Donnerstag, 24. September 2015

Schareben . Reischflecksattel . Heugstatt

Wer mit drei Generationen eine Reise antritt, der steht vor einigen logistischen Herausforderungen, was die Gestaltung von Ausflügen angeht. Die Interessen und Möglichkeiten eines fitten aber bewegungsfaulen Vorpubertiers, dem wanderfreudigen aber konditionsbegrenzten Mittelalter und einer bewegungsvermeidenden Siebenundsiebzigjährigen klaffen doch oft beträchtlich auseinander, was die Tagesplanung entweder splittet, oder aber die Auswahl der Ziele zur anspruchsvollen Aufgabe macht. Eine gute Möglichkeit, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Jung, Mittelalt und Alt im Bayerischen Wald unter einen Hut zu bringen, ist der Schareben überhalb von Drachselsried bei Arnbruck. Mit dem Auto anfahrbar und mit einem großem Wanderparkplatz, Spielplatz und Kneippanlage ausgestattet, ist die Scharebenhütte (1.019m) das ideale Ziel für "demographisch differenzierte" Familienausflüge. Während es sich unsere Oma also mit Lesestoff im Biergarten der Hütte gemütlich machte, erkundeten wir die dort beginnenden und endenden Rundwanderwege. An diesem Tag folgten wir der Tour "rot 10" rund um den Reischflecksattel und schoben noch einen Abstecher auf den Heugstatt sein....





Direkt am Wanderparkplatz folgt man dem Forstweg leicht ansteigend durch schattigen Fichtenwald in nordöstlicher Richtung. Nach Querung einer anderen Forststraße geht es auf einem Waldweg steiler bergauf Richtung Reischflecksattel. Erst noch feucht, moosig und durchzogen von Bächen, wird der Wald ansteigend immer trockener und lichter. Dort wo die rote 10 nochmals nach rechts abzweigt, verbindet sich der Weg mit dem Goldsteig - einem der bekanntesten Fernwanderwege Bayerns und gleichzeitig auch der direkte Weg über viele Gipfel zum Großen Arber. 
Je höher wir kommen und desto lichter der Wald wird, desto mehr ändert sich auch die Vegetation. Heidelbeeren, Moos, Farn, Schachtelhalm, Binsen und Kaukasisches Springkraut werden von hohem Gras abgelöst und Weidenröschen, Fingerhut und roter Holunder begleiten unseren Weg, als wir uns der Höhe des Reischflecksattels nähern.








Oben angekommen, führt der Weg ab dem Ende des Waldes immer auf dem Sattel entlang weiter Richtung Osten zu den weitläufigen Heugstattwiesen. Auf diesen Schachten weideten die Bauern noch bis in die 1950er Jahre ihr Jungvieh, heute steht das Gras hüfthoch und junge Bäume arbeiten sich langsam dem Licht entgegen - dem Borkenkäfer zum Trotz, der hier nicht unwesentlich zur "Landschaftsgestaltung" beigetragen hat. Wenn der Mensch sich nicht einmischt, kommt die Natur damit klar und schafft auf den neu entstandenen, sonnigen Flächen neuen Wald - natürlicherweise langsam wachsenden Mischwald, deutlich widerstandsfähiger und gesünder als Fichtenmonokulturen. Außerdem mag das fast ausgestorbene Auerwild solche Freiflächen auf der Höhe besonders, weshalb das Gebiet um Reischflecksattel und Heugstatt auch ausgewiesenes Auerwild-Schutzgebiet ist.




Neben der schönen Kulisse der umliegenden Gipfel des Bayerischen Waldes ist dort oben auch die frühherbstliche Geräuschkulisse beeindruckend. Nach der Stille des Waldes scheint das Plateau des Heugstatt zu zischen. Hunderttausende von Heupferden und Grillen schaffen ein unvergleichliches  Hintergrundkonzert, dass ich noch nirgendwo anders als auf einem hochgelegenen Bergplateau ähnlich erlebt habe. 





Ein Abstecher führt uns an dieser Stelle steil über die sonnenbeschienenen und heupferdbezirpten Wiesen des Plateaus hinauf auf den Gipfel des Heugstatt (1.262m). Wegen der umstehend hohen Bäume ist der Blick von dort aus allerdings nicht annähernd so schön wie vom tiefer liegenden Reischflecksattel (1.142m). Von hier oben aus würde der Goldsteig-Wanderweg jetzt auch weiter führen Richtung Großer Arber, aber wir nehmen den gleichen Weg wieder abwärts zur roten 10 zurück und gehen ab da stetig bergab, bis wir wieder auf den Forstweg treffen.




Vorbei an einer gefassten Bergquelle (Wasser hier kostenlos, gleiches in der Hütte gegen Entgeld) geht es auf direktem Weg wieder hinunter zur Scharebenhütte. Hier wartet nicht nur die Oma, sondern auch ein Radler, Brotzeit, Kaiserschmarrn und die Kneippanlage auf durstige Hälse, hungrige Mägen und müde Füsse. Schee wars.



Rundwanderweg "Rot 10":
Scharebenhütte - Reischflecksattel - Heugstatt - Reischflecksattel - Scharebenhütte

Länge: 4km, ohne Abstecher auf den Heugstatt 3km
Dauer: 2 1/2 Stunden (mein gemächliches Tempo)
Anfahrt: Drachselsried - Unterried - Oberried - Schönbach (die Hütte ist gut ausgeschildert)

Leider hört der Pächter der Scharebenhütte zum 1. Oktober diesen Jahres auf - wie und mit wem es nächstes Jahr weitergeht, weiß ich leider nicht.
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Mehr Wanderungen und Ausflugstips für den Bayerischen Wald findet ihr > hier.
Für ganz Bayern und vor allem Mittelfranken gibt es viel > dort zu sehen und zu lesen.
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Kommentare:

  1. Dann gruppiere ich mich mal bei den Mitteljungalten ein :)

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  2. Tolle Bilder, sehr informative Beschreibung der Strecke und eine herrlich formulierte Einleitung!
    Liebe Grüße schickt
    Christine

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  3. Nach dieser tollen eindrucksvollen Tour hat der Kaiserschmarrn bestimmt besonders gemundet.
    Ich würde den Lockenhund mitnehmen, der wirft sich gern ins Geschirr und macht den Zughund, wenn es bergauf geht.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. "Bewegungsfaule Pubertisten und wanderfreudiges, aber konditionsbegrenztes Mittelalter" haben wir hier auch...;-))). Zum Glück gibt es in der Familie auch einen Lichtblick...den Hund...er passt sich an ;-). LG Lotta.

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  5. Gute Nachrichten: die Hütte ist weiterhin bewirtschaftet und Kaiserschmarn und Co. sind nach wie vor ganz wunderbar!

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!