Sonntag, 7. Juni 2015

Menschen sind Ufergucker.

Das bestätige ich sofort, aber ich habe es mir nicht ausgedacht. Nach einer Umfrage des Anthropologen Carsten Niemitz finden Erwachsene Uferlandschaften besonders idyllisch. Er führt unsere Vorliebe für das Umherstreifen im Grünen, aber vor allem für den Aufenthalt am Wasser auf unser urzeitliches Erbe zurück. Unsere urmenschlichen Vorgänger sammelten Frösche und Schnecken im seichten Wasser, um sich zu jeder Zeit des Jahres mit tierischem Protein zu versorgen. Das sei auch im starken Maße mitverantwortlich für die Entwicklung des aufrechten Gangs - das Stelzen im  Wasser erleichterte durch den Auftrieb die ungewohnte Aufrichtung und aufrechte Fortbewegung.







Als besonders anziehend empfinden wir als traditionelle Ufergucker die Kombination Wiese mit dem Wald im Rücken und dem Wasser vor uns - Rückendeckung, Übersicht und Nahrung. Der Neandertaler in uns ist hier, wie in so vielen anderen Bereichen, immer noch hellwach - auch wenn man in Anbetracht der mondänen Szenerie in Überlingen am Bodensee kaum an urzeitliches Leben denken mag. Und doch haben Orte direkt am Wasser eine ganz besondere Atmosphäre - entspannt, lebensbejaend, grün, üppig, gelassen, entschleunigt - einfach anziehender als "trockene" Orte. Selbst die Menschen scheinen netter, freundlicher und hilfsbereiter zu sein - eine friedliche, schöne Umgebung macht augenscheinlich auch Menschen angenehmer.








Vor kurzem hat euch Lotta schon viele Bilder von den schönen Städtchen rund um den Bodensee gezeigt und konnte die sympathische Region am Schwäbischen Meer viel gründlicher erkunden als wir, die wir vor drei Wochen nur einen sonntäglichen Zwischenstop auf der Heimreise dort eingelegt haben - aber ein Zwischenstop, der gut tat. In den üppigen Blumenrabatten sitzen, Eis essen, aufs Wasser und die Allgäuer Alpen im Hintergrund schauen, Schwäne beobachten... auch ohne das Sammeln von Schnecken und Fröschen ist der Bodensee einfach beruhigend schön.

Die Theorien zum Mensch als Ufergucker stammen aus dem Buch "Wir sind alle Neandertaler" von Jürgen Brater - sehr amüsant zu lesen.
Bodensee, Überlingen, Hegau, Uferpromenade, Strandpromenade, Deutschland ist schön, Heimat, Reise, Städte am Bodensee, Ufergucker, Wir sind alle Neandertaler, schwäbisches Meer, Sommer am Bodensee

Kommentare:

  1. Ein toller POST.
    Ich bin auch eine Uferguckerin und liebe es!

    Greetings & Love
    Ines
    www.eclctic-kleinod.de

    AntwortenLöschen
  2. Ja ja, das mit dem Uferstelzen hat man mir in der Schule auch erzählen wollen. Das hieß es "die Brandungszone"... ich weiß ja nicht so recht.
    Meine Oma hat dagegen meinen Vater (ihren Schwiegersohn) entschieden zurecht gewiesen, als er seine Rückenschmerzen auf die Evolution des aufrechten Ganges schieben wollte - Gott habe schließlich den Menschen nach seinem Bilde geschaffen. So.

    Warum auch immer: Ufer sind schön! =)

    LG
    Centi

    AntwortenLöschen
  3. Ich war gerade seeehr gerne eine Uferguckerin! Danke für den schönen Post!
    LG Martina

    AntwortenLöschen
  4. Ach?! Nach Schnecken und Fröschen hält mein Unterbewußtsein also immer Ausschau.. grins breit!! Und ich dachte, ich suche Steine, Muscheln und Treibholz.. kicher!! Deine Bilder sind wunderschön, liebe Katja! Hach.. es wird Zeit, dass die Ferien beginnen. Ich will auch am Ufer spazieren gehen können. Ganz liebe Grüße in den Abend, Nicole

    AntwortenLöschen
  5. Ich habe vor einiger Zeit einen Bericht im Fernsehen gesehen, da ging es genau darum. Dem aufrechten Gang am/im Wasser, die Wälder im Rücken die Wiese dazwischen. Deshalb haben unsere Kinder keine Angst am Wasser...
    Der Bodensee ist einer meiner liebsten Seen. Jahrelang sind wir dort in den Sommerferien gewesen. Jedesmal wenn ich Bilder von dort sehe, bekomme ich Heimweh...
    Liebe Sonntagsgrüße,
    Andrea

    AntwortenLöschen
  6. Was für ein feiner Beitrag!
    Letzthin fragte mich jemand, warum ich denn am See wohne, ich würde weder schwimmen, noch segeln oder einen anderen Wassersport betreiben. Jetzt habe ich endlich von Dir das wissenschaftliche Fundament für meine (belächelte) Antwort bekommen, dass ich ohne den Blick auf den See nicht wirklich glücklich bin. Das Ding hat tatsächlich einen Namen: ich bin ein Ufergucker. Täglich. Mehrmals täglich. Bei Mondschein auch ausgesprochen gerne nächtlich. Die neandertalerische Neigung zum Sammeln von Schleimigen und Glitschigen ist aber über die Zeit verloren gegangen ;-)
    Liebe Grüße vom Bodenseeufer
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Laut dieser Studie halten sich 90% alles Menschen, die das Meer oder Seen besuchen, nicht im tiefen Wasser beim Schwimmen auf, sondern sitzen am Ufer oder waten im seichten Wasser - weil wir tradiert keine Schwimmer sind und primär deshalb Wasser aufsuchen, sondern eben um zu gucken. Schleimiges und Glitschiges sammle ich dort auch nicht, dafür aber fast jeden anderen Kram wie Treibholz, Seeglas, Muscheln, etc... ;-)

      Löschen
  7. oh, ich habe heute auch Ufer geguckt, erst an einem kleinen See zum Frühstück, später dann an einem anderen See zum Baden, wobei ich wegen meiner starken Erkältung nicht im Wasser war, der Badesee ist saukalt, am Frühstücksee habe ich mir blödereweise einen Sonnenbrand eingehandelt.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen
  8. ich bin auch am meer so eine uferguckerin, denn ins wasser muss ich nicht unbedingt!
    das sammeln von schnecken und anderem getier hat sich allerdings bei mir erhalten - allerdings nur in form von deren hübschen schalen und in form von versteinerungen. irgendwas muss man ja vom neandertaler noch mehr mitbekommen haben als nur den aufrechten gang.
    schöner post, schöne bilder!
    liebe grüße, mano

    AntwortenLöschen
  9. Auch ich war am Wochenende eine Uferguckerin. Auf den Heiligen See in Potsdam, mit Wald und Wiese hinter mir, durch die wir auch spaziert sind. Das hat die 1,5 Stunden im Berliner Stau stehen alles wieder wett gemacht. Welch Wohltat. Aber reingesprungen bin ich auch, das war bei 32 Grad Luftemperatur zu verlockend.

    Liebe Grüße, Wiebke

    AntwortenLöschen
  10. Ja das bin ich wohl auch! Ich bedaure immer sehr dass meine Eltern nicht an den Bodensee gezogen sind, was sie eigentlich immer vor hatten als ich noch klein war...so eine tolle Gegend!
    Und der Kuchen für den Elf-Gewordenen sieht toll aus! Einen tollen Tag euch!
    Lg! Sarah

    AntwortenLöschen
  11. Das ist nett von dir, dass du Überlingen für mich besucht hast, denn den Ort hatte ich leider zur Osterzeit nicht geschafft...Also ich gehöre klassisch zu den Uferguckern...wobei ich mich im Sommer gern auch mal weiter hinaus auf die offene See wage...;-). Schöne Bilder...ein schönes Fleckchen Erde...hach...warum kann man nicht gleichzeitig hier und da wohnen...LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  12. Was für ein toller Post und eine interessante Lehrstunde :-D
    Wir haben damals, als ich klein war, an der Mosel gewohnt und sind täglich am Ufer spazieren gegangen. Eins meiner Hobbys war, im Alter von 3 oder 4 Jahren, so hat man es mir erzählt: Tote Fische gucken. Die wurden ja von der Strömung immer ans Ufer getrieben und DAS fand ich wohl super interessant ;-) :-D
    Und wenn man am Wasser groß geworden ist, zieht es einen ein Leben lang dahin. Ich wohne zwar jetzt nicht mehr an einem Fluß, aber wir haben schöne Talsperren in der Nähe - und da geht's dann oft hin.
    LG Moni

    AntwortenLöschen
  13. Hach, welch wunderbarer Bericht und all die Erinnerungen werden wach. Ich lebte - vor Jahren - in Immenstaad am Bodensee. Über den See schauen, bei schönem und auch bei "schlechtem Wetter" fehlt mir hier in Franken sehr (obwohl ich mich hier sehr wohl fühle). Ich liebte die ruhige Zeit ohne viele Menschen dort. Werde noch ein wenig träumen....
    Danke und LG von Rosmarie

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!