Sonntag, 17. Mai 2015

Basalt.

Habt ihr Lust auf einen weiteren Sonntagsausflug in meine Bayerische Heimat? Gestern habe ich euch mit dem Oberpfälzer Himmel bereits verraten, wohin uns der Muttertag geführt hat - auf den Vulkan Hoher Parkstein. Und der hat etwas ganz Besonderes, was man nur an wenigen Orten in Deutschland zu sehen bekommt. Was das ist? Der Hohe Parkstein ist heute natürlich kein aktiver Vulkan mehr, sondern gehört als einer der Schläfer zu den vielen erloschenen Vulkanenen in der Oberpfalz, die deshalb auch "Das Land der schlafenden Vulkane" genannt wird. Vor ungefähr 24 Millionen Jahren spuckte der Parkstein das letzte Mal glühende Lava, bevor er für immer verstummte. Dieser letzte Versuch eines Ausbruchs schuf das, was wir heute als Hoher Parkstein sehen: einen großen Basaltkegel. 





Der Basaltkegel des Parkstein ist nicht der eigentliche Vulkanberg aus ausgespucktem Steingemenge, denn die ursprünglich mindestens 100 Meter höhere, sogenannte "Schlotbrekzie", wurde im Lauf von Millionen Jahren durch Erosion bereits fast komplett abgetragen. Der heute noch stehende Basaltkegel ist nichts anderes als der letzte "Ausbruchsversuch" des Vulkans, bei dem der gemolzene Basalt aus der Tiefe als aufsteigendes Magma im Vulkanschlot stecken blieb, als es bei Kontakt mit dem umliegenden kühlen Gestein schlagartig erkaltete. Ein "Härtling". Durch die schnelle Abkühlung bildeten sich Spannungsrisse in der Basalt-Magma, in die der Regen im Lauf der Jahrmillionen Mineralsalze einspülte, welche durch ihr Auskristallisieren die einzelnen Basaltsäulen auseinandersprengten. 







Durch natürliche Erosion und jahrhundertelangen Abbau des wertvollen, weil sehr harten Gesteins wurde der Magmakern des ursprünglichen Vulkans freigelegt. An der ortsseitigen Basaltwand sieht man das typische Bruchbild dieses Gesteins mit seinem fünf- bis siebeneckigen Querschnitt und bis zu 30m in den Kegel hineinreichenden Säulen. Die Besonderheit ist, dass man hier den geologischen Vorgang des an den Schlotwänden aufsteigenden Magmas auch heute noch wunderbar nachempfinden kann - die Basaltsäulen folgen der ursprünglichen Schlotwand.





Der Basalt enthält neben anderen Mineralien fast 5% Magnetit, also Magneteisenstein. Das führt dazu, dass der Basalt magnetisch ist und zum Beispiel Kompassnadeln ablenkt. Dieser Magnetitgehalt hat sich zur Entstehungszeit am Erdmagnetfeld orientiert, weshalb man heute noch durch Messungen am Parkstein etwas über das damalige Erdmagnetfeld erfahren kann. (Quelle: VFMG Weiden) 

Kein Wunder ist es somit also, dass der Parkstein als ein Kraftort voller Energie wahrnehmbar ist. Vor dieser mächtigen, sonnenwarmen Felswand stehend, Angesicht zu Angesicht mit dem Inneren eines Vulkans und der Erdgeschichte, ist man nicht nur beeindruckt, sondern fühlt sich andächtig, unbedeutend klein und gleichzeitig auf beruhigende Weise mit der Schöpfung verbunden und beschützt.




Eine sehr faszinierende Steinformation unserer Erdgeschichte, auf der sich ganz besondere Pflanzenspezialisten angesiedelt haben - im Sommer glühendheiß, im Winter besonders kalt, ist der Basalt kein einfacher Lebensraum. Viele Sedumarten leben hier, Mauerpfeffer und Steinbrech und unglaublich viele Schmetterlinge.
Alexander von Humboldt hatte 1796 wohl Recht mit seiner Einschätzung, dass der Hohe Parkstein der schönste Basaltkegel Europas sein. 1937 wurde der Parkstein unter Naturschutz gestellt und gilt als besonders wertvolles Geotop. 2006 wurde er in die Liste der 77 ausgezeichneten "Nationalen Geotope" Deutschlands aufgenommen.

Der Hohe Parkstein befindet sich 10km nördwestlich von Weiden in der Oberpfalz. Die im Sommer auch als Kulisse für Theateraufführungen dienende Basaltwand erhebt sich direkt über dem örtlichen Wanderparkplatz. Von hier aus kann man sowohl den Geopfad, als auch den Kreuzweg auf den Gipfel und die Bergkirche, zu der ich euch Gestern mitgenommen habe, gut erreichen... und auch noch zwei andere wirkliche "Hotspots", die ich euch nächste Woche vorstelle.

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Kommentare:

  1. Was für ein überaus faszinierender Ort...was für ein faszinierendes Gestein! Ich habe noch nie davon gehört...Von hier aus sind es ca. 250 km...na das müsste ja irgendwann mal zu schaffen sein...;-). Danke für diesen sonntäglichen Ausflug...LG Lotta.

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  2. Vielen Dank liebe Katia für diese tolle, anschauliche Erklärung! Hier in der Nähe ist die Vulkaneifel, ebenso reich an interessanten Plätzen. Ist doch wirklich alles faszinierend!
    lieben Gruß
    Gabi

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  3. Die letzten beiden Posts haben mich so gefreut. Ich hab vor langer Zeit auch schon mal einen Post über den Parkstein geschrieben. Deine Bilder, Deine Erzählungen sind viel, viel besser, interessanter!
    Der Parkstein ist immerwieder einen Besuch wert. Danke für die Bilder aus meiner Heimat ...
    Elisabeth

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  4. oh, so schöne Basaltsäulen, sie erinnern mich an den Giant´s Causeway im Norden von Irland,
    lg

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  5. Danke für diesen schönen Spaziergang ...... ich freu mich schon auf den nächsten.
    LG vonKarin

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  6. Das ist ja total faszinierend! Danke fürs Zeigen! Wir haben hier in der Nähe eine Burg, die auf solchen Basaltsäulen steht: http://www.burg-stolpen.org/de/startseite/

    Liebe Grüße und noch einen gemütlichen Abend!
    Regina

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  7. Super Bilder und tolle Erklärungen...
    LG und noch einen schönen Sonntag
    Andrea

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  8. Vielen Dank für die geologische Einsicht! Das war total spannend!
    Gros bisou
    Sandra

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  9. Was die Natur für geile Sachen baut. Unfassbar ;)!

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  10. ich kann mich Fee nur anschließen – unglaublich toll!
    liebe Grüße!

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  11. unglaublich schön! ich mag besonders das foto von der kleinen kapelle auf dem großen berg. da wird man als mensch auch gleich ein bisschen bescheidener.
    ich kenne diese basaltsäulen vom hohen meißner, einem mittelgebirge in meiner nordhessischen heimat. allerdings ist es ein wesentlich kleinerer aufschluss als dieser fantastische am hohen parkstein. ich würde ihn sehr gerne mal besuchen!!
    herzliche grüße, mano

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  12. Unsagbar beeindruckend!!!
    Danke für die Informationen rundum.

    Liebe Grüße . M

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