Samstag, 19. März 2016

In heaven No. 209 - Heimatabend

Als ich mit diesem Blog vor etwas mehr als vier Jahren begann, dachte ich lange darüber nach, ob ich die Rubrik mit Berichten und Fotos aus meiner Region, in der ich mich sehr zuhause fühle, "Heimat" nennen darf. Ein sehr schönes, weiches, wohlklingendes Wort, das ein Herzensgefühl der Hingezogenheit und Verbundenheit mit einer Stadt, einer Region, einer Landschaft beschreibt und doch... gab es ein Zögern. Ein Zögern wegen des Missbrauchs, den dieses Wort vor 80 Jahren erleben musste und wegen der Menschen, die es annektiert, instrumentalisiert, vergewaltigt, benutzt und beschmutzt haben. Schließlich überwog aber damals das gute, warme Gefühl, das dieses Wort in mir auslöst, wenn ich an eben meine "Heimat" denke, meine Stadt, meine Region Mittelfranken und an Bayern und ich beschloss, dass genug Zeit vergangen war, um diesen Begriff endlich wieder restlos positiv zu besetzen.



Nur vier Jahre später rotten sich jetzt wieder Personen zusammen, um dieses Wort für ihre rassistischen Ideen und für die Ausgrenzung all dessen zu  missbrauchen, was sie als fremd und bedrohlich empfinden, weil sie es nicht verstehen oder weil der Futterneid stärker ist als jegliche Empathie. Ich finde, wir dürfen uns unsere Worte und unsere Sprache nicht stehlen lassen von Hetzern und Hassern, von Menschen, denen jedes Mittel Recht ist, um für ihre Zwecke Zwietracht und Dunkelheit zu verbreiten - mit und durch unsere Sprache. Denn ich liebe meine Heimat und die gehört nicht den Rassisten. 




Heimatabend in Fürth.

Als ich das Sandsteinrelief vor nicht allzu langer Zeit an einer Hausfassade bei mir ganz in der Nähe entdeckte, stand ich lange davor und dachte über den Begriff "Heimat" nach. Ich wunderte mich sehr, dass es mir noch nie vorher aufgefallen war, obwohl ich hier seit zwölf Jahren wohne. Schmunzeln musste ich auch, ist doch diese "Heimat." auf die gleiche Weise mit einem Punkt begrenzt, wie ich schon immer meine Rubriken und Postthemen gerne schreibe. Streng genommen geht das gar nicht, besteht ein Satz grammatikalisch doch immer mindestens aus Subjekt und Prädikat. Aber manche Wort bedürfen keines Tuns und keines Brimbamboriums mehr, weil sie für sich schon schön und gut und stark und ausreichend sind. Heimat und Punkt.

Sehr gute Denkanstöße zum Missbrauch von Worten unserer Sprache hat Indre diese Woche gegeben.
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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.  
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Kommentare:

  1. Heimat und Punkt. Dieses Gefühl kann ich schwungvoll unterschreiben, Katja! Wir geben nicht auf, gelle?! Herzlichst, Nicole

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  2. heimat * dieses wort war für mich als kleines kind und auch jetzt noch die heimat meiner Eltern, Schlesien, da ich nur zuhause deutsch sprach... in Frankreich wo ich seit meiner geburt wohne hat dieses wort kein genaues wort, ich lese gerade in mein *dictionnaire* pays natal, patrie...also geburtsort, vaterland... schade dass dieses Wort oft schlechte Gedanken hervorrufen. für mich ist der sinn geburtsort sehr wichtig da oft dort die *wurzel* unseres lebens bleiben auch wenn man woanders wohnt, und dort die äste, das laub entfalten... wie ein symbolischer baum *
    schöner sams*tag !

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  3. Liebe Katja,
    wie so oft auch heute eine, Freude Deine Gedankengänge zu lesen.
    herzlich Margot

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  4. Es ist gut, auch anderswo in den Weiten des Netzes ähnliche Gedanken zu finden, die den Menschen beschäftigen. Bei mir geht es heute um die Besetzung der Farbe blau durch braungeistige Mitmenschen...aber auch Farben gehören allen...
    Verlinkung folgt später!
    Einen guten Tag!
    Astrid

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  5. Heut' hab ich auch mal wieder einen heimatlichen Himmel. Ja, Worte und Gefühle nicht vereinnahmen lassen vom Hass - da steht uns Arbeit bevor, Vorleben und Begegnung, immer wieder. Liebe Grüße Ghislana

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  6. Stolz auf die Heimat, Patriotismus, waren mir als Jugendliche durch die deutsche Geschichte immer extremst negativ besetzt. Einen positiven Wert hat das Wort "Heimat" erst in den letzten Jahren bekommen, da ich mich mit einer Landschaft verbunden habe.
    Die Sprache kann sich nicht gegen den Missbrauch wehren, das müssen wir schon als ihre Benutzer tun. Aber es tropft immer etwas ins Un(ter)bewusste.
    Wie gut, dass Du das thematisierst!
    Liebe Grüße Andrea

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  7. mir geht es genauso wie andrea.noch immer ist "hiemat" für mich negativ besetzt und ich bekomme den gedanken schwer aus dem kopf. aber du hast natürlich recht, doch manchmal stellt sich der bauch (noch)gegen den verstand.
    liebe grüße, mano

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    1. jetzt schreib ich heimat auch noch falsch, tse...

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  8. Für mich als jemand, der sich eher als Brücke zwischen zwei Heimaten sieht, wird dem Wort Heimat viel zu grosse Bedeutung beigemessen. Darum gefällt mir das mit dem Punkt. Heimat ist dort wo du liebst nicht dort wo du lebst, heisst es in einem griechischen Lied. Und das passt mir auch. Denn lieben tut man nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft, sondern im hier und jetzt. Daher liebe Katja, lass dir die Liebe zu deiner Heimat von solch Leuten nicht verderben, die nicht wissen was Heimat ist und sich von Angst und Hass leiten lassen.
    Lieber Gruss Nica

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  9. Oh Du mein schönes Heimatland, wo man das Sauerkraut erfand...

    Schön ist Deine Heimat! Auch die sprachliche.

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  10. Wie wahr! Wir dürfen uns nicht ständig Wörter und Symbole zum Missbrauch 'abnehmen' lassen. Dem muss man entgegen halten.
    http://kunterbunt11.wordpress.com

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!