Dienstag, 26. Mai 2015

Schwanensee.

Schwanensee ist wohl das berühmteste Ballett überhaupt. Selbst ballettuninteressierte Menschen, die auch nichts mit klassischer Musik am Hut haben, kennen zumindest vom Namen her dieses Ballett nach der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Die Geschichte der unglücklich verzauberten Prinzissin, die nur durch die Liebe eines Prinzen erlöst werden kann, ist ein klassisches Märchenmotiv, das es in vielen Varianten gibt. Hier ist es die schöne Prinzessin Odette, die vom Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt wird und in die sich der junge, melancholische Prinz Siegfried an seinem einundzwanzigsten Geburtstag Hals über Kopf verliebt, als er sie im Mondlicht am See erblickt und ihr so ewige Treue schwört, um sie vom Zauber zu erlösen.





Doch Rotbart belauscht die beiden und erscheint am nächsten Abend als Baron Rotbart mit Odile, einem bösen Abbild von Odette, zum Ball. Der - wie meistens in Märchen  - offensichtlich schlecht sehende und nicht sehr helle Prinz glaubt, er hätte Odette vor sich, schwört auch Odile ewige Liebe und hält um ihre Hand an. Odettes weißer Geist erscheint in der Ferne und der Prinz läuft verwirrt zum See. Dort fleht er Odette um Verzeihung an und sie vergibt ihm, aber Rotbart ist erzürnt und schickt eine große Welle, die den Prinzen verschlingt. 



Ob der Rettungsversuch Odettes, die sich in die Fluten stürzt, um dem Prinz zu Hilfe zu kommen, erfolgreich ausgeht, oder ob einer oder beide im Wasser den Tod finden, das wird je nach Inszenierung frei interpretiert. Drama gibt es auf jeden Fall genug - einen bösartigen Zauberer, eine stumm leidende, duldsame, aufoperungsvolle und liebreizende Prinzessin, ihre böse dunkle Gegenspielerin und einen ziemlich dämlichen Prinzen, der irgendwie gar nichts zu checken scheint, sich wie ein Trottel benimmt, dem aber trotzdem vergeben wird und welchem die Schwanenprinzessin zu Füssen liegt.
Anscheinend ein Märchengrundprinzip, über das ich schon als Kind sehr erbost war. Allen voran die Dummbatz-Prinzen aus Allerleirauh und Rumpelstilzchen, die ich in die Wüste gejagt hätte, anstatt darauf zu warten, dass sie mich erhören. Aber ich war ja auch nie eine Prinzessin. Womöglich funktioniert das Prinzessinnenleben ja tatsächlich nach diesem Prinzip, da kenne ich mich zu wenig aus. 



Meine Märchenheldinnen der Kindheit waren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter - damit konnte ich mich dann doch deutlich besser identifizieren als mit den duldsamen Barbie-Prinzessinnen. Ich wollte lieber wild und frei sein wie Pippi und Ronja und so ein dummüberheblicher Schwachmatenprinz, der würde mir später nie ins Haus kommen, das hatte ich mir geschworen. Okay... Ersteres war und ist nicht immer gruppenkompatibel und Letzeres hat nicht so gut funktioniert wie ich mir das vorgenommen hatte, aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Und wenn es mit dem Prinzessinnending nicht mehr klappt (man wird ja nicht jünger), dann werde ich eben doch irgendwann die gute Fee. Oder die Hexe.





Schwäne sind ganz besondere Vögel, die die Phantasie der Menschen schon immer beflügelt haben mit ihrer hoheitlichen, eleganten Erscheinung, genauso wie die geheimnisvollen Tiefen des Wassers in Form von verwunschenen Seen und dem Meer. Das Motiv der Schwäne, als in einem See badende Himmelsmädchen, die sich ein ablegbares Federgewand umgelegt haben und von Männern geraubt werden, taucht in der Sagenwelt fast aller Kulturen der Welt auf, in denen es auch Schwäne gibt. Und auch in anderen Märchen werden immer wieder Menschen in Schwäne verwandelt und durch die Kraft der Liebe wieder entzaubert, wie zum Beispiel in "Die sechs Schwäne" der Gebrüder Grimm.
Schöne, stolze, majestätische Tiere wie der Schwan, der Adler oder der Löwe werden gerne mystifiziert. Dagegen gibt es kaum Sagen über Nacktmulle, Asseln oder Hyänen. Danke dafür.



Ob die tanzenden Schwäne auf dem Bodensee männlich oder weiblich waren, das kann ich übrigens nicht sagen, aber sie haben ihre Sache gut gemacht. Das Publikum hat sie andächtig beobachtet und ihren Auftritt schon während der Vorstellung reich entlohnt. Brot für die Spiele.
Der Name "Schwan" soll sich übrigens vom indogermanischen Wort "suen" ableiten, was so viel wie "rauschen und tönen" bedeutet - wer schon mal fliegende Schwäne gehört hat, der kann sich diese Namensherkunft sehr gut vorstellen. (Quelle: Wikipedia)
Schwan, Schwäne, Höckerschwäne, Bodensee, Überlingen, Schwansee, Tschaikowski, Prinz und Prinzessin im Märchen.

Kommentare:

  1. "Dagegen gibt es kaum Sagen über Nacktmulle, Asseln oder Hyänen. Danke dafür."
    :D Wunderbar!

    Ja ja, die doofen Prinzen, die mochte ich auch nicht. Allerdings fand ich die meisten Prinzessinnen genauso unsympathisch - am schlimmsten ist ja die hinterhältige, verwöhnte Trina mit dem Froschkönig, die zum Schluss auch noch belohnt wird. Tzzz! Der Hochadel ist wohl einfach nicht meine Welt, ;-)

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  2. Wenn du täglich am Schwanensee stehst, dann verliert sich der Zauber irgendwann. Die Schwäne riskieren durch ihre Kiebigkeit dann doch einige der Sympathien. Ihr Flügelschlagen beim Fliegen ist wirklich einmalig, kein Zweifel, wer da angerauscht kommt. Ganz persönlich gefallen mir die jungen grauen Schwäne am besten, vielleicht, weil sich mich an Andersens "Hässliches Entlein" erinnern. Das mochte ich als Kind sehr gern.
    (Eigentlich sollte man die Wasservögel am Bodensee nicht mit Brot füttern, ist oftmals auch verboten. Aber das ist ein anderes Thema *Badedermatitis*...)
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Unschuldig. Wir haben der Fütterung nur beigewohnt. ;-)

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    2. ;-) Ich glaube mein Schwanenverhältnis ist ins Wanken geraten, seit sie sich auf den kleinen schwimmenden Lockenhundwelpen stürzen wollten. Der ist nachtragend und so schauen sich Weiß vom See und Schwarz vom Ufer immer sehr ergrimmt an...
      Liebe Grüße
      Andrea

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  3. Liebe Katja,

    vielen Dank! Jetzt bin auch ich wieder ein wenig schlauer ;-)
    Ich hab's nicht so mit Ballett :-)
    Aber ich arbeite an meiner klassischen Bildung.
    Wir haben Karten für Turandot auf der Bregenzer Seebühne :-)

    Mich stören an den Märchen nicht nur die meist nicht so hellen Prinzen,
    sondern auch, dass es immer so wichtig scheint, dass die Prinzessinnen schön sind. Das färbt derzeit total auf meine Große ab. Schön sein ist sooo wichtig ....
    und sooo oberflächlich. Aber gut ... Ich kämpfe dagegen :-)

    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  4. Als Kind fand ich Schwäne fürchterlich. Wir Paddler wurden ständig von ihnen angegriffen. Nicht zu spaßen damit. Heute und nicht mehr auf dem Wasser unterwegs sehe ich sie einfach als sehr schöne Tiere an. Und soweit ich weiß, haben sie sich auch mit dem wassersportlichen Mensch arrangiert (der Sohn berichtete bislang noch nicht von Angriffen).

    Herzliche Grüße,
    Steph

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  5. Ich weiß gar nicht, was du gegen Nacktmulle hast...ich mag sie...;-). Schwäne mag ich auch...sie sehen immer so erhaben aus, als könne nichts auf der Welt sie erschüttern...diese Gelassenheit wünschte ich mir auch manchmal...:-). Mein Lieblingsmärchen war Rapunzel...sie hatte so einen schönen langen Zopf und ich habe immer gehofft, sie gibt mir davon ein Stück ab...du weißt ja...die Sache mit der praktischen Kurzhaarfrisur...;-). LG Lotta.

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  6. Und wenn sie nicht gestorben sind ... :D
    Danke für diesen kurzweiligen Ausflug mit den sehr hübschen Fotos.
    Im übrigen will ich beisteuern, dass es der Hochadel durchaus schätzte, Schwäne als leckere Braten zu konsumieren. Die Rache des Prinzen? Oder der Prinzessinnen? Mir schwant Böses! ;)
    Sei lieb gegrüßt
    vonKarin



    Rezepte zur Zubereitung von Schwänen gab. man mit Schwan.

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  7. Fee sein kann ich empfehlen. Ich habe jahrelange Erfahrung damit und dämliche Prinzen sind mir dabei noch nicht untergekommen ;)!

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  8. schwäne verzehren? klingt wie pferde essen? schwäne könnt ich mal in auftrag geben, für aufs papier. ich find die interessant zu zeichnen.

    herzliche grüße von tabea

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  9. wunderschöne bilder!
    ich hab mich immer und immer wieder über die trotzkopfbücher aufgeregt, weil dort ein freies, wildes mädchen zur gehorsamen unertanin wurde. meine heldin war immer die rote zora!!
    herzliche grüße, mano

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  10. wenn ich schwanensee höre, muss ich immer an einen kinobesuch vor jahren von töchterlein und monsieur denken. mir schwant, das war eine schwanenseeverfilmung und sogar deren premiere – und die zwei saßen allein im kinosaal. und das bei dem plot!

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!