Donnerstag, 25. Juni 2015

Farbklang.

Ob wir Farbkombinationen als harmonisch empfinden, entscheiden wir nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch - Farbenlehre hin oder her. Manche Farben fühlen sich einfach gut und richtig zusammen an, andere empfinden wir als disharmonisch, kreischend, sie verursachen ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Genau erklären kann man das nur selten, wenn auch die Wissenschaft der Farbenlehre dafür durchaus Erklärungen bereit hält. Was im Bereich der Kunst bewusst als Störfaktor und Knalleffekt eingesetzt wird und Sinn machen kann und auch im öffentlichen Bereich als Eyecatcher durchaus manchmal gewünscht wird, ist im privaten Wohnumfeld nur selten eine gute Idee. Vielleicht im ersten Moment aufregend, sind starke Farbkontraste nicht wirklich die angenehmste Kulisse für einen entspannten Abend nach einem anstrengenden All-Tag.



Und wie findet man Farben, die miteinander harmonieren? 
Man kann sich ganz streng an die Farbschematas halten, die viele kluge Leute in vielen klugen Büchern über Farbenlehre als passend vorstellen, oder... man sieht sich einfach um in der Welt und hört dabei auf seinen Bauch. Die Natur spielt mit Farbharmonien und Kontrasten. Wer auffallen will, um fürs andere Geschlecht oder die Bestäubung durch Insekten möglichst attraktiv zu sein, der pokert neben einer lauten Stimme oft mit lauten Farben. Wer andere abschrecken und davor warnen will, ihn zu fressen, weil er giftig ist, der plustert sich möglichst groß auf und setzt auf extreme Farbkontraste. Wer seine Ruhe haben und möglichst unsichtbar bleiben will für seine Feinde, aber auch für seine Beute, der nimmt die ineinander verschwimmenden Farben und Muster seiner Umgebung an und versucht sich im Ton-in-Ton-Mimikri.



Die Souveränen aber, die es weder nötig haben sich zu verstecken, noch besonders aufzufallen, die suchen sich Gleichgesinnte, Farbverwandtschaften, mit denen zusammen sie noch stärker sind, noch besser zur Geltung kommen als alleine, weil sie einen gemeinsamen Nenner haben, auf dessen Basis einer den anderen stärkt und dabei mit ihm harmoniert, ohne mit ihm zu konkurrieren oder sich gegenseitig auszustechen. Trifft man auf solche farbharmonischen "Familien" dann fühlt sich das Auge und der Bauch sofort wohl, auch wenn die Farben einzeln sehr wahrscheinlich keinerlei Aufmerksamkeit erregt hätten, weil sie es nicht darauf anlegen.



Naturtöne zwischen Weiß, Braun und Grau empfinden wir meistens als harmonisch, weil wir diese Farben mit natürlichen Materialien verbinden, die sich gut anfassen - Holz, Wolle, Fell, Leder, Sand, Kieselsteine, Berge, Schnee. 
Auch Pastelltöne harmonieren  trotz unterschiedlicher Grundfarben, weil ihr gemeinsamer Nenner die Farbe Weiß ist, die sie alle zu ähnlichem Anteil enthalten. 
Dunkle, matte Beerentöne  teilen sich gleich drei Gemeinsamkeiten, die dazu führen, dass der Bauch sofort zufrieden brummt: sie enthalten alle die Farbe Rot, einen etwa gleich großen Schwarzanteil und sie haben eine samtmatte Oberfläche - blaue Trauben, ein Glas Wein dazu, Brombeeren, Pflaumen... es wäre immer noch harmonisch.



Die Natur ist sehr gut im Zusammenstellen solcher Farbfamilien, die unser Bauch sofort als Harmonie, als Klang empfindet. Dann lohnt es sich, sich diese Farbkombinationen einzuprägen und zu bewahren, für einen passenden Raum, in dem Harmonie die richtige Wahl ist.
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Kommentare:

  1. Es ist das Unterbewusstsein...aber auch der Gemütszustand, der bestimmt, welche Farben wir gerade besonders mögen. Gerade deshalb macht es aus meiner Sicht auch wenig Sinn, dem neusten Farbtrend hinterher zu jagen, denn das kann schnell dazu führen, dass man sich unwohl fühlt. Ich habe mich schon oft mit Farben, Farblehre und Farbpsychologie beschäftigt und finde dieses Thema höchstspannend. Deine Bilder sind ganz wunderbar harmonisch...und vielleicht ist es ja gar nicht allein deine Art der Wohnungseinrichtung, sondern auch deine Farben, die mich immer so ansprechen...;-). Ein tolles Thema, ein toller Post! LG Lotta.

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  2. der beitrag kommt genau passend - ich fahre gleich zu einem tischler, der für unser neues büro verschiedene ausstattungen macht und da wird sich auch die frage stellen, wo werden farblich akzente gesetzt?
    ich finde das immer sehr schwer, weil ich oft das gefühl habe, dass man sich gerade an diesen akzentfarben sehr oft übersieht und sie dann irgendwann doof findet. mal sehen, was mir mein bauchgefühl gleich so sagt. :)
    herzliche grüße
    die frau s.

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  3. Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag und die schönen Fotos <3

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  4. ich mag rauchiges pflaumenblau. hatte mal eine stofffarbe bestellt ... und die wäsche war danach kreischend lila-pink wie eine hochpolierte pflaume ... seit dem weiß ich, dass pflaumenblau ein weites feld ist :)

    und huch, du meinst die stachelbeeren sind schon so weit? da muss ich mal gugen gehen ...

    liebe grüße per sonne und himmelblau . tabea

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  6. Das ist mal wieder ein sehr interessanter Beitrag von Dir, liebe Katja. Ich habe mich noch nie "theoretisch" mit dem Thema Farben befasst (hab ja auch nen ganz anderen Beruf als Du, wo es Deiner wohl einfach mit sich bringt *grins*), sondern ich verlasse mich da gänzlich auf mein Auge bzw. mein Bauchgefühl und natürlich auch auf die Stimmung.

    So entscheidet ja schon oft morgens die Stimmung, welche Farben man anzieht. An einem nachdenklichen Tag, wird man sicher kein gelbes Leucht-Shirt tragen, während man an einem fröhlichen Sommertag vielleicht nicht unbedingt rein schwarz trägt. Zumindest ist das bei mir so.... ich lege mir auch nie schon Kleider einen Tag vorher raus, da es tatsächlich die Stimmung sein muss, die vor allem die Farbe bestimmt und durch die man diese eben auch ausdrücken kann.

    Auch beim Nähen sind die Farben unheimlich wichtig - harmonieren sie nicht, kann der Schnitt vielleicht noch so schön sein - das Teil sieht nach nix aus. (wobei das natürlich völlig individuell und nach jedem Geschmack zu betrachten ist).

    Auch bei meinen Collagen im Blog sind mir Farben unheimlich wichtig und ich spiele wirklich auch gerne damit. So stelle ich die meisten Collagen eigentlich nie nach "Thema" zusammen, sondern schaue vielmehr darauf, dass die Farben in irgend einer Weise harmonieren.

    Puh, jetzt hab ich aber echt viel geschrieben, aber Dein Beitrag war so inspirierend und lehrreich, da komm ich gleich direkt in Fahrt :)

    Im Übrigen sind Deine Fotos extrem passend dazu.... alleine die Farbgleichheit der Stachelbeeren und des Randes des Tongefäßes, was besonders schön zur Geltung kommt, wo Du´s von oben fotografiert hast. Toll!

    Liebe Grüße,
    Pamy

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  7. Ich liebe Naturtöne. Ich mag es aber auch mal knallig bunt. Ich liebe es leise, aber auch mal laut. Ich liebe die Vielfalt und die Abwechslung - so, wie es auch in der Natur vorkommt. Wie jemand sich in den eigenen Räumlichkeiten einrichtet ist eine sehr individuelle und persönliche Sache. So manch einen Trend finde ich grauslig. Aber wem's gefällt, der soll glücklich werden nach seiner Fasson.

    Liebe Grüße.

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  8. Sehr interessant. Ich mag diese harmonischen Naturtöne auch sehr gerne. Früher als ich jünger war habe ich mich oft so gekleidet. Heute habe ich sehr viel Lust auf Farbe. Je älter ich geworden bin, desto lieber umgebe ich mich mit Farbe. Ich finde, und die Meinung ist wirklich sehr subjektiv, dass ich mich damit nicht aufplustere um abzuschrecken. Ich fühle mich souveräner als früher.
    Aber ich stimme zu, dass gerade die wunderbare Vielfalt der Naturtöne sehr angenehm und entspannend auf die Seele wirkt.

    LG Barbara

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  9. ... farbe und bauch ? überlebungsstrategie - komplizierte und kulturelle sache und ich lerne bei dir gerne dazu. deine rosa schimmerde stachelbeere gefallen mir da es meine lieblingsfrucht ist aber wie kann man es harmonisch machen wenn viele gegenstände sehr bunt sind ? that is the question ;)
    liebe grüsse
    Monique

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  10. "..drei Gemeinsamkeiten, die dazu führen, dass der Bauch sofort zufrieden brummt.." ach, Katja. Meisterin der richtigen Worte und Hütterin der schönsten Bilder.. dieser Post war ein pures Vergnügen. Herzlichen Dank dafür! Ganz liebe Grüße, Nicole

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  11. Naturfarbklänge liebe ich sehr. Aber ganz gezielt einen kleinen Eyecatcher baue ich auch mal gerne in mein Wohnumfeld ein.
    Mit farbigen Wänden bin ich zurückhaltend geworden. Da habe ich mich genug ausgetobt ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Das Spiel mit Farben und ihren Klängen mag ich gern..., aber da bin ich auch ziemlich sensibel und fühle mich sofort unwohl, wenn es nicht "stimmt"... Beim (seltenen) Friseurbesuch sitze ich am liebsten mit geschlossenen Augen, weil mich die Salon-"Bonbon"-Farben so nerven..., graue Schulmöbel verursachen mir Kopfschmerzen, so herzlos und kalt wirkend. In deinen Fotos fühle ich mich rundum wohl..., auch wenn ich dieses Jahr (wie schon mal in meiner Jugend) eine ausgesprochene Vorliebe für - wohldosiertes - Gelb habe... Lieben Gruß Ghislana

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  13. Buntheit im Sinne von Durcheinander macht mich ganz unruhig. Gleichzeitig gibt es
    gerade im Accessoire Bereich Kissen / Decken / Überwürfe meisterhafte Mustermixe zu sehne. Eingebettet in warmes weiß - wirkt das sehr schön.
    Wir zogen in ein Fachwerkhaus - teils Ziegelwand und weiße Wände , an der Decke schöne Holzbalken, aber oh Schreck ! Laminat in Nussbaum und das DIAGONAL ! in den Raum gelegt. Ich habe einfach nicht genug Teppiche um das Übel abzudecken. Ich kann mich nicht daran gewöhnen , nie !
    Wenn es unser Haus wäre, könnten wir es ändern.
    Herzliche Grüße und danke für den schönen Beitrag,
    Angela

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  14. Ich mag sowohl die ruhigen Töne und Muster als auch das Wilde und Bunte. Entsprechend sieht´s bei uns auch aus. Ich glaube, das liegt an meiner Laune und meinem Hormonhaushalt. Und bestimmt auch am Bauch. Aber ich merke, wie sich die Wirkung von Farben und Mustern immer wieder verändert. Ob´s mit meiner Aussage die passende Bemerkung zu Deinem Post ist, weiß ich nicht. Es ist der Versuch einer "Hinterleuchtung" des Themas :-).

    Herzlichst,
    Steph

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!