Samstag, 24. Januar 2015

In heaven No. 149 - Greyish Lavender

Als ich vor vierundzwanzig Jahren mit dem Studium begann, wurde noch fast ausschließlich von Hand gezeichnet und coloriert. Dementsprechend große Bedeutung wurde dem Erlernen der handwerklichen Zeichentechniken, der individuellen Strichführung und der ausdrucksstarken Colorierung von Plänen auch beigemessen. Jeder Student musste sich eine unfangreiche Grundausstattung an Zeichenlinealen, Bleistiften, Buntstiften, Pastellkreiden und Copic-Markern zulegen. Die verpflichtenden Buntstifte waren Cyanblau, Cadmiumgelb und Magentarot, weil sich aus diesen drei Farben zusammen mit Weiß und Schwarz alle Farben mischen lassen, doch bei den Kreiden und Markern waren wir frei in der Auswahl der Farben und konnten uns an unseren persönlichen Vorlieben orientieren, die wir auch in den Entwürfen einsetzen wollten.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal einen Laden für Grafik- und Künstlerbedarf betrat und mir feierlich meine Lieblingsfarben als Marker aussuchte - gut aussuchte, denn Marker waren sehr teuer und ich musste mich auf die wichtigsten beschränken. Schon damals lagen mir die natürlichen Farben so viel mehr als die grellen und so bestand meine Auswahl auch primär aus Holzfarben und warmen Grautönen. Etwas Farbe musste aber trotzdem mit und so entschied ich mich nach langem Überlegen für Cool Shadow, Greyish Lavender und Smokey Blue... ein milchiges Graugrün, ein stark lilastichiges Grau und ein warmes Blaugrau. Während "Cool Shadow" der Farbe eines Gletschersees sehr nahe kommt, spielen "Greyish Lavender" und "Smokey Blue" sehr oft eine große Rolle am Winterhimmel, wenn der Tag die Nacht verdrängt, oder die Nacht den Tag in sein Schlafgewand kleidet... so wie sie das letzte Woche getan hat.



Noch heute finden sich alle diese damals ausgesuchten Markerfarben in meinem Fundus und werden ebenso wie die Bleistifte und die guten Buntstifte häufig benutzt. Die digitale Colorierung der Entwürfe kam ergänzend dazu, hat sie aber nie ganz verdrängt. Sehe ich mir heute die studentischen Portfolios an, die den Praktikumsbewerbungen beiliegen, dann finden sich dort so gut wie keine Handzeichnungen mehr. CAD Layout hat die Handarbeit an dieser Stelle in der Ausbildung so gut wie ersetzt, im praktizierten Berufsleben sowieso. Das hat durchaus große Vorteile im Bereich der Wirtschaftlichkeit, was die Überarbeitung von Entwürfen und Ausführungsplanung und deren digitale Kompatibilität mit anderen am Bau Beteiligten angeht, aber meiner Meinung nach ist damit auch ein ganz entscheidender Aspekt der Architekturzeichnung verlorengegangen - die Handwerklichkeit, die individuelle Handschrift, die Lebendigkeit. Digital visualisierte Entwürfe sind zwar oft fotorealistischer als Handzeichnungen, für mich sind sie aber auch austauschbar und leblos. Deshalb bleibe ich ein trotziger Dinosaurier mit meinem Papier, meinen Linealen, Markern und Stiften und nutze den Computer nur als unterstützendes Hilfsmittel für meine Handzeichnungen. Ein Dinosaurier mit Notebook und WLAN.

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Kommentare:

  1. Guten Morgen Katja,
    heute habe ich auch einmal wieder einen Himmel für dich, den ich diese Woche eingefangen.
    Ich bin ganz deiner Meinung, es geht doch nichts über das persönliche und handgemachte.
    Ich wünsche dir ein gemütliches Wochenende.
    Herzliche Grüße
    Alex

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  2. Die Wahl der Farben Deiner Marker ist und bleibt wunderschön, liebe Katja! Alleine schon die Bezeichnungen.. Cool Shadow, Greyish Lavender und Smokey Blue.. herrlich!! Da ist man/frau doch gerne Dinosauerier.. ich wäre auch einer.. kicher!! Herzlichst, Nicole

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  3. Wenn ich die feinen Farbnamen höre, dann kann ich mich doch viel mehr mit dem Grau anfreunden. Ich sollte mir eine Liste der Graubezeichnungen zulegen, oder vielleicht eine eigene kreiieren. Guten Morgen, Grayish Lavender. Bleibst du ein wenig oder weichst du dem Cold Gray.... Kannst du etwas benennen, wächst es dir leichter ans Herz.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Ja, da hast du mich wahrlich auf eine Idee gebracht...Vielleicht wäre dieses ewige Grau da draußen am Himmel besser zu ertragen, wenn man ihm wohlklingende Namen gibt...Glimmergrau...Purpurgrau...Silberrauchgrau...Leider funktioniert das hier nicht...es bleibt ein frustierendes Grau...von dem ich einfach nur noch die Nase voll habe...Wintertief...eben. LG Lotta.

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  5. Wunderschöne Himmelsfotos,auch wenn sie "nur"grau sind!Ein schönes Wochenende!
    LG Steffi

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  6. So schöne Himmelsfarben! Ich hab gleich nach meinen copic-Marker-Farben geschaut, neulich erstmalig gekauft, nach ca. einer Stunde fiel die Wahl auf light walnut, green day, grayish lavender und smokey blue:-)
    Auf die Handzeichnungen und die Naturtöne! Schönes Wochenende, Dagmar

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  7. Schöne Bilder!!! Und danke für die Farbkunde, du hast mir weitergeholfen. Ich habe letztens eine Jacke bekommen, deren Farbe ich bis heute nicht beschreiben konnte... Ich habe immer gesagt, es ist eine Mischung zwischen grau und lila/ violett. Grayish lavender trifft es wirklich perfekt! Und mit dieser schönen Bezeichnung gefällt sie mir gleich ein bisschen besser, denn eigentlich passt die Farbe nicht so zu rotblond....:)
    Danke und lieben Gruß
    Gabi

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  8. Hallo Katja,
    ich bin deinen Ausführungen sehr interessiert gefolgt. Vor vierundzwanzig Jahren war unser Zweitgeborener noch recht klein aber schon damals kristallisierte sich seine Begabung für's Zeichnen heraus. Ich dachte immer, dass er das später mal beruflich umsetzen würde. Aber je stärker klar wurde, dass sich der anvisierte Beruf eines Grafikers immer mehr der Umsetzung von Ideen mit dem Computer zuwendete, umso mehr verließ ihn die Lust. Von Hand zeichnen kann er heute noch gut. - Das andere was mir so einfällt, sind die von dir angesprochenen Farben - es sind meine Farben, Sommerfarben, wie sie vor vielen Jahren mal eine Farb- und Stilberaterin nannte, also vom Staub des trockenen Sommers gedämpfte Farben. Sie stehen mir tatsächlich sehr viel besser als alle klaren Farben.Die Bezeichnung Greyish Lavender kannte ich noch nicht, aber sie passt sehr gut zu deinen Himmelsbildern.
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende - Elke

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  9. Wie schön du deine Farbstifte beschreibst - ich bin sofort erinnert an ein Blatt aus einem Literaturkalender, dem ich schon seit Jahren vergebens hinterher renne und trauere: Rosamunde Pilcher beschrieb darauf virtuos das unterschiedliche Blau des Meeres in hingebungsvoller Feinheit... schönes WE & liebe Grüße

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  10. Haha, hier *wink* noch so ein Dinosaurier ( Diplom vor genau 26 Jahren - fast auf den Tag) mit WLAN aber ohne Notebook. Bei uns standen Polychromos sehr hoch im Kurs. Copics konnte ich mir leider nicht leisten, da mußte dann der Auqarellkasten her. Ja, ich gebe Dir recht, an Wirtschaftlichkeit sind die CAD-Layouts nicht zu schlagen, aber sie sind seelenlos. Wenn "wir" einen Entwurf einen Kunden wirklich schmackhaft machen wollten (Interiordesign-Innenausbau) dann mußte ich immer ran und von Hand Raumperspektiven zeichnen und colorieren ... warum wohl ;).

    Viele Grüsse von einem leidenschaftlichen von Handzeichner
    Doris

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  11. "Meine" Farben ebenso, vor allem das Gletscherblaugrün.
    Und eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen: mein Papa (Architekt) sitzt zeichnend am schräggestellten Reißbrett, ich untendrunter mit Puppe oder Bilderbuch - die Geräusche von Stift, Lineal und Papierbögen gehören dazu, eine gerade Linie klingt anders als eine schraffierte Fläche... schön war das.
    Heute würde ich wohl nur noch "klick, klick" hören...

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  12. Eine freudemachende Himmelsgeschichte!
    Am liebsten Hätte ich jetzt ganz viel Greyisch Lavender. Wolle, Stoff, Kreide, Himmel, hach.
    Liebst!

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  13. Meine Ausbildung habe ich am Zeichentisch mit Bleistiften und Tuschestiften verbracht, gleich danach waren die digitalen Anfänge. Ich war schon immer ein Technikfreak, als das Internet rauskam, habe ich es mir sofort zugelegt, baute sogar zeitweise meine Pc's selber zusammen. Heute sind die CAD Programme so weit entwickelt, dass ich das Zeichenbrett nie, nie,nie vermisst habe. Ich liebe es Hausentwürfe am PC zu machen, virtuell durch das Gebäude zu laufen, komplizierte Details sehe ich oft erst im 3D (besonders wenn ich Zimmereipläne zeichne) dem Kunden sende ich sein Hausmodell direkt aufs Ipad. Bei der Baueingabe schätzt die Baubehörde die Fotorealistik des fertigen Baukörpers. Ganz ehrlich...der PC und ich, wir sind ein richtiges Team...Handskizzen brauche ich nur noch bei Massaufnahmen oder bei Besprechungen.
    Lg Carmen (Dino und doch kein Dino) ich find allerdings handcolorierte Zeichnungen wunderbar, deine Entwürfe habe ich schon oft auf deiner Website betrachtet.

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    1. Was die Anschaulichkeit für den Kunden angeht, hat das Zeichnen mit CAD große Vorteile und ersetzt den aufwendigen Modellbau oft komplett. Bei Präsentationszeichnungen finde ich nach wie vor die Handzeichnung unersetzlich. Vielleicht würde ich das heute anders sehen, wenn der Umgang mit CAD-Programmen bereits in meinem Studium ganz normal gewesen und mir in Fleisch und Blut übergegangen wäre, aber wir haben uns damals noch auf einfache Drahtmodelle beschränkt - erstellt an MACs mit 250MB Festplattengröße, als erstes Semester, das überhaupt an Rechnern gearbeitet hat. Kaum noch vorstellbar heute... ;-)

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    2. Weisst du noch, weisst du noch.....
      Herbst 1992 die erste CAD Prüfung überhaupt ;-)

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  14. es ist ein ganz andere Sache, mit Hand oder PC zu arbeiten ...sehr interessant was du schreibst über Farben. deine Himmeslbilder sind immer so besonders und heute schicke ich auch meinen Samstagshimmel .
    liebe Grüsse
    Monique

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  15. allein die namen "greyisch lavender" und "cool shadow" klingen schon wunderbar. computerprogramme haben bestimmt nicht so hübsche namen und sehen schon lange nicht so gut aus!
    sonntagsgrüße, mano

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  16. Da kann ich dir in deinem Empfinden sehr gut folgen... Vor 25 Jahren war ich einige Jahre in der Position jede Menge Planungsentwürfe anschauen und mit darüber entscheiden zu dürfen, ob und inwieweit sie realisiert werden können. Ich sehe genau die individuellen zeichnerischen "Handschriften" einiger Architekten (ja, waren alles Männer) vor mir und könnte die heute noch auseinanderhalten..., bis hin zur Schrift... Greyish Lavender - so einen Regenmantel hatte ich mal, lang her... Lieben Gruß Ghislana

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!