Sonntag, 3. Mai 2015

... in der Grube.

In den letzten beiden Wochen habe ich euch schon einige Male mitgenommen in die Fränkische Schweiz, meine liebste Ausflugsregion. Durch die blühenden Kirschgärten ging es zum Schloss Atzelsberg und anschliessend in das Reich des kleinen Wassermanns. Heute tauchen wir noch ein Stück weiter hinein in "die Fränkische", vorbei an Atzelsberg und weiter Richtung Marloffstein. Im Ort links abgebogen Richtung Langensendelbach, fährt man eine Anhöhe hinauf und erreicht am höhsten Punkt, auf dem "Marloffsteiner Pass", den Wasserturm. Hier stellt man Auto oder Fahrrad ab, überquert die Straße und geht von dort immer entlang des Zaunes mit den Obstbäumen wieder bergabwärts auf den Ort zu. Jetzt im Frühling kann man unser heutiges Ziel durch die Äste der Bäume dreissig Meter tiefer liegen sehen, in ein paar Wochen, wenn die Bäume alle voll belaubt sind,  sieht man... nichts mehr. Wenn man den Ort fast wieder erreicht hat, zweigt rechts ein Hohlweg ab, der an einem Holztor endet, das dankenswerterweise Autos von diesem Ort aussperrt - der alten Tongrube in Marloffstein. 






Als Fußgänger umgeht man das Tor und findet sich in einer Sukzessionslandschaft wieder, in der die Natur seit einigen Jahrzehnten eine alte Tongrube Stück für Stück zurückerobert. Als ich vor vielen Jahren das erste Mal zum Baden dort war, war die Tongrube noch kahl und die Wasserfläche weit - eine tiefe Schwimmgrube, mehr nicht. Im Lauf der letzten zwanzig Jahre kam erst das Schilf, dann nahmen Weiden, Pappeln, Erlen und Birken das Ufer in Beschlag. Heute sind große Teile der Tongrube verlandet und mit Schilf bewachsen, viele weitere Pflanzen und Tiere sind gefolgt.
 





Die meisten ehemaligen Sandgruben und Baggerseen in der Region wurden inzwischen für Erholungssuchende und Badegäste gesperrt und in Biotope umgewandelt. Betreten streng verboten. Das ist einerseits gut für die Tier- und Pflanzenwelt, andererseits trägt es nicht dazu bei, die Akzeptanz für Naturschutz zu erhöhen, wenn man den Mensch überall aussperrt. Man schützt das, was man kennt und schätzt, nicht das, wovon man ausgeschlossen wird.






Eine schwierige Gratwanderung. Es ist geplant, auch die in Privatbesitz befindliche Marloffsteiner Tongrube in absehbarer Zeit als Geotop für den Zutritt komplett zu sperren, weil sie zeitweise zu einer überfüllten nächtlichen Partylocation verkommen war und rücksichtslose Besucher große Schäden angerichtet hatten, ihren Müll hinterließen, die Vegetation niedertrampelten, die Steilhänge zum Abbruch brachten und die dort heimischen Tiere störten. Geplant wurde 2012 deshalb eine zweistufige Unterschutzstellung. So gibt es seitdem ein, noch bis 2017 gültiges, generelles Betretungsverbot für Teilbereiche der Grube, um Flora und Fauna dort zu schützen und von April bis Juli ist ein Großteil die Grube komplett gesperrt, um der seltenen Rohrweihe und Wasservögeln eine ungestörte Brut zu ermöglichen. Es gelten Regeln wie das Verbot von Feuer, Zelten, Musik und freilaufenden Hunden, aber noch darf die Tongrube in Teilbereichen betreten werden und auch das Schwimmen ist nicht generell untersagt. Im Hochsommer ist die Grube immer noch stark frequentiert, aber noch - oder wieder - funktioniert die fragile Balance zwischen Biotop und sanfter Freizeitnutzung. 
Ich würde mir wünschen, dass weiterhin beides möglich ist - Naturschutz und Zutritt für die Menschen, die respektvoll mit der Natur umgehen können.






So früh im Jahr ist das diesjährige Schilf noch nicht gewachsen und nur die Halme vom Vorjahr bilden dichte Wälder mit geheimnisvollen Gängen, Ein- und Durchblicken. Ab Mitte Mai verwandelt sich die Tongrube dann in einen grünen Urwald aus Schilf und Blattwerk - üppiger, farbiger und lebendiger als noch im Moment, aber auch kein so stiller, einsamer Ort mehr, wo das Rascheln des trockenen Schilfwaldes im Wind und das Zwischern der Vögel und Quaken der Frösche noch die einzige Geräuschkulisse bilden. 
Wer die üppige Natur der Marloffsteiner Tongrube erleben möchte, der kommt am besten in den frühen Morgenstunden unter der Woche hierher, dann hat er sie mit etwas Glück ganz für sich alleine... zumindest so lange der Zutritt noch nicht komplett verboten ist.

Mehr Ausflugstips für die Fränkische Schweiz findet ihr > hier.
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Kommentare:

  1. Wie sich die Natur ehemalige, nun geflutete Tagebaue zurückerobert, können wir hier an unseren Seen sehr eindrücklich beobachten. Jedes Jahr bin ich aufs Neue beeindruckt, wie sich alles verändert hat. Da sprichst ein sehr wichtiges Thema an...Ja, die Natur muss leider immer wieder vor Menschen, die offensichtlich keinerlei Sensibilität für das Wachsen und Gedeihen mitbringen, geschützt werden, aber man darf den Menschen auch nicht ausschließen. Hier gibt es Inseln, die sind für den Vogelschutz gesperrt und das kann ich sehr gut nachvollziehen. Andere Bereiche darf man betreten, offenes Feuer usw. ist aber untersagt...ich glaube, Kompromisse müssen sein. Es würde dir übrigens hier bei uns gefallen...ich bin mir ganz sicher...;-). LG Lotta.

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  2. Diesen Zwiespalt haben wir selbst in der fränkischen Schweiz erlebt. Bei einem Urlaub hörten wir von unseren Gastgebern von der "blauen Lagune" bei Ludwag und gingen mit Badezeug bepackt dorthin. Es handelt sich um einen stillgelegten Steinbruch, in dem sich ein wunderbares Biotop entwickelt hat, eine ganz unwirkliche Landschaft, bizarr und trotzdem wunderschön. Wir waren nicht die Einzigen, die sich dort (verbotenerweise) aufhielten. Wir kamen uns aber trotzdem irgendwie wie Eindringlinge vor und konnten unseren Aufenthalt nicht so ganz genießen, zumal einige Bereiche leider ziemlich vermüllt waren. Außerdem war es nicht ungefährlich, weil sich auf dem Gelände immer Steine von selbst in Bewegung setzen und ganze Hänge abrutschen, was wir direkt beobachten konnten. Deshalb verließen wir diesen Ort nach einer Stunde wieder. Ein Kompromiss wäre auch hier sicherlich, wenn man einen Teilbereich für die Öffentlichkeit zugänglich machen würde. Aber dadurch entstehen wieder Kosten, die Frage nach der Sicherheit müsste geklärt werden und und und.... von daher wird wahrscheinlich alles bleiben wie es ist und die Leute werden sich weiterhin durch Lücken im Zaun schleichen. LG Lilli

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  3. Ein wunderschönes Stück Natur hast Du uns da gezeigt.
    Mir fällt es schwer zu verstehen, warum sich manche Menschen
    nicht an gewisse Regeln halten können. Sie dienen doch unserem
    gemeinsamen Nutzen. Hier sind auch einige Teile unseres Kurparks
    unter Naturschutz gestellt. Es wird gebeten Hunde an der Leine zu führen
    damit Vögel und andere Tiere in Ruhe nisten können. Für Urlauber gilt
    diese Regel leider nicht, sie sind ja nur für ein paar Tage hier und nach
    mir die Sintflut. Mich macht dieses Unverständnis einfach wütend.
    Genieße, so lange es geht, diese tolle Umgebung!
    Liebe Sonntagsgrüße, Kerstin

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  4. ...ein schwieriges Thema hast du da angesprochen,
    es ist sicher leichter umzusetzen etwas ganz zu sperren, als zu kontrollieren, dass nur Erlaubtes maß- und rücksichtsvoll zu tun...schön, dass du uns diese Tongrube noch so zeigen kannst und wünschenswert, dass es so bleiben kann...

    einen schönen Sonntag,
    lieber Gruß Birgitt

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  5. Schön der Schilf - ich mag auch sein Geräusch im Wind.
    Ja, und das ist wirklich ein heikles Thema. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn *Respekt* vor der Natur nicht durch Schulmeisterei zu erreichen, sondern *natürlich* im Menschen verankert wäre. Dass das Miteinander mit anderen Lebewesen so schwierig ist... man möchte es nicht meinen. Den Umkehrschluß im Gedanken von *Naturschutzgebieten* finde ich übrigens auch gruselig: ist alles außerhalt dann frei zum Abschuß?
    hab einen schönen SO-Abend ... mit herzlichen Grüßen...

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  6. Da hast du Recht, es ist wirklich eine Gratwanderung.
    Eine wunderschönes Kleinod ist es geworden - erfahrenswert, liebenswert, schützenswert...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich die natur die stücke geschundener landschaft wieder zurückholt. und manchmal muss man sie einfach vor der dummheit der menschen schützen. dass ich dann darunter leiden muss, ist mir schon öfter ein ärgernis gewesen, aber erfreulicherweise gibt es ja noch so viele wunderbare gegenden, die man betreten darf. hier im naturschutzgebiet riddagshäuser teiche (ganz nah bei bs) hat man wirklich gute lösungen gefunden indem einige gebiete für tiere gänzlich geschützt sind, es aber auch viele möglichkeiten der naturbetrachtung für spaziergänger und radfahrer gibt. und wie du es sagst: am frühen morgen oder gegen abend sind auch dort kaum menschen unterwegs!
    deine bilder sind wieder so schön, dass man sofort dorthin möchte!
    liebe grüße
    mano

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  8. liebe katja, ich komm immer zuu dir schauen, leider so wenig zum lesen und noch weniger zum schreiben, weil auf deine oft so inspirierenden worte einfach mehr gesagt werden sollte als nur wunderbar!
    trotzdem hinterlasse ich heute das wunderbar mit großem ausrufungszeichen, weil deine bilder mich wieder einmal mit auf einen so schönen ausflug genommen haben!
    sei herzlichst gegrüßt mit vielen ausrufungszeichen
    dania

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  9. Traumhaft einfach unsere Natur. Ich werde auch mal so einen Ausflug machen. Muss mir aber vorher endlich ein neues Fahrrad kaufen :) Lg

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!