Donnerstag, 13. August 2015

Lein.

Es gibt Pflanzen, die so unglaublich großartig sind, dass die Menschheit mit der ihr innewohnenden abstrusen Konsequenz beschlossen hat, sie nicht zu brauchen und einfach zu vergessen. Lein ist eine dieser Pflanzen, die auf so vielfältige Art genutzt werden kann, dass es den modernen Menschen wohl überfordert hat und er sich deshalb lieber darauf konzentriert hat, nicht mehr keimfähige Getreidearten voller leerer Kalorien in Masse zu produzieren und für Stoffe Fasern zu verwenden, die importiert werden müssen. Klug geht anders.



Lein liefert in seinen vielen kleinen, Samenkapseln den wertvollen Leinsamen, vollgepackt mit Eiweiß, hochwertigen Fettsäuren und Mineralstoffen, der sowohl im Ganzen verzehrt, geschrotet oder gemahlen als Mehl ein hochwertvolles, gesundheitsförderndes Lebensmittel darstellt. Das aus ihm gewonnene Leinöl ist nicht nur ein extrem hochwertiges Speieseöl, sondern findet auch in der Farbenherstellung und traditionell in der Möbel-Oberflächenbehandlung Verwendung. Aber auch das, was nach dem Dreschen der Leinsamen übrigbleibt ist keinesfalls Abfall - das Leinstroh wird zu Leinenfasern verarbeitet, aus denen sowohl technische Fasern versponnen, als auch hochwertige Leinenstoffe für Bekleidung und Haushaltswäsche hergestellt werden. Der Grund, warum Lein schon seit mehr als 7.000 Jahren als Kulturpflanze angebaut wird. Erst im 20. Jahrhundert geriet sie in Vergessenheit und man konzentrierte sich auf importierte Baumwolle und aus importiertem Erdöl per Chemie hergestellte synthetische Fasern... während Lein in unseren Breiten hervorragend wächst. Menschliche Ignoranz.

Saaten-Cracker

Zutaten:

50g Leinsamen, 50g Chia, 50g Kürbiskerne, 50g Sonnenblumenkerne, 50g Hanfsamen, 50g Mandeln,
Salz, Pfeffer, Chili

Zubereitung:

Chia in 150ml Wasser einweichen und 1 Stunde quellen lassen. Alle Saaten  außer Chia grob schroten (ich mache das im Mörser oder bei größeren Mengen mit dem Pürierstab in einem hohen Becher, das funktioniert auch, wenn man keinen Mixer hat) und zu den eingeweichten Chiasamen geben. Alles gut verrühren, salzen, Pfeffern, mit Chili abschmecken und die Masse nochmal 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dünn auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen und bei 150°C im Backofen 10 Minuten backen. Herausnehmen, in Quadrate schneiden und noch mal ca. 60 Minuten backen.

Nicht wirklich kalorienarm, aber sicherlich gesünder als Chips, glutenfrei und mit verschiedenen Dips das perfekte Picknickessen.


An einem reifen Leinfeld zu stehen, wenn der Wind durch die Pflanzen streift, ist eine großartige Erfahrung. Ein an- und abschwellender Ton aus tausenden leise raschelnden Samenkapseln - als wäre ein Heuschreckenschwarm eingfallen und hätte nur seine Frequenz geändert...
Und bevor der Lein erntereif ist? Da schmückt er mit seinen blauen Blüten ganze Landstriche... dort, wo man nicht so borniert war, ihn zu vergessen.
Lein, Flachs, Leinsamen, Kulturpflanze

Kommentare:

  1. Was für ein wunderschönes zartes Pflänzchen! Sollte man gar nicht meinen, dass sie so viel kann und tut. Und mir fällt auf, dass ich sie noch nie auf einem Feld gesehen habe :-(.
    Fast nur Mais - und der auch nur für die Biogasanlage. Noch ein :-((((.

    Danke und liebe Grüße,
    Steph

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  2. hmmm.... ich gebe zu, ich kann mich nicht erinnern, lein jemals draußen irgendwo gesehen zu haben. ich kenne tatsächlich nur die leinsamen, die jeden tage geschrotet in mein müsli wandern und das leinöl, das in der küche zu diversen gerichten verwendung findet (und von dem sogar der hund täglich etwas in's essen bekommt) - und natürlich den stoff, den ich nicht so gerne mag.
    wenn ich deinen post hier lese und mir die bilder ansehe, muss ich dir zustimmen: warum hat man diese pflanze so verbannt?? menschliche beweggründe erschließen sich irgendwie nicht immer logisch.... aber schön, dass das pflänzchen hier so viel beachtung findet! da mach ich mit und werde mich zukünftig über meinen leinsamen noch mehr freuen.
    herzliche grüße
    die frau s.

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  3. Danke , für solch nützliche und schöne post ! Durchdrungen von der noch größeren Liebe zu dieser pflanze ! Ihr Foto ist perfekt !

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  4. Ich erinnere mich nicht, Lein je auf dem Feld stehen gesehen zu haben. Merci fürs Zeigen. Und ja, klug geht anders...

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  5. Liebe Katja,

    regionales Nutzen und es saisonal zu verwenden ist in unserer heutigen Zeit das was der Mensch neu lernen muss. Wie du schon schreibst, bis ins 19.Jahrhundert war es selbstverständlich dies zu tun, danach ging vieles verloren.
    Umso schöner, dass du diesen Post verfasst hast und auf die Rundum-Nutzbarkeit des Leins eingehst :)
    Wir mahlen im Winter bei Erkältungen den Leinsamen ganz fein, gießen ihn mit heißem Wasser auf, lassen ihn quellen, ergänzen mit Zitrone und Honig, fertig ist das beste Hustenmittel welches ich von klein auf kenne.

    Liebe Grüße
    Nanne

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  6. Natürlich kenne ich Leinen und auch Leinsamen und verwende auch beides gerne, aber ich gebe zu: Ich hatte bisher keine Ahnung, wie die Pflanze dazu aussieht!

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  7. Könntest du das Geräusch aufnehmen? In meiner Gegend wird leider kein Lein angebaut 😕 ich würde zu gern wissen wollen wie sich das anhört. Du hast ja so recht mit dem was du sagst. Klug geht wirklich anders. Und weil ich ähnlich denke wie du, kann ich auch ganz schlecht an alten Dingen vorbei gehen ohne sie rufen zu hören: nimm mich mit. Lg bjmonitas

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  8. Das nahe Oberschwaben war früher ein wichtiges Flachsanbaugebiet. Ich kann mich nicht dran erinnern, je ein Flachsfeld gesehen zu haben, oder gehört.... Dabei mag ich Leinen so gern.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Oh liebe Katja,
    wenn du wüsstest, wie gern ich deine Posts lese ...
    Den Post über Essentialismus fand ich so gelungen und so passend,
    dass mein Mann auch lesen musste ;-)
    Denn er ist genauso gestrickt. Er restauriert klassische Fahrzeuge und möchte sich auch sonst nur mit Dingen umgeben, die von Qualität und gutem Handwerk zeugen.
    Auch dein letzter Post war für mich sehr inspirierend, denn auch ich nutze alte Setzkasten als Aufbewahrung besonderer Fundstücke. Mir gefällt aber vor allem auch die Idee, besondere Bilder in Szene zu setzen. Das werde ich auch versuchen.
    Aebr auch dein aktueller Post ist wieder wunderbar,
    denn Leinsamen esse ich hin und wieder, Leinen targe ich auch gerne, Leinöl kenne ich, aber wenn ich ehrlich bin ... Die Pflanze Lein kannte ich bisher nicht. :-) Oh, wie wundervoll ist die Bloggerwelt :-) Oh nein, wie wundervoll ist dein Blog :-) Dankeschön für all deinen tollen Beiträge und immer wieder tollen Worte!!!
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  10. so sieht also das leinsamenzuhause aus - wie bestrickend zart, ich bin verliebt.

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  11. früher war gerade auch norddeutschland verschwenderisch mit leinfeldern gesegnet. das letzte, was ich gesehen habe, war im museusdorf hösseringen bei uelzen! soo schade! und ja: klug geht anders!
    liebe grüße
    mano

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  12. Danke für diesen wunderschönen Einblick. Ich mag deinen Blog so gerne :-)
    L.g Petra

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  13. Ach, ja! In unserem Garten zu Kinderzeiten in Berlin wuchsen immer ein paar Leinpflänzchen am Rand der Terrasse. Was im trockenen, feinen Sand von Berlin wächst, muss ja immer viel darben. Die kleinen Blauen kamen jedes Jahr wieder.
    Ich sollte mal ein bisschen Leinsaat hier im nach Süden gelegenen Vorgarten verstreuen. Das passt er gut hin!
    Danke für die Erinnerung!

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  14. Was für ein schöner Bericht! ich glaube ein paar Samen verstreue ich nächstes Frühjahr...
    Danke !

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!