Mittwoch, 9. Dezember 2015

Ritterstern.

So weit meine Erinnerung zurück reicht, gab es in unserer Familie immer Rittersterne in der Weihnachtszeit. Ab dem ersten Advent schmückten sie die Fensterbänke in meinem Elternhaus und so standen sie auch im meinem ersten Winter in einer eigenen Wohnung selbstverständlich auf meinem Tisch. In all den folgenden Jahren trugen meine Eltern in der Vorweihnachtszeit regelmäßig Amarylliszwiebeln als Mitbringsel bei Besuchen in mein Zuhause oder legten sie unter den Weihnachtsbaum. Auch wenn ich mir selbst Blumen schenke, dann ist das zu dieser Jahreszeit meistens ein Ritterstern - für mich die schönste Blüte der Welt mit ihrem samtigen, aufgeworfenen Blütenblättern auf kräftigem Stiel. Immer wieder einem Wunder gleich, dass diese unglaubliche Pracht aus einer kleinen, unscheinbaren Zwiebel kommt. Manchmal dauert es lange, bis sich die erste Spitze aus der Zwiebel schiebt und es vergehen einige Wochen, bis die Blüten sich zu ihrer vollen Schönheit entfaltet haben. Als ich Mitte Oktober die vertrocknete Zwiebel einsam als letzte in ihrem umgekippten Topf in einem Discounterregal sah, nahm ich sie eher aus Mitleid und ohne große Hoffnung mit, dass sich daraus auch wirklich ein Blütenstiel entwickeln würde.






All die Wochen, die ich im Krankenhaus am Bett meiner Mama verbrachte, schob sie nur ein paar dünne, hellgrüne Blätter aus ihrer hutzeligen Zwiebel. Dann einen kahlen Blütenstiel. Und noch einen. Am Tag nach der Trauerfeier öffnete sie ihren ersten, prachtvoll gefüllten Stern. Dann noch einen. Und noch einen. Jeden Tag kam ein weiterer dazu. Und ganz unten... treiben die nächsten zwei Blütenstiele aus der Zwiebel, die wieder je vier Blütenknospen in sich tragen. Sechzehn prall gefüllte Rittersterne und jeder einzelne berührt mein Herz. Hoffnungsvolle Blütenpracht in einer dunklen Zeit. Auferstehung des fast schon ausgehauchten Lebens... die manchmal also doch gelingt. 

Nur anders.








Hippeastrum, Ritterstern, weiße gefüllte Amaryllis, Weihnachtsblumen, Phönix, Trauer, Vorweihnachtszeit, Blumenschmuck Weihnachtszeit

Kommentare:

  1. Auch mein Herz ist berührt von diesem Wunder und das Arrangement schmeichelt meinem Auge.
    Liebe Grüße
    Astrid

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  2. Das berührt mich jetzt echt sehr!
    Sei lieb gegrüßt!

    Julia

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  3. Welch eine Pracht, die sich da entwickelt hat. Dein Tisch strahlt ja richtig!
    Hab einen schönen, lichtvollen Tag( hier im Westen scheint die Sonne- so wohltuend!)
    Lieben Lisagruß!

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  4. Was für eine Schönheit und Eleganz!
    Mich zog es in den traurigen Tagen des November und Dezember auch oft zu weißen Blumen, die sich aber immer sogleich in Schwermut beugten.
    Ganz liebe und herzliche Grüße
    Andrea

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  5. ein traum! und selten habe ich das in so einer pracht gesehen. es muss aber schließlich auch etwas geben, an dem man sich freuen kann, wenn der rest schon so dunkel ist.
    herzliche grüße
    die frau s.

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  6. Liebe Katja, ich bin sonst nicht so der Amaryllis-Fan, aber dieses Exemplar .... Viel Trost und Freude damit! Beste Grüße, Uta

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  7. Oh...wie schön !!! Als hätte er es geahnt ;-)
    Herzliche Grüsse , helga

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  8. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  9. ...Freude für Auge und Herz...und Hoffnung,

    LG Birgitt

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  10. Liebe Katja, in der letzten Zeit blieb für mich wenig Zeit für andere und anderes. Und so lese ich erst jetzt von deinem Verlust. Die richtigen Worte in solchen Momenten zu finden, fällt mir schwer. Aber du hast sie immer. Auch wenn du selbst betroffen bist! Alles Liebe für dich, es tut mir sehr leid.

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  11. In meiner Kindheit war es das Alpenveilchen, welches uns in der Adventszeit und danach begleitete. Ich überlege gerade, warum das so war...Ich vermute jetzt mal, es gab in DDR-Zeiten hier keine Amaryllis...ich kann mich nicht recht erinnern. Alpenveilchen mag ich nur noch im Garten...zwischen den Sträuchern...als wilde Sorte. Die Amaryllis mag ich dagegen sehr und habe mir kürzlich eine gekauft...Lustigerweise gab es nur weiße Amaryllis und die Verkäuferin musste ganz schön kramen, um für mich aus der hintersten Ecke eine rötliche Amaryllis zu finden. Ich wollte ROT...unbedingt...;-). Deine Amaryllis ist eine Pracht...und nichts ist wirklich zufällig im Leben...glaube ich...;-). Liebe Grüße, Lotta.

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  12. Liebe Katja,
    ich habe dir bisher nicht geschrieben,
    weil mir ein wenig die Worte fehlten.
    Aber ich war in Gedanken bei dir,
    denn ich möchte mir gar nicht vorstellen,
    wie es ist, die Mama zu verlieren.
    Du hast damals geschrieben, dass wir unseren Lieben sagen sollen,
    wie wichtig sie für uns sind. Das habe ich auch gleich getan.
    Obwohl wir zwei uns nicht wirklich kennen,
    möchte ich aber auch dir sagen, wie sehr mich deine Beiträge immer berühren.
    Ich wünsche dir trotz allem eine besinnliche ruhige Weihnachtszeit.
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  13. Ich darf solche Sachen schreiben, weil ich quasi wunderlichgeschrieben bin, noch für mindestens zwei bis zwanzig Jahre:
    Natürlich war das deine Mama, mit den Blüten.
    Vielleicht neigt sie auch zu Übertreibung?
    Ich meine, eine oder zwei hätten ja gereicht, als Zeichen.
    Vielleicht wollte sie es aber auch nur sehr sehr deutlich machen.
    (ich habe so geweint, beim Lesen hier gerade. Aber so frohtraurig, nicht nur trauertraurig.)
    Ach, Katja, liebste Grüsse!

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  14. 16 Rittersterne glänzen ganz gewollt in ihrer Pracht.. ich glaube fest daran, Katja! Liebst, Nicole

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!