Samstag, 12. März 2016

In heaven No. 208 - Hansegrau

Die deutschen Hansestädte können prachtvollen blaeun Himmel über noch prachtvollerem alten Backstein - aber wenn sie nicht wollen, dann können sie auch ein alles verschlingendes Grau, das samt Nebel und stürmischem Regen innerhalb weniger Minuten vom Wasser her aufzieht und dem ganzen Stadtbild trotz beeindruckender Fassaden einen etwas morbiden Anstrich gibt. Hansehäfen können das sogar noch besser, vor allem wenn sie sich dazu dann auch noch alter Segelschiffe und Krähen bedienen. Ein bisschen spooky war Wismar also an diesem speziellen Tag, an dem wir uns den alten Hafen ansehen wollten und auf riesige verlassene Speicher, einen alten Kahn und viele Seemannsknoten stießen...









Die Infrastruktur samt öffentlicher Toiletten und Gastronomie steht dort bereits, denn die alten, leerstehenden Backsteinspeicher sollen demnächst in Luxus-Ferienwohnungen umgebaut werden. Bereits renoviert ist das alte Baumhaus aus dem 18. Jahrhundert... das gar nichts mit dem zu tun hat, was wir uns unter einem Baumhaus vorstellen, sondern seinen Namen von den "Bohmschlütern" hat, die früher bei Nacht den Hafen mit einer Kette abgesperrt haben, um unerwünschte Schiffe fernzuhalten und die an Land auch den Schlagbaum bedienten. Die Originale der vor dem Haus gezeigten Schwedenköpfe stellen Herkules dar und zierten früher Dalben in der Hafeneinfahrt.




Unser erster persönlicher Kontakt mit Einheimischen in Wismar ging übrigens so: Wir nähern uns auf einem Innenstadtplatz, von dem aus sternförmig viele Wege leicht bergab führen, einem älteren Herrn mit Hut.

Ich:                   "Guten Tag, Entschuldigung - sind Sie eventuell aus Wismar?" 
Älterer Herr:     "Warum wollen Sie das wissen?"
Ich (irritiert):    "Weil ich hoffe, dass sie mir in diesem Fall dann eventuell netterweise 
                          sagen könnten, wie wir zum alten Hafen kommen?"
Älterer Herr:     "Wenn Sie das wissen wollen, dann gehen Sie zur nächsten Kreuzung, dort 
                           stehen genug Schilder."
Ich (ab):             "Na dann herzlichen Dank für diese so überaus freundliche Antwort."
Älterer Herr:      "Ein Tip noch auf den Weg: Häfen befinden sich immer am tiefsten 
                           Punkt einer Stadt - das lernt man in der Schule, wenn man dort aufpasst."
Ich:                     "......................"                   

Typisch Hansestädter? Typisch Wismarianer? Typisch Mecklenburg-Vorpommerianer? Typisch Norddeutscher? Typisch Hutträger? Oder doch einfach nur ein äußert unglücklicher Zufall mit einem alten Blödmann...? Man weiß es nicht.








Die Wasserkunst von Wismar auf dem Marktplatz - sie diente früher der städtischen Wasserversorgung.

Den richtigen Weg zum alten Hafen haben wir übrigens schließlich dank einer netten Touristin gefunden - den Weg zurück ganz alleine. Und auch wenn alles Grau in Grau und geschlossen war, sind wir nach dem schlimmsten Regen doch noch ein bisschen durch die wirklich schöne Innenstadt geschlendert - und dass die auch Sonne kann, das zeige ich euch ein anders Mal...
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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.  
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Kommentare:

  1. Die ersten beiden Fotos gefallen mir sehr, sehr gut!
    Liebe Grüße, Taija

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  2. kalt war sicher die stimmung vom alte herr und gut das man sich unter touristen helfen kann * in marseille hatten wir den hafen gesucht und die leute waren glücklicherweise offen, sprachen gleich über was man besuchen könnte und der weg wurde sehr genau gezeigt * jedenfalls hast du sehr schöne bilder vom hafen und der graue himmel war voller vögel ! liebe grüsse

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  3. Ehrlich gesagt - wenn das der 5. Touri an dem Tag ist, der den Hafen nicht findet oder nicht suchen will, dann läge mir möglicherweise auch eine schnippische Antwort auf der Zunge.
    Nimm's ihm nicht übel. Ich fand den Spruch mit dem tiefsten Punkt eigentlich ganz lustig. ;-)

    Und die Bilder vom Hafen sind total schön!

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    1. Nun, es gibt vier Häfen und alle Straßen führten abwärts, Handyempfang existierte nicht und die Tourist-Info hatte zu.
      Aber ganz davon abgesehen, würde ich niemals auf den Gedanken kommen, einen höflich nach dem Weg fragenden Menschen so zu behandeln - ob ich nun in Eile bin, schlechter Laune, er direkt neben einem Wegweiser steht oder es der 5. in Serie ist... was z.B. in der Nürnberger Innenstadt durchaus vorkommen kann.
      Aber vielleicht ist das auch eine generelle Frage der Einstellung zu Höflichkeit und Hilfsbereitschaft, die eben durchaus unterschiedlich sein kann.

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  4. Seemannsknoten - da mag ich das Wort genauso wie die Erscheinung! Und ich tippe bei der Begegnung übrigens auf einen alten Blödmann :)

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  5. Nordedeutsche können können in der Tat brömmelig und stieslig sein, aber nicht alls ;-) Ein toller Besuch trotz Reren, wie mir scheint!
    Hab ein schönes Wochenende ... Frauke

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  6. ich habe gerade schallend gelacht. so ein blödkopf.
    mir ist einmal in freier flur ein älterer herr (lustigerweise auch mit hut) begegnet, ich war in gedanken versunken und habe ihn daher zu spät bemerkt, da baut sich dieser mensch vor mir auf, versperrt mir den weg und sagt: "normalerweise sagt man guten tag!"
    ich war total perplex, schaute ihn nur an und ging weiter.
    später ist mir eingefallen ich hätte antworten können:
    "normalerweise grüßt der herr die dame, aber anscheinend sind sie kein herr"

    herzlich margot

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  7. Mensch, Katja, wenn de aber auch in der Schule net aufjepasst has...
    Ich gehe dann mal davon aus, dass es typisch Blödmann ist, denn ganze Landstriche unter Generalverdacht stellen mag ich nicht so. Bin ja auch nicht typisch Hesse und wählen gegangen ;-)
    Tolle Bilder! liebe Grüße von Petra

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  8. Ohhhhhh, Wismar!!!!!!!!!!!!! So schön, Deine Bilder, vielen Dank dafür! Dann freue ich mich erst Recht wieder auf den Pfingstmontag, an dem wir jedes Jahr zum Fischbrötchenessen dort sind :)

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  9. Da scheinst Du ja Herrn Griesgram in die Arme gelaufen zu sein... Dafür hast Du aber feine Impressionen mitgebracht!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  10. superschöne fotos, ich hoffe, du zeigst noch einige bilder der schönsten backsteinkirchen, die ich jemals gesehen habe! ich war nämlich völlig verzaubert von wismar und habe dort eine sehr nette buchhändlerin (in einem antiquariat voller insel-bücher!) kennengelernt, mit der ich lange geplaudert habe. blödmänner sind mir dort erspart geblieben, die laufen wohl alle in braunschweig rum!
    mir gefallen die knotenbilder übrigens total gut! habt ihr welche geübt? bei mir verknoten sich da nämlich eher die finger!
    liebe grüße
    mano

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