Montag, 3. Oktober 2016

Architektur der Macht.

Nürnberg, die zweitgrößte Stadt Bayerns, punktet mit einer historischen Altstadt, einer imposanten Burganlage und einem berühmten Christkindlesmarkt, hat aber in ihrer über 1000-jährige Geschichte nicht nur Glanzpunkte aufzuweisen. Die geographisch günstige Lage im Zentrum des geplanten Großdeutschland, die gute Infrastuktur der Touristenstadt und große Flächen in Staatshand veranlassten Adolf Hitler, sich Nürnberg als Zentrum seiner Machtdemonstration auszuwählen und zur Stadt der Reichsparteitage zu küren. Eine gigantische Anlage aus vielen Gebäuden des Architekten Albert Speers, aufgereiht an der sogenannten Großen Straße, zeugt vom Größenwahn des nationalsozialistischen Regimes und diente Truppenaufmärschen, Massenveranstaltungen und der Inszenierung der "Volksgemeinschaft". Einiges wurde bedingt durch den Krieg nie fertiggestellt, vieles nach Kriegsende von den Alliierten gesprengt. Doch einige architektonische Zeitzeugen haben die Jahrzehnte trotzdem überdauert und stehen heute noch als Mahnmahle an die finsterste Zeit deutscher Geschichte.

In den letzten Jahrzehnten stellte sich oft die Frage, wie man als Stadt mit diesen bröckelnden steinernen Hinterlassenschaften umgeht. Bricht man sie ab, um sie nicht zur Wallfahrtstätte für die ewigen und neuen Gestrigen zu machen? Versucht man sie einer modernen Nutzung zuzuführen? Oder bewahrt man sie vor dem endgültigen Zerfall und arbeitet sie geschichtlich und pädagogisch auf, um mit ihnen an diese Zeit zu erinnern und sie als Mahnmal zu nutzen?
Nürnberg hat sich für die geschichtliche Aufarbeitung entschieden. Mit dem Bau des "Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände" in Hitlers nie fertiggestellter Kongresshalle für 50.000 Zuschauer schuf man einen Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen, um anhand dieses Stückes Architektur + Geschichte die Ursachen, Zusammenhänge und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erläutern, die Vergangenheit greifbarer zu machen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sie nie in Vergessenheit gerät und sich hoffentlich nie mehr wiederholt. Wie uns die Gegenwart zeigt, war diese Intention nie wichtiger als heute.

Führerkanzel und Redepodium Adolf Hitlers auf der Zeppelintribüne.

Im Rahmen der Nürnberger Stadtverführungen besteht jedes Jahr die Möglichkeit, die gebaute Demonstration der Macht mit verschiedenen Themenführungen zu besuchen und für sein eigenes Verständnis zu erschließen.
Eine der Hauptfragen, die Menschen heute in Zeiten des wieder aufkeimenden Rechtspopulismus mehr denn je beschäftigt ist, wie es sein konnte, dass die Massen Adolf Hitler und seinen unmenschlichen Theorien und Plänen nahezu unkritisch zujubelten. Wie erreichte dieser kleine, abstoßende Mann aus Österreich eine solche Popularität, eine so zerstörerische Macht und wie scharte er die Massen hinter sich? Was hatte neben der populistischen Propaganda der leeren Versprechungen die Architektur damit zu tun? Warum baute Adolf Hitler sein Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, warum genau dort? Warum wurde es geographisch genau so ausgerichtet? Welchen demagogischen Hintergedanken verfolgte er mit einer bestimmten Architektur? 
Ein bisschen mehr Licht in diese Fragen sollte am Sonntag die Führung "Geomantie des Reichsparteitagsgeländes" bringen. 

Wenn man Europa ganz von oben betrachtet, dann fällt auf, dass die meisten großen Gebäude der weltlichen und kirchlichen Macht, aber auch des prähistorischen Totenkults auf bestimmten, verknüpfbaren Linien liegen und darauf auch nicht willkürlich ausgerichtet sind. Immer wieder in der Geschichte wurde das Konzept raumgreifender symbolischer Landschaften, angeordnet auf Linien unter Einbeziehung weit sichtbarer, erhabener Landschaftspunkte, aufgegriffen und diente den unterschiedlichsten Zwecken. Ob nun spirituell oder profan, symbolisierten sie deutlich die Macht oder den Herrschaftsbereich eines weltlichen oder kirchlichen Fürsten. Mystiker glauben, dass diese Linien Kraftlinien sind und ihre Kreuzungspunkte auch ganz besondere Kraftorte darstellen, die sich Menschen schon immer zu Nutze gemacht haben, um ihre Energie und Macht zu stärken.

So befinden sich Menhire, keltische Kultplätze und Gräber der Frühgeschichte, sowie auch römische Straßen auf erkennbaren Linien, die ungeachtet der Topografie symbolisch oder real schnurgerade über Berg und Tal führen und bedeutende Punkte miteinander verbinden.
Um ihren Anspruch der Vertretung Gottes auf Erden zu untermauern, bauten die salischen Kaiser des Mittelalters ihre Dome in ganz bestimmter Weise. Sie errichteten Kirchenkreuze mit dem alles überragenden Dom in der Mitte, exakt in Ost-West-Richtung angelegt, und vier weiteren Kirchen in kreuzförmiger Ableitung dazu, um ein gesamtes Stadtgebiet mit einem Kreuz und religiöser Macht  "zu überspannen" und damit die Wirkung des Doms zu verstärken. Diese sakralen Anordnungen der Kirchenkreuze über große Distanz finden sich zum Beispiel in Worms, Goslar, Paderborn, Würzburg und Zürich und beschränken sich nicht nur auf eine Stadt, denn auch europaweit lassen sich zwischen Domen und großen Kirchen verschiedener Städte diese direkten Verbindungslinien und überspannenden Kreuze finden.
Auch heute noch spürt man eine besondere Form der "höheren Macht" in Domen, unterstützt von einer überhöhten, überdimensionalen Architektur, die automatisch dazu führt, sich klein und unbedeutend zu fühlen und das Göttliche als übermächtig und strahlend anzuerkennen.
 Wieder aufgenommen wurde diese Form der landschaftsübergreifenden Gestaltung im Barock, als die europäischen Herrscher zur Untermauerung ihrer Erhabenheit Schlösser und Schloßparks sowie Alleen und teilweise ganze Städte auf bestimmten Linien und Landschaftsachsen, immer die höchsten Erhebungen der Gegend miteinbeziehend, errichten ließen.

1922 wurden all diese Europa durchziehenden Linien erstmals vom englischen Hobby-Archäologen Alfred Watkins entdeckt, als Ley-Linien benannt und primär für geradlinige, steinzeitliche Handelsrouten gehalten. Unabhängig davon glaubte parallel der NS-Anhänger und Rassentheoretiker Wilhelm Teudt "heilige Linien" entdeckt zu haben, welche von Externsteinen ausgingen. Diese sollten angeblich germanische Sternwarten darstellen und damit Beweis sein für das Ahnenerbe und die Rassentheorie über die Erhabenheit der "germanischen Rasse" und diese untermauern. Seine vermeintlichen Erkenntnisse brachte er in das pseudowissenschaftliche Institut der SS ein. Völkische Forscher fanden daraufhin bald in jedem Gau angebliche germanische Sternwarten mit Verbindungslinien zur Bestätigung... und verzichteten dabei auch gerne auf jeglichen Beweis, um die Theorie nicht zu gefährden.
Vor allem Heinrich Himmler war als begeisterter Artamane, stellvertretender Propagandaminister und  "Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums" ein großer Anhänger dieser Überlegenheitstheorie der "germanischen Rasse". Sein Anliegen war es, mittels dieser Theorien und Mythen und unter Zuhilfenahme von Germanenkult, Astrologie und der Theorie einer Wiederauferstehung der für ihn überragenden Rasse der Arier ein ideologisches Modell der Welt zu erschaffen, in der eine Art germanische Urreligion  "die deutschen Arier" als legitime Nachfolger bestätigen und die tatsächliche Religion ersetzen sollte.
Zur Untermauerung und demagogischen Nutzung der Theorie der "heiligen Linien" innerhalb der nationalsozialistischen Rassenlehre und Propaganda soll er innerhalb der SS Geomanten, Wünschelrutengeher und Astrologen beschäftigt haben, die auch die Reichsbaubehörde bei der Planung und Umsetzung des Reichsparteitagsgelände in Nürnberg beraten haben sollen.


Zwar hielt Hitler selbst die Mystik und Esoterik für sektenähnlichen Unsinn, aber dennoch bediente er sich gerne ihrer Theorien, sofern diese seine Theorie der germanischen Überlegenheit, seine Rassetheorie und seinen Machtanspruch zu untermauern halfen und letztlich zur Maximierung seiner Macht beitrugen.
So wurde das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg 1934 nach geomantischen Prinzipien auf dem Reißbrett nach der Idee von Teudts "heiligen Linien" und Plänen von Albert Speer konzipiert.
Die "Große Straße", die tribünengesäumt 40 Meter breit und 2 Kilometer lang den Massenaufmärschen und Militärparaden dienten sollte, verbindet in Luftlinie und Blickachse das Kernstück der nationalsozialistischen Machtdemonstration schnurgerade mit der Kaiserburg in Nürnberg und damit in historischer Kontinuität mit dem imperialen Machtanspruch des mittelalterlichen Kaiserreichs.
Gleichzeitig liegt die Große Straße nachweislich über einer der tektonischen Verwerfungslinien der Erdkruste, welchen besondere Kräfte und Energien zugeschrieben werden und auch auf einer der tradionellen Ley-Linien, die seit Jahrtausenden quer durch Europa bestehen und als Kraftlinien eine besondere Verstärkung der Energie und Macht bewirken sollen.
Die Große Straße wurde nie fertiggebaut und dient heute als Parkplatz für das Messezentrum und als Rennstrecke für das Norisring-Rennen. Der Wald ist seit Jahrzehnten damit beschäftigt, sich den Granit der Tribünen wieder einzuverleiben...





Entlang dieser Großen Straße sollten die gigantomanischen Gebäude der nationalsozialistischen Macht wie an einer Perlenkette aufgereiht werden. Tatsächlich hielt Hitler in Nürnberg von 1933 - 1938 seine Reichsparteitage ab, obwohl das gesamte Gelände und die meisten Bauten nie fertiggestellt wurden. Ab Kriegsbeginn fanden zwar die Reichsparteitage dort nicht mehr statt, gleichzeitig wurden jedoch die architektonischen Planungen für das Gelände immer größenwahnsinniger, obwohl oder vielleicht auch gerade weil klar war, dass diese Pläne so nicht mehr würden umgesetzt werden können.

Hitlers Kongresshalle, gestalterisch angelehnt an das Colosseum in Rom, aber doppelt so groß und gedacht für die Tagungen der NSDAP,  blieb unvollendet.
Ebenso unvollendet blieb das mehr als 80 Fußballfelder große Truppenaufmarschgelände Märzfeld mit Tribünen für 250.000 Zuschauer. Die 11 bereits fertiggestellten Türme des Märzfeldes wurden in den 60er Jahren gesprengt, um Platz für den Stadtteil Langwasser und dringend benötigte Wohnungen zu schaffen. 
Die nördlich gelegene Luitpoldhalle wurde 1942 bei einem Bombenangriff zerstört und nie wieder aufgebaut. An ihrer Stelle steht heute die Meistersingerhalle, umrahmt vom Luitpoldhain, einem beliebten Landschaftspark.
Das monströse "Deutsche Stadion" für unglaubliche 400.000 Zuschauer kam über die Grundsteinlegung und den Teilaushub der Baugrube nicht hinaus. Diese bildet heute, mit Grundwasser vollgelaufen, den Silbersee, direkt anliegend an den Silberbuck - einen Deponieberg, aufgeschüttet aus den Kriegstrümmern der Nürnberger Altstadt und stark kontaminiert. Das Wasser des Silbersees ist deshalb hochgiftig.
Auf dieser Karte hier (> klick) kann man sich einen guten Überblick über die geplanten Dimensionen des Reichsparteitagsgeländes verschaffen. Betrachtet man die riesigen Ausmaße der bestehenden Kongresshalle, die heute neben einer Open-Air-Konzertbühne im Innenhof und den Nürnberger Symphonikern auch das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände beherbergt, dann wird deutlich, wie winzig diese im Vergleich zu den unfassbar riesigen Bauwerken ist, die Hitler noch zu errichten gedachte. 

Die meisten Riesengebäude des Reichsparteitagsgeländes, geplant zur Machtdemonstration des NS-Regimes, wurden also nie zu Ende gebaut. Fertiggestellt wurde dagegen als eines der wenigen Bauwerke das Zeppelinfeld mit Platz für 200.000 Zuschauer- zentraler Schauplatz der Reichsparteitage von 1933 - 38 und genutzt für Masseninszenierungen von Wehrmacht, Reichsarbeitsdienst und Funktionären der NSDAP. Zur dramaturgischen Verstärkung von Veranstaltungen der NSDAP, ihrer Monumentalarchitektur und zur Beeindruckung der Massen benutzte man 150 Flakscheinwerfer auf und zwischen den 34 Türmen der Tribünen des Zeppelinfeldes und hinter der Hauptribüne, um einen Lichtdom über dem Gelände zu errichten - wirkungsvoller Theaterdonner und Teil einer exakt geplanten Dramaturgie zu demagogischen Zwecken.
Das Zeppelinfeld diente der US-Armee bis zu deren Abzug in den 90er Jahren als Sport- und Paradeplatz. Heute sind die meisten Tribünen mit Gras überwachsen udn es wird asl Freizeit-Bolzplatz genutzt. Jedes Jahr findet dort das Norisring-Autorennen und das Festival "Rock im Park" statt.



Links das Zeppelinfeld mit den grasüberwucherten Tribünen und Türmen, rechts die Zeppelintribüne
Dazwischen liegt die heutige Rennstrecke des Norisringrennens mit ihren Startmarkierungen.

Zentral ausgerichtet war und ist das Zeppelinfeld auf die monumentale und deutlich höhere Haupttribüne mit einer Kanzel für Ansprachen des "Führers". Dorthin führte uns die zweite Exkursion des Tages mit dem Verein "Geschichte für Alle".
Dem heute in Berlin rekonstruierten Pergamon-Altar nachempfunden, bediente sich Albert Speer auch bei der Zeppelintribüne sakraler historischer Architektur, um Größe und Erhabenheit zu demonstrieren. Mächtige, hoch aufragende Muschelkalkwände, zwei Seitenflügel und ein Säulengang bilden den "Altar" mit dem Führer im Zentrum, hoch oben über den Massen auf dem Zeppelinfeld, flankiert von riesigen Feuerschalen, gekrönt vom Hakenkreuz und untermalt mit dramatischer Wagner-Musik... Großer architektonischer Theaterdonner, demagogisch massentauglich, um sich gottgleich feiern zu lassen. So faszinierend banal wie wirksam und gleichzeitig so unglaublich gruselig, wenn man um die Folgen weiß.



Die Zeppelintribüne wurde 1937 fertiggestellt und auch im Krieg nicht beschädigt. Die Nazisymbole wurden von den Amerikanern nach Kriegsende gesprengt, die Feuerschalen entfernt. Die Pfeilerhalle wurde in den 60er Jahren wegen Baufälligkeit abgebrochen, ebenso die Seitentüme ein paar Jahre später bis auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe.



Im Inneren der Tribüne und unterhalb der Führerkanzel befindet sich der "Goldene Saal" - eine monumentale Halle von 335qm und einer Raumhöhe von 8 Metern, den die Stadt Nürnberg 1984 zu Ausstellungszwecken renovieren ließ.
Zwei Treppenaufgänge mit schweren, beschlagenen Eisentoren führen von hier aus auf die Führerkanzel und die Ehrentribüne auf der Vorderseite des Gebäudes. Am Ende der Halle ist heute eine der Feuerschalen aufgestellt, die früher die Seitenflügel der Tribüne krönten. Sie wurde vor einigen Jahren in einem Privatgarten gefunden, wo sie seit dem 2. Weltkrieg als Planschbecken diente.
Die Wände mit Marmor verkleidet, die Decke aus goldenem Mosaik mit Symbolen von Sonnen und verschlungenen Hakenkreuzen und mit aufwändiger Inszenierungsbeleuchtung ausgestattet, hat diese Halle eine stark erhabene, sakrale Atmosphäre und wirkt doch gleichzeitig bedrückend wie eine Gruft in Anbetracht der Tatsache, wer sich hier vor seinen Auftritten aufgehalten hat.






Im baufälligen Nebenraum des Saales finden sich noch beklemmende Relikte der Ausstellung "Faszination und Gewalt", die hier von 1985 - 2001 bis zur Eröffnung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände gezeigt wurde. Die aktuellen Dejá vùs ließen mich schwer schlucken.




So steht die Tribüne bis heute. Die Bausubstanz wird immer schlechter, Teile im Inneren sind wegen Einsturzgefahr nicht mehr zugänglich, weil die Sanierungskosten immens wären. Gebaut für die Ewigkeit, nagt die Natur, der Zahn der Zeit und der saure Regen unaufhaltsam am Muschelkalk und Beton von Hitlers monumentaler Machtarchitektur, während seine Ideen und seine demagogischen Methoden leider anscheinend deutlich unvergänglicher sind, als die meisten Menschen über fast 70 Jahre gehofft hatten.



Das NS-Regime glaubte, man könne den Evolutionssprung zu einer neuen Generation von Menschen mit überragenden Sinneswahrnehmungen bis hin zu telepathischen Fähigkeiten und daraus resultierender Unbesiegbarkeit durch aktive Arisierung und Ausrottung der für sie minderwertigen Rassen beschleunigen - in der Annahme, dass die nordischen Arier als Nachfahren der Germanen die am reinsten erhaltene und somit höchstentwickelte Rasse wären. Der Umsetzung dieser Pläne diente neben einem Abtreibungsverbot und einer Förderung von Geburten bei Familien mit Ariernachweis unter anderem das grauenvolle Projekt Lebensborn, in dem unter Himmler von 1935 bis zum Kriegsende mit ledigen, blonden, blauäugigen Frauen Arierkinder gezüchtet wurden, sowie Kinder arischen Aussehens, verschleppt aus den besetzten Gebieten, in entsprechende Heime verbracht wurden, um die Kinder dann an linientreue SS-Familien zur Adoption zu vergeben... um die "arische Rasse" zu erhalten und zu vermehren...
Aus heutiger Sicht erscheint das alles menschlich einfach unfassbar - vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es eine reine arische Rasse gar nicht gibt, sondern gerade die Nordeuropäer ein einziger Schmelztiegel unterschiedlichster Völkergruppen sind.

Wo die Wahrheit störte, wurde sie eben einfach verleugnet - daran hat sich vor allem in rechten Kreisen leider bis heute nichts verändert. Wie man gerade weltweit und leider auch in Deutschland zum Beispiel am Parteiprogramm der AfD zu den Themen deutsches Volk, Religionen, Zuwanderung, Familienplanung, Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Partnerschaften sieht, sind diese Ideen einer "überlegenen Volksgruppe" und der Vermehrungspolitik des NS-Regimes nicht endgültig aus den Köpfen mancher fragwürdigen Menschen zu löschen.
Die Forderungen und das Vokabular der nationalsozialstischen Rassentheorien, Familienpolitik und Demagogie werden wieder ungeniert und ungestraft im öffentlichen Raum, in sozialen Netzwerken, in Landesparlamenten und bald wohl auch im Bundestag benutzt und manchmal möchte ich mich nur noch erbrechen angesichts der Ungeheuerlichkeit, dass nach 70 Jahren derselbe Geist wieder aufersteht, der so unsägliches, unmenschliches Leid über die halbe Welt gebracht hat.

Mehr Informationen und Theorien zu den Leylinien und zu prähistorischen und historischen Kraftorten findet ihr zum Beispiel auf der Seite der Hagia Chora oder Noris Geo.
Mehr Informationen zum gesamten Reichsparteitagsgelände und den einzelnenen Bauwerken findet ihr auf der Infoseite zum Reichsparteitagsgelände und der Homepage des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände. Der Verein Geschichte für alle e.V. bietet immer wieder unterschiedliche Führungen zu Orten der Naziherrschaft in Nürnberg an. Das Dokuzentrum organisiert neben anderen Veranstaltungen ebenfalls ganzjährig Führungen über das Gelände und zu einzelnen Gebäuden und ist auch selbst auf jeden Fall immer einen Besuch wert - obwohl oft beklemmend aufgrund der dokumentierten Tatsachen, sollte es gerade angesichts der momentanen politischen Lage in Europa Pflichtprogramm für alle aktuellen und alle Folgegenerationen sein.
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Kommentare:

  1. Puh, dass habe ich mir jetzt mit gerunzelter Stirn (Anstrengung, auch ja jedes Detail mitzubekommen), Grauen und Faszination durchgelesen. So interessant! Danke, dass du dir so viel Mühe gemacht hast, nicht nur das Hauptthema zu zeigen, sondern auch auf die Geomantik und die ideologischen Hintergründe einzugehen. Super!
    Lieben Gruß
    Gabi

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  2. Danke, dass du so intensiv uns das Thema NSzeit beschrieben und erinnert hast, denn es darf niemals in Vergessenheit geraten, gerade wo es um uns herum tobt!! Ich bekomme immer ein bedrückendes Gefühl und- nach wie vor viele Fragen, auf die ich keine Antworten bekomme. Es wird immer noch zu viel geschwiegen! Nürnberg kenne ich nicht, aber schon deine Fotos vermitteln den Wahnsinn des falschen Machtverständnisses.
    Sehr ausführlich sind deine < Querverbindungen< ,
    Gruß zu dir
    heiDE

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  3. ich hatte keine ahnung, welch gigantische ausmaße diese anlagen haben. mir ist beim lesen regelrecht übel geworden. dieser goldene saal ist wirklich gruselig und ich wäre aus diesem scheußlichen machtsymbol wahrscheinlich schnell wieder geflüchtet. tröstlich die bilder der bäume, die an einigen stellen den granit langsam erobern und wieder menschlicher machen.
    deiner bezugnahme zur heutigen zeit kann ich nur voll zustimmen. auch mir wird angst und bange ob der ähnlichkeit der formulierungen und der ausgrenzungen von menschen. was sich daraus ergeben kann, hat man gerade wieder in dresden erlebt.
    danke für diesen ausführlichen und wichtigen bericht. wenn ich mal in eure gegend komme, werde ich mich vorher auf jeden fall über führungen informieren.
    liebe grüße, mano

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  4. Danke flür diese ausführliche Darstellung!- Inzwischen bin ich ja etwas deillusioniert, was die Wirksamkeit politischer Bildung und Geschichtsunterricht zu dieser grauenhaften Epoche anbelangt. Es wird ja von den von dir erwähnten Gruppierungen als 68 er Siff abgetan ( Meuthen in BW z.B ) bzw. im Osten hat wohl kaum eine Aufarbeitung statt gefunden ( Geschichtsunterricht ist in Sachsen nur rudimentär vorhanden ). Viele wollen davon auch gar nichts mehr hören und stellen auf Durchzug.
    Da werde ich auch zum Wutbürger, aber einem ganz anderen, als die, die meinen sie hätten das Recht darauf alleine gepachtet, weil sie ja "das Volk" sind.
    Aber alleine aufregen bringt's nicht.
    GLG
    Astrid

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    1. Nein, leider bringt das nichts. :-(
      Als ich Gestern hörte, wie diese Spackos in Dresden "Volksverräter" geschrieen und wie sie sich aufgeführt haben, da lief es mir eiskalt den Rücken runter. Nazivokabular, völlig ungeniert verwendet.
      Man hätte auch in Nürnberg alles einfach platt machen und behaupten können, man wisse von nichts, es wären die anderen gewesen udn das Thema würde nerven - aber das hat man nicht getan, die NS-Vergangenheit ist hier als Teil der Geschichte (für die man verantwortlich ist) gegenwärtig. Vielleicht ein grund, warum hier in der Region die Rechten keinen Fuß auf den Boden bekommen, trotz Bayern.

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  5. Liebe Katja,
    das ist ein beeindruckender Bericht über nach wie vor, und im Moment wieder immer mehr, verstörende Großmannssucht.( oder Großfrau, petri heil!)
    Mit Freunden wanderte ich vor Jahren gen Nürnberg. Und je näher wir kamen, desto unwohler wurde mir. Von Norden kommend wanderten wir durch die wunderbare Flusslandschaft durch Wiesenpfade und die Freunde konnten mein Gemurre über die Nazistadt schon nicht mehr hören. Da lag auf einmal im Grase vor mir ein Geldstück. Und als ich es aufhob, da war es ein hakenbekreuzter Groschen. Und mir wurde speiübel.
    Dass die Artamanen nie weg waren und sich grad wieder vermehrt in Meckpom ansiedeln und dort Biogemüseanbau betreiben und freie Schulen gründen( und heftig Kinder kriegen, die sie dann entsprechend infiltrieren) trägt auch nicht grade zur Beruhigung bei.
    Gut, dass Du so ausführlich schreibst und zeigst. Wir müssen uns zeigen. Die schweigende Mehrheit muss laut und vernehmlich NEIN sagen.
    Darüber mit viel schwerem Herz nachdenkend schicke ich einen
    lieben Lisagruß!

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  6. Ich war erst einmal und nur ganz kurz einen Abend lang in Nürnberg, nun weiß ich, was ich tue, wenn ich wieder hinkomme. Und deinen Post nehme ich dann mit. Sehr spannend zusammengetragen. Ja, wir dürfen nicht aufhören, unsere Geschichte aufzuarbeiten. Sie hat uns zu interessieren, auch wenn man oft den Eindruck gewinnt, zu viele wollen damit in Ruhe gelassen werden... Dass anstelle der Frauenkirche jahrzehntelang nur ihre Ruine stand und welche Geschichte ihre Zerstörung hatte, haben offenbar viele verdrängt. Da wünschte ich mir manchmal das für keinen zu übersehende kaputte Mahnmal wieder her. Die Respektlosigkeit und der sich immer weiter nach rechts schiebende Populismus, die sich gestern in Dresden zeigten, an einem solchen Tag, lassen es mich gruseln. Danke für deine ausführliche Recherche! Lieben Gruß Ghislana

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  7. Hallo Katja,
    ein interessanter Beitrag, der mir sehr gut gefallen hat.
    Da mein Vater ein Naziverfolgter war, habe ich das natürlich mit noch mehr Interesse gelesen und ich war schon oft in Nürnberg für das Gelände hat es leider nicht gereicht.

    Auch ich plädiere immer und immer wieder dafür, dass wir unsere Vergangenheit nicht vergessen dürfen auch gerade jetzt in der Gegenwart müssen wir schon wachsam sein.

    Ich glaube aber, dass die Leute damals wirklich nichts gewußt haben, bzw. nichts wissen wollten, denn wer etwas gegeneiliges gesagt hat, kam einfach weg, genauso wie mein Vater. Es ist nicht einfach, hier alles zu recherchieren, aber ich bin dran und werde da auch nicht schweigen.
    Vieles erinnert mich an die ehemalige DDR.

    Es ist aber so, dass ich nicht für mich sagen kann, was ich getan hätte, wenn ich zu der Zeit gelebt hätte. Man ist teilweise mitgerissen worden, zumindest am Anfang.

    Zu sagen: "Nein, ich hätte da nicht mitgemacht" ist einfach, denn man weiß es doch wirklich nicht.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Liebe Eva,
      ich habe - als das noch möglich war - viel mit meinen Eltern und auch Großeltern darüber gesprochen. Die wussten alle, was damals passiert ist, vor allem, was die Verfolgung und Ermordung Andersdenkender und Andersgläubiger angeht. Teilweise wurde das auch beklatscht, wie heute wieder. Es gab zwar noch kein Internet für Echtzeitinformationen, aber die Propaganda in Presse und Rundfunk und das, was um einen herum passierte, war nach ihrer Meinung eindrücklich genug...

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  8. 50km östlich von nürnberg aufgewachsen kenne ich nürnberg und auch das beklemmende gelände. und auch das dokumentationszentrum. und um auf astrids kommentar weiter oben mit dem geschichtsunterricht einzugehen, bei mir hat es gewirkt. ich werde nie die bilder der leichenberge vergessen, die aus einem film mit nachrichtenzusammenschnitten u.a. von der öffnung der konzentrationslager nach kriegsende stammen, der im geschichtsunterricht in den 1980er jahren gezeigt wurde und wie ich meine zum bayrischen lehrplan gehörte. wie kann man diesen film gesehen haben und nicht vermeiden wollen, dass sich diese ideologie wieder festsetzt? es gruselt mich
    lg heike

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    1. Tja... wer dauernd mit großen Scheuklappen "Lügenpresse" schreit, der glaubt womöglich auch, dass diese Bilder "gefaked" waren. 1945.
      Sie waren auch Teil meines Geschichtsunterrichts und ich werde sie nie vergessen.

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!