Sonntag, 11. Januar 2015

Kann Mord einen positiven Effekt haben?

Europa ist in Aufruhr, die restliche Welt zumindest erschüttert. In den Medien und sozialen Netzwerken, auf der Straße, in den Schulen und an den Küchentischen wird diskutiert. Über die Frage, warum der Islam sich so gut zur Entstellung durch faschistoide Ideen und als Legitimation für Blutrache und Mord eignet, was der Unterschied zwischen einem friedlichen Islam und Islamismus ist und ob es "den Islam" überhaupt gibt, um ihn kollektiv schuldig oder frei sprechen zu können. Es wird über die Instrumentalisierung von Paris für populistische Zwecke von Rechtsaußen diskutiert und darüber, warum das einfache Volk in Deutschland ausgerechnet in den östlichen Bundesländern gegen Überfremdung protestiert, in denen der Ausländeranteil im homöopatischen Bereich liegt und die meisten Bürger noch nie einem Moslem begegnet sind. 
Es wird darüber diskutiert, wie weit Satire gehen darf, ob sie auf den Islam zukünftig mehr Rücksicht nehmen muss als auf andere, weil die Strenggläubigen Mord als probate Antwort auf die Beleidigung ihres Propheten ansehen und ob freiheitlich demokratische Staaten sich durch diese Morddrohungen und das Verbreiten von Angst ihre Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit weg-erpressen lassen. Entsteht gefährlicher Extremismus aus Dummheit oder Bösartigkeit und ist es ein religiöses, psychologisches oder ein soziologisches Problem? Wird Mord etwa ein bisschen legitimer dadurch, dass der Ermordete die religösen Gefühle des Mörders verletzt hat? Macht ein "Aber" die offizielle Verurteilung eines Terroranschlages zur Farce? Gibt es eine religiöse Legitimation für Mord?
 
Die einzige Legitimation für Mord ist der Hunger.


Es wird diskutiert über Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, über die Legitimität von Wirtschaftsflucht, warum die Opfer islamistischer Terroristen mehrheitlich Moslems sind und warum die Welt erst aufschreit, wenn Europäer ermordet werden, aber nicht, wenn marodierende Verbrecherbanden wie im Irak und Syrien die Bevölkerung ganzer Länder unter Mordandrohung von ihrer Glaubensauslegung überzeugen wollen und jeden Moslem oder Andersgläubigen töten, der sich widersetzt und nicht rechtzeitig fliehen kann. Moslems diskutieren über eine Reform ihrer Religion, über die Gründe der zunehmenden Radikalisierung und wie sie und die Islamophobie zu bremsen sind. 
Es wird darüber diskutiert, dass jüdische französische Staatsbürger ihre Geschäfte verrammeln und das Land verlassen, weil sie sich in Frankreich nicht mehr sicher fühlen und ob man dafür Verständnis hat, oder es eher stinkwütend macht, weil die Terroristen damit erreicht haben, dass Europäer sich in ihrem eigenen Land verfolgt fühlen. Es wird darüber gesprochen, wieviel von dem öffentlichen Bedauern eines arabischen Staates über die Terroranschläge von Paris gehalten werden kann, wenn dieses Land gleichzeitig selbst stystemkritische Journalisten zu jahrzehntelangen Haftstrafen und öffentlicher Auspeitschung verurteilt. Es wird endlich wieder über 276 von islamistischen Terroristen verschleppte und vergewaltigte Mädchen gesprochen, die nach kurzzeitiger Empörung von der Welt vergessen wurden, über zigtausende von islamischen Extremisten weltweit jedes Jahr ermorderte Menschen.
Es wird darüber diskutiert, ob man womöglich selbst in Gefahr ist, wenn man sich solidarisch mit Satirikern, Karrikaturisten und Journalisten erklärt, die von islamistischen Terroristen und Regimen auf die Abschussliste gesetzt wurden, oder ob man besser in Deckung geht und gar keine öffentliche Meinung hat. Es wird diskutiert über Trotz, Mut, Vernunft und vor allem: über Angst. Über die Angst vor angeblich religiös motiviertem Terrorismus durch islamfaschistische Mörderbanden. Was richtet die Angst mit uns, unserer Kultur der Meinungsfreiheit und damit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung an? Sind wir nach den Massenmorden von Paris erpressbar durch unsere Angst? Hilflos?

Gewalt und Mord erschrecken, wo man ihnen hautnah begegnet. Was erwächst aus dem Schreck?


Es brodelt. Endlich brodelt es. Die Morde von Paris haben den Michel aus seinem Sessel gekickt. Nicht nur den deutschen, sondern europaweit erheben sich die trägen Gleichgültigkeitsbürger und -politiker von ihren plattgesessenen Hintern und reden endlich über längst überfällige Lösungen für Probleme, die von den Staaten- und Religionsgemeinschaften zusammen gelöst werden müssen, wenn Europa und die gesamte Weltgemeinschaft eine freiheitliche Zukunft haben soll. Jetzt ist die Zeit, klar Stellung zu beziehen und zu sagen, wie man sich die Welt und seine Position darin in Zukunft vorstellt, ob man aufrecht stehen, weitersitzen, oder sich verkriechen möchte. Und es ist Zeit, entsprechend zu handeln.
Wird dieser Aufruhr, diese öffentliche Empörung über den Angriff auf unsere elemantarsten Grundrechte und demokratischen Errungenschaften auch bald wieder im Sande verlaufen wie nach dem 11. September, weil die Mörder jetzt zur Strecke gebracht wurden? Ich hoffe nicht. Ich wünsche mir noch mehr Empörung, aus der ein Schulterschluss aller Kulturen gegen den gewaltbereiten islamistischen Extremismus entsteht, der die Menschenrechte mit Füssen tritt. Ein Schulterschluss, aus dem heraus gemeinsam Probleme angegangen und gelöst werden, die man schon viel zu lange ignoriert und ausgesessen hat. Wir alle.
Kann Trotz aus Schock und Mut aus Trotz erwachsen? Kann sinnloser Mord - unbeabsichtigt - einen Sinn stiften? Zivilcourage entfesseln? Dann wäre der kaltblütige Massenmord von Paris wenigstens nicht umsonst, sondern der Stein, der endlich die Masse aus ihrer Lethargie des ständigen, untätigen Motzens und Jammerns auf höchstem Niveau über unsere so unperfekte Demokratie gekickt und etwas ins Rollen gebracht hat, das - hoffentlich - zu mehr Wertschätzung und Verteidigung unserer gemeinschaftlichen freiheitlichen Errungenschaften, mehr Solidarität, mehr Freiheit und friedlicherem, konstruktiven Miteinander für alle führt, statt nur zu mehr Verunsicherung und Angst.

* Im Kleinen erwächst daraus die Erkenntnis, dass sich auch im Hinterhof einer deutschen Großstadt harmlose Singvögel nicht in allzu großer Sicherheit wiegen sollten, von der grausamen Realität der Welt verschont zu bleiben. Seine Umgebung (und den Himmel) sollte man immer im Auge behalten und entsprechend handeln.
Kann sinnloser Mord auch einen - ungewollten - Sinn stiften? Wanderfalke in der Stadt

Kommentare:

  1. Helle Freude über einen (so einen!) politischen Beitrag in meinem Feed! Danke für Deine reflektierenden Worte!
    (Und ich ändere meine Lesgewohnheiten).

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  2. Was soll ich sagen...jetzt bin ich wach!

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  3. Ich freue mich über so einen mutigen politischen Beitrag in einem Blog.
    Bin immer wieder mal am schauen und hier fühle ich mich wohl, weil auf dieser Seite nicht immer nur von Kosmetik und Kleidung berichtet wird, sondern eine
    sehr patente Frau am Werk ist.
    Vielen Dank!
    Maria

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  4. Ich freue mich, dass ein Dialog in Gang kommt über all die Dinge, die du auch aufgelistet hast. Da ich aber von Natur aus ein eher wenig optimistischer Mensch bin, befürchte ich, das die Diskussion in die falsche Richtung geht ( ich denke da z.B. An die Folgen des Pisaschocks, die Bildung für unsere Kinder unmöglich gemacht hat ). Einige Politiker greifen ja schon wieder in ihre Klamottenkisten...
    Aber was ich tun kann, werde ich tun dafür, das das Miteinander besser wird, dass das Lachen über Missstände und die Lebensfreude bleibt.
    Einen schönen Sonntag!
    Astrid

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  5. ich schließe mich deinem wunsch an, dass das nachdenken, das sich zusammentun, das gemeinsam nach friedlichen sinnvollen lösungen suchen nicht wieder im sande verläuft, sobald "die gemüter sich wieder beruhigt haben", die medien wieder "alltäglichen kleinkram" berichten.
    liebe katja, hab dank, ich kann es nur immer wieder sagen, für dein nachdenken, für dein deine gedanken in worte hier fassen! wir diskutieren hier viel. wir diskutieren am frühstückstisch über werte, über religionen, über die "freie" wirtschaft, die den stellenwert einer religion übernommen hat, über wurzeln und ob es überhaupt möglich ist, in einem gesellschaftssystem, das die verführung zum permanenten über bord werfen von dingen und zu permanenter erneuerung aufruft, so etwas wie dauernde werte überhaupt noch zu festigen in kindern, in jugendlichen, in uns selbst. und nun geh ich hinaus unter den himmel und lass mir den kopf freibrausen vom sturm und das gesicht waschen vom regen, um wenigstens dort das gefühl zu haben, in einem ununterbrochenen kreislauf einen platz zu haben...
    einen guten sonntag wünsche ich dir, liebe katja, einen, der auch dem kopf etwas ruhe schenkt, der seele etwas inneren frieden, der ein sortieren all der gedanken ermöglicht, um gestärkt mit offenen augen und offenem herzen angstlos wieder hinaustreten lässt in die welt, um die stirn zu bieten der engstirnigkeit...
    herzlichst
    dania

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  6. Liebe Katja.
    Wie immer findest Du die passenden Worte.
    Bleibt nur zu hoffen, daß die aufgerüttelten Geister nicht wie anzunehmen zu mindestens zwei Dritteln aus Mitläufern bestehen, die es hübsch finden Solidarität zu hashtaggen ohne zu wissen was sich dahinter verbirgt.
    Brodeln tut es doch schon lange, aber die moderne Version von Brot und Spiele (Discount und DSDS) tut ja noch ihr Übriges...
    Die Geschichte zeigt ja, daß immer erst etwas passieren muß, bevor das Zoon politikon sich aus seiner Komfortzone traut - ich wünsche mir allerdings sehnlichst, daß wir keinen Prager Fenstersturz 2.0 erleben müssen.
    Herzlichst,
    Mel

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  7. Nein, ein Mord kann aus meiner Sicht niemals einen positiven Effekt haben, er ist grundsätzlich abscheulich, sinnlos und unentschuldbar....egal für welche Sache er steht. Was mich an der allgemeinen Diskussion derzeit etwas stört ist, dass sich darüber aufgeregt wird, dass nun endlich, wenn in Europa der Terror angekommen ist, die Menschen sich von ihren Sitzen erheben, aus ihrer Lethargie aufwachen...das ist doch nachvollziehbar und gut so! Europa ist unser Kontinent, betrifft uns persönlich, es ist der Erdteil, auf dem wir leben...Es gibt so viele Probleme in Europa, so viele Dinge liegen im Argen...hier gibt es wirklich eine Menge zu tun...gut, dass die Menschen anfangen, wach zu werden. Wenn alle Menschen auf ihren Erdteilen endlich mal Eigenverantwortung übernehmen und sich wirklich um die Probleme in ihren Ländern kümmern würden, gäbe es wahrscheinlich weniger sinnlose Morde auf dieser Welt...Ich danke dir für deinen ausführlichen Beitrag...für diese vielen Dankanstöße! LG Lotta.

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  8. Liebe Katja, ich finde es einfach wunderbar, wie Du Deine Gedanken in Worte kleiden kannst. Danke sehr dafür! Mir fehlen einfach die Worte, mein Entsetzen, meine Wut, meine Verzweiflung (manchmal auch schier nackte Angst) und meine Trauer auszudrücken. Auch muss ich einfach den Alltag einkehren lassen und mich mit ganz Banalem (ja, und auch Schönem) zu umgeben, um nicht ganz in meinem Weltschmerz zu versinken, schon meiner Kinder wegen. Herzlichst, Nicole

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  9. Liebe Katja ! ein intelligenter und reflektierter Beitrag... auch ich bin erleichtert darüber, daß in der (Blogger)welt nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen wird, jedenfalls nicht überwiegend. Dein Beitrag ist hochkarätig.
    Danke dafür. LG Gitta

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  10. Danke, dass du so treffend das zusammenfasst, was ich noch nicht in Worte kleiden konnte.
    Ich fühle mich beflügelt, von der Reaktion der Franzosen, von dem Geist, von ihrem Festhalten an ihren Werten.
    Man hat nicht das Gefühl, wie so oft bei uns, dass die Rede von der Verteidigung der Werte, leere, hehre Hüllen sind, sondern wirklich Emotionen damit verbunden Sind.
    Ich hoffe wirklich, dass dies anhält und uns beflügelt, selbst zu hinterfragen, nicht alles zu glauben und den Mund aufzumachen. Toleranz und Hilfsbereitschaft zu zeigen.
    Ich danke dir noch einmal

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  11. Ein Geschenk dieser wachrüttelnde Artikel. Vielen Dank für den Text und die Verlinkungen. Ich wollte gestern noch schnell verschiedene Zeitungen holen und stand vor einem fast leeren Regal.Der Michel ist aus dem Sessel gekickt. Da beziehe ich mich mit ein. Einen schönen Sonntag wünscht Xeniana

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  12. Dein Beitrag ist für mich heute das Wort zum Sonntag! Danke hierfür. Ich wünsche mir, dass sich dieser französische Geist (öffentlich zu protestieren und Flagge zu zeigen) sich auch in Deutschland ausbreitet und manifestiert. Wenngleich ich davon überzeugt bin, dass wir weit sehr weit davon entfernt sind. Ich erinnere nur an die Streiks der Bahngewerkschaften gegen Ende des vergangenen Jahres. Da wurde prompt überlegt ob man das Streikrecht der Gewerkschaften limitieren sollte.....Ich weiß, dass ist ein ganz anderes Thema und gehört vielleicht nicht hierher. Was ich damit sagen wollte ist, dass gute Werte in unserer Verfassung hinterlegt sind, die es gilt zu leben und dafür einzustehen und zwar unabdingbar. Und sie nicht, weil es nicht konform mit dem neoliberalistische System ist, einfach abändern zu wollen. Wir ernten was wir säen.....Welche Schlüsse ziehe ich persönlich daraus? Ich kann nur in meinem Umfeld dafür sorgen, dass die Welt nicht noch schlechter wird. LG bjmonitas

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  13. Danke für Deinen guten Beitrag, auch mir fällt es oft schwer, meine politischen Gedanken zusammenfassend darzulegen, aber Du hast es auf den Punkt gebracht.
    Wie auch Astrid befürchte ich eher pessimistisch denkend, dass uns das Ereignis nur kurzfristig beschäftig und wie auch der 11. September immer noch nicht wirklich aufweckt und zu Taten schreiten lässt. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
    LG Verena

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  14. Vielen Dank für diesen Artikel! Es ist "schön", dass es auch Blogger gibt, die nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern auch mal Dinge hinterfragen. Ich lese immer wieder gerne hier hinein, da hier nicht wie bei so vielen, die Oberflächlichkeit regiert, sondern auch mal tiefgründigere Post kommen. Nochmals herzlichen Dank dafür! Und auch ich beziehe mich mit ein: der Michel ist aus dem Sessel gekickt. Eigentlich traurig, dass es erst soweit kommen muss, bis das passiert.

    Einen schönen Sonntag wünsche ich Euch!

    Andrea

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  15. Du hast die richtigen Worte gefunden! Danke! Martina

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  16. Liebe Katja. Mir bleiben die Worte im Halse stecken, und das nicht nur seit Mittwoch, aufgrund dieser Inflation des Hasses, der die Mehrheit der Menschen dieses Planeten vor Schreck erstarren lässt. Es fällt mir zwar sehr schwer Mord und positiver Effekt in einem Satz zu akzeptieren, doch Dein Text bringt sehr vieles beeindruckend auf den Punkt, unter anderem durch die vielen Fragen die er aufwirft und die es friedlich, im Dialog miteinander zu beantworten gilt. Auf dass dieser Dialog weiterhin bestehen bleibt, im gegenseitigen Respekt und ohne gewaltsame Argumente. Danke für diesen Text.
    Claudine

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  17. Leider kann ich meine Gedanken nicht in so tolle Worte fassen.
    Danke dafür und mir bleibt auch heute nur zu sagen:
    Je suis Charlie!
    Kerstin

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  18. Ich halte es da mit der Person im Büro von Charlie Hebdo, die Honores letzte Karikatur tweetete als das Morden begann - the pen is mightier than the sword. Oder das Computerkeyboard wie im Falle von Anonymous...
    ♥nic

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  19. Die Frage hast du sehr provokativ gestellt. Nein. Es gibt nichts Positives an einem Mord. Aber wenn aus der daraus folgenden Verunsicherung endlich ein politisches und gesellschaftliches Aufwachen folgen würde, wäre das zu begrüßen - falls sich die Gesellschaft nicht danach wieder in den Dämmerschlaf begibt und darauf hofft, dass die Politiker es schon richten werden.
    Ich finde solche wunderbaren Blogbeiträge wie Deinen einen Schritt in die richtige Richtung. In den Dialog zu treten, könnte andere ermutigen sich daran zu beteiligen.
    In einer Zeit groß geworden, in denen wir auf dem Schulweg politisch diskutierten und wussten was geschah, fühle ich mich heute manchmal - hm - fast schon wie im "Capitol" der "Hunger Games"-Filme. (Das Bild von "Brot uns Spiele" passt genau in unsere Zeit...)
    Ein waches Volk kann durchaus unbequem sein...(siehe Geschichtsbücher)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  20. Liebe Katja, ich möchte ein dickes Ausrufezeichen hinter alles machen, was du schreibst, mich virtuell hinter dich und deine Worte stellen - auch schon deinen letzten Post über die Münder der Wahrheit.
    !

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  21. Wie treffend formuliert liebe Katja, Danke für deine Worte! Du hast so recht ...

    Liebe Grüße
    Nadja

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  22. ein wunderbar ehrlich und treffender Post. Toleranz und Religionsfreiheit sind doch in vielen Köpfen verankert- das zeigt gerade die Friedensmission in Paris. Darüber hinaus muss aber mehr erwachsen- - nicht nur Politiker sollten sich an einen Tisch setzen um Einheit zu leben und nach vorne zubringen. Jeder von uns ist gefordert.Alle sind wir Charlie
    Danke für deinen Post
    heiDE

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  23. Ich bin stolz darauf, Europäer zu sein und stolz darauf, in Deutschland mit demokratischen Werten aufgewachsen zu sein. Ich habe selbst einen muslimischen Hintergrund, komme aus NRW und bin in recht vielen 'Migrantenorganisationen' aktiv. So ein Mord darf in EUROPA nicht passieren. Natürlich sollte nirgendwo jemand getötet werden, aber wir sind Demokraten und verurteilen solch einen tiefergreifenden, grausamen Akt menschlichen Handelns. Wir, egal ob mit Migrationshintergrund oder ohne, müssen verstärkt zusammen arbeiten, zusammen halten und Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Hass bekämpfen. Menschen, die den Dschihad unterstützen haben in Europa nichts zu suchen. Man muss viel konsequenter mit Organisationen, bei denen man einen Verdacht hat, sie könnten in eine fremdenfeindliche und rechtsextremistische Richtung gehen, umgehen. Man muss die Integrationen vorantreiben. Wir befinden uns derzeit in einer gesellschaftlichen Krise und jeder muss nun seinen Hintern bewegen und etwas tun. Egal ob man bei Kindern ansetzt oder bei Rentnern. Demokratische Werte sind ein Teil unserer Gesellschaft, wir dürfen sie nicht verlieren.
    Es ist schade, dass wieder der Tod anderer Menschen uns zur Zivilcourage bewegt..

    Mit solidarischen Grüßen

    paapatya


    www.paapatya.blogspot.de

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  24. Liebe Katja,
    dieser Post, aber auch deine letzten, sprechen mir so aus der Seele.
    Ich bin - seit ich Mami bin - sehr anfällig geworden.
    Mich haben die Vorkommnisse in Paris regelrecht lahmgelegt.
    Meinen Mädels zu Liebe, aber auch meiner Klasse zu Liebe, muss ich schnell wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Es fällt mir schwer, denn mich beschäftigt es doch sehr.
    Ich habe nur 17 Schüler in meiner ersten Klasse, aber doch dort die ganze Welt auf kleinem Raum vereint. Viele Religionen und viele verschiedene kulturelle Wurzeln sind vertreten. Meine Rolle als Lehrer wandelt sich gerade. Ich sehe eine große Aufgabe auf mich zukommen. Denn manche Bemerkung meiner doch noch recht kleinen Schüler in der letzten Woche lassen mir regelrecht das Blut in den Adern gefrieren.
    Danke für deine tollen Posts.
    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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  25. Ja, das wäre wünschenswert, dass ein Innehalten, ein wirkliches Nachdenken, eine Richtungsänderung und einfach mehr herzenswarme Mit-Menschlichkeit über uns, Europa, die Welt käme. Aber ich bin da nicht so optimistisch. Es gibt viele eindrückliche Gesten und ich freue mich über 1 1/2 Millionen Trauernde heute in Paris.
    Aber schon kochen alle auf der Glut dieser scheußlichen Morde ihr eigenes Süppchen. Die Vorratsdatenspeicherung- jetzt endlich schnell schnell, sagen unsere Regierungsmitglieder. Die islamistische Gefahr mitten unter uns - schreien die rechten Abendlandsretter. IS Schergen jubeln und feiern ihre "Märtyrer".
    Und in Nigeria hängen Unmenschen einem 10 jährigen Kind eine Bombe um und schicken es auf den Markt...und es stirbt. Und mit ihm viele dutzend andere Mitmenschen.Wer fragt nach diesen Morden- länger als eine Runde in den Nachrichten.
    Die Pegida will morgen mit Trauerflor demonstrieren gehen hab ich gehört. Auch für sie ist die Welt kompliziert geworden, sind doch die Opfer des Anschlags die Leute von der "Lügenpresse", wie sie Journalisten nennen- und dann noch so linke Socken. Ja, aber Trauerflor muss ja, die Mörder waren ja Muslime- oder? Äh, aber war da nicht auch mindestens eines der Opfer auch Moslem- und überhaupt- waren die Opfer ...ach ja, es ist ein Kreuz, wenn Feindbilder nicht mehr funktionieren.
    Ja, es brodelt. Aber es gibt so eine tiefe, dumme Sehnsucht nach einfachen Lösungen und eindeutigen Zuordnungen. Schwarz- Weiß. Gut- Böse. Freund- Feind.
    Herr Busch hat 2001 den neuen Feind ausgerufen. Den brauchte die westliche Welt dringend als Ersatz für den weggebrochenen Ostfeind. Man muss ja schließlich weiter Waffen verkaufen. Das ist das Problem. Cui bono- wem nützt es?
    Danke für Deine klaren, hoffnungsvollen Worte, liebe Katja. Ich hoffe auch auf einen neuen Geist und versuche auch daran mitzuarbeiten. Aber ich bin auch sehr sehr besorgt. Charlie ist überall. Und die Gründe sind unergründlich. Cui bono?
    Herzliche Grüße
    Lisa

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  26. ChristinaInAustralien12. Januar 2015 um 01:12

    Ich bin da weniger optimistisch. Ich weiss auch nicht, wieviele Menschen wirklich aus dem Sessel gejagt wurden. Es ist ja heute, dank Facebook und Twitter, relativ einfach, sich schnell zu Wort zu melden. Da werden dann amerikanische Medien angegriffen, warum sie die Cartoons nicht nachdrucken, und allerorts ist man Charlie oder Ahmed oder Polizist oder alles dies. Wirklich? (Ein kluger Kommentar dazu hier, leider auf englisch: http://paper-bird.net/2015/01/09/why-i-am-not-charlie/) In einigen Vororten ist einigen französischen Kindern mulmig bei der auferlegten Schweigeminute, berichtet LeMonde (http://www.lemonde.fr/societe/article/2015/01/10/a-saint-denis-collegiens-et-lyceens-ne-sont-pas-tous-charlie_4553048_3224.html). In Paris marschiert der Regierungschef eines Landes in erster Reihe, das monatelang Zivilisten bombardieren lässt, aber hier zeigt man sich entrüstet, ob der Gewalt. Und Hollande ruft Paris zur Hauptstadt der Welt aus…

    Ich möchte nicht zynisch sein. Meine Schwester wohnt in Paris, ich habe selbst ein Jahr dort gelebt, ich fand es schrecklich, die Stadt auf einmal vor vermummten, bis an die Zähne bewaffneten Einsatzkräften zu sehen, und zu wissen, dass die Täter, ebenfalls schwer bewaffnet, lange noch unterwegs waren…

    Aber ich hoffe, dass sich jetzt noch mehr kluge Stimmen, wie Deine, melden, und uns erstmal helfen zu verstehen und zu besprechen, was genau da passiert ist. Ja, Emotionen sind wichtig, aber wir dürfen nicht glauben, dass es mit Betroffenheit getan ist… Eine gute Stimme ist zum Beispiel die von Robert Fisk, der uns ein bisschen hilft, unser Kurzzeitgedächntnis, mit dessen Fixation auf den 11. September (und westliches Leid), zu überwinden, und ein bisschen tiefer in die Geschichte zu schauen: in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Franzosen einen brutalen Krieg in Algerien führten. (http://www.independent.co.uk/voices/comment/charlie-hebdo-paris-attack-brothers-campaign-of-terror-can-be-traced-back-to-algeria-in-1954-9969184.html) Das ist keine einfache Erklärung -- die Brüder waren algerischen Ursprungs, der zuallererst getötete Polizist aber auch – aber es ist eine Erinnerung, dass unsere europäischen Werte die wir jetzt in Gefahr sehen, auch nicht unblutig sind und dass wir sehr aufpassen müssen, uns in all dem nicht absolut zu setzen.

    Hier in Australien wurde eine Woche lang quasi nur über die Ereignisse im Lindt Café berichtet, rund um die Uhr. In derselben Woche gab es in Pakistan einen Anschlag, der 120 Schulkinder das Leben kostete. Für diese Kinder, deren Land in den Afghanistankrieg hineingezogen wurde, gab es keine Trauerbekundungen, keine Blumen, keine Hashtags. Dort, so unser Bild dieses Landes, gehoert Gewalt ja schliesslich zum Alltag. (Ein Bild, das der schoene Roman, IM GARTEN DES BLINDEN von Nadeem Aslam wunderbar zerstoert.)

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  27. Die Massenkundgebungen in ganz Europa machen mir wiederum angst.
    Da kann ich mich den Worten meiner Vorschreiberin nur anschließen. Europa steht auf, nur weil es in Europa passiert ist? - Was ist mit Greueltaten außerhalb Europas? - Ich habe Bedenken, ob dieser Anschlag "nachhaltig" eine Veränderung in unserer Gesellschaft herbeiführen wird.
    Der Sohn einer Freundin hat ein Jahr in Mareseille ehrenamtlich in einer Organisation geholfen, die sich für Menschen ohne jeglichen Rechte einsetzt, Menschen ohne Papiere. Eine französische Freundin betreut in Marseille eine Suppenküche für Menschen, denen es am Nötigsten fehlt. Eine andere Freundin gehört einer Organisation an, die hilft in Flüchtlingskamps an der syrischen Grenze - sie war gerade dort und hat von ihren Erfahrungen berichtet. -
    Meine Vorschreiberin schreibt vom Algerienkrieg. Ein französischer Verwandter, war im Algerienkrieg dabei...
    Es ist an der Zeit, in die Geschichtsbücher zu gucken.
    -Meine Schreiberei ist ein wenig konfus, aber anders bekomme ich das im Moment nicht hin.-
    Ich freue mich, dass hier so viele Menschen bewegt sind und ihre Meinung kundgetan haben - das gibt Hoffnung.
    LG Heidi

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  28. Dieser Beitrag sollte nicht nur als Blog erscheinen! M.

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  29. ich starre und starre auf deine worte und finde sie so gut und couragiert und klug – und gleichzeitig hat mein wünschen, hoffen, glauben immer diesen schal-naiven beigeschmack; wie in eine glasur aus pessimismus getunkt. dass die traurigkeit stärker war als wut und zorn bei mir, das hat mich irritiert, erschreckt.
    an der oberfläche halten, was brodelt, das bewusstsein, den diskurs pflegen, so wichtig, so notwendig. aber am anderen ende des spektrums, was da? mit anderen worten :: wie geht überall ankommende (!) toleranz? humanitäre werte? ich habe keine idee.

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  30. gestern 30000 menschen in leipzig für weltoffenheit und gegen rassismus. das macht mir ein bisschen mut!
    und wie schon bei deinem letzten beitrag fände ich es großartig, wenn er nicht nur hier im blog zu lesen wäre!
    liebe grüße, mano

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  31. Da zeigt sich wieder dein "outstanding" Talent, Dimge in Worte zu fassen und behutsam und klug die Wurzel herauszupulen! Wer könnte es besser sagen?
    Vielen Dank
    Gros bisou
    Sandra

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!