Dienstag, 23. Juni 2015

Sempervivum.

Für immer leben. Wäre das eigentlich erstrebenswert? Sterben zu müssen ist keine schöne Idee. Das Gegenteil davon, das ewige Leben, erscheint auf den ersten Blick als ein probater Ausweg aus der Angst vor dem Tod. Tatsächlich ist die Suche nach dem Schlüssel für ewiges Leben ein uralter Menschheitstraum und Gegenstand unzähliger Märchen, Mythen und Legenden, quer durch alle Religionen und Kulturen. Der heilige Gral, die Quelle der ewigen Jugend, das Wasser des Lebens... wurden sie tatsächlich gefunden, werden sie noch entdeckt werden, oder ist es doch besser, sich nicht darauf zu verlassen?





Viele Menschen leben ihr Leben, als hätten sie noch eines in Reserve, das beginnt, wenn das erste vorbei ist. Sie ruinieren nicht nur die Erde als Lebensgrundlage für uns alle und unsere Kinder, sondern auch ihren Körper mit falschen Nahrungsmitteln, Bewegungsmangel, Umweltgiften und Drogen und ihre Seele mit Hass, Neid, Beziehungen zu Menschen die ihnen nicht guttun und mit Arbeit, die sie zutiefst frustriert. Sie schieben die Verwirklichung von Träumen, dringend notwendige Richtungskorrekturen, Versöhnungen, Verhaltensänderungen, eine gesündere Lebensweise und den Genuß des gelebten Lebens in jedem Augenblick in seiner ganzen Fülle auf, bis sie irgendwann zu alt und zu gebrechlich sind, um ihr Leben noch mit Freude leben zu können.  Mich selbst nehme ich in einigen Punkten davon nicht aus.




Ewiges Leben macht keinen Sinn, wenn man nicht mal weiß, wie man die relativ sicheren ungefähr achzig Jahre dieses Daseins sinnstiftend, gesund, zufrieden und im Herz erfüllt verbringen soll. Der Journalist Johannes Groß bemerkte: "Ich kenne unzählige Menschen, die nach dem ewigen Leben dürsten, aber mit einem verregneten Sonntagnachmittag nichts anzufangen wissen."

In diesem Sinne: Kostet das Leben aus. Jetzt.





So ist es gemacht:

Eine schöne alte Schüssel oder ein tiefer Teller (vom Flohmarkt, Gebrauchtwarenkaufhaus, aus Omas Geschirrschrank), ein großer Stein, feiner Kies, verschiedene Dachwurze (Sempervivum) - als Ablegerkindeln vom Nachbarn oder aus der Gärtnerei - fertig. Nur ganz selten etwas gießen, besser nur ansprühen, nicht düngen - der Dachwurz ist genügsam und verträgt keine Staunässe.
Leider ist die Dachwurzdekoration nicht für das ganze Jahr im Zimmer geeignet - Dachwurze brauchen sehr viel Sonne und im Winter nicht mehr als 10°C. Für die Aufstellung im Freien ist die Schale deshalb ganz hervorragend geeignet - wenn sie dem Regen ausgesetzt ist, muss allerdings in die Schüssel vor dem Befüllen ein Wasserablaufloch gebohrt werden. Das geht ganz gut mit einem Steinbohrer und wenig Druck an der tiefsten Stelle des Schüsselbodens, die vorher mit Klebeband rutschfest gemacht wurde.



Wenn sich zu viele Ableger gebildet haben vorsichtig abtrennen und verpflanzen. Oder verschenken... an andere Menschen, auf dass das Sempervivum ewig weiterlebt durch Teilung und Vermehrung.
Mehr Upcycling-Ideen findet ihr > hier. 
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Kommentare:

  1. Eine sehr schöne immergrüne Schale! So was könnte ja noch gut irgendwo auf meinem Balkon wohnen...

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  2. JAAAHH - rufts in mir. Genau. Das einzige, was uns gehört, ist der Augenblick.

    Und wenn man sieht wieWIE kurz bei vielen Pflanzen die Blütezeit währt, dann macht es keinen Sinn, sich darauf zu konzentrieren. Und *Immergrün* scheint halt auch keine Lösung :)

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  3. die planzen die sehr wenig wasser brauchen sind praktisch und deine komposition ist sehr gelungen. auch jetzt im sommer wenn blüten hochtreiben ist es schön anzusehen ! jeder geht seinen weg mit mehr oder weniger fantasie...dein spruch von J. GroSS ist prima.
    was machst du heute ? ist im moment wichtig ;)

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  4. Liebe Katja, wir sind auch in großer Sukkulentenliebe. Selbst der kleine Mann ist schon angesteckt und hat seine eigene Schale. Robust und genügsam, immergrün und zum Glück doch vergänglich.
    Diene Worte sind so schön zu lesen. Hab einen schönen Tag, Éva
    p.S _ die Mohnseife schimmelt nicht. es ist wirklich ganz toll. Allerdings lässt sie im Waschbecken Mohnsamenspuren. Ich bilde mir ein, die peelen die Rohre frei :)

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  5. Ich liebe Hauswurz in jeder Farbe und Form, so wunderbar anzuschauen und so genügsam in der Pflege, Katja!! Dein kleines Stelldichein ist total schön! Wenn jetzt noch diese zauberhaften rosa Blüten kommen.. hach!! Ganz liebe Grüße, Nicole (die gaanz bestimmt weiß, was sie an einem verregneten Sonntagnachmittag machen möchte ;))))

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  6. Wunderschön, lieb Katja!
    Ich habe in diesem Jahr auch meine Liebe zu Sukkulenten entdeckt!
    Sie verursachen momentan mehr Shopping-Laune als Klamotten, Schuhe und Co... ,)
    LG Julia

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    1. Ich kaufe noch ein "e" für "liebE"! ;)

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  7. oh, ich mag deine texte... sie unterscheiden sich wirklich von anderen blogs, glückwunsch!
    und - mega lustig. gerade als ich zum bild mit deiner katze im hintergrund gescrollt habe, habe ich bemerkt, dass meine eigene ungefähr genauso auf der couch vor mir liegt :D

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  8. Liebe Katja,
    dein Post passt gerade sehr gut.
    Zum einen, weil ich mir derzeit sehr viele Gedanken mache über eine gesündere Lebensweise bzw. Ernährung, zum anderen weil meine Hauswurze ganz und gar nicht lange leben wollen. Sie bekommen wohl zu viel Wasser ab und dann gleich eine Blüte und Schluss ist! Ich geh jetzt in den Garten und kontrolliere die Staunässe-Abfluss-Löchlein (tolles Wort!).
    Danke für diesen wieder wunderbaren Post!
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  9. mag ich auch gern die pflanzen. meine sind aber alle draußen. und ja der vergleich ist schon wunderlich, warum menschen, die gern auf kosten anderer leben oder sich mit dem leben selbst kaum auseinandersetzen, unbedingt ewig so weiter machen möchten ???

    -.-

    blogdesign. ja headerlos. toll was! habe erstmal alles entsorgt ... so ganz nackig soll es auch nicht bleiben. mal sehen ... hab scheinbar zeit.

    wallen. bin eher sprachlos, wenn ich solche hecken sehe. zudem sind sie meist nur ein indiz für weiteres. also das drumherum in diesen gärten und arealen im guck-mal-wer-da-hämmert-style.

    interessant fand ich nun, ausschnitte zu wählen, die im januar aussehen wie im august ...

    tabea grüßt

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  10. Oh welch wunderbarer Text, der einen doch so zum nachdenken anregt ... vorallem das Zitat von dem Journalist... das bleibt hängen!

    <3
    Nike

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  11. Deine Hauswurz-Schale ist wunderschön...Fast könnte man meinen, du holst dir den Hofgarten ins Haus...als tröstenden Ersatz quasi...mit der Hoffnung, dass da vielleicht wieder einer kommt...auch eine Art, im Hier und Jetzt zu leben...LG Lotta.

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  12. Oh, wie schön! Dekoration mit Sukkulenten mag ich unheimlich gerne - da freue ich mich immer über neue Inspirationen!
    Liebe Grüße,
    Sarah

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  13. Dass meine Hauswurzliebe keine Grenzen kennt, ist bekannt. Ich lasse daher ein paar Herzen da <3 <3 <3

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  14. Klasse und die Dinger sind unverwüstlich... Fast frau bei fehlenden grünen Daumen sehr, sehr begrüßt! :)))

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  15. Tolle Worte und tolle Schale! Ich hab gestern noch so ein Bild auf Pinterest gesehen und hab gedacht: "Das hätte ich sooooo gerne!". Aber da ich einen sehr ungrünen Daumen und keine Ahnung habe, hab ich mir das direkt wieder aus dem Kopf geschlagen. Und dann sehe ich JETZT Deine Anleitung! Toll. Danke :) Habe ich direkt als Lesezeichen abgespeichert.

    Und die Sache mit dem ewigen Leben...hm...das Schlimme wäre ja, wenn es nur einen selbst beträfe, dass dann alle, die man lieb hat, irgendwann schon tot wären. Und wenn ALLE ewig leben könnten, müsste die Erde ja anbauen. Geht also beides nicht. Naja, geht ja sowieso nicht :D Ich red mich hier um Kopf und Kragen. Was ich eigtl. sagen will: Ich habe Angst vor dem Tod, vor dem Altsein, vorm Krankwerden und denke oft, dass ich nicht genug auf mich acht gebe. Viele Aspekte erscheinen mir im Alltag oft zu nebensächlich, zu esomäßig, so unglaubwürdig...aber im Endeffekt: Was schadet es, einfach mal Einiges auszuprobieren und einiges Andere bleiben zu lassen, wenn man sich doch eigentlich etwas Gutes tun möchte? Eben. Schadet nix. Sollte ich wirklich mal mehr drauf achten und nicht nur drüber nachdenken...

    Liebe POTTgrüße
    Juli

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  16. Wunderbar, die überstehen sogar meinen ungrünen Daumen. Ich habe Dachwurze neben unserem Carport freigelassen, wo sie tapfer ihr Dasein fristen.
    Übriggebliebene verregnete Sonntagnachmittage werden hier gerne angenommen. Da der Tag sich leider leider gegen Ausdehnungsversuche der 24 Stunden sträubt, sind so Resthalbtage sehr willkommen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  17. Schön, Deine bepflanzte Schale.
    Das mit dem ewig leben, dem alten Menschheitstraum, beschäftigt wohl jeden irgendwann. Spätestens wenn das Unsterblichkeitsgefühl der jungen Jahre sich verabschiedet.
    Für mich ist die Vorstellung eines immer weiterwährenden Lebens ohne jeden Reiz. Grad die Vergänglichkeit macht uns doch Augenblicke kostbar. Das Bewußtsein, letztlich nichts besitzen zu können, lässt uns gelassener werden. Schon Tracy Capman sang: All that you have is your soul.
    Unser einziger Besitz. Also doch...unsterblich....?
    Herzliche Grüße von
    Lisa

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  18. Ich hab gerade neue Schalen mit den überquellenden Ablegern der alten bepflanzt ;-), so schön, die Haus- und Dachwurze. Diese Liebe hab ich sofort von der Mutter übernommen. Lieben Gruß Ghislana

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!