Mittwoch, 10. August 2016

Vespa adé.

1960 träumte noch niemand vom dem Ding, das man Internet nennt. Filme drehten nur Kameramänner, Fotos wurden analog auf Zelluloid aufgenommen und in Laboren entwickelt, und auch Fernseher hatten nur ganz wenige Haushalte. Wenn etwas Aufregendes in der Welt oder der eigenen Stadt passierte, dann konnte man das nicht in Echtzeit und die wachsende Hysterie anheizend live im TV und auf Youtube und Facebook verfolgen, sondern man hörte davon in den Abendnachrichten, las es am nächsten Tag in der Zeitung oder sah es in der offiziellen Wochenschau, die vor dem Kinofilm in Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Nachrichten einmal pro Woche und primär lokal - ich glaube, das würde uns auch heutzutage viel besser tun. Als meine Eltern damals heirateten, wurde auch das in der Karlsruher Wochenschau gezeigt. Nicht, weil sie berühmt gewesen wären, sondern weil sie als Vorsitzender und Schriftführerin des Vespa-Clubs nicht in einer Limousine, sondern auf ihren Vespa-Rollern zur Kirche vorfuhren und das damals spektakulär genug für die Wochenschau war. Heute braucht es deutlich mehr für ein Spektakel.




Damals... ist vorbei. Manchmal dauert es trotzdem sehr lange, bis man sich von Dingen lösen kann, die für dieses Damals stehen, für einen wichtigen Teil Familiengeschichte. Für die Gesellenwanderjahre meines Vaters quer durch Europa, das Kennenlernen und die Hochzeit meiner Eltern, für den 60. Geburtstag meines Papas, an dem wir ihm die Vespa seiner Jugend als Geschenk für die Rente zurückbrachten. Fünfzehn Jahre stand das alte Mädchen nun in der Garage, weil ein Ankicken mit künstlicher Hüfte für meinen Papa bald nicht mehr möglich war. Es blieb das Anschauen. 


1954. Irgendwo in Kastilien

Nun gibt es meine Eltern nicht mehr. Nicht mehr hier. Wenn man erleben muss, wie unvermittelt das Leben zu Ende sein kann, dann wird das Leben im Jetzt und Hier auf einmal so ungleich viel kostbarer und das Loslassen von all jenem, was das Jetzt beschwert, wird leichter. Die Erinnerung haftet nicht mehr so stark und schwer an Dingen, sondern lebt in Kopf und Herz. Und dann: die alte Dame ist viel zu  schade, um nur als Projektionsfläche für meine sentimentalen Erinnerungen herumzustehen. Abschied nehmen tut weh. Immer. Doch sie soll nun weiterziehen, neue, fröhliche Erinnerungen mit neuen Menschen sammeln, Teil deren Familiengeschichte werden.

Die Vespa 150 T4 lief im Jahr 1962 vom Band, also vor 54 Jahren. Vor fünfzehn Jahren mit TÜV vorübergehend stillgelegt, benötigt sie nach den Jahren im Dornröschenschlaf vor dem ersten Ausfahrt sicherlich erstmal etwas technische Zuwendung ... und einen Motorradführerschein sowieso. Bei Interesse freue ich mich über Mails.
Vespa 150 T4, Nostalgie, Roller, Oldtimer-Roller, Piaggio, alte Vespa, Oldie but Goodie

Kommentare:

  1. Das ist ein wunderbares Vehikel. Meine Herren, sieht die gut aus. Wenn ich doch nur einige Kriterien erfüllen würde!
    Dein Post ist übrigens ungläubig schön.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Es geht um die Vespa, ich weiß, aber mich nehmen die Bilder deiner Eltern ein. Ich habe sie als solche sofort erkannt - wegen der Ähnlichkeit mit dir! Und gerade das Hochzeitsbild entzückt mich! Wunderschöne Bilder!

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  3. Ein berührender Post! Die alten Fotos! Das wunderschöne Fahrzeug, so ganz pur im Grün. Viele Erinnerungen sind mir gekommen: an die Zeit mit meinem ersten Mann, mit dem ich auf der Vespa das Rheinland erkundet habe, an meinem Vater und seinem Motorrad ( das auch später neu aufgearbeitet worden ist ). Aber auch die Vergänglichkeit des Lebens ( die mir gerade wieder schmerzhaft deutlich gemacht wird ).
    Alles Gute!
    Astrid

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  4. Liebe Katja, sie ist wunderschön und ich finde klasse, dass sich demnächst jemand anderer daran erfreuen darf. Das ist sicher ganz im Sinne deiner Eltern. Ich muss passen. Einmal bin ich in einer Tiefgarage Vespa gefahren und vor einen Pfeiler gekracht. Ich bleibe bei meinem Hollandrad. Viele Grüße, Uta

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  5. So eine schöne Vespa. Und aus meinem Geburtsjahr!
    Ich hatte auch eine in meiner Studienzeit in Freiburg. Knallgelb und heißgeliebt. Bis mein im Bauch wachsendes Söhnchen dem Rollerfahren ein Ende setzte.
    Die Bilder Deiner Eltern sind so anrührend!
    Ist Dein Sohn denn nicht in ein paar Jahren soweit, dass er sich freuen würde über dieses Erbe der Großeltern? Die Zeit vergeht so schnell...
    lieben Lisagruß!

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    1. Das sicherlich. Aber ganz ehrlich: welche Mutter wünscht sich denn, dass der Sohn oder die Tochter Motorrad fährt? Ich war schon heilfroh, als meine Schwester damit wieder aufgehört hat...

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  6. Wenn es eine 5oer wäre ...
    Ich träume, seit ich 16 bin, von einer Vespa.
    Allerdings habe ich keinen Führerschein für eine 150er.
    Wenn es eine 50er wäre, wäre ich sehr interessiert :-)
    Ich habe schon meinem Mann einen Tipp gegeben ;-)
    (er restauriert ja italienische klassische Fahrzeuge)
    dass ich mir zum 50. Geburtstag eine Vespa wünsche :-)
    Das dauert allerdings noch ein paar Jährchen ;-)
    Ganz liebe Grüße
    Melanie
    P.S.: Die Geschichte der Hochzeit deiner Eltern ist klasse!

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    1. Wenn es eine 50er wäre, stünde ein Verkauf gar nicht zur Diskussion, die würde auf jeden Fall hierbleiben.

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  7. dein Post hat mich sehr berührt..
    jaa.. so war es früher.. nichts war sooo wichtig dass man es sofort und ejderzeit präsent haben musste..
    und wenn kam es in den Nachrichten..
    du siehst deiner Mutter sehr ähnlich.. ;)
    schade dass dein Vater die Vespa nicht mehr fahren konnte..
    ja.. da ist die Frage wirklich..
    wenn du einen Sohn hast..sie vielleicht doch aufheben??
    Aber solche Schätzchen sind ja gesucht und du bekommst sie sicher gut weg..
    so ganz leicht wird es dir sicher nicht fallen..
    deine Bilder sind sehr schön
    liebe Grüße
    Rosi

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  8. Ein wunderschöner Post, wunderschöne Bilder.
    Ich hätte Interesse. Führerschein da und meinen Geburtsjahrgang hat das Schätzchen auch. Würde es in Ehren halten.
    Freue mich auf Nachricht von dir an tamati@outlook.de
    Herzensgrüße Angelika

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  9. Wieviele Erinnerungen daran hängen... Ja, es ist bestimmt gut, wenn sich weitere gute Erlebnisse und Erinnerungen an diese daran knüpfen können.
    Ich dachte sofort daran, wie ich als kleines Kind, vielleicht drei Jahre alt,(und ganz gewiss schon damals vollkommen unerlaubterweise) bei meinem Vater vorne genau hinter dem Lenker stand und wir irgendwohin unterwegs waren.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  10. Mir geht das Herz auf, ein großes zeufzendes "Hach" macht sich breit. Was für eine wunderbare Geschichte sie trägt und ich wünsche Ihr, wie Du schreibst, dass sich in diesem Sinne eine(n) neue(n) Liebhaber(in) findet!

    Glück + liebe Grüße!
    Maren

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  11. ja. das hochzeitsfoto ist wirklich toll! und deine sicht auf entschleunigung teile ich.

    die tabea grüßt

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  12. Hach wie wunderbar, die Geschichte, die Vespa... Mein Kerl ist ja n alter Rollerfahrer und Vespa liebhaber, ich zeig sie ihm gleich mal, die Schönheit. Liebe Grüße, Alex

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  13. Was für wundervolle Bilder von deinen Eltern 😍 ! Du hast ihre Gesichtszüge!
    Aber das Loslassen würde mir schon sehr wehtun! Und doch kann ich dich verstehen. Hast du keine Gelegenheit sie selber zu fahren?
    Mein Mann fährt mit seiner Oldtimer-Lambretta zur Arbeit und oft wenn er nach Hause kommt, setze ich mich hintendrauf und wir fahren in die Höhe. Nicht weit, aber genug weit weg vom Alltag - auf ein gutes Gespräch und ein Bierchen und dann wieder ab nach Hause.
    Ich hoffe du findest einen Käufer, der die Geschichte zu würdigen weiss und die tolle Vespa gut behandelt!
    Lg Carmen

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    1. Ich habe keinen Motorradführerschein. Zu viel Kubik. :-(

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  14. Liebe Raumfee, ich habe diesen Post von dir gerade eben erst entdeckt und bin ganz aufgeregt!

    Genau solch einen Roller wünscht sich mein Herzensmann und wir haben uns kürzlich über einen Roller als mögliches Hochzeitsgefährt unterhalten! Die Bilder deiner Eltern sind wunderschön und stimmungsvoll...

    Ich würde sie ihm so gerne schenken, doch reicht mein Budget leider nicht...

    Herzliche Grüße,
    Angela

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!