Samstag, 31. Oktober 2015

In heaven No. 189 - Silbermond

Wenn der aufgehende Mond sein kugelrundes Gesicht anhebt und die Landschaft unter ihm in mildes, metallisches Licht taucht, dann werde ich nie müde werden, diesen sanften, alten Mann im Mond dort oben zu betrachten. Sein viel zu tief liegender Bauchnabel, all die Furchen, Krater, Berge und Täler seines Lebens, die seine Oberfläche zu einer unverwechselbaren Landschaft gestaltet haben und ihn so viel lebendiger, schöner und greifbarer machen, als wäre er nur eine perfekte, glatte, weiße Kugel. Und dann all der silberne Staub, der das Licht der Sonne so gut reflektiert, damit wir hier unten ihn auch gut sehen können. Nein, keine makellose, schillernde, blutjunge Schönheit und doch nichts anderes als einfach perfekt... weil er ist wie er ist.


Wir schauen nach oben, bangen und hoffen weiter.

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 

Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Samstag, 24. Oktober 2015

In heaven No. 188 - Herbst des Lebens

Wenn Eltern alt werden und die Zipperlein nicht mehr nur Zipperlein bleiben, dann beginnt man sich Gedanken darüber zu machen wie das mal sein wird, in nicht mehr allzu ferner Zuknft. Wenn die Merkfähigkeit immer mehr nachlässt, wenn die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt ist, wenn sie immer wunderlicher und manchmal aus unleidiger werden, wenn sie womöglich zum Pflegefall werden. Werden sie in ihrer Wohnung bleiben können? Werden sie uns noch erkennen? Werden sie ein Pflegeheim brauchen? Wie lässt sich das organisieren und wie bezahlen? Das kann Angst machen. Man spricht darüber, erörtert Alternativen... für dann... irgendwann. Aber so lange Mama oder Papa ihren Alltag noch selbst organisieren können, alleine einkaufen und ihren Haushalt versorgen, mobil sind, Freunde treffen, für Helene Fischer schwärmen, die nächste Busreise planen, Ausflüge mitmachen, mit den Enkeln spielen, Konzertkarten kaufen und nicht allzu vergesslich sind, schiebt man diese Gedanken immer wieder weg, weil das ja alles Zeit hat, solange sie noch mitten im Leben stehen und ihren Lebensherbst genießen.







Und dann kommt das Leben, und wirft ihnen innerhalb von Zehntelsekunden einen Knüppel zwischen die Beine. Oder einen Geisterfahrer. Und das Leben steht plötzlich still.

"Leben ist das, was passiert, wenn du dabei bist, andere Pläne zu schmieden."
(John Lennon) 

"Dem Himmel so nah" hieß mein letzter Post. Ich hätte niemals gedacht, dass sich das noch am gleichen Abend bewahrheiten würde. Und auf einmal ist alles andere völlig nebensächlich und die Aussicht auf Pflegeheim nicht mehr die schlimmste Alternative.  Gib nicht auf und bleib hier bei uns, Mütterlein.  

Wenn jemand Gebete übrig hat... danke.






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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe... zwischen Parkhaus und Intensivstation.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen hoffentlich fröhlicheren Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Sonntag, 18. Oktober 2015

Dem Himmel so nah.

Ganz früh am Morgen aufzubrechen, wenn das Tal noch verregnet, morgenkalt und nebelverhangen ist und durch die Wolken im stillen Wald hinaufzusteigen, immer dem Licht und der Sonne entgegen, ist ein Erlebnis, das mit nichts zu vergleichen ist. Perlentaubehangene Webkunstwerke in den Bäumen, Tautropfengeschmeide im Gras, Zaubermooswaldboden unter den Füßen. Ganz still ist es zu dieser frühen Stunde im kühlen Bergwald, wenn der Morgennebel langsam und träge über dem Waldboden hin und her schleicht und die Vögel den Tag noch nicht begonnen haben. Nie fühle ich mich der Erde und der Schöpfung verbundener als in diesen Stunden, nie mehr als ein selbstverständlicher Teil von ihr, als wenn ich dem beginnenden Tag entgegengehe. Und schließlich ankommen ganz oben, mitten in den Wolken rund um den höchsten Punkt eines Berges, über sich nichts mehr als den unendlichen Himmel... ein unvergleichlicher Herzhupfermoment. Wenn sich dann die Wolkendecke langsam immer weiter hebt, die Sonne stärker und stärker wird und die kalten Glieder langsam aufwärmt, während sich immer mehr Strukturen der umliegenden Berge und schließlich auch der Täler abzeichnen, die Vögel beginnen zu singen und die Wolken sich aus dem Wald lösen und in den Himmel aufsteigen, um der Sonne Platz zu machen, dann bin ich im Erleben dieses Momentes ohne Einschränkung unbandig und von ganzem Herzen glücklich.











Die Kirche hat es schon immer verstanden, sich ganz besondere Orte als Standpunkte für ihre Gotteshäuser auszusuchen und diese auch so zu bauen, dass sie dieses Gefühl der Erhabenheit, Energie und Gottesnähe noch verstärken. Aber manchmal braucht es auch gar kein sakrales Gebäude, um die Erhabenheit des Himmlischen zu fühlen oder sie zu verstärken, denn man kann auch einfach dorthin gehen, wo man dem Himmel, dem Universum oder Gott am nächsten ist - nach draußen in die Natur, umgeben von der ganzen Schöpfung und mittendrin. Und wo könnte man dem Himmlischen und Gott noch näher sein als ganz weit oben, dort, wo es nichts Trennendes mehr gibt zwischen den Menschen und dem Himmel? Aus diesem Gedanken heraus ist sicherlich die Tradition der Berggottesdienste entstanden, für die der Pfarrer der Gemeinde an bestimmten hohen Feiertagen im Jahr die Predigt nicht in der Kirchen, sondern auf einem Berggipfel hält. Der Berggottesdienst zu Maria Himmelfahrt auf dem Gipfel des Mühlriegel bei Arnbruck im Bayerischen Wald folgt einer langen Tradition. Jedes Jahr zu diesem Termin macht sich die Bevölkerung zu Fuß auf den Weg hinauf auf den Hausberg Mühlriegel - und auch wir als Nichtkatholiken und Nichtkirchgänger hatten uns an diesem schon sehr herbstlichen Morgen Mitte August ganz früh auf den Weg gemacht, um diese Tradition in Form eines Berggottesdienstes unter freiem Himmel mitzuerleben. 











Unterhalb des Gipfels angekommen, besorgten wir uns einen Kräuterbuschen, der traditionell an diesem Tag geweiht wird. In der Zeit zwischen Mitte August und Mitte September - auch "Freuendreißiger" genannt - wurden schon seit vielen tausend Jahren von den Frauen Heilkräuter gesammelt und getrocknet, weil sie zu dieser Zeit, am Ende des Sommers, die meistens wertvollen Inhaltsstoffe entwickelt haben. Über die kalte, vegetationsfreie Zeit wurden damit dann die Familien damit versorgt und Krankheiten behandelt. Unersetzlich wertvoll für die die Bevölkerung, die noch keine Arztpraxen kannte. Mindestens sieben und maximal neunundneunzig Kräuter (eine magische Zahl muss es immer sein) und auch Blumen gehören in einen solchen Kräuterbuschen, der schon in vorchristlicher Zeit den Göttern geopfert wurde, als Dank für deren Schutz und die Heilkraft, die sie in die Kräuter gelegt haben und dessen Berührung die fruchtbarkeitsspendende Kraft auf den Menschen übertragen sollte. Traditionell finden sich zum Beispiel Alant, Arnika und Baldrian, Beifuß, Frauenmantel, Kamille und Johanniskraut, Pfefferminze, Schafgarbe, Wermut und Rainfarn, Raute, Thyian, Wegwarte, Wollziest in vielen Kräuterbuschen, in der Mitte meistens eine Königskerze, auch Marienkerze genannt. Zu Beginn der christlichen Missionierung wurde diese Opfergabe als heidnisches Hexenwerk verboten, doch wie die Menschen eben so sind, ließen sie sich nicht wirklich von dieser Tradition abbringen. Die Kirche dachte sich also einen Kompromiss aus und weihte den 15. August der Gottesmutter Maria und ihrem Aufstieg in den Himmel. Es entstand die Legende, dass die Apostel drei Tage nach Mariens Tod ihr Grab leer vorfanden, aber gefüllt mit den Düften von Blumen und Kräutern. Sie musste also mit Leib und Seele in den Himmel aufgefahren sein...






Ihr zu Ehren und um ihren Schutz bittend werden deshalb in katholischen Gegenden vor allem in Bayern jedes Jahr am Vorabend des 15. August Kräuter gesammelt und zu Kräuterbuschen gebunden, die dann am nächsten Tag, zu Maria Himmelfahrt, vom Pfarrer im Rahmen eines Gottesdienstes gesegnet werden. Die Buschen hängt man in der Stube im Herrgottswinkel auf und vertraut auf den Schutz der Mutter Maria. Und weil das auch bei Katholiken so eine Sache ist mit dem generellen Vertrauen, wurden traditionell schon immer geweihte Kräuter auch zum Räuchern verwendet, als Tee getrunken, krankem Vieh ins Futter gemischt und Teile des Kräuterbuschen bei Sturm oder Unwetter im Ofen verbrannt, weil das vor Blitz und Unglück schützen soll... sicher ist sicher.



"(...) Herr, unser Gott, Du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben und sie in den Himmel aufgenommen mit Seele und Leib. An ihrem Hochfest danken wir Dir für alle Wunder Deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst Du uns Gesundheit und Freude. Segne diese Kräuter und Blumen. Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum Deines Lebens. Schenke uns auf die Fürsprache Mariens Dein Heil. Laß uns zur ewigen Gemeinschaft mir Dir gelangen und dereinst einstimmen in das Lob der ganzen Schöpfung, die Dich preist durch deinen Sohn Jesus Christus in alle Ewigkeit."
(Auszug aus den Gebeten zur Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt - Quelle: Wikipedia)

Bis dahin hatte ich nur einmal in meinem Leben vor vielen Jahren eine katholische Messe in Bayern erlebt und empfand sie als bedrückend und freudlos mit dem vielen Gekniee, den folternden Kirchenbänken, der strengen Lithurgie, dem Weihrauchkessel, der Betonung der Sünde in fast allem was Freude bringt, der Beichte, der überladenen Kirchengestaltung und den düsteren, gemurmelten Gebeten. Hier war das ganz anders. Die Menschen waren heiter, einander zuwandt und schienen frei, inmitten der Natur auf den Felsen und im Gras unterhalb des Gipfelkreuzes sitzend und der Gottesdienst an diesem hohen katholischen Feiertag zeigte so als ganz selbstverständich gelebte christliche Tradition und auch Feier, die Menschen Freude bringt und nicht Bedrückung.
Am Ende des Gottesdienstes hoben sich wie nach Regieanweisung von ganz oben alle Wolken und während sich die Gottesdienstbesucher nach der Kräuterweihe ein Stück unterhalb des Gipfels beim bereitgestellten Frühschoppen für den Abstieg stärkten, hatten wir den Gipfel wieder ganz für uns alleine - dieses Mal nebelfrei und in der Sonne.






Nach ausgiebigem Genießen des Ausblicks auf den Bayerischen Wald ging es dann einen anderen Weg wieder hinunter zum Ausgangspunkt. Ist das wirklich der selbe Wald? Ja, das ist er. Aber ohne die frühen Morgenstunden und den Nebel erscheint er wie ein anderer. Menschenstill noch immer, aber auf einmal viel farbiger, kontrastreicher, satter und mit Sonne gesprenkelt, erfüllt von Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Winds in den Bäumen. Erhaben und mystisch am Morgen, lebendig und bodenständig am Mittag, verändert nur durch die Sonne und ihre Wärme.




Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Skywalk - einer in den Wald hineingebauten Aussichtsplattform unterhalb der Ortschaft Eck. Wer vorher schon die Aussicht von ganz oben genossen hat, dem mag die Aussicht hier nicht mehr spektakulär erscheinen, aber wer sich vom Wanderparkplatz in Eck her nur bis dorthin aufmacht, dem bietet sich ein Ausblick, den er von der Straße aus natürlich nicht erleben kann.








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Wanderung von Eck bei Arnbruck auf den Mühlriegel und zum Skywalk

Vom Wanderparkplatz in Eck (843m) dem Goldsteig (gelbe Serpentinen auf weißem Grund) im Wald neben der Skipiste steil hinauf bis auf den Gipfel des Mühlriegel (1.080m) folgen. Für den Rückweg relativ steil abwärts nach rechts der blauen 8 folgen, die irgendwann auf einen Forstweg stößt und diesem nach rechts folgen. Von diesem zweigt der Abstecher zum Skywalk rechts oberhalb ab. Vom Aussichtspunkt aus dann einfach immer den Waldweg weitergehen, bis man wieder am Wanderparkplatz in Eck ankommt - das ist nicht zu verfehlen.

Länge: 4,5km - Höhenmeter: 237m - reine Gehzeit ca. 3 Stunden bei langsamem Tempo

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