Donnerstag, 29. September 2016

Zwetschgenmuss.

Herbst ist Zwetschgenzeit ist Zwetschgenkuchenzeit ist Zwetschgenknödelzeit ist Auf-dem-Hühnerhaus-sitzen-und-die-Zwetschgen-vom-Baum-bengeln-Zeit. Im großen Garten meiner Oma gab es ganz hinten, dort wo auch die drei Schildkröten wohnten, ein altes Hühnerhaus. Von meinem Bauingenieur-Opa und seinen Söhnen, darunter auch meinem Vater, kurz nach dem Krieg erdbebenfest erbaut, überdauerte es das Erwachsenwerden der Kinder, den Auszug des letzten Huhns und auch meinen Opa. Die graugrüne Farbe blätterte zwar an allen Seiten ab, aber es stand aufrecht und stabil zwischen Mirabellen- und Zwetschgenbaum, als wir noch Kinder waren. Sein Dach bot die perfekte Arbeitsbühne, um von dort aus die Zwetschgen vom Baum zu bengeln und am liebsten auch gleich dort oben sitzend zu verspeisen... bevor unsere Emmy-Oma uns ausschimpfte, weil sie die Zwetschgen doch eigentlich einwecken wollte. 



Das Hühnerhaus sehe ich heute noch ganz genau vor mir, obwohl es jetzt schon seit vielen Jahren nicht mehr steht - aber die Erinnerung bleibt. Heute mag ich Zwetschgen, außer direkt vom Baum, am liebsten auf dem Brot. Deshalb ist es Tradition, dass ich jedes Jahr im Herbst nach dem gleichen Rezept Zwetschgenmus koche. Eigentlich also Zwetschgenmuss... von Müssen, klar oder? Kein Herbst ohne.

Heute bengle ich die Zwetschgen nicht mehr selbst vom Baum (es sei denn mit ausdrücklicher Erlaubnis des Zwetschgenbaumbesitzers), sondern kaufe sie auf dem Markt. In unserer Region gibt es zum Glück genug fränkische Zwetschgen, so dass daran kein Mangel herrscht.
Und wieder, wie jedes Jahr, könnte ich mich reinlegen in mein frisches Zwetschgenmus und es ist mir kein bisschen peinlich zu behaupten, dass es das beste Zwetschgenmus ist, das ich je gegessen habe. Ein Muss eben. Probiert es mal, dann seht ihrs schon. :-)



Zwetschgenmus(s)
(eigentlich Marmelade, aber Mus ist schöner)


Zutaten:

2 kg vollreife Zwetschgen
1 kg Gelierzucker 2:1
150 ml Medium Dry Sherry (alternativ: Vin Santo oder Port)
1 Vanilleschote
1 walnussgroßes Stück Ingwer
1 EL Ceylon-Zimt


Zubereitung:

Zwetschgen waschen und entsteinen, dann achteln. Ingwer schälen und ganz fein hacken oder reiben. Die Vanilleschote aufschlitzen, das Mark herauskratzen und zusammen mit der Schote, Gelierzucker und Zimt unter die Zwetschgen heben. Zudecken und 3 Stunden warten, bis die Zwetschgen Saft gezogen haben. Dann in einem sehr großen Topf auf den Herd setzen, Sherry dazugießen und zum Kochen bringen. Sobald es sprudelnd kocht, unter kräftigem Rühren 4 Minuten kochen lassen. Dabei nicht aus den Augen lassen - es schäumt kräftig hoch und nur zu gerne über (Glaubt es mir, ihr möchtet das später nicht vom Herd, Fußboden und aus den Schubladen kratzen...).
Dann in vorher sauber gespülte Schraubdeckelgläser füllen, Deckel drauf, umdrehen und für 5 Minuten auf ein feuchtes Geschirrtuch stellen. Dann wieder umdrehen, labeln, fertig.

Ein Traum auf Brot jeder Art... in Milchreis... zu Kaiserschmarrn... auf Pfannkuchen... im Quark... auf Hefezopf... und... und... und ich glaube, ich muss mir mal schnell ein Brot schmieren.


 
Für den Anhänger habe ich eine Korkfliese zurechtgeschnitten, einen schwarzen Kreisaufkleber draufgeklebt und mit Lackstift beschriftet. Dann nur noch mit der Lochzange gelocht und mit Paketschnur an die Gläser gebunden. Restverwertung quasi.

Ob "Bengeln" übrigens von der Rotznase, dem Frechling, dem jugendlichen Halunken, dem Lümmel gleicher Bezeichnung abgeleitet ist oder vom hölzernen Bengel - wie ein Stecken oder Stock im Badischen heißt - das weiß ich nicht. So oder so passt es auf jeden Fall. Schließlich kommen Stöcke beim rotznasigen Obstbengeln durchaus bisweilen zum Einsatz. ;-)

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Kommentare:

  1. Leider hatten wir dieses Jahr kein Glück mit unseren Zweitschgen: ein unerwarteter Sturm haute die reifen Früchte vom Baum. Auf dem Boden nur noch Mus. Schade. Wir hatten uns so sehr darauf gefreut, auch Marmelade einzukochen. Nächstes Jahr dann vielleicht. LG

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  2. Das Rezept klingt super - habs mir gleich abgespeichert.
    Und die nächsten schönen Zwetschgen die ich sehe, sind meine für diese leckere Marmelade.
    Herzliche Grüße aus Oberbayern
    - Evi -

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  3. Zwetschgenmuss, sehr gut *lach*
    Wunderbar beschrieben, tolle Erinnerungen. Solche habe ich zwar nicht, aber Mus mach ich auch, muss noch mal das Rezept raussuchen! Bengeln hab ich vorher noch nie gehört, kenn nur Bengel ;-)
    liebe Grüße und wenn Du möchtest, verlinke Dein Rezept gerne bei mir

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  4. Oooooh danke für das Rezept, das sieht aber lecker aus. Und so schön beschriftet.

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  5. ...schon allein die Farbe lässt mich darin versinken !!!!!!!
    Liebe Grüße
    Gabi

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  6. Das Rezept klingt nach einem Nachkochmuss!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. Ich sehe das alte Hühnerhaus so richtig vor mir, Katja. Und Dich und Deine Schwester mit runtergerutschen Kniestrümpfen davor. Die Schnute verschmiert vom Zwetschgensaft und die dunklen Haare zu zwei Zöpfen geflochten.. wie Eure Oma schimpfend dazu kommt und doch im Grunde ihres Herzen über Euch Mädels lächelt.. was für eine schöne Einleitung!! Vielen Dank für das herrliche Rezept, das wird nächstes Jahr bestimmt ausprobiert (bei uns sind die Zwetschgen und Pflaumen schon lange in Gläsern ;)) Ganz liebe Grüße, Nicole

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  8. Wie immer toller Beitrag! Die Fotos, das Rezept und schön
    geschrieben! Erinnert mich an Astrid Lindgrens "Polly hilft
    der Großmutter". M.

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  9. So schön zu lesen! Und dein Pflaumenmuss werde ich natürlich auch mal ausprobieren. Selbstgemacht ist es eh am Besten. Und wenn dann noch besondere Zutaten dazu kommen... bin gespannt!
    Lieben Gruß
    Gabi

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  10. Lecker! Liebe Katja, das ist gemein ;-)
    Bin ganz neidisch :-)
    In unserem Garten stehen zwei Zwetschgenbäume,
    aber irgendwie ist dieses Jahr etwas schief gelaufen,
    denn wir konnten keine einzige Zwetschge ernten.
    Die Blüten wurden leider nicht bestäubt.
    Deine Bilder schauen toll aus!
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  11. das klingt sehr, sehr köstlich und ich habe mir das rezept gleich gespeichert. ingwer an pflaumen kann ich mir sehr gut vorstellen! leider haben unsere bäume dieses jahr auch auch kaum früchte, die große schwemme war letztes jahr!
    mein großvater hatte mirabellen im garten und sie gehören bis heute zu meinen lieblingsfrüchten - daraus koche ich immer sehr gern marmelade, am liebsten mit einem schuss mirabellengeist!
    liebe grüße, mano

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  12. Aus meiner Sidebar verschwinden plötzlich Widgets. Heute Morgen waren Blogroll und noch einige mehr einfach weg, ohne dass ich etwas am Layout geändert hätte. Weiß evtl. jemand Rat?

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  13. Katja, das klingt prima. Wuerdest Du mir verraten, wieviele Glaeser das ungefaehr ergibt?
    Schottische Gruesse, Nessie

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    1. Liebe Nessie,
      es hat knapp 6 Gläser à 500g ergeben - ich nehme dafür immer leere Honiggläser.
      LG, Katja

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    2. Ganz lieben Dank, dann reicht fuer uns aber wohl die Haelfte :-)

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