Dienstag, 27. September 2016

Septembertisch . die frühherbstliche Potterei

Meine Eltern träumten fast ihr ganzes Leben lang davon, ein altes Bauernhaus mit Obstgarten zu besitzen. Naja, eigentlich war es mehr mein Vater, der davon träumte. Gekauft haben sie deshalb und mangels finanzieller Möglichkeiten dann jedoch eine Hochhauswohnung aus den siebziger Jahren. Von außen Platte, von innen bald Bauernhaus. Balken aus einer abgebrochenen alten Scheune und allerlei Bauernmöbel und bäuerliche Geräte und Gebrauchsgegenstände. Mein Vater hat sie ebenso lebenslang gesammelt wie Pilze, Nüsse und Beeren im Wald und Obst, das Bauern heute oft nicht mal mehr vom Baum holen, weil der Arbeitsaufwand zu groß ist. Von jedem Spaziergang wurde Beute mitgebracht und der essbare Teil davon dann in der Küche verarbeitet. Kriegskindnachwehen.



Die Waldläufer-, Jäger- und Sammlermentalität haben meine Schwester und ich eindeutig von väterlicher Seite geerbt, wenn meine Vorliebe für archaische, funktionale, bäuerliche Ästhetik auch lange verborgen in mir schlummerte. Wer in einem solchen Umfeld aufwächst, muss sich wohl zwangsläufig aus Abnabelungsgründen erst mal für das Gegenteil begeistern, bis er dann irgendwann feststellt, dass ihm vieles davon doch sehr gut gefällt. Nur den Wald, den mochte ich schon immer.
Heute schätze ich das Beste aus beiden Welten - die funktionale, moderne Ästhetik und Reduziertheit in Kombination mit natürlichen, handwerklichen Möbeln und Gebrauchsgegenständen. Die Kindheit hinterlässt doch Spuren. Auf meinen Monatstischen in diesem Jahr finden sich die wenigen Gegenstände, die außer Fotos aus meinem Elternhaus zu mir umgezogen sind. Gefäße, randvoll mit Geschichten, Erlebnissen, Erinnerungen und Herzblut.




Steingut mit Zwetschgen, Waldastern, Funkien und Farn.


Monatstische 2016

Juli ° August ° September  


Meine anderen Monatstische findet ihr alle > hier.


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Kommentare:

  1. Liebe Raumfee,
    das ist ein sehr schöner Artikel, der mich wirklich angesprochen hat. Kriegskindnachwehen. Den Ausdruck habe ich zum ersten Mal gelesen und er hat mich sofort berührt, hat er mich doch an meine eigene Kindheit erinnert.
    Auch dieser nie verwirklichte (oder doch nur teilweise) Traum Deiner Eltern, berührt.
    Manchmal, da bedaure ich es, nicht mehr Gegenstände aus den Tiefen meiner Familie zu haben, da sie mir doch Zeugnis geben von meinen Vorfahren und es mir erlauben einen kleinen Einblick in ihr Leben zu haben. (Viel ist es leider nicht und es reicht auch nur bis zu meinem Urgroßvater zurück, aber immerhin.)

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  2. Schön, dein Septembertisch! Ich habe auch einige wenige Dinge von Eltern und Tante vor dem Wegwerfen gerettet. Viele sind es nicht, aber sie liegen mir sehr am Herzen. Meine Tante bat mich irgendwann zu Lebzeiten mal, auf ihre Porzellanfigurensammlung acht zu geben, wenn sie tot ist. Sie war damals noch recht jung, und lebte noch 30 Jahre danach, aber ich stimmte zu. Noch heute habe ich die Figuren bei mir, sorgsam gehütet. Oft frage ich mich warum, und irgendwie habe ich das Gefühl, ich müsste sie ihr irgendwann zurückgeben. Schräg aber ein bisschen tröstlich :)
    Lieben Gruß
    Gabi

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  3. Liebe Raumfee, das ist sehr schön und verbunden mit den Erinnerungen noch viel, viel wertvoller! Solche Stücke liebe ich auch sehr.
    Auch wenn ich mit meinem Alter zum Glück weit davon entfernt bin, einen vergangenen Krieg mitzuerleben, habe ich diese Eigenschaften doch von Eltern und Grosseltern mitbekommen: Aus Allem noch etwas machen können, Essen nicht vergeuden und auch wissen, was aus Feld und Wald essbar wäre... Ich finde, auch in unserer heutigen Zeit ohne Krieg hier können Ressourcen sparen, Naturkenntnisse und Essen bewahren nicht aktuell genug sein.
    Liebe Grüsse, Miuh

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  4. Ich habe erst kürzlich mitgeholfen die Wohnung meine verstorbenen Tante zu räumen. Sie war eine Sammlerin und das meiste davon war Kitsch. Die wenigen Stücke und alten Fotos, die ich für mich behalten habe, sind ebenfalls voller Erinnerungen. Deine wunderbaren Monatstische erreichen immer mit einfachsten Mitteln das Maximale an natürlicher Gemütlichkeit.
    Lg Carmen

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  5. Die Waldastern sind hinreißend!-
    Unsere Väter hatten da wohl einiges gemeinsam! Was bin ich froh, dass das Haus der Bruder erbt...Mal schauen, was ich mir noch von dort mitnehme.
    GLG
    Astrid

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  6. Wahre Worte zu schönen Dingen, man kann wohl doch erst mit den gelebten Jahren bestimmte Dinge erkennen.Mir gehet es jedenfalls so.
    ich mag deine Tische sehr.
    Viele grüße, Karen

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  7. Die Kombination ist ideal und Erinnerungen sind (hoffentlich) gute Begleiter.
    LG
    Magdalena

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  8. Ein Spaziergang durch Wald, Obstwiesen und Erinnerungen...
    Ja, hier bleibt auch so manches auf den Streuobstwiesen im Baum hängen oder darunter liegen. Unser Töchter zogen schon von Kleinauf mit dem Bollerwagen los, um Fallobst zu sammeln (und heimlich auf Äpfelbäumen zu klettern und zu mopsen...). Ich bin mal gespannt, was sie davon in ihr Erwachsenenleben später integrieren...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Meine Sammelleidenschaft und Liebe zur Natur habe ich eindeutig auch von meinem Vater geerbt, Katja. Fast jeden Sonntag sind wir beide mit dem Fahrrad losgezogen und haben gesammelt was das Zeug hält: Löwenzahn, Brennnesseln, Boviste, Walnüsse, Bucheckern, Haselnüsse, Esskastanien, Brombeeren und Holunderbeeren. Sogar im Winter haben wir gesammelt.. Eiskristalle, Schneeflocken, rote Wangen und kalte Nasen.. hachz.. schön war es! Danke für's Dranerinnern! Heute drücke ich Dich einfach mal! Herzlichst, Nicole

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    1. P.S. Ich finde Deinen September einfach nur wundervoll.. eine gelungene Mischung aus Liebe, Erinnerungen und Stil.

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  10. ach, da kommen so viele eigene erinnerungen auf! gerade habe ich meiner schwester zwei salzglasurtöpfe abgeluchst - viel haben wir nämlich nicht mehr von den großeltern geerbt. aber die erinnerungen sind ja erfreulicherweise im herzen verankert und im eigenen tun!
    dein septembertisch ist ein genuss!!
    liebe grüße, mano

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  11. hier auf unserem grundstück wurde wohl mehr geträumt als denn wirklich gemacht in den letzten jahrzehnten. denn viele obstbäume befinden sich mitten im sterben. altersschwäche. eine schüssel pflaumen bekomme ich also leider nicht mehr zusammen. ein paar körbe äpfel schon. die stehen im flur und warten auf ihre bestimmung. und ach ja die ringlotten, das war ein eimerchen. aber sicher nicht mehr lange wird das ernten möglich sein, so alt der gute baum. birnen finde ich immer am straßenrand, denn unsere birnenbäume sind nur noch 2 klapprige alte herren, schön anzusehen, aber unlecker. vogelbeeren liegen noch im gefrierfach. neben den kirschen und johannisbeeren. das wird alles marmelade. erdbeeren werden bei uns nie alt, daher gab es bisher leider keine erdbeermarmelade. werde das feld wohl erweitern müssen. gleiches gilt für die himbeeren.

    schöner blicktisch! und schöne erinnerungen ans leben.

    die tabea grüßt zum wochenende

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  12. Anrührend ... dein Text und auch die Fotos , liebe Katja !!!
    Fasziniert bin ich von den Blütchen der Waldaster, die ich bislang so nicht wahrgenommen habe. Die Kombination mit den Farn-und Funkienblättern gefällt mir sehr.
    Herzliche Grüsse, helga

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!