Sonntag, 8. Mai 2016

Muttertag.

Jedes Jahr an diesem einen Sonntag im Mai kommt der Tag, dem Kinder und Mütter entweder gelassen, vorfreudig, ängstlich, genervt oder mit der Erwartung einer tiefen Enttäuschung entgegensehen. Kleine Kinder fiebern dem Muttertag noch entgegen, um ihrer Mama endlich die selbstgebastelten Geschenke und ein Blumensträußchen übergegeben zu können. Werden die Kinder dann größer und gehen ihrer eigenen Wege, dann ignorieren viele diesen Tag komplett, so wie sie ihre Mutter als Mensch und das was sie jeden Tag leistet ignorieren oder sie sind schon im Vorfeld des Muttertages genervt, dass sie ihren wertvollen Sonntag mit ihrer Mutter beim langweiligen Kaffeekränzchen verbringen müssen, besorgen davor noch hastig an der Tanke ein paar scheußlich zusammengestellte Blumen in Plastik, sind bemüht nett und froh, wenn der Tag möglichst schnell vorbei ist.


Für Mütter ist dieser Tag oft eher schwierig als ungetrübt glücklich.
Es gibt die wenigen Mütter, für die der Muttertag völlig unerheblich ist, weil sie in ihrem täglichen Leben als Mama so viel Anerkennung von ihren Kindern und deren Vater bekommen, dass es ihnen albern erscheint, an diesem einen Tag für das gefeiert zu werden, was sie tagtäglich leisten, denn schließlich wissen das alle jeden Tag zu schätzen. Dann gibt es die Mütter, die sich auf diesen Tag freuen, weil sie wissen, ihre Kinder werden sie mit Blumen überraschen und den Tag zu etwas ganz Besonderem für sie machen. Es gibt die, die jedes Jahr ängstlich darauf hoffen, ihre Kinder wenigstens an diesem Tag sehen und mit ihnen den Tag verbringen zu dürfen, weil das ihre Illusion aufrecht erhält, dass sie ihren Kindern weiterhin wichtig wären. Und dann sind da die Mütter, die schon Wochen vor diesen Tag traurig sind, weil sie genau wissen, dass ihre Kinder den Muttertag komplett ignorieren werden, so wie sie ihre Anrufe entweder genervt entgegennehmen und schnell abwürgen, oder sie auf dem AB ignorieren. Und dann sind da noch die Mütter, deren Kinder nicht mehr am Leben sind.




Für alle Mütter außer den ersten sind heute alle Blumen, die sich auf dieser Wiese ausbreiten. Kein liebloser Tankstellenstrauß, kein Blumenstöckchen und vor allem keine nicht geschenkten Blumen, sondern ein großes Blumenmeer, soweit das Auge reicht. Vergissmeinnicht und Schlüsselblumen, Gänseblümchen und Steinbrech, Wiesenschaumkraut und Günsel, Butterblumen und Löwenzahn und vor allem ganz, ganz viele Kirschblüten.



Diese Blumenwiese ist für alle Mütter...

... die sich tagtäglich aufreiben zwischen den drei Vollzeitjobs Beruf, Kinder und Haushalt. 
... die ständig unter schlechtem Gewissen leiden, weil sie glauben, keinem davon gerecht zu werden.
... die ihren Männern den Rücken freihalten, indem sie sich zuhause um wirklich alles kümmern. 
... die ihre Kinder alleine aufziehen und ernähren müssen. 
... die unzählige Male nachts wegen der Kinder aufstehen, ohne sich zu beklagen.
... die jahrelang mit maximal 5 Stunden Schlaf pro Nacht auskommen.
... die ihre eigenen Bedürfnisse viele Jahre immer hinter die ihrer Kinder zurückstellen.
... die Trotzanfälle von Kleinkindern und die Zurückweisung und Launen von Teenagern aushalten.
... die ihre Kinder trotzdem lieben, auch wenn sie faule, respektlose und narzisstische Kröten sind.
... die jede Zeichnung und Bastelarbeit ihrer Kinder aufbewahren, auch die furchtbar hässlichen.
... die brav zu unzähligen Elternabenden gehen, obwohl eine Wurzelbehandlung angenehmer wäre.
... die wertvolle Lebenszeit damit verbringen, Lateinvokabeln und Formeln mit ihren Kindern zu üben.
... die ihre Kinder mit Zähnen und Klauen verteidigen und ihr Leben für sie geben würden.
... die von ihren längst erwachsenen Kindern immer noch dafür verantwortlich gemacht werden, dass
    sie ihr eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommen. 
... die sich mit großen Schuldgefühlen quälen, weil ihre Kinder auf die schiefe Bahn geraten sind. 
... denen nie vergeben wird.
... die nach ihren Kindern auch noch ihre Enkel aufziehen, damit deren Eltern arbeiten gehen können. 
... deren Kinder immer genervt reagieren, wenn sie anfufen.
... die in den Augen ihrer Kinder an allem schuld sind.
... die nie ein Danke hören und Anerkennung erfahren.
... deren Lebenserfahrung und Rat nicht wertgeschätzt wird.
... die selbst keine liebevolle Kindheit hatten und trotzdem ihren Kindern Liebe schenken.
... die immer ihr Bestes gegeben haben, mit den Mitteln, die sie zur Verfügung hatten.
... deren Kinder sich nie melden.
... die heute traurig alleine zuhause sitzen.
... die ihre Kinder in einem Krieg großziehen müssen.
... die ihre Kinder beerdigen mussten.
... die nicht mehr unter uns sind. 

All diese Mütter haben ein Meer aus Blumen verdient. Und Schmetteringe oben drauf.
Das ist heute für euch.





Für meine Mama. 




Obstbaumwiesen bei Pretzfeld . Fränkische Schweiz
Muttertag, Fränkische Schweiz, Pretzfeld, Kirschblüten, blühende Kirschbäume, Wiesenschaumkraut, Schlüsselblumen, kriechender Günsel, Steinbrech, Löwenzahn, Frühlingswiese, Ausblick, Fernblick,

Kommentare:

  1. Danke für dein BLUMEN-MEER !!!!
    Gruß zu dir
    heiDE

    AntwortenLöschen
  2. Diese Wiese und deine Fotos davon sind einfach himmlisch... Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen
  3. Wunderschöne Fotos! Ich liebe die rotbedachten Dörfer südlich der Mainlinie, die ich seit meiner Kinderzeit nur noch im Herzen trage. Und Wiesenschaumkraut!
    Einen schönen Maientag!
    Astrid

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Katja,
    so ein schöner Post! Ich bedanke mich.
    Ich gehöre zu den "ersten Müttern" und habe das Glück dass mein Mann mich jeden Tag wert schätzt, meine Kinder mir Dankbarkeit und Liebe zeigen auch wenn sie es nicht müssen.
    Ich empfinde meine Familie auch als wunderbares Pflaster für den Teil meiner Seele der fast ohne Mutter auskommen musste. Meine Mutter wollte nie diese hübschen lieben Geschenke von Kindern zum Muttertag, wollte hier nicht bedacht werden. Das hat mich oft traurig gemacht. Auch sonst hat sie sich in vielen Dingen nicht so benommen wie ich es mit dem Muttersein verbinde. Wer weiß ob sie sich so fühlt? Ich lese davon wie du deine Mutter ( und auch den Vater vermisst) und freu mich für dich dass su sie hattest. Ich vermisse meine Mutter schon ein Leben lang.
    Dir einen schönen Muttertag!
    Sophia

    AntwortenLöschen
  5. Meine Mutter findet den Tag so überflüssig wie Valentinstag. Also Geldschneiderei der Blumenläden. Ich hab ihr denn dieses Jahr auch nichts besorgt. Stattdessen hab ich was gekocht. Ich finde das ist ein guter Kompromiss.
    Du hast Recht, Mütter leisten unglaublich viel! Ganz ehrlich? -Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde! Aber wenn ich ein Kind bekommen würde, hätte ich ja keine andere Wahl.
    Wenn wir uns gelegentlich über unsere Mütter ärgern, sollten wir daran denken, was sie alles mit uns durchgemacht haben und wie sehr sie uns lieben.

    Übrigens, ich glaube, du hast oben in deinem Text etwas vergessen. Da fehlt irgendwo ein halber Satz zwischen den kleinen Kindern und den Tankstellenblumensträußen. ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Hinweis - da ist wohl ein Teil meines Textes im Nirwana verschwunden.

      Löschen
  6. Ein Blümchen nehme ich mir einfach auch, als Nicht-Mama, einfach weils gar so schön anzuschauen ist. Alle anderen gönne ich von Herzen den Müttern dieser Wet!

    AntwortenLöschen
  7. da hüpft das Herz – vor allem das der (unfreiwilligen) Städterin! danke und eine gute Woche!

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Katja, ich schaue heute schon zum dritten Mal hier vorbei, sehe mir diese wunderschönen Bilder an und lese weise Worte. Vielen Dank dafür!

    AntwortenLöschen
  9. Liebe Katja, ich habe gerade heute am Muttertag Deinen großartigen Blog entdeckt. Er ist eine Bereicherung, und mir gefallen sowohl Deine Bilder, als auch viele Deiner Gedanken.

    „Weil Gott nicht alles allein machen und nicht überall sein konnte, schuf er die Mütter."
    Dieses arabische Sprichwort sollten wir uns vielleicht ALLE öfter vergegenwärtigen - nicht nur am Muttertag!
    LG Heidi

    AntwortenLöschen
  10. Danke für all die Blumen, die du uns gesammelt hast. Besonders als "Kröten"-Mutter genieße ich das Blumenmeer um so mehr. So habe ich dann gestern das Krötenkind einfach alleine Zuhause gelassen und mit anderen Krötenmüttern einen wunderbaren Tag verbracht. :-)
    Danke auch für deine ellenlange Auflistung. So sehe ich wieder einmal, was wir Mütter (ich Mutter) alles leisten. Jeder Satz ein "ach ja, das mach ich ja auch"-Erlebnis.
    Ganz liieeebe Grüße
    und einen schönen Wochenanfang
    Claudia

    AntwortenLöschen
  11. liebe katja,

    danke für al die blumen! ich habe auch ein paar blümchen für dich! bin gerade jedoch nicht in der lage zu posten. kommt noch. nicht zum muttertag ;o) zum vergissmichnichttag sozusagen.

    die tabea grüßt zufrieden weil sonne

    AntwortenLöschen
  12. So schöne Worte, so schöne Bilder! Ach Mütter!

    AntwortenLöschen
  13. Gänsehaut. Ich danke dir. Und viele gute Gedanken und Erinnerungen an deine Mama wünsche ich dir.

    Die Sonne scheint.
    Liebe Grüße
    Dörte

    AntwortenLöschen
  14. Du hast gar nicht erwähnt, in welche Kategorie der Mütter du dich einordnen würdest...wäre mal spannend...:-)
    Schöne Wiesen, hier blüht auch reichlich...am schönsten finde ich das Wiesenschaumkraut, vor allem wenn es gepaart mit Himmelsschlüsselchen kommt.
    LG Sigrun, eine Mutter, die sich über Blumen freut

    AntwortenLöschen
  15. Danke Dir für diese schönen Worte und wunderschönen Bilder. Hier war es ein schöner Sonntag, aber kein besonderer. Ganz frei von dem Bewusstsein, dass es der Muttertag war, konnte ich mich nicht machen und finde mich in einigen Punkten deines Textes wieder. Von Mutter zu Mutter, liebe Grüße. Wiebke

    AntwortenLöschen
  16. dein Beitrag hat mir das Wasser in die Augen getrieben;)
    wie viele von deinen Worten kann wohl fast jede Mutter für sich in Anspruch nehmen ;)
    meine Mutter lebt zwar nicht mehr.. aber ich habe mit meinem Papa Vatertag gefeiert..
    und meine Kinder (die noch da sind) vergessen mich zum Glück auch nicht..
    Geschenke müssen gar nicht sein.. eine Umarmung..einfach da sein.. ..das reicht schon
    dankeschön
    Rosi

    AntwortenLöschen
  17. Wunderschön geschrieben und das ist das wahre Leben einer Mutter ! DANKE !!!!

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!