Dienstag, 13. Januar 2015

Rasselbande.

Viele Gedanken, Hoffnungen und auch die Beklemmung hängt noch im Raum und doch drängt der Alltag mit ganzer Macht nach. Gut und schlecht zugleich. Viel Arbeit will getan werden und wird getan und die Welt dreht sich weiter, einfach so, egal was wir Menschen auf ihr anstellen und uns gegenseitig antun. Das erschreckt und beruhigt mich gleichermaßen, denn es bedeutet, dass die Erde auch gut ohne uns klarkommt, die Menschheit überleben wird und wir für sie in ihrer Lebensgeschichte nichts weiter sind als ein kurzes, lästiges Jucken am großen Zeh. Das hilft, sich weniger wichtig zu nehmen... wenn auch nicht bei allen. 
Manchmal vermisse ich etwas irrational die frühe Kindheit, in der meine begrenzte Welt noch intakt, weil unberührt von all dem Erwachsenenernst und ausgefüllt mit unbeschwertem Entdecken, neugierigem Lernen, zuverlässigen Ritualen und Behütet-Sein war. Wahrscheinlich war sie gar nicht so perfekt, aber die Erinnerung ist eine gnädige Geliebte. Je instabiler und unbegreiflicher die Welt um uns herum erscheint, desto mehr sehnen sich die Menschen nach verlässlichen Traditionen, einem geschützen Heim, gewohnten, tröstlichen Ritualen - einem bisschen heile Welt oder dem, was uns als solche erscheint. Das geht wohl vielen so, und erklärt ein stückweit den Überdruss an der Technisierung und Digitalisierung, den Trend zurück zur Häuslichkeit, zu traditioneller Lebensweise, Handgemachtem und einer Simplifizierung des Lebens und Lebensumfeldes. Keine Lösung für Menschheitsprobleme, aber menschlich verständlich und bis zu einer gewissen Grenze auch tauglich. Zumindest bei mir. 

Auch ich werkle also mit meinen Händen als Ausgleich zum Rauschen im Kopf... ein bisschen wie ein Kind, das ein Lied pfeift, um sich selbst von seiner Unsicherheit abzulenken, wenn es alleine durch den dunklen Wald geht. 
Aus Resten von einigen gefilzten Pullovern für Pulloverkissen, einem hölzernen Gardinenring vom Trödel, etwas Schafwolle und ein bißchen Stickgarn entstand so einst für eine Rasselkatze... und dann noch eine... und noch eine... und ein Rasselwal... ein Rasselfisch... ein ganze Rasselbande für kleine Babyhände.


 Man braucht dazu 

° Wollfilzreste (geht aber sicher auch mit Stoffresten)
° Gardinenring (ungebeizt und unlackiert, aus dem eigenen Fundus oder vom Recyclinghof)
° Schafwolle (z.B. aus dem Filzbedarf oder vom Schäfer direkt)
° eine Klapperbüchse (Bastelladen)
° farblich passenden Faden und Stickgarn

So hab ich´s gemacht:

Aus dem Wollfilz zwei identische Tierkopfsilhouetten ausschneiden (Katze, Hund, Bär, etc) + ein Oval für das Gesicht in einer anderen Farbe. Das Oval auf eine der Silhouetten aufnähen. Mit Stickgarn ein entsprechendes Gesicht aufsticken und den Faden gut vernähen. Anschließend beide Silhouetten links auf links aufeinandersteppen, dabei eine 2cm breite Öffnung dort lassen, wo später der Ring befestigt werden soll.
Den Kopf mit Schurwolle ausstopfen, dabei mit Hilfe einer Stricknadel auch die Ohren füllen und in der Mitte der Füllung die Klapperbox platzieren. Einen 2 x 7cm breiten, dicken Wollfilzstreifen zuschneiden, um den Gardinenring legen und die Enden in die Öffnung am Kopf stecken. Die Öffnung von Hand schließen und dabei den Filzstreifen mitfassen. Fertig.


Man kann Tierköpfe machen oder auch ganze Tiere – ich habe Katzen, Wale und Fische gemacht, aber der Fantasie sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Statt der Klapperbox kann man auch einen Quietscher einbauen – für die Mütter, deren Ohren härter im Nehmen sind als meine. 

Dieser Beitrag erschien 2012 schon einmal als Gastpost bei herzekleid.
Mehr Upcycling-Ideen von mir findet ihr  > hier. 


 verlinkt mit:
Babyrasseln selbermachen, D.I.Y,, Upcycling, Redesign, Resteverwertung, Basteln mit gefilzten Pullovern, Katzenrassel, Wal als Rassel, Rasselbande

Kommentare:

  1. ...ach wie hübsch die Rasselkatze ist ;-)
    Ein sehr schönes DIY.
    Liebe Grüße von Tatjana

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  2. Die sind wirklich niedlich wie sie da mit Ihren Schnurrgesichtern an den Gardinenringen hängen. Schöne Babygeschenke.
    Grüße

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  3. so hübsch! was dir aber auch immer einfällt!

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    1. danke für deinen schachtelkommentar! die mit der paris-briefmarke hatte ich schon vor den schrecklichen ereignissen fertig gestell!

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  4. Ganz toll, Deine Rasseltiere! Ich habe gerade unfreiwillig einen Kaschmirpulloover geschrumpft ;-) nun weiß ich wofür er noch gut ist.
    LG
    ♥Petra♥

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  5. Liebe Kaja, deine Rasselbande ist herzallerliebst. Die schnurrigen Gesichtsausdrucke sind herrlich gelungen. Zum Verlieben! Liebe Grüße.

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  6. ja gerasselt wird hier auch. die leib- und lieblingsrassel ist freilich eine plastik-billig-klapper ;o) die sogar baby zum heulen bringt, wenn es drauf beißt. so ist das, wenn die zähnchen in den startlöchern sitzen. wobei stoffige teile bei uns zum flusengefüllt mund führen und der zungenkontakt mit filz beim baby ähnliche gefühle wie »nägel über tafel kratzen« weckt. ein weites feld.

    sehr süß deine katzen!

    liebe grüße bei sonnenschein - bestes blicksuchfindwetter also
    tabea

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  7. oh, das erinnert mich an ganz ähnliche, die ich vor einiger zeit gemacht habe – leider war ich nicht sehr geschickt beim annähen der schlaufe, sodass sich die rassel recht schnell vom ring gelöst hat. aber vielleicht hatte ich die idee damals sogar von deinem gastpost, wer weiß :D
    der irrationale wunsch nach kindheit, erwachsen sublimiert zu biedermeierlichem rückzug – in diesem licht betrachtet macht die werklerei mir sorgen; aber sie birgt auch noch eine andere tendenz, an der ich etwas brauchbar-suversives erkenne, bezogen auf mögliche formen des arbeitens, die auf diesem nährboden sprießen.

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  8. Die Katze ist ja niedlich geworden! Eine ganz liebe Idee!
    LG,
    Alice

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  9. Liebe Raumfee, wie wunderschön! Deine Beschreibung dazu mit dem pfeifenden Kind im Wald gefällt mir ganz besonders gut. Weil meine beste Freundin Anfang Februar ihr erstes Kind bekommt, würde ich ihr gerne etwas schönes schenken und am liebsten so eine "Rasselkatze" wie sie auf dem ersten Bild zu sehen ist. Gibt es die Möglichkeit sie zu kaufen? Ich würde mich riesig freuen! Liebe Grüße, Wiebke

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  10. Oh, da habe ich wohl nicht bis zum allerletzten Ende gelesen ... Schade! Im Moment bleibt mir leider keine Zeit für solche (und alle anderen) Projekte, die nicht am Computer entstehen. Leider. Aber eine wirklich schöne Idee! Liebe Grüße, Wiebke

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  11. Liebe Julia, du fasst mein Rauschen im Kopf so punktgenau zusammen, daß ich gleichzeitig beruhigt und traurig bin, über diese weisen Zeilen. Ich mach mich jetzt einfach ganz klein, vielleicht stimmt dann die Relation wieder. Danke dir. Ingrid

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  12. Deine Gedanken lesen sich so gut und deine Tiere sind einfach grossartig.

    Liebe Grüße

    Margarete

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  13. ... mit seligem Katzenlachen nach innen gerichtet! Schön!

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  14. Zuerst : Danke für Deine vielen, sehr guten Posts und Gedanken zum Thema, zu DEM Thema. Ja, und auch das Zurückkehren in die Alltagswelt, die Schwierigkeit damit. Das kann ich gut verstehen. geht mir ähnlich... Ganz sicher werde ich Deinen blog aufmerksam weiter lesen. Denn mir gefällt und entspricht, was Du schreibst. Die Rasselkatze ist ganz allerliebst. Wolle habe ich genug und es steht demnächst ein Geschenk fürs Baby an. Tolle Idee.

    Lg Gitta

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  15. Es ist noch keine Woche her, da sagte mein 11-jähriger Sohn ganz traurig zu mir "Ich möchte nicht erwachsen werden". So langsam merkt er, dass dieses wunderbare "Behütetsein" bald vorbei ist, und er, wie wir, es sehr vermissen wird. Die so lieb dreinschauende kuschelige Rasselkatze erinnert an die so lange schon vergangene Kinderzeit.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

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  16. Wie sind die süß. Vielen Dank für das Tutorial.
    LG ella

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!