Samstag, 2. Januar 2016

In heaven No. 198 - Weitblick

Wir müssen heute eher selten noch tagtäglich viele Kilometer laufen um Beeren und Wurzeln zu finden oder Wild aufzuspüren, zu jagen und zu erlegen, damit unser leibliches Überleben gesichert ist und wir müssen auch nicht mehr ständig auf der Hut sein, um nicht hinterrücks von einem Säbelzahntiger erwischt und dann verspeist zu werden. Wir werden heute älter als jemals zuvor, Lebensmittel können wir uns per App von der Couch aus nach Hause liefern lassen und die größte Lebensgefahr besteht darin, sich durch übermäßigen Konsum von Essen, Drogen oder Funsportarten selbst umzubringen, oder von einem Auto überfahren zu werden. Im Vergleich zu unseren Urahnen ist unsere Umwelt und unser Leben in Mitteleuropa extrem risikoarm und so könnten wir uns jetzt also alle mal etwas zurücklehnen, entspannen und unsere Sinne und die Geschwindigkeit der Verarbeitung ihres Inputs im Gehirn der Evolution entsprechend anpassen. Runterfahren. Vereinfachen. Verlangsamen. Dem einen gelingt das auch bereits nahezu in Perfektion, dem anderen fällt das schwerer. Aus irgendeinem Grund hat die Natur beschlossen, meine Instinkte nicht in angemessener Weise anzupassen. Ich hinke hinterher. Zu viele Informationen, zu viel Grundrauschen, zu wenige Filter.

Wenn ich das Gefühl habe, dass alles zu viel wird, dann wird der archaische Fluchtreflex überdeutlich spürbar und das Adrenalin nimmt mir nicht nur den Atem, stellt mein Fell auf und lässt mich fauchen, wenn man mich in die Enge treibt, es jagt auch meinen Blutdruck nach oben und mich raus aus der Stadt, weg vom Druck, rein in den Wald und rauf auf die Berge oder mangels derer auf die Türme der Umgebung... um Raum zwischen mich und den kakophonischen Lärm im Außen und Innen zu bringen, den Horizont wieder verorten und mich selbst wieder denken hören zu können und einen möglichst weiten Überblick und genug Luft zum Atmen zu bekommen.

Die letzten beiden Monate war das durchaus häufiger der Fall und so endeten und enden meine Tage derzeit öfter ganz oben mit Blick zum westlichen Horizont - wie zum Beispiel neulich auf dem Cadolzburger Aussichtsturm. Treppen hochsteigen, nur noch den Wind hören, Überblick bekommen, tief durchatmen. Besser.

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Kommentare:

  1. Das mit dem Zurücklehnen will mir gerade nicht so richtig gelingen...um so hochtechnisierter man lebt, um so mehr kann kaputt gehen...;-). Vielleicht sollte ich mir an dir ein Beispiel nehmen...und auf irgendeinen Turm hier steigen...dann habe ich zumindest für einen kurzen Moment das Gefühl, ich stehe über den Dingen...Schöne Himmel. Liebe Grüße.

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    1. Tja, genau das ist es - eine Moment-Illusion... aber eine so unglaublich notwendige und wohltuende.

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  2. Eine tolle Himmelsstimmung! Da pfeift mir glatt der Wind um die Ohren!
    Alles Gute fürs Neue Jahr!
    Astrid

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  3. Fulminate Aufnahmen, Danke!

    Schönes Wochenende ... Frauke

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  4. Ich kann Dich so gut verstehen, Katja! Auch ich hänge der Zeit hinterher ;)) nur ein Streifzug durch die Natur kann meiner Unzugänglichkeit der modernen Welt entgegenwirken. Dir ein gesegnetes neues Jahr, Nicole

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  5. Solche Aussichten haben auf mich immer absolute Sogwirkung. Toll zum Durchlüften.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Oh das mit dem Flüchten aus der Masse kenne ich. Habe gerade eine ähnlichen Post verfasst. Manchmal braucht man einfacheinen Weitblick oder Ausblick und Abstand.
    Liebe Grüsse Paula

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  7. ...ein Streifen Licht am Horizont...schön,

    alles Gute für 2016,
    lieber Gruß Birgitt

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  8. So mach ich das auch... ;-) Vielen Dank noch für deine liebe Karte samt goldenen Sterntalern. Lieben Gruß Ghislana

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  9. augen brauchen den weiten blick * und so können wir deine breite wolken-himmel auch bewundern *

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  10. Deine Himmelsbilder ... irgendwie hab ich sie aus den Augen verloren. Dennoch gefallen sie mir immernoch sehr sehr gut!
    Liebe Grüße, Julika

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  11. Was für ein schöner Post – mir geht es auch so oft so, dann muss ich raus aus der Wohnung und hinein in den Wald, meinen Lieblingsspazierweg die Hügel hinauf, bis ich oben ankomme und weit übers Land schauen kann. Liebe Grüße! Kea

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  12. Durch diesen Blog ist mein "Himmelsblick" verschärft worden.
    Inzwischen habe ich ein Album "Himmel". Übrigens mein Mann
    bewundert auch die tollen Fotos der Raumfee. M.

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!