Samstag, 16. Juli 2016

In heaven No. 223 - Hui Buh

Während Kinder heute quasi Apps und Computerspiele programmieren können, bevor sie die Windeln ganz los sind, war meine Kindheit in den Siebzigern aus heutiger Kindersicht erschreckend unmedial - oder auch "voll rückständig", wie mein Sohn das ausgedrückt hat. Neben unzähligen, aus der Stadtbücherei ausgeliehenen Büchern und einmal wöchentlichen "Expeditionen ins Tierreich" in Schwarz-Weiß mit Heinz Sielmann, bestand unser kindliches Multimedia-Arsenal damals aus einem kleinen gelben Plattenspieler und ein paar Hörspiel-Langspielplatten. "Wombi, der Wombat" war meine erste, dicht gefolgt vom kleinen Gespenst, dem kleinen Wassermann und vor allem der kleinen Hexe, die mir heute noch am Herzen liegt. Kara Ben Nemsi legte seinem edlen Rappen die Hand zwischen die Ohren und rief "Rih!", damit dieser so schnell wie der Wind lief und er mit seinem Freund Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah noch schneller duchs wilde Kurdistan und das Land der Skipetaren galoppieren konnte, um den bösen Schut zur Strecke zu bringen. 


Wenn ich nicht in Karl Mays Orient oder dem des kleinen Muck unterwegs war, dann spukte ich mit Hans Clarin alias Hui Buh krächzend durch Schloß Burgeck. Noch heute habe ich die Bilder genau vor Augen, kenne jede Ecke des Schlosses und weiß, wie die Holztruhe von Innen aussieht und was sie von der des kleinen, preusslerischen Gespenstes unterscheidet, ohne jemals einen Film dazu gesehen zu haben. Vielleicht ist das der Grund für die schwindende Kreativität der Kinder heute - wer die bewegten Bilder zu all den Geschichten schon immer gleich mundfertig mitgeliefert bekommt, der muss sich selbst keine mehr ausdenken und lernt das auch nicht. Sehr schade.




Der Himmel sah an diesem Tag natürlich nicht wirklich so aus. Das drohende Gewitter türmte die Wolken zwar dramatsch auf und schärfte die Kontraste, aber der Himmel war trotzdem nicht schwarzblau. Der seltsame Überkontrast ist einem Filter geschuldet, den ich versehentlich eingestellt hatte. Übersteuerte Bilder mag ich eigentlich nicht, aber weil Hui Buh so tatsächlich noch deutlicher war als "in Echt", darf das einzige behördlich zugelassene Gespenst heute an meinem Himmel noch mal fliegen, rasseln, dampfen, toben, kegeln, klecksen und mit Sachen werfen. Womöglich war er grade dabei, die Geisterprüfung abzulegen...

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe.

Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken. 
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Kommentare:

  1. wie schön, dass deine herrliche himmelsbilder wieder zu sehen sind !

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  2. Unglaublich dieser Himmel.... ;-). Meine Enkel verbringen seit 7 Jahren bei mir höchst rückständig altmodische Ferien, mit Wonne, bisher... Die Älteste ist nun 10... Liebe Grüße Ghislana

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  3. Die Wombats, klasse, an die hab ich ja schon Jahre nicht mehr gedacht *kreisch*
    Tolle HuiBuhBilder! Hab ein schönes Wochenende, liebe Grüße aus dem Taunus
    von Petra

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  4. Da kichere ich und rassle mit der rostigen Rasselkette vor Freude ob so schöner Wolkenbilder heute :)
    Ach ja: und PRO *Rückständigkeit* (aber die Uhren kann man halt nich zurückdrehen...)

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  5. Eigentlich bin ich sehr froh, so eine Kindheit noch genossen und dann noch ganz frech und rückständig meinen Töchtern einen Fernseher vorenthalten zu haben... Dein Hui Buh ist wirklich klasse!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Himmlische Kunstwerke!
    Die würde ich mir glatt auf Leinwand gezogen an die Wand hängen...
    Meine Kindheit war auch gänzlich unmedial.
    Aber nicht erschreckend ;)
    Mir hat es überhaupt nicht geschadet und ich behaupte,
    dass meine Liebe für das Kleine und Schöne um mich herum,
    für die Natur und generell die Fähigkeit, mit offenen Sinne durch´s Leben zu wandern, garantiert dadurch begünstigt wurde :)

    Herzliche Grüße
    Julia

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  7. Ich sehe das mit der Kreativität ganz genauso. Bei uns im Flur steht eine kleine Plakette, "Ich bin noch mit Büchern aufgewachsen!" Unsere Kinder auch und ich hoffe, das ihre Kinder, wennn es denn irgendwannn mal soweit ist,diese Chance auch haben. Aber es wird immer schwerer sich gegen die andere Mehrheit zu behaupten.
    Himmelblaue Grüße, Karen

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  8. ich bin als kind ständig in geheimgängen von burgen und schlössern unterwegs gewesen und hab die aufregendsten abenteuer erlebt - enid blyton sei dank! harry potter hat ja vor einigen jahren hier nochmal so einen lesehype ausgelöst - leider haben die später folgenden filme nichts mehr für die fantasie getan.
    deine übersteuerten himmel sind einfach großartig!
    schön, dass du wieder da bist!
    liebe grüße, mano

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!