Dienstag, 19. Mai 2015

Im Keller des Vulkans.

Bestimmte Themen begegnen einem im Leben zu bestimmten Zeitpunkten scheinbar gehäuft. Ist das Interesse erst einmal geweckt, dann taucht dieses Thema auf einmal überall auf, wird überall besprochen und die passenden Bücher dazu kreuzen auch unseren Weg. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Und so begegneten mir an diesem Wochenende überraschend schon wieder Vulkane und zwar viele davon und in ganz besonders schöner Form. Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal. Zuerst setzen wir unsere Reise rund um den Vulkan "Hoher Parkstein" in der Oberpfalz fort, nachdem wir schon hinaufgewandert sind und runtergeschaut haben und auch schon das bewundert haben, was von der erkalteten Vulkanschlotfüllung heute an der Oberfläche zu sehen ist: eine beeindruckende Basaltwand. Heute tauchen wir aber ab in das Kellergeschoß des Vulkans...



Als das heiße, aufsteigende Magma in der Tiefe mit einer kalten Grundwasserader kollidierte, zerfetzten heftige Dampf-Explosionen das Magma und das Nebengestein und schleuderten es aus dem Schlot heraus hoch in die Luft. Das meiste davon fiel entweder zurück in den dadurch gerissenen Krater, oder in die direkte Umgebung. Das Magma explodierte beim erneuten Aufsteigen wieder und wieder bei Kontakt mit dem Wasser und die Schlotfüllung wurde immer wieder emporgerissen, wodurch der Krater immer tiefer und breiter und die Gesteinsfüllung immer kleinteiliger wurde.
Als das Magma sich neue Wege suchte und nicht mehr in Kontakt mit dem Wasser kam, hörten die Explosionen auf. Das aufsteigende Magma im Schlot erstarrte zu einem festen Basaltkern und der Vulkantrichter, das sogenannte Maar, war nun mit kleinsten bis felsengroßen Bruchstücken des Magmas und des Nebengesteins gefüllt - der sogenannten Schlotbrekzie.



Durch Erosion wurde in Jahrmillionen der aufgeschüttete Vulkanberg um den Schlot herum abgetragen und die Schlotbrekzie, das Kellergeschoß des Vulkans, freigelegt. Vor vielen hundert Jahren gruben sich die Bewohner von Parkstein in dieses Gemenge, um Felsenkeller für ihre Vorratslagerung zu schaffen. Heute ermöglichen diese immer noch erhaltenen Felsengänge einen einmaligen Einblick in das Innere des Vulkans, in seine Schlotbrekzie. Eingeschlossen in das feinkörnige Gemenge finden sich all die Gesteine in großen und kleinen Brocken, die das Magma aus der Tiefe mit sich gerissen und aus dem Inneren der Erde herausgesprengt hat und die der geologische Lehrpfad heute auch zeigt. Nahbare Erdgeschichte zum Anfassen.

Die Felsenkeller befinden sich oberhalb der Pfarrkirche St. Pankratius und direkt am Kreuzweg hinauf auf den Parkstein, sind außerhalb der Wintermonate täglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet und frei zugänglich. Kein Eintritt, keine Schranken, der letzte macht das Licht aus (eine kleine Taschenlampe ist trotzdem prima, um sich die Gesteine genauer anzusehen). Auch als öffentliche Toiletten werden sie nicht mißbraucht. Manchmal funktioniert es also doch, wenn man Bürgern etwas Verstand und Verantwortungsgefühl zutraut. Leider nicht überall. 
Danke an die Gemeinde Parkstein für die Zugänglichkeit, den guten Ausbau der Wege und den Erhaltungsaufwand - aber auch für das Vertrauen in den respektvollen Umgang mit der Erdgeschichte. Ein Geotop, das ohne Verbotsschilder auskommt.

War es das jetzt mit dem Parkstein? Nicht ganz -  ich hätte da noch was...
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Kommentare:

  1. tolle einblicke – umso besser, weil ich da niemals hineingehen könnte, klaustrophobikerin, alte, die ich bin. das füchslein ziehen vulkane auch gerade in ihren bann; sind ja auch wirklich spannend.

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  2. Hach...ich wollte schon immer mal in ein Kellergeschoss eines Vulkans eintauchen...tolle Sache! Und der Umgang der Gemeinde mit diesem tollen Naturschauspiel ist vorbildlich. Was für mich das Wasser ist...sind für dich die Gesteine...;-). LG Lotta

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  3. Danke für deinen Rundgang durch die Erdgeschichte. Ich habe deine letzten Posts mit Spannung gelesen: für einen kurzen Besichtigungsgang würde ich auch dort hinein gehen, da siegt die Neugier, schön dass ich mit dir gehen durfte!!! Ich sammle lieber Steine von den höchsten Bergen.
    Gruß von
    heiDE

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  4. Wow, was für spannende Bilder....auch solche Basaltröhren habe ich so noch nie gesehen....wirklich beeindruckend, muss ich mir merken wenn ich wieder mal in die Ecke komme !
    😘Kerstin

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  5. zu gern würde ich diese keller auch mal selbst erforschen! es muss wunderbar sein, ein wenig in die erdgeschichte eintauchen zu können!
    liebe grüße, mano

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  6. Was du nicht alles weist! Wahnsinn was ich allein bei deinen Posts noch lerne. Ich wusste gar nicht, dass man dort hinein kann. Das MUSS ich mir unbedingt mal in Farbe ansehen. Danke für den wundervollen Tipp - kommt gerade richtig für die Ferien :)
    Liebe Grüße
    Gusta

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!