Donnerstag, 30. Juli 2015

Julitisch . die irdene Provenzalität

"Provenzalisch" ist das Adjektiv, das Dinge beschreibt, die aus der Provence kommen. Und wie lautet dann das substantivierte Adjektiv? Provenzalität...? Jahrzehntelang habe ich alles was die deutsche Sprache und Grammatik betrifft aus dem Bauch heraus entschieden, ohne mich um grammatikalische Fachbegriffe, Regeln, Beugungen, Vertheoretisierungen und Rechtschreibreformen zu kümmern und bin damit nicht nur gut gefahren, sondern habe mir auch eine große Freude am Spiel mit der Sprache bewahrt. Wenn ich jetzt wieder zwangsweise miterleben muss, wie Kinder in ihrer Muttersprache mit Regeln und Fachtermini der Grammatik gefoltert werden, als wäre die mit Freude und Begeisterung von Geburt an erlernte Sprache nicht beherrschbar, wenn sie nicht in eine eisernes und unumstößliches Korsett aus lateinischen Fachbegriffen gezwängt und täglich unter Folter mit glühender Zange in Form getrimmt, abgefragt und heruntergeleiert wird, dann grimmt sich mein Magen schmerzhaft zusammen. Sprachinquisition. Wie sollen Kinder sich mit dieser Zwangsjacke im Kopf, die das strikte Einhalten von eingepaukten Regeln für wichtiger hält als den Inhalt und die einem Text zugrundeliegende Phantasie, die Freude am gesprochenen, aber vor allem am geschriebenen Wort erhalten und frei und unbelastet ihre Gedanken durch die Hand auf das Papier fließen lassen? Mir vergeht alleine schon bei der Hausaufgabenbetreuung alles.









Menschen schreiben heute kaum mehr von Hand und dieses Kulturgut der (hand)geschriebenen, individuellen Sprache geht immer mehr verloren... weil Unbeschwertheit und Freude daran schon in der Kindheit ausgetrieben werden wie der Teufel. Kürzlich las ich von einem Volkshochschulkurs, in dem man erlernen kann, von Hand Briefe zu schreiben. So mit Stift und Papier. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll. 

Der weiße Lavendel und der wundervolle irdene Becher mit dem inwendigen Gletscherseegrün von Anna  Russelmann waren ein Geburtstagsgeschenk meiner Schwester.

irden = aus gebranntem Ton bestehend
Provence = Herkunftsregion des Lavendels in Frankreich, Adjektiv: provenzalisch

Monatstische 2015

Juni . Juli . August

Meine Monatstische der Vorjahre findet ihr  > hier
Auch in diesem Jahr treffen sich die 12tel-Blicksammler immer am Monatsende bei Tabea.
Monatstisch Juli, Tischschmuck im Sommer, weißer Lavendel, irdisch gut, Keramikbecher, Craquelée, Keramik,  Monatstisch, 12tel Blick

Dienstag, 28. Juli 2015

Wou issn is Hirn?

Ein immer wiederkehrender Dialog aus dem Programm des Nürnberger Kabarettisten Bernd Regenauer lautet: "Wou issn is Hirn?" - "Dou wo´s hieghört!" - "Des glaab i ned!". Des glaab i a ned, vor allem ned, wenn man in einer Innenstadt mit akutem Parkplatzmangel wohnt... wenn das Auto so jeden Tag nach langem Kreisen an einer anderen Stelle in einem Kilometer Umkreis abgestellt werden muss... wenn das Hirn voll ist und die Gedanken immer schon beim nächsten Punkt auf der Liste sind... wenn dann noch Hochsommerhitze erschwerend dazukommt... und wenn man am nächsten oder übernächsten Morgen sein geparktes Auto wiederfinden muss. Dann ist das Hirn manchmal nicht mehr dort wo es hingehört, beziehungsweise tut sich ein riesiger blinder Fleck auf der Landkarte der Frage "Wo steht mein Auto?" auf. Ich war mir doch ganz sicher, dass ich es vorgestern hier... Nein?... Dann aber ganz bestimmt da... oder doch nicht? Wenn das Auto keinen festen Platz hat wo es hingehört, dann gerät die Pünktlichkeit bei Terminen täglich allein dadurch in Gefahr, dass man sich nicht mehr erinnern kann, wo verdammt nochmal man das Auto zuletzt geparkt hat...
 


Der Autowiederfinder hilft dabei, das Nämliche wiederzufinden. Täglich beim Heimkommen die Pinnadel an der Stelle des Parkplatzes auf der Karte platziert, reicht beim Verlassen der Wohnung ein kurzer Blick, um auch sicher den richtigen und schnellsten Weg zum Auto zu finden. Es überhaupt wiederzufinden. 

Autowiederfinder  

Man benötigt:

° 1 Bilderrahmen  (1,00 € - Gebrauchtwarenhof)
° 1 unbehandelte Kork-Fußbodenplatte, 4mm dick (0,00 € - Muster vom Bodenbelagshandel)
° Teilausdruck des Stadtplans im Raum des üblichen Parkgebiets in Größe des Bilderrahmens (0,05 €)
° Cutter, Pinnadel, dicker schwarzer Filzstift (0,00 € - aus Bestand)
° Auto ab jetzt wiederfinden (unbezahlbar)

So wird es gemacht: 

Den Bilderrahmen hinten öffnen und Rückwandplatte und Glas herausnehmen. Die Korkplatte mit dem Cutter auf das Maß der Rückwandplatte zuschneiden. Die Korkplatte muss natur, also unversiegelt sein - sonst hält der Filzstift später nicht. Den Stadtplanausschnitt (z.B. mittels Bildschirmfoto erstellt und mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf die entsprechende Größe gebracht) freihand auf die Korkplatte übertragen - erst mit einem weichen Bleistift als Linien, dann mit dem Filzstift die Linien zu Staßen verbreitern. Wer sich das Freihand nicht zutraut, legt Blaupauspapier drunter und fährt die Straßen nach. So exakt muss es nicht sein - es geht ja nicht um kartografische Genauigkeit, sondern um Orientierung. Mit einem Punkt die Wohnung markieren, das hilft zur schnellen Verortung. Wer sich die ohne Straßennamen nicht zutraut, der kann den Ausdruck auch einfach mit Sprühkleber auf den Kork aufkleben.
Die Korkkarte in den Bilderrahmen legen, mit der Rückwandplatte abdecken und die Spannklammern wieder einsetzen. Nagel in die Wand, aufhängen. Jetzt nur noch die Pinnadel an der entsprechenden Stelle einsetzen und ab da das Auto immer wiederfinden.  

Natürlich gibt es dafür auch Apps. Aber mein Handy nutze ich nur zum Telefonieren unterwegs, deshalb ist es meistens tief in der Tasche und mein Leben zuhause weitgehend analog. Deshalb ist mir ein Plan vor der Nase für das tägliche Autowiederfinden um ein Vielfaches lieber als eine Online-Spielerei. Für 1,05 € Materialkosten und 30 Minuten Bastelzeit ist der analoge Autowiederfinder auch durchaus konkurrenzfähig, was das heimatliche Parken am Wohnort angeht.


Immer zu wissen wo das Auto sich befindet und wo nicht, hat abgesehen von viel gesparter Zeit für sinnlose Suche noch einen ganz entscheidenden Vorteil: es ist gut für den Blutdruck und man macht sich nicht zum Vollhonk... indem man zum Beispiel in hochsommerlicher Hitzehirnlosigkeit die Polizei ruft, weil das Auto gestohlen wurde und die Wachtmeister Tatortfotos machen und eine Stunde lang eine Anzeige schreiben lässt, inklusive Beschreibung verdächtiger Personen und der Dokumentation des illustren Kofferrauminhalts aus Wanderstöcken, Altglas, Gartenschere, Lenkdrachen, Wasserkasten, Baumsäge und Altkleidersack... um sich dann eine halbe Stunde später von den selben Polizisten zu seinem "gestohlenen" Auto führen zu lassen, das hinter der nächsten Kreuzung und hundert Meter weiter von dem Punkt entfernt parkt, an dem man sich absolut sicher war, es zuletzt abgestellt zu haben. Natürlich erst, nachdem man schon die halbe Stadt abgesucht, die Versicherung informiert und zwei Stunden hyperventiliert hat. Dou iss is Hirn definidief wärgli ned. 
Ein herzliches Dankeschön nochmal an die Autowiederfindekünste der netten Fürther Polizeibeamten, ihre Gelassenheit und ihren Humor. Dass das offensichtlich häufiger passiert, tröstet mich nur peripher. Ich bin urlaubsreif. Sowasvon. 

Mehr Upcycling-Ideen von mir findet ihr > hier.  

verlinkt mit: 
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Samstag, 25. Juli 2015

In heaven No. 175 - Hochsommer

In meiner direkten Umgebung gibt es nur wenige Erhebungen, die einen weiten Blick bis zum Horizont ermöglichen, undurchschnitten von Überlandleitungen. Diese Orte suche ich immer wieder auf, wenn mir die Stadt zu eng wird oder das Brett vor dem Kopf den Blick auf die beste Lösung versperrt. Dann stehe ich dort, atme tief durch und blicke weit nach Osten bis zum Moritzberg hinter Nürnberg, nach Norden bis zum Walberla in der Fränkischen Schweiz und nach Westen und Süden über weite Felder und Wälder und warte, bis das Brett sich einfach in Luft auflöst. Eine dieser Höhen liegt zwischen den Fürther Ortsteilen Ritzmannshof, Flexdorf und Untermichelbach. Außer Reitern und Traktoren ist dort nur selten jemand unterwegs und so kann man dort in Ruhe stehen, jetzt im Hochsommer dem klickernden Rascheln des reifen Weizens im Wind, dem papiernen des schon hohen Mais und den vielen, emsigen Heupferden zuhören und dabei in die Ferne schauen...















Links der Moritzberg in der Ferne, rechts nicht ganz so fern der Solarberg von Atzenhof.

... Noch kann man dort in die Ferne schauen, denn die geplante Umgehungsstraße von Vach und Stadeln soll dieses Gebiet auf der Höhe und auch das traumhaft schöne Zenntal genau mitten entzwei schneiden. Ein weiterer rarer Aussichtspunkt und Ruheort, der dem Individualverkehr geopfert werden soll, anstatt die öffentliche Nahverkehrsanbindung der außerhalb liegenden Stadtteile Fürths zu verbessern.
Der Weg nach Ritzmannshof lohnt aber auch abseits der Aussicht auf jeden Fall - zum Beispiel zum Einkauf in den Bauernhofläden der Familien Tiefel und Rotter, um das Geld lieber direkt zum Erzeuger zu tragen und sich dabei anzuschauen, wo das Essen auf dem Tisch herkommt und wie es produziert wird.
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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken. 
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Mittwoch, 22. Juli 2015

Reste?

Tja, so kann es gehen. Die Hitze schmilzt gerade alles weg, auch mein Gehirn. Gestern habe ich die Pellkartoffeln so anbrennen lassen, dass ich den Topf wegwerfen musste. Davor habe ich mich fünfzehn Minuten lang gewundert, warum es so verbrannt riecht und mir schon Sorgen gemacht, es würde in der Nachbarschaft irgendwo brennen... womöglich, weil jemand einen Topf auf dem Herd vergessen hat. Das war, nachdem mir das Pfund Joghurt aus der Hand gefallen war. Auf den Schreibtisch. Das dicke Fellmädchen hat in der Nacht die Schnüre von den Rollos abgebissen. Von allen. Auch bei Katzen schlägt sich die Hitze offensichtlich auf das Gehirn. Ach so: wenn man in der über der Schulter hängenden Einkaufstasche nicht nur eine fünf Kilo schwere Wassermelone, sondern obenauf auch einen Spankorb mit einem Pfund Heidelbeeren hat, dann sollte man sich besser nicht nach einem Cent auf dem Parkplatz bücken. Es sei denn, man macht eine vollendete Kniebeuge oder sich gerne zum Deppen. Nicht einfach vornüberbeugen. Schlechte Idee. Was wollte ich eigentlich sagen? Ich habe die Reste vom Juni vergessen. Also voila, hier sind sie.


° Der Buddha bekommt Risse.
° Adebars zu Besuch in Fürth. Mit 28 Mann.
° Stuhl mit Fellmütze. Ausgezogen.



° Holz im Heim.
° Nette Bloggrüße an Lieblingswort. Robbe müsste man sein.
° Wie wäre es mit Urlaub?



 ° Schöner Arbeiten. Zum Beispiel...
° ... auf der Wiese?
° Die Musik hat auch Hitzefrei.


° Sogar die Glubberl ruhen sich aus.
° Bald, ganz bald.
° Nach Jahren wiedergelesen. Immer noch gut.

Und der schlimmste und peinlichste Hitzeschaden von allen? Davon erzähle ich euch nächste Woche mehr. Wenn ich es dann noch weiß.

Jeden Monat zeige ich in dieser Rubrik Fotos, die es nicht in einen eigenen Post geschafft haben, die es aber trotzdem wert sind, noch einen kleinen Auftritt hier zu bekommen.
Die Restekisten der vergangenen Monate findet ihr > hier.
Restekiste, Malena, Almusena Grandes, Robbe, Kleinod, Schultafel, Wäscheglubberl aus Holz, Glockenblumen, Wiese, Büroalltag, Holzdose, Lammfell, Buddhakopf, Rattansessel

Sonntag, 19. Juli 2015

Heuen.

So sehr mich unangenehme Gerüche foltern, so sehr bringen mich wohlige Gerüche zum Schnurren. Frischgemahlener Kaffee... der Duft eines Brotes, wenn es aus gerade dem Ofen kommt... Rosen, die riechen wie aus Omas Garten... frischgewaschene Leinenbettwäsche... Pfeifentabak vor dem Anzünden... und Heu. Wenn im Sommer die Wiesen gemäht und das Heu gewendet wird, dann möchte ich mich mit ausgebreiteten Armen hineinwerfen und meine Nase hineindrücken, mich an dem Duft besaufen bis zur Besinnungslosigkeit. Im Licht der tiefstehenden Abendsonne erglüht das Heu so intensiv, dass der Verdacht nahe liegt, man könne daraus Gold spinnen - aber nicht aus Gründen der Erpressung für einen verabscheuungswürdig grausamen König, sondern nur für sich selbst zum Geschenk.












Geheute Wiesen im Freilandmuseum Bad Windsheim.
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