Sonntag, 13. September 2015

Großer Arbersee.

Wandern, um Kraft zu tanken. Das Auge auf das Schöne lenken, Herzhupfermomente erleben, die Stille, die friedliche Natur genießen und damit einen Ausgleich schaffen zu all den Dingen, die hässlich sind. Das Glück in kleinen Schlucken aufsaugen. Sich eine Glückshaut wachsen lassen, die einen im Kern stark und unverletzlich macht. Die Theorie. Versuch der Annäherung an die Praxis am Großen Arbersee. Libellenumgaukelter Sonnenfunkelsee... märchenwurzliger Zauberwesenwald... seerosenbekränzte Dunkelwaldigkeit... sonnenbetanztes Moosschattentheater... schwimmwiesenbedeckte Grüntiefe.
 








Als Kar-Endmoränensee ist der Große Arbersee ein Eiszeitrelikt, auf 935m über dem Meeresspiegel eingebettet in einem Bergkessel, umgeben von urwaldähnlichem Hochwald und überragt vom Großen Arber, dem mit 1.465m höchsten Berg des Bayerischen Waldes. 
Auf dem See befinden sich große Schwingrasen (Filze) mit bis zu dreieinhalb Metern Dicke, die zwar mit dem Ufer verwachsen sind, aber keine Verbindung zum bis zu 15 Meter tiefen Seegrund haben. Beim Aufstauen des Sees zur Holztrift im 19. Jahrhundert lösten sich die Moordecken vom Untergrund und schwimmen seitdem auf der Wasseroberfläche.
Seit 1939 ist der Große Arbersee, die ihn umgebenden Bergmischwälder, die hoch aufragende Arberseewand und das schwimmende Verlandungsmoor  Naturschutzgebiet.











Der Große Arbersee ist über die Verbindungstraße zwischen  Bodenmais und Bayerische Eisenstein gut zu erreichen. Es gibt ausreichend Parkplätze, ein Gasthaus und einen Tretbootverleih.
Der Rundweg um den See dauert maximal eine Stunde, ist allerdings nicht durchgängig kinderwagen- und rollstuhlgeeignet, da mitunter etwas wurzelig, felsig, stufig.
Wegen der guten Erreichbarkeit mit dem Auto ist der See am Wochenende oft mehr als gut besucht - wer die Ruhe liebt, sollte deshalb besser früh am Morgen oder unter der Woche kommen, dann hat man den See fast für sich alleine...







Nein, die dickere Haut ist nicht über Nacht gewachsen, denn das funktioniert nicht, nur weil man daran zieht. Es ist schade, dass nur wenige verstanden haben, dass man sich nicht aussucht, dünnhäutig zu sein, dass das kein Prädikat ist, dass ich eine etwas dickere Haut zu haben sehr begrüßen würde, diese nicht gleichbedeutend ist mit dickfellig und desinteressiert und man sie sich doch nicht einfach durch Willensentscheidung wachsen lassen kann.
Das Schöne auch wahrnehmen und sich daran freuen, daraus Kraft schöpfen zu können, das ist unschätzbar wichtig - gerade auch für mich. Darüber zu schreiben fühlt sich trotzdem gerade nicht so wirklich richtig an, weil wir uns eben auch mitten in einem gerade chaotischen Weltgeschehen befinden und jeder einzelne Mensch ein Teil davon ist. Mich hat es in den letzten Wochen nicht unbeeinflusst gelassen, ob Blogger sich - neben dem Zeigen der Dinge, die sie glücklich machen und ihnen Kraft geben - auch in irgendeiner Form zum Flüchtlingsthema, zum Weltgeschehen geäußert haben, oder ob sie ausschließlich im Lala-Land verweilt sind.
Jeder hat natürlich das Recht, unbeeindruckt vom Weltgeschehen zu sein und es liegt auch nicht jedem, öffentlich seine Meinung zu äußern - aber mir liegen die Menschen, die es tun, eben mehr.

Ein Bär..? Nein, nur ein weiteres Wurzelzauberwesen...
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Kommentare:

  1. In der Natur gebe ich mich unbescheiden: die habe ich gerne exklusiv für mich ganz alleine (oder ausgewählter, netter Begleitung) und teile sie nicht gerne mit Kohorden an anderen Menschen. Deine Bilder lassen deshalb auch tief durchatmen.

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  2. Liebe Katja,
    danke für den schönen Bericht. Ich muss noch sagen, dass ich nicht glaube, dass es Viele nicht verstanden haben, wie es mit der Dünnhäutigkeit ist. Mir ging es zB so, dass ich beim Antworten mein eigenes statement zu den Vorkommnissen noch mal reflektiert habe. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Ergebnis langer Überlegungen zum Thema. Es gab eine Zeit da konnten schlimme Berichte und Bilder mich dermaßen aus der Bahn werfen, dass beinahe depressiv darüber wurde. Meine (antrainierte) Haltung, das Schöne und Gute trotzdem soweit wie möglich zu sehen und zu genießen, ist reiner Selbstschutz.
    Ganz liebe und herzliche Grüße
    Gabi

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  3. Liebe Katja,
    ich kann nur für mich persönlich und meine persönlichen Erfahrungen in meinem Umfeld sprechen. Im Laufe meines Lebens habe ich lernen müssen, daß man in mannigfaltiger Hinsicht Acht geben sollte auf sich. Ich kenne etliche Menschen, die es in der Lebensmitte erst mit größtem Kraftaufwand lernen mußten, achtsam mit sich zu sein, weil sie sonst an ihren Lebensumständen zerbrochen wären. Von daher gehe ich schon davon aus, daß man u.U. auch methodisch und willentlich daran arbeiten kann. In Therapien werden solche Ansätze genutzt. Die Menschen sind lernfähig.

    Herzliche Grüße, M.

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  4. Diesen See und deine Tipps, den nehme ich mir mal in meinen "Ausflugsspeicher", einfach wunderbar, ich bin mir sicher, dass mein Rundweg vermutlich länger als eine Stunde dauern wird. Aber doch deiner auch, oder? Diese fantastischen Fotos... Und so einen schwimmenden moorigen Schwingrasen anzuschauen - so etwas habe ich noch nie gesehen. Ohne solche Rückzugsorte und Krafttankstellen in der Natur wäre ich vermutlich längst wahnsinnig geworden. Lieben Gruß Ghislana

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    1. 3 Stunden, glaube ich. Aber ich muss immer mindestens die dreifache Zeit einplanen. ;-)

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  5. Liebe Katja,

    ich stimme dir zu:
    Anpacken, Machen und nicht unberührt und ungerührt sein von den aktuellen Ereignissen sind mir auch "lieber" (wenn man das so sagen kann...) als unbeeindrucktes, ignorantes "Lalala"...
    Das Leben ist eben mehr als nur "Trallafitti"... ;)

    Herzliche Grüße
    Julia

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  6. Liebe Katja,
    ich habe lange überlegt, ob ich etwas dazu schreibe. Eigentlich würde ich Dir gerne ganz viel sagen, aber das sprengt diesen Rahmen.
    Ich verstehe Deine Bedenken, habe ich sie doch auch. Auch ich sitze auf über tausend Fotos und finde keine Worte dafür oder nicht die richtigen.
    Ich habe von einem der zahllosen Dorffeste hier ein Give Away mitgebracht und wage nicht, es unter die Leute zu bringen aus der Furcht heraus, es könnte völlig falsch verstanden werden und ich könnte damit ungewollt in eine Ecke rutschen, in die ich nicht gehöre.
    Aber was treiben wir hier gerade? Beginne wir unser eigenes Leben aufzugeben, uns den Spaß an kleinen Freuden zu versagen, weil wir von all dem, was auf der Welt und in unserem Land an schrecklichen Dingen passiert, so betroffen sind? Schwächen wir uns damit nicht selbst? Und ist nicht genau das auch ein Sieg für all diejenigen, gegen die wir eigentlich aufbegehren wollen?
    Ein bisschen "Lala" braucht dieses Leben, wenn man daran nicht irre werden will.
    Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche
    Lieben Gruß
    Katala

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  7. wie gut, dass es die dünnhäutigen auch gibt – auch wenn das für die dünnhäutigen selbst nicht immer so lustig ist. trotzdem. mir ists lieber so. und ich glaube, man kann ein bisschen was dazulernen in sachen hautdickezunahme bei bedarf.
    mir ist es im übrigen etwas suspekt, wenn menschen – aus welchen gründen auch immer – brav in ihrer kleinen suppentasse tümpeln und die an deren innenseite aufgemalten blümchen beklatschen, während nebenan die suppe überkocht. ich bin auch nicht dafür, dass man sich wegschwemmen lässt; zugleich frage ich mich, was da los ist, wenn es reicht, biedermeier reloaded zu zelebrieren. und bin überwältigt davon, dass so viele aktiv werden, was tun – und ich glaube, viele darunter sind eben genau die leute, die einen feinen blick für das schöne und gute haben, und vielleicht gerade deswegen auch wollen, dass die welt schöner und besser ist.

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  8. ohne natur rundum wollte ich nicht sein, gibt sie mir doch kraft und nährt die seele. wir sind am wochenende in heide und moor unterwegs gewesen und haben auch solch wunderbare seen gefunden. freude und labsal zugleich! da radelten wir 10 km durch einen wunderbaren mischwald und trafenauf kein haus und auf keine menschenseele. wir hofften schon wölfe zu sehen, entdeckten aber nur reh- und wildschweinspuren...
    liebe grüße
    mano

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!