Donnerstag, 3. September 2015

Ur.Wald

Der Urwald im Bayerischen Wald ist streng genommen kein Urwald. Er wurde seit vielen Jahrtausenden vom Menschen genutzt und zu größtenteils Fichten-Monokulturen umgestaltet, so dass man eigentlich nicht von einem natürlich gewachsenen, von Menschen unberührten Wald sprechen kann. Wenn man aufhört, derartig massiv in das natürliche Gleichgewicht der Bäume und damit auch anderen Pflanzen in einem Wald einzugreifen, dann dauert es viele hundert Jahre, bis sich ein Nutzwald in einen Urwald zurückverwandelt und sich das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt hat. Aber der Mensch ist ja - zumindest in manchen Bereichen - lernfähig und hat erkannt, dass Monokulturen nicht nur zu einem exzessiven Artensterben führen, weil sie vielen Tieren und Pflanzen den Lebensraum entziehen, sondern diese Wälder auch sehr anfällig sind für Sturmschäden, Schädlingsbefall, Pilzkrankheiten und Bodenverarmung, weil eben kein natürliches Gleichgewicht aus Flach- und Tiefwurzlern, Hoch- und Bodenbewuchs, Alt und Jung mehr besteht. 












Womöglich hat man auch zusätzlich (oder auch hauptsächlich) erkannt, dass man natürliche Urwälder, die nach unberührter Natur aussehen und in denen auch noch etwas lebt, touristisch deutlich besser vermarkten kann als monotone Kulturlandschaften. Was auch immer letztlich dazu geführt hat, dass Wälder heute deutlich nachhaltiger bewirtschaftet werden als noch vor ein paar Jahrzehnten - mir soll es Recht sein. So gibt es heute im Bayerischen Wald nicht nur in dem seit 1970 bestehenden Nationalpark, sondern auch in den meisten angrenzenden Waldgebieten zunehmend wieder die Möglichkeit, sich ein bisschen wie im Urwald zu fühlen und einen Wald wirklich zu erleben - mit all seinen verschiedene Baumarten in sämtlichen Stadien vom Samen über den großen Baum bis zum Sterben und Vergehen, dem Unterwuchs, den Bächen, Farnen, Moosen, Pilzen, Vögeln, Fröschen und Insekten. Noch lange kein Urwald, aber ein lebendiger Wald.












Dafür muss man auch gar nicht so weit fahren, denn viele "urige" Wege führen heute durch den Bayerischen Wald, wie zum Beispiel der Urwaldweg in Drachselsried bei Arnbruck. Ausgangspunkt der Wanderung ist der Ortsteil Poschinger Hütte, in dem man parken und sich auf den 3km langen Rundweg machen kann. Man folgt der Markierung "rote Sieben" an der Sägemühle vorbei und am Schussbach entlang immer leicht bergauf. An der Kiesbrücke, wo der Bach einen kleinen Gumpen bildet, den besonders die jungen Forellen und müde Wanderfüsse lieben, quert man den Bach und läuft durch das Urwaldgebiet einen Kreis, quert an der Kiesbrücke wieder den Bach und folgt seinem Verlauf jetzt auf der anderen Seite bergabwärts wieder zurück zum Ausgangspunkt nach Poschinger Hütte. Dort gibt es ein Gasthaus für eine Einkehr, sofern man kein Vesper dabeihatte.









Die "Urwaldwanderung" in Drachselsried ist eine gemütliche, sehr schöne Tour im Schatten der Bäume, entlang plätschernder Bäche mit üppigem Uferbewuchs und jungen Forellen, durch feuchten, dichten Wald voller zauberhafter Moose, Farne, Feenhaargras und riesiger Ameisenhaufen und mit allerlei tierischen Begegnungen - unzählige Schmetterlinge, Libellen, Raupen, Frösche und Raubvögel kreuzten unseren Weg. 
Die untere Hälfte des Weges führt über mäßig steile, bequeme Forstwege, die obere Hälfte über teils wurzelige und feuchte Wanderwege, aber auch nicht beschwerlich zu gehen. Für Familien absolut empfehlenswert, wenn auch ein paar Bänke entlang des Weges durchaus nett wären. Gehzeit für den gesamten Weg: ca. 3-4 Stunden. Für die untere Schleife: ca. 2 Stunden.

Mehr Ausflüge und Wanderungen im Bayerischen Wald findet ihr (bald) > hier.
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Kommentare:

  1. Ich möchte die Raupe adoptieren. Bitte. Danke.

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  2. Womit bewiesen wäre, dass sich das Indianermädchengefühl wunderbar im Bayrischen Wald aufladen läßt... liebe Grüße

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  3. Wunderbar, und ich freue mich schon auf die nächsten "Sendungen" ;-). Lieben Gruß Ghislana

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  4. ich habe mich gleich mal an den fluß gesetzt und bau so kleine türmchen ... füße im wasser.

    (von drüben: vielleicht überrascht, weil nicht ausreichend kuchen im kühlschrank ist?)

    liebe grüße . tabea

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  5. Wow...die Raupe ist ja riesig...Bei deinen Bildern möchte man sofort loslaufen...über Stock und Stein. Wie schön, dass endlich ein Umdenken beim Bewirtschaften der Wälder erfolgt ist. Ich wäre dann wie Ghislana bei der nächsten "Sendung" gern wieder dabei...LG Lotta.

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    1. Ich bin nach wie vor der Meinung, die derzeitige Situation in Europa gibt uns noch lange nicht das Recht, so ein Foto zu instrumentalisieren, zumal gerade die Hintergründe des Fotos bekannt werden. Der Junge lebte bereits drei Jahre mit seiner Familie in der Türkei.

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  6. tolle bilder!! seit der harz zum nationalpark erklärt wurde, fahren wir auch viel, viel lieber wieder dorthin! da hat sich erfreulicherweise wirklich einiges verändert. Auch wenn es an vielen stellen so aussieht, als wäre der wald völlig abgestorben, so zeigt sich gerade dort, wie sich plötzlich aus der fichtenmonokultur wieder eine große vielfalt entwickelt.
    liebe grüße, mano

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  7. ganz viel waldliebe durfte ich im sommer wieder ausleben.
    am schönsten immer dort, wo die urigkeit am größten ist.

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  8. das froschbild ist ja großartig.... super!!!

    ganz liebe grüße
    julia

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  9. Mir Wald darfst Du mir immer kommen. Ich nehme den kürzeren Weg, sonst muss ich am Ende den Hund heimtragen ;-) ... soooo müde vom Schnüffeln.
    Liebe Grüße
    Andrea

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!