Sonntag, 21. Juni 2015

Nachts im Museum.

Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windheim rief zur 15. Museumnacht und viele kamen - trotz oder vielleicht eher der Wettervorhersage trotzend, denn den ganzen Tag regnete es in Strömen bei eher frostigen Temperaturen und machte nicht wirklich viel Lust, die Nacht im Freien zu verbringen. Aber alleine schon wegen all der engagierten Akteure, die sich lange auf diese Veranstaltung vorbereitet hatten, fand ich, dass man diesen längsten Tag des Jahres auch gebührend auskosten und feiern sollte - wenn auch besser nicht im jahreszeitlich angemessenen Sommerkleidchen, sondern in Stiefeln und mit Wolldecke. Und was soll ich sagen? Wir wurden für unseren Wettertrotz belohnt. Pünktlich um achtzehn Uhr riss die Wolkendecke auf, die Sonne zeigte ihr Schönstes und tauchte das Ende des Tages in meinem Lieblingsmuseum dem Anlass entsprechend in flüssiges Gold...





Feuergaukler, Artisten, Musikanten, traditionelle Handwerker und "fahrendes Volk" erweckten das Museum Gestern zum Leben und machten es - wie immer - zur großen Freude, sich durch die alten Gebäude und Gärten treiben zu lassen, zu schauen, zu staunen und einfach zu er-leben, wie unsere Vorfahren die Zeit der Sommersonenwende erlebt haben. Was wuchs im Juni auf dem Feld und in den Gärten? Wie wurde es verarbeitet? Was aß man? Wie feierte man die "Sonnwend" gebührend?
Fässer herstellen und Eisen schmieden, Schafe hüten, Wolle spinnen, weben und Kaffee rösten, Talglampen herstellen, zaubern, Honig schleudern, Knie- und Apfelküchle, Feuerspatzen und Baggers backen, Geschichten erzählen, Bier brauen, gaukeln, singen und feiern. Da soll noch mal einer sagen, die Franken verstünden nichts davon. Vom Feiern.





Bei Einbruch der Nacht wurden in den Stuben die Petroleumlampen, Talglichter und Kienspäne angezündet und die Wege über das Museumsgelände mit hunderten Fackeln beleuchtet. Gesang und Musik aus all den Höfen leitete uns zusätzlich sicher von Haus zu Haus. So oft schon habe ich dieses Museum besucht, aber die Atmosphäre bei Nacht in und um die alten Gebäude ist etwas ganz besonderes. Wo die Luft nicht erfüllt war von Musik, sorgten Grillen, Nachtvögel und die Tiere in den Ställen für eine ganz besondere Geräuschkulisse.
 




An den Tagen der Sommersonnenwende erreicht die Sonne ihren höchsten Stand über dem Horizont und befindet sich genau über dem nördlichen Wendekreis. Bis zu dieser astronomischen Konstellation, die jedes Jahr zwischen dem zwanzigsten und zweiundzwanzigsten Juni liegt, werden die Tage länger, danach werden sie bis zur Wintersonnenwende wieder kürzer und die Nacht nimmt wieder mehr und mehr Stunden ein. Die Sommersonnenwende wird in vielen skandinavischen Ländern als Mittsommer gefeiert, also als Mitte des Sommers zwischen Mai und Juli, während sie kalendarisch bei uns erst den Sommeranfang markiert. Gestern sah es zwar nicht wirklich nach Sommer aus, aber gefeiert haben wir ihn trotzdem, den längsten Tag - indem wir ihn museal bis spät in die Nacht verlängert haben. Diese gab sich atemwolkenkalt und so waren Feuerartistik und Sonnwendfeuer gegen Mitternacht auf dem Museumshügel nicht nur zur Unterhaltung willkommen und um die große Mutter Sonne und den Sommer zu ehren, sondern auch, um sich den unterkühlten Hintern daran zu wärmen.



Nachtwächter geleiteten mit ihren Laternen und Liedern die letzten Besucher vom Museumshügel zum Ausgang und entließen sie in den Rest der Nacht. Die Zeit war viel zu kurz, um alle Angebote und Konzerte, Künstler und Artisten, Vorleser und Speisen in den vielen Gebäudeensembles wirklich anzusehen und zu erleben. Ein guter Grund, um nächstes Jahr wiederzukommen - zur Museumsnacht in Bad Windsheim.


Und am Tag? Ist das Freilandmuseum Bad Windsheim mindestens ebenso schön. Anders schön. In den nächsten Wochen werdet ihr hier immer wieder Bildern begegnen - von Ecken und Winkeln, Aktionen und Ansichten, Themen und Farben, die mich in ihren Bann gezogen, inspiriert, berührt haben... bei jedem Besuch aufs Neue und doch anders.

Bilder von vorigen Besuchen:

Sommerfest
Tag der Regionen
Alte Schule

______________________________

Immer wieder gern:

Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim

Öffnungszeiten täglich außer Montag:
7. März – 25. Oktober 2015: 9 - 18 Uhr
27. Oktober – 13. Dezember 2015: 10 - 16 Uhr  

Kommentare:

  1. Ich liebe dieses Museum und ich war schon sehr oft dort. Sehr schöne Bilder. Danke
    Viele liebe Grüße
    Alexandra

    AntwortenLöschen
  2. Das klingt so schön. Wär's nicht so grauslig weit weg, würde ich gerne einmal mitfeiern.
    Lieben Gruß
    Katala

    AntwortenLöschen
  3. So faszinierend! Da kann man richtig in die damalige Zeit eintauchen. Was für eine Atmosphäre mit all den Fackeln und anderen Lichtern. So erfährt man Dunkelheit und Licht und die Bedeutung der Sommersonnenwende nochmal ganz intensiv. Da wäre ich gern mit dabei gewesen. Eine tolle Idee.
    (Ich musste gleich grinsen, als ich Deine Überschrift las: "Nachts im Museum" ist genau der Film, den ich hervor ziehe, wenn ich grausam schlechte Laune habe ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Katja,
    ich habe gerade gerechnet, ich war 1993 das letzte Mal im Bad Windsheimer Freilandmuseum, das ist verdammt lang her... Wir Franken können natürlich feiern, die Sonnwendfeuer vermisse ich sehr, seit ich nicht mehr in Franken lebe. Der 20. Juni ist der Sterbetag meines Vaters (2011).
    Wer weiß vielleicht überlege ich es mir zur nächsten Sonnenwende nach Bad Windsheim zu fahren, Deine Bilder machen Lust darauf.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen
  5. Da hat Petrus bei euch ja gerade noch mal die Kurve bekommen...wie schön! Deine Bilder machen Lust darauf, dort auch einmal hinzureisen. Vielleicht sollte ich doch mal Urlaub in Bayern machen...;-). LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  6. Was für wunderbare Foto, Katja! Ja, so stelle ich mir eine Sonnenwendfeier vor. Auch wenn wir es gerne etwas wärmer und trockener haben wollten, gelle?! Wir sind wirklich in unserem Freilichtmuseum pitschenass geworden, aben die Einstimmung auf Midsommar haben wir wenigstens im Trockenen erleben dürfen. Dir einen schönen Start in die Woche. Lieben Gruß Nicole

    AntwortenLöschen
  7. Dieses Museum ist auch so ganz nach meinem Geschmack. Wird mal wieder Zeit. Danke für die Erinnerung und die schönen Bilder.

    AntwortenLöschen
  8. Immer wieder, wenn du davon erzählst, denke ich, dass ich dringend auch mal wieder ins Freilichtmuseum muss. Und totzdem habe ich es schon ewig nicht mehr geschafft... Dabei hatte ich sogar mal überlegt, meine Abschlussarbeit darüber zu schreiben!

    AntwortenLöschen
  9. Ein schöner Eintrag !
    Beim Lesen fuhr ein Schauer der " Rührung " über mich.
    Wunderschöne Nachtbilder.
    LG Angela

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!