Dienstag, 21. April 2015

Upcycling aus Mangel?

Heute macht sich Caro Gedanken über unsere persönlichen Beweggründe für Upcycling. Treibt uns wirtschaftliche Not zu der Wiederverwertung von Dingen, die andere als Müll wegwerfen würden, oder ist es vielleicht Training für kommende Zeiten der Verknappung und des Mangels? Wenn ich unsere finanziellen Aufwendungen bedenke, die wir dank Flohmarkt, Gebrauchtwarenhof, Wanderschuhen und Natur für Wohnungsdekoration, Kleidung, Küche, Geschenke, Ausflüge und Reise haben, dann liegt das sicherlich sehr weit unter dem einer vergleichbaren Familie, die ihre "Dinge" in Supermärkten, Kleidergeschäften, Einrichtungsshops, Vergnügungsparks und im Reisebüro kauft. Für mich ist der finanzielle Aspekt also durchaus wichtig beim Upcycling, aber er ist nicht Hauptantriebsgrund. 

Schiffsmobilé

Zusammengewürfelt

Herbstwaldwand
Für mich geht es auch seit vielen Jahren darum, nicht mehr gedankenlos mitzumachen bei der Wegwerfunkultur einer Konsumgesellschaft, die keinen Gedanken mehr an den von ihr produzierten Müll verschwendet, sobald die Müllabfuhr die Tonne geleert hat. Dass dieser Müll sich nicht einfach in Nichts auflöst, wenn man ihn persönlich los ist, dass er die Erde vergiftet mit allem was darauf lebt, inklusive uns selbst, das wird beim Konsumrausch meistens nicht bedacht, weil der Müll selten direkt vor unserer Haustür liegt, hier in Deutschland.

Murmeleiche

Weltgeflecht

Heringsschwarm
Upcycling bringt wahrscheinlich keine Zeitersparnis gegenüber der Einfachheit des Online- und Discountshopping und lässt sich so über den Zeitfaktor auch nicht wirklich finanziell attraktiv aufrechnen gegenüber den Billigpreisen des Massenkonsums, aber es macht sensibel gegenüber der Verschwendung, Ausbeutung und Vernichtung von Ressourcen - menschlicher und natürlicher und auch deren Folgen. Upcycling regt zum Nachdenken an über das, was wir wirklich brauchen, was wirklich wichtig ist im Leben. Es regt auch dazu an darüber nachzudenken was andere haben und nicht haben und was wir mit unserem Massenkonsum in unserem eigenen Land und in anderen Teilen der Erde anrichten. 

Kleinschachtelei

Tisch der Eiskönigin

Murmeleiche 2.0
Dinge guter Qualität möglichst lange zu verwenden und nur zu ersetzen, wenn sie nicht mehr reparierbar sind und aus Dingen, die die Natur bietet oder die andere aussortieren auch noch etwas Nützliches zu machen, mag also ein Trend sein und nicht immer aus finanzieller Notwendigkeit geboren, die Abwendung von gedankenlosem Ex-und-Hopp-Konsum hilft aber bei der Konzentration auf das Wesentliche und tut so auch uns selbst gut. Man stellt fest, wie wenig Konsum eigentlich nötig und wie wichtig Qualität ist, die lange hält. Das führt nicht nur zu einer Reduktion des Konsums und deren Folgen, sondern auch zu größerer Wertschätzung von qualitativ hochwertigen Dingen, gutem Handwerk und von Arbeit, auch wenn andere sie für uns machen.

Pulloverfisch


Astnotizen


Rindenwahnsinn
Ist Upcycling also nur trendy oder auch eine charakterbildende Maßnahme? Eindeutig beides. Und wenn ersteres auch nur ein bisschen mehr zu zweitem, verteilt auf die Gesamtbevölkerung, führt, dann darf es für mich auch gern als Trend gepusht werden. 

Mehr Gedanken zum Thema "Upcycling als Trendsportart" habe ich mir > hier vor zwei Jahren schon mal gemacht.
Upcycling als Trend, Motivation für Upcycling, Müllvermeidung, bewusster leben

Kommentare:

  1. Liebe Katja, das hast sehr schön beleuchtet. Ich finde das nur gruselig, wenn ich sehe, wie sorglos angeschafft und "ausgemistet" wird. Manchmal habe ich Probleme damit klar zu kommen, wenn dann eben gerade diese Menschen auch noch anfangen rumzujammern, wie knapp sie bei Kasse sind, um im gleichen Atemzug das nächste und übernächste Dekoelement für den Garten oder was auch immer auszusuchen. Für mich ist Weniger einfach mehr. Liebe Grüße.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Katja! Ja, trendy ist es - was allein schon der Name zeigt. Gründe gibts unzählige. Aber auch jene, die nur aus Mode upcyclen (was für ein grausiges Wort) kaufen wenigstens nichts unnötig Neues. Außerdem wird die eigenen Kreativität angeregt. Das ist ja auch nciht schlecht.
    Leibe Grüße!

    AntwortenLöschen
  3. Naja, wobei heutige *Indianerinnen* wie du beim Thema *Upcyclen* (wirklich ein doofes Wort) ja außer Konkurrenz laufen ;)

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Katja,
    ich finde unsere Müllberge ja schon Horror, aber in Hongkong wurde mir echt schlecht. Rauf aufs Schiff, raus aufs Meer, Klappe auf, alles :-( wieder sauber - örgs.
    Als unsere Freunde dort hin zogen und nach Mülltrennung fragten, wurden sie fassungslos angeschaut. Und alle Klimaanlage auf 18 Grad in den Gaststätten, aber die Türen sperrangelweit auf.
    Gute Worte, ich habe heute wieder zu Dir verlinkt. liebe Grüße von Petra
    - und Deine Worte bei Mein schöner Garten fb - klasse, richtig so!

    AntwortenLöschen
  5. ich bin so ganz und gar bei dir, liebe katja. gern ein trend, wenn er nur etwas sinnvolles voranbringt. deshalb begrüße ich auch die sich ausbreitende bio-freude so, z.b.

    AntwortenLöschen
  6. Ich als alter Upcycling Hase kann dir hier nur ganz und gar zustimmen. Was mich wirklich immer schrdcklich nervt, ist, dass es so schwierig ist, im Alltag auf Müll und vor allem Plastik zu verzichten. Wenn man nur schnell abends noch zum Supermarkt kann, um das Abendessen zu kaufen ist es praktisch unmöglich ohne Plastik rauszukommen. Selbst das Gemüse ob bio oder nicht ist meist verpackt und Käse an der Theke zu kaufen ist auch nicht wirklich die Lösung denn selbst da wird er in Plastik eingewickelt. Ich bin da oft so frustriert und ratlos, ich kann doch nicht anfangen, meinen Käse selbst herzustellen...
    Liebe Grüße und auf viele weitere weltverbessernde Trends,
    Dani

    AntwortenLöschen
  7. Du bist da ja auch noch Künstlerin! Im Garten "upcycle" ich z. B. schon so lange wie ich gärtnern kann..., da gab's das Wort noch gar nicht. Körbe, Töpfe, Kannen..., alles, was eigentlich "hin" ist, bekommt ein zweites Leben als Pflanzgefäß, bis zum nächsten Frost oder auch über die Jahre... Alles nur gefunden (im Sperrmüll der anderen, mein Sohn war ein großer Finder...) oder eben selbst oder von den Eltern oder der Schwester "gehabt". Mein "Jahr ohne Zeug" hat mich noch mal Einiges gelehrt und meine Einkaufscenter- und Gartenbaumarkt-Phobie noch gesteigert... Mir sind nicht nur die Ressourcen und mein Geld zu schade, sondern schon lange auch die Zeit, mich zwischen diesen Warenmassen zu bewegen. Und wenn ich dann die Herstellungsländer lese, wird mir noch mal schlecht, wenn ich an die Ungerechtigkeit und die Transportwege denke. Womit ich beim Upcycling ein Problem habe, wenn für ein Upcycling-Projekt erst mal alles mögliche materialintensive "Zubehör" gekauft werden muss, dann ist's für mich nicht mehr glaubwürdig und eben nur noch "Trend", ein Wort, das mir gar nicht mehr schmeckt, so inflationär wird es in den absonderlichsten Zusammenhängen gebraucht. Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerade noch mal deine Überschrift gesehen..., ja, aus Mangel (an Geld und Material) hat's wohl angefangen, die ersten Möbel der Kinder waren bunt angemalte beinlose Schlafzimmermöbel der Eltern, zum Verstauen und Klettern und mit den Matratzen auf dem Boden, keine Sorge vor Stürzen...

      Löschen
    2. Liebe Ghislana,
      mein erster Schreibtisch war eine umfunktionierte Frisierkommode meiner Mutter. Wie schön !
      LG Angela

      Löschen
    3. Mein erster Schreibtisch war der alte Küchenarbeitstisch meiner Uroma, die Köchin war - inklusive der Messerspuren. ;-)

      Löschen
  8. Ja, aus Mangel an Material und Geld - das trifft es für mich auch.
    Meine Mutter war eine Künstlerin, wir waren immer schick angezogen obwohl aus alten Stoffen oder vorhandenen Kleidern etwas pfiffiges geschneidert wurde.
    In den Textilkursen, die ich viele Jahre anbot, haben wir viel improvisiert, Bettlaken gefärbt, genäht behäkelt . Lederreste zu Taschen verarbeitet . ( Diesbezüglich lebte ich in keiner Mangelwirtschaft - DDR ).
    Nach 1989 verabschiedeten sich viele Teilnehmer aus den Kursen mit dem Argument,- jetzt können wir uns doch alles kaufen.
    Da blieb mir der Mund offen stehn´.
    LG Angela

    AntwortenLöschen
  9. Da kann ich nur nickend hier sitzen. und wer die Zeit schätzt, die gebraucht wird, um gute Dinge enstehen zu lassen oder ihnen ein zweiten oder drittes Leben zu ermöglichen, der schätzt auch das Objekt. Viel zu wenige wissen, was sie mit ihren Händen schaffen können, ich bekomme das kalte Gruseln, wenn ich Jugndliche sagen höre, ihr Hobby ist shoppen.
    VG kaze

    AntwortenLöschen
  10. Letzten Herbst/Winter mussten wir jeden Cent noch etwas öfters umdrehen als sonst und das war so eine lehrreiche Zeit! Ich dachte mein Studentendasein hätte mich schon den wohlüberlegten Konsum gelehrt, aber noch ärmer zu sein hat mein Bewusstsein nochmal verstärkt. Wer kann noch Brauchen und Wollen unterscheiden?
    So eine harmlose aber lehrreiche Armutserfahrung ist jedem nur zu wünschen... fördert nicht nur für die Kreativität und das wirkliche Upcyclen!
    Lieben Gruß!

    AntwortenLöschen
  11. wiederverwertung hat es schon zu allen zeiten gegeben, denn viele menschen waren schon immer zu arm, um sich neues kaufen zu können. da wurden töpfe mit draht umwickelt, wenn sie zerbrochen waren, da wurde jedes stück leinen geflickt und kaputte körbe mit eingelegtem holz repariert. möbelstücke hielten sowieso ein leben lang und wurden an folgende generationen weitergegeben. mich ärgert daher manchmal das wort upcycling - als wäre es eine bewegung, die neu entstanden ist. gut finde ich sie aber trotzdem. wir hatten nie viel geld und haben immer noch möbel aus unserer studentenzeit und fast unser ganzes geschirr, die meisten klamotten und vieles andere ist vom flohmarkt oder aus sozialläden.
    ich finde unsere wegwerfgesellschaft einfach zum kotzen, um es mal deutlich auszudrücken und die einkaufs"moral" vieler menschen unerträglich. shoppen als hobby wird überall propagiert und dann werden die papiertüten (!) von pri*mark mit giftmüllklamotten en masse gefüllt. hier hat gerade ein solcher laden eröffnet und es ist schier unglaublich, was da herausgetragen wird. einen guten artikel zu diesem thema gibt es übrigens hier: http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/billigmode-warum-primark-kein-skandal-schadet/11316498.html.
    ich bin ein wenig abgeschweift, aber das thema beschäftigt mich schon lange und ich verweigere mich selbst immer mehr der neukauferei - auch wenn es manchmal noch einen rückfall gibt ;-)!
    dir liebe grüße und danke mal wieder für diesen beitrag!
    mano

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mich ärgert einfach das Argument "Das kann ich mir nicht leisten" - also Qualität zu kaufen. Nachdem ich jetzt schon seit vielen Jahren mit einem kleinen Budget wirtschafte, weiß ich, dass das nicht wirklich stimmt, weder bei Kleidung, noch bei Essen, noch bei der Wohnungseinrichtung. Es ist eine Frage des Anspruchs an die Menge, "Trendyness" und Haltbarkeit von Dingen. Frisch zu kochen ist nicht teurer als Fastfood und dauert auch nicht zwingend viel länger, eine Hose zu haben, die man 5 Jahre trägt nicht teurer als 10 Billighosen in 5 Jahren und ein solides Möbelstück, das man lebenslang besitzt, nicht teurer als 10 Mal Spanplattenschrott. Die Menge an Dingen in unseren Schränken reduziert sich seit Jahren auf natürliche Weise, weil nur noch nachgekauft wird, was wirklich ersetzt werden muss, oder ein Teil für eine Neuanschaffung weiterzieht zu jemand anderem - und ich habe kein Gefühl des Mangels.

      Löschen
  12. Upcycling ist ein Unwort. Recycling eigentlich auch. In der Natur bliebe nichts wirklich "übrig", wenn nicht von Menschenhand unübliche (chemische und physikalische) Verbindungen geschaffen würden. Dinge solange verwenden, bis sie gar nicht mehr zu brauchen sind (oder bestenfalls um Verfeuern) sollte normal sein. Zeitersparnis ist auch ein Unwort. Zeit lässt sich nicht sparen oder verbrauchen. Sie vergeht - so oder so.
    Die Fotos sind übrigens witzig. Während mich die bunten Eicheln "geschüttelt" haben, ist das Schiffsmobile so niedlich, dass ich es heute im Kindergarten nachbasteln lassen ;-))) Ist doch mal was Anderes als Papierflieger!

    AntwortenLöschen
  13. In der Wiederverwertung waren DDR Bürger ja recht geübt, auch ich bin damit groß geworden. Ich glaube, dadurch waren die Wohnungen individueller...und auch die Häuser...;-). Ich bewundere Häuser, die aus alten Materialien gebaut sind. Das ist sicherlich um ein Vielfaches aufwendiger, aber sie haben "Seele", erzählen eine Geschichte...Schön, wenn man sich seine Deko selbst basteln kann...und dabei Materialien wiederverwendet...man hat dann eine ganz andere Beziehung dazu.
    LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  14. Es sind wohl verschiedene Gründe, Geldmangel in der Studentenbude, aber vorallem auch der Gedanke, wieso etwas wegschmeißen, was noch gut ist, das Umdenken, was daraus werden könnte, die Freude an der Idee. Ich mag das sehr - Upcycling-Freuden!

    AntwortenLöschen
  15. Schlimm die Wegwerfgesellschaft... meine Nachbarn hatten vor 2 Tagen Sperrmüll... was da alles vor die Tür geflogen ist... traurig... ein völlig intaktes Laufrad und ein Kinderroller - da hab ich mich gefragt, warum die nicht die anderen Nachbarn fragen wo immer die Enkel zu Besuch sind :-( - Das Laufrad haben die Nachbarn dann rüber geholt, der Roller kam glaube ich in den Container - die Müllabfuhr war gerade weg als ich nach Hause kam... einiges anderes verwertbares haben Sperrmüllsammler eingepackt - ich finds zwar immer noch so toll wenn die rumziehen - da musst Du dann schon aufpassen, das nicht das Kinderrad draußen steht - sonst isses weg... aber immernoch besser als in die Tonne gekloppt... Ich <3 Upcycling ! LG

    AntwortenLöschen
  16. danke, dass du deine Gedanken hier teilst

    ich empfinde das ganz ähnlich
    und bei uns wurde eigentlich schon immer lange genutzt und dann erstmal aufgehoben (Lieblingssatz: kann man bestimmt noch gebrauchen)
    und wirklich dient vieles dann irgendwann als Material für ein Projekt, so dass dieses ohne große Zukäufe umgesetzt werden kann

    es mag ein Trend sein, aber ich hoffe, dass es ein langlebiger wird oder sogar eine Lebensphilosophie
    denn Ex und Hopp geht einfach nicht gut

    lieben Gruß
    Uta

    AntwortenLöschen
  17. Ich freue mich sehr, einige Deiner Upcycling-Dinge geschenkt bekommen zu haben und hüte sie wie einen Augapfel.

    Gerade erst in der letzten Woche war ich im Secondhandladen und habe mir eine "neue" Bluse gegönnt. Und selbiger ein zweites Leben.

    Herzlichst,
    Steph

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!