rund ummantelt wurden, um den schweren Artilleriegeschützen besser standhalten zu können. Vorbild lieferten hier angeblich die Rundtürme des Mailänder Castello Sforzesco.
Rechts vorne mit seinem Fachwerktürmchen das alte Heilig-Geist-Spital, das zwischen 1332 und 1339 erbaut wurde und an dieser Stelle mit dem erst im 16. Jahrhundert angefügten, repräsentativen Wasserbau die Pegnitz überspannt. Heute befindet sich darin ein Seniorenwohnheim. 
Links dahinter die angebaute Allerheiligenkapelle aus dem Jahr 1420. Im zweiten Weltkrieg komplett zerstört, beherbergt das ehemalige Kirchenschiff heute einen Veranstaltungssaal und ein Studentenwohnheim.
Am rechten Bildrand überragt der Turm einer Versicherung die Stadt - also hat man theoretisch von hier aus wohl den besten Blick auf Burg und Altstadt... sofern man dort arbeitet.
Hinter dem Hochhausturm lassen sich auch die ersten Ausläufer der Hersbrucker Schweiz erkennen - eines meiner liebsten Ausflugs- und Wandergebiete östlich von Nürnberg.

Und wohin geht ihr, wenn ihr einen Blick über eure Stadt werfen wollt?

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 

Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Kommentare:

  1. Na ja, es fängt damit an, dass ich keine Stadt bewohne... Der einzige Turm, den wir haben, ist der Schlauchturm der freiwilligen Feuerwehr, aber ist weder besuchbar noch sehr hoch.
    Dafür kann man unser Dorf von den Bergen drumherum aus gut sehen.

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  2. Das Parkhausdach kenne ich und es ist tatsächlich einer meiner liebsten Plätze in Nürnberg, gerade wenn man zu viel von den vollen Einkaufsstraßen bekommt. Perfekt, wenn man bei Sonnenuntergang da ist, das hat auch eine ganz bezaubernde Atmosphäre und der Ausblick ist wirklich toll!
    Liebe Grüße, Flo

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  3. Wenn ich einen Blick über Krems und die Donau werfen möchte, dann radle oder jogge ich in die Weinberge. Am höchsten Punkt angelangt, bin ich dann 180 Höhenmeter über der Stadt. Die Aussicht ist grandios und die Anstrengung wert ;-)
    Herzliche Grüße und ein entspanntes Wochenende, helga

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  4. Deine Nürnberger Stadtansichten schauen einfach wunderbar aus, Katja! Ich war vor einigen Jahren mit meinem GG in dieser wirklich beeindruckenden Stadt und habe mir die Füße wundgelaufen ;)) Allerdings von oben habe ich sie nur von der Burg aus betrachtet. Unsere eigene kleine Stadt habe ich das letze Mal von oben angeschaut, als ich mir das Dachgebälk unseres Klosters angesehen habe. Beeindruckend - das Kloster. Unsere Kleinstadt eher nicht ;)) Herzliche Grüße in den Abend, Nicole

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  5. Solche Ausblicke sind doch immer wieder super!
    Meine Stadt ist nur ein kleines Dorf... Da geht man bei den Schafen vorbei den kleinen Hügel hinauf und schaut von zuoberst, beim Nussbaum mit der Sitzbank darunter in Richtung Dorf...
    Wenn ich aber eine Reise in eine Stadt unternehme, informiere ich mich vorher über so viele Aussichtspunkte wie möglich und besuche mindestens einen davon.
    Liebe Grüsse, Miuh

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  6. Noch so eine herrliche Stadt, die frau immer auf dem Weg ans Mittelmeer passiert hat. Sehr bedauerlich...
    Aber ich habe es in dieser Woche geschafft, ein Schloss, 20 Kilometer von meinem Geburtsort endlich anzuschauen. ich bessere mich wohl.
    Dir einen schönen Sonntag!
    Astrid

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  7. beides schön, donnerwetter und himmelsbläue! nürnberg kenne ich leider nur von einem aufenthalt auf der durchreise (da waren um 17 uhr aber alle museen schon dicht...) und von einem bewerbungsgespräch, dass ich vor vielen jahren mal bei der BafA hatte. braunschweig kannst du dir auch gut vom parkhausdach ansehen und von einem italienischen lokal, dass hoch oben im alten turm der uni seine räume hat. wenn man klettern will, kann man 389 stufen der andreaskirche hochsteigen. das hab ich aber noch nie gemacht!!
    lg, mano

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