Samstag, 17. Januar 2015

In heaven No. 148 - himmlisches Paradies

Ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an. Auch wenn ich daran glaube, dass alles im Universum zusammenhängt und einander bedingt, glaube ich weder an die Idee eines einzigen, noch an die mehrerer Götter und weder an die Unsterblichkeit der Seele, noch an Reinkarnation oder an den Himmel im christlichen Sinn und an das Paradies. Trotzdem ging mir in den letzten Tagen ein Gedanke nicht aus dem Kopf. Das Christentum, der Islam und das Judentum glauben als abrahamitische Religionen alle an die Erlösung im Paradies, in das die tugendhafte Seele nach dem irdischen Leben gelangt. Dass man sehr unterschiedlicher Ansicht darüber sein kann, was "tugendhaft" ist und ob man deshalb durch ethisch untadeliges Verhalten im Sinne der Menschenrechtskonvention, durch Ablasshandel oder durch Mord ins Paradies gelangt, wird uns in den letzten Monaten und vor allem Wochen mal wieder deutlich vor Augen geführt. Nichtsdestotrotz müssten demnach alle Ahänger der chrstlichen, jüdischen und islamischen Religion oder ihrer unterschiedlichen Auslegungen nach ihrem Tod - ob nun nach natürlichem Tod, als Terroropfer oder als Terrorist ins Paradies gelangen, wenn sie sich nach ihrer Auffassung diesen Zugang verdient haben. 

Zwar glauben Muslime, dass nur Muslime ins Paradies gelangen, aber Christen glauben auch, dass nur Christen dorthin kommen und Juden, dass nur Juden es erreichen. Da sich das gegenseitig ausschließt, darf also keiner rein, oder alle.
Habt ihr euch das schon mal ernsthaft vorgestellt? Dann treffen im Paradies die als Hexen verbrannten Hebammen und  Heilerinnen des Mittelalters auf die katholischen Bischöfe und Päpste, die ihre Verbrennung zu verantworten hatten... Millionen im Holocaust ermordete Juden treffen auf ihre Nazihenker... Tutu auf Tutsi... muslimische Kinder auf die Dschihadisten, die sie vergewaltigt oder für das Morden ausgebildet und in den Tod geschickt haben... die Hugenotten auf Ludwig XIV. und seine katholischen Henker... amerikanische Südstaatler auf ihre ehemaligen Sklaven... protestantische auf katholische Iren... der israelische Verteidigungsminister auf palästinensische Zivilisten aus Gaza... zu Tode gefolterte, gesteinigte, verstümmelte und enthauptete Moslems auf Kalifen, Scheichs, arabische Könige und Ministerpräsidenten... Breivik auf  77 ermordete Jugendliche... Bush auf unzählige unschuldig im Bombardement getötete Menschen im nahen Osten... die islamistischen Terroristen von Paris und anderswo auf ihre jüdischen, muslimischen und christlichen Mordopfer, sowie alle anderen gläubigen Opfer auf ihre angeblich noch gläubigeren Mörder. 

Was für eine Vorstellung. Hauen auch die Seelen im Paradies alle aufeinander ein und: können Seelen sich überhaupt gegenseitig foltern und ermorden? Zumindest in der Theorie ist das nicht so, sondern die paradiesischen Zustände erstrecken sich auch auf ein friedliches Miteinander da oben. Also haben sich die unsterblichen Seelen dann im paradiesischen Himmel alle lieb, auch wenn sie sich hier unten auf der Erde gegenseitig abgeschlachtet haben?  
Wenn wir hier unten auf der Erde kein Allheilmittel gegen Ressentiments, Schuldzuweisungen, das von sich weisen von Verantwortung, Heuchlerei, Intoleranz, Hass, Chauvinismus, Machtgier und Narzissmus finden, wie gelingt es dann im Paradies? Und wenn der allmächtige, unfehlbare Gott dort oben dafür sorgen kann, dass die Seelen aller Gläubigen tolerante, friedliche, achtsame, respektvolle Best Buddies sind (denn sonst wären es ja keine paradiesischen Zustände, von denen alle Gläubigen aber überzeugt sind), warum kann er es dann nicht auf der Erde? Vielleicht sollte man Gott/Allah/Jahwe mal fragen, wie er das da oben im inzwischen total überfüllten Paradies hinkriegt mit der friedlichen Coexistenz aller Seelen und warum er damit nicht schon auf der Erde anfängt? Hat er resigniert? Oder ist es dort unten schlicht nicht sein Job?

Ich glaube, dass darin womöglich der Fehler der abrahamitischen Religionen liegt. Wer glaubt, dass jenseits im Himmel das Paradies auf ihn wartet und ihm das Glück dann dort quasi in den Schoß fällt, der glaubt womöglich, sich im Diesseits nicht wirklich Mühe geben zu müssen, mit seinen Mitmenschen verträglich auszukommen. Wer glaubt, dass Gott für ihn im Jenseits alles zum Guten richtet, der schätzt das diesseitige Leben vielleicht nicht als wertvoll genug ein, um es mit dem notwendigen Respekt und eben Wertschätzung zu behandeln - sein eigenes und das anderer Lebewesen.

Nicht zum ersten Mal  fällt mir dazu die Szene aus dem Spielfilm "Bruce Allmächtig" ein, in dem Gott (Morgan Freeman) Bruce (Jim Carrey) seine göttliche Macht überträgt, weil Bruce glaubt, er könne das mindestens so gut wie Gott und der auch mal Urlaub braucht. Bruce, berauscht von seinen allmächtigen Möglichkeiten, nutzt diese ausschließlich dafür, sich Ruhm und Geld zu verschaffen und die Welt nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Als er bald feststellt, was für ein frustrierender Job das ist und dass ihn dieses rücksichtslose, opportunistische und narzisstische Handeln nicht zum glücklichsten Mensch der Welt macht, sondern ihn alle Freunde kostet und ihm in der Folge Einsamkeit und Depression beschert, beschwert er sich bei Gott darüber, dass alles aus dem Ruder läuft, in der Hoffnung, der möge es richten. Gott sagt ihm "Be your own miracle", also "Sei selbst dein Wunder". Womit er meint, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, sich so zu verhalten, dass er im Hier und Jetzt Glück für sich und andere erreicht und die Verantwortung für sein Glück, seine persönliche Erlösung, den Wert seines Lebens, nicht auf andere oder auf Gott abwälzen soll. 

Hier auf der Erde zeigt es sich, ob der Mensch, jeder einzelne, genug Arsch in der Hose hat, um die Verantwortung  für das friedliche Miteinander-Leben selbst zu tragen, oder ob er es feige auf Gott oder andere Authoritäten abwälzt. Wir alle können in unserem Alltag etwas dafür tun, im täglichen Miteinander, indem wir uns entsprechend höflich, hilfsbereit, achtsam und tolerant verhalten und denen klare Grenzen setzen, die es nicht tun. Wir können etwas für mehr Menschlichkeit tun, wenn wir mit dem was wir schreiben andere erreichen, wenn wir wählen gehen, wenn wir unseren Kindern etwas vorleben, unseren Urlaubsort auswählen, unsere Kleider und Möbel kaufen, unseren Einkaufswagen befüllen, unseren Strom einkaufen, wenn wir unser Auto betanken und unsere Heizungen befeuern ... denn kein Hebel wirkt besser als der wirtschaftliche. An anderen Ideen arbeite ich noch...

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Kommentare:

  1. Ich habe noch gar nicht so genau darüber nachgedacht, ob Christen der Meinung sind, dass nur Christen in den Himmel kommen...Aber das liegt vielleicht daran, dass ich sowieso mit dem Paradies so meine Schwierigkeiten habe. Wenn ich das richtig verstanden habe, müssten ja Breivik und Konsorten dann jetzt in der Hölle schmoren...oder zumindest, sobald das jüngste Gericht stattgefunden hat...;-). Egal...deinen Post finde ich heute ganz wunderbar, Respekt! LG Lotta.

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  2. Dieses dein Gedankengebäude erklettere ich heute am frühen Wochenendmorgen nicht in alle Etagen und Zimmer schauend ;-), ich nehme erst mal die kleine Hütte, über der noch immer als eine der wesentlichen Essenzen aller Religionen, die heute anwendbar sind, steht: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Liebe Wochenendgrüße Ghislana

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  3. gut gesprochen. deine paradiesische vorstellung fand ich besonders "amüsant" (falls man dieses Wort in dem zusammenhang gebrauchen kann).
    hab ein vorbildliches wochenende!
    liebe grüße,
    jule*

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  4. ich bin mir nicht sicher, inwiefern es überhaupt sinn macht, in solche religiösen kategorien wie das paradies abzutauchen, ein konstrukt weiterzudenken, das per se schon so zweifelhaft ist, schon im fundament bröckelt. jaja, da spricht die agnostikerin. sicher indes bin ich, dass es gilt, ideale des respektvollen und menschlichen zusammenseins zu leben. schön, was du auffächerst; und wie du damit eine ahnung notierst von der breite des spektrums.

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  5. wann erscheinen deine artikel endlich mal in der zeit?
    ich kann ghislana nur voll zustimmen! und deinen artikel werd ich mir heute abend nochmal ganz genau zu gemüte führen.
    liebe grüße, mano

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  6. Da fällt mir spontan eine Kleinigkeit von Angelus Silesius ein: Wenn Du aus Dir verjagst all Unruh und Getümmel, dann wirft St. Michael den Drachen aus dem Himmel. In der Tat, mit jedem Einzelnen fängt es an...♥nic

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  7. Hallo Raumfee,
    das könntest du wirklich öffentlich als Vortrag halten, sehr intelligente Überlegungen und gut zusammengefasst. Solcherlei Dinge gehen mir immer mal wieder durch den Kopf und nicht zuletzt deshalb halte ich jedwede Religion im Grunde für Schwachsinn. Trotzdem dar bei mir jeder das glauben, was er möchte, wenn er nur friedlich bleibt und mir meinen Nichtglauben lässt. - Gleich werde ich mich zum ersten Mal auch an deinem Projekt beteiligen. Himmelsbilder fotografiere ich ständig. Bisher habe ich mich nur an dem Begriff "heaven" gestoßen - sky wäre mir lieber.
    Lieben Gruß
    Elke

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  8. sehr nachdenklich, und ja, wir haben nur dieses eine leben (zumindest jetzt ;)) und in ihm sollten wir das glück erkennen, es zu haben... ein sehr aufgewühlter himmel heute, gut so, ich werde weiter nachdenken darüber. nur heute, da hab ich nach all dem sturm ruhe gebraucht, auch in meinem blick in den himmel.

    sei herzlichst gegrüßt!
    dania

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  9. Hallo liebe Raumfee,
    ist der Gedanke nicht wunderbar, dass der Himmel sich über uns alle spannt und trotzdem überall auf der Welt anders aussieht? Ich finde diese Himmelsbildersammlung so richtig schön.
    LG
    ZamJu

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  10. *Du willst den wahren Charakter eines Menschen kennenlernen? Dann gib' ihm Macht.* (Abraham Lincoln). Das gleiche gilt für Freiheit.
    Nun, für mich ergeben sämtliche spirituelle Fragen ohne Reinkarnation null Sinn. Ich habe größtest Verständnis, wenn man ohne Reinkarnationsgedanken bei Sinnlosigkeit und Willkür rauskommt. Für den Habib und mich war die beeindruckenste Reise die nach Tibet, weil es mit Händen zu greifen war, was es mit den Menschen bewirkt, wenn sie über Jahrhunderte und natürlicher Selbstverständlichkeit mit dem Karma-Gedanken leben. So schöne Menschen, die von innen her zu leuchten scheinen, hatten wir beide noch nie gesehen. Ich bin kein Buddhist, sondern ich versuche mich innerhalb meiner reingeborenen Kultur als konfessionsloser Christ an den 10 Geboten. Und zweifle weder an Karma noch an der Reinkarnation. Wer Fragen hat, wird Antworten finden. Tja, und da man Erfahrungen jedweder Couleur nicht weitergeben kann, muß jeder selbst suchen. So solls wohl sein. *Nur wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen* ...

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    1. Ja, das mit der Reinkarnation ist völlig folgerichtig und selbst ohne an ein Leben nach diesem zu glauben habe ich bisher immer wieder erfahren, dass man niemandem etwas Schlechtes wünschen muss, weil das Karma sich auch schon in diesem Leben meldet und dafür sorgt, dass schlechte Taten nicht ungesühnt bleiben, so dass ich mich nicht mit solchen Dingen wie Rache beschäftigen muss. Auch ganz und gar unreligiös und untranszendental, einfach über das Gesetz von Ursache und Wirkung oder: Wer Wind sät...

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  11. Kompliment für deinen Text! Bewahrt jeder in seiner kleinen Welt Frieden und respektiert sein Gegenüber, kämen wir ein Stück weiter. Solange jeder Recht und Macht haben will, ist diese Welt weit weg vom Paradies - unten oder oben.
    Herzliche Grüsse
    Erika

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  12. Wunderbar! Mir fällt da eine Kolumne von Ian Player ein, einem Wildnisführer in Südafrika. Er hatte immer wieder erlebt, wie Teilnehmer mehrtägiger Ausflüge in die Wildnis "Gott" begegneten. Dort draussen bei der einsamen Nachtwache, unterm Sternenhimmel, bei Löwengebrüll oder Hyänenghäul, oder nur verdächtier Stille. Und Player schlug vor, dass sich Anhänger (oder Anführer) der Weltreligionen doch gemeinsam dort und einen alten Feigenbaum setzten...
    Ein Versuch wär's doch wert.
    Was für ein bezeichnendes Himmelsbild diese Tage.
    Herzlich!

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  13. Liebe Katja,
    wie Du mit Worten umgehen kannst.
    Danke für Deine Gedanken,
    Judika

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  14. Liebe Katja, ich studiere Theologie und ich bin gerade forschungstechnisch nicht auf dem laufenden in Sachen Paradies und dem Leben was wir Christen führen sollten. Aber so wie du das Paradies beschreibst, stellen sich eher wenige Gläubige das vor. Wir Theologen stellen uns genau die gleichen kritischen Fragen und das Leben auf der Erde ist keineswegs egal, weil ja eh alle ins Paradies kommen. Im Gegenteil, Jesu Leben ist unser Vorbild! Damit Nächstenliebe und Gnade. Wie der einzelne dies umsetzt ist das Problem und nicht die Grundsätze unserer Religion. Und am Ende muss sich jeder vor Gott verantworten. Und jeder der sich schon mal vor einem geliebten Menschen für einen Fehler verantworten musste, weiß wie schmerzhaft das sein kann. Die Sache mit dem Paradies ist bei Christen gar nicht so das Thema. Ziel ist in Jesu Nachfolge zu Leben! Und Jesus war gütig und hat sein ganzes Leben für andere geopfert. Vergebung, das ist die Botschaft des Christentums und nicht mehr so das Alte Testament mit dem bösen Gott und dem Paradies. Vielleicht begreifen wir das erst, wenn wir selbst Kinder haben: denen kann man so ziemlich alles vergeben, weil wir sie trotz allem lieben, manchmal auch wenn sie fürchterliche Dinge tun. Das ist die Hoffnung von Christen, trotz unser Fehler geliebt werden. Es dient aber NIE zur Rechtfertigung von Gewalt ;-)

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  15. verdreht? dass das wahrhafte leben, das jedem im hier und jetzt sicher ist, bloß als wartezimmer für ein noch »echteres leben« im paradies verstanden werden kann. im fall, das paradies trifft nicht ein, kann man sich nicht mal über sich selbst ärgern, dass man sein leben unter einem falschen motto verbracht hat.

    tabea grüßt mit spatz in der hand

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  16. liebe Raumfee,
    ich habe Dich gerade über ZamJu entdeckt und habe mit Begeisterung Deinen heutigen Post gelesen.
    Wenn jeder bei sich und seinem Zuhause anfängt, dann ist schon ein großer Anfang gemacht.
    Auch Deine Himmelsbilder sind wunderschön!
    Ich liebe auch Himmelsbilder und fotografiere den Himmel bei jeder Gelegenheit, leider ist der Samstag schon vorbei, aber nächsten Samstag bin ich bestimmt dabei.
    liebe Grüße
    Gerti

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  17. Liebe Katja,
    deine Texte zu lesen ist immer ein Genuss und zugleich eine Herausforderung, denn du beziehst klar und temperamentvoll Stellung und man kommt nicht ohne eigenes Drübernachdenken davon. Ich brauche oft länger, um Dinge für mich zu klären und eigene Gedanken dazu zu formulieren, und solche Texte wie deine geben meinem eigenen Nachdenken immer kräftige Anstöße.
    Manchmal stehen da aber auch Sätze, die mir ein bisschen Kopfzerbrechen verursachen. Woher nimmst du z.B. die Sicherheit, mit der du sagst, dass "Christen" (also alle Christen? oder wer?) glauben würden, dass nur "die tugendhafte Seele" ins "Paradies" komme? Ich möchte mir als Christin so eine primitive Jenseitsvorstellung nicht in die Schuhe schieben lassen!
    Der allerinnerste Kern des christlichen Glaubens ist eben nicht die Forderung nach "Tugendhaftigkeit" als Voraussetzung für den "Himmel", sondern das Annehmen der bedingungslosen(!) Liebe Gottes, die Jesus mit seinem ganzen Leben verkörpert hat. Das ist der Unterschied zwischen der "Gerechtigkeit aus Werken" und der "Rechtfertigung des (immer wieder fehlbaren) Menschen aus Gnade", wie sie Martin Luther ins Zentrum seiner Theologie gestellt hat. Und ein Christ, der seinen Glauben ernst nimmt, weiß gerade das nur allzu gut: dass er keineswegs "tugendhaft" und fehlerlos ist! Deshalb ist der Glaube (was nichts anderes heißt als "Vertrauen") ja so lebenswichtig für mich: ich vertraue darauf, dass Gott mich nie fallen lässt und dass er mich mit allen meinen dunklen Stellen liebt. (Und manchmal zweifle ich auch an all dem - aber das gehört dazu...).
    Und es geht dabei gar nicht in erster Linie um das "in-den-Himmel-kommen" nach dem Tode! Es geht um das Wachsen des "Reiches Gottes" in dieser Welt, an dem wir alle mitarbeiten sollen, auch die Nichtchristen (der Theologe Paul Tillich hat mal gesagt: "Gott hat nicht nur seine Parteigänger, sondern auch seine Partisanen". Und Jesus hat oft genug darauf hingewiesen, dass es nicht auf Rechtgläubigkeit und Frommtun ankommt, sondern auf schlichtes Vertrauen und tätige Liebe). Wie und wann dieses Reich Gottes einmal vollendet werden wird und was genau man sich unter einem "Leben nach dem Tode" vorzustellen hat - das überlassen (nichtfundamentalistische, also sehr viele) Christen getrost Gott. Aber wer seinen Glauben ernst nimmt, weiß, dass seine Mitwirkung hier und heute gefragt ist.
    Und das ist was ganz, ganz anderes als "Tugendhaftigkeit"...
    "Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir:
    Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für."
    (Angelus Silesius)

    Herzliche Grüße voller Sympathie,
    Brigitte

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    1. Das Problem ist ja aber, dass das nihct alle "Gläubige" in so pragmatischer Form sehen, sondern sich an Worten festhalten, die Menschen in unterschiedlichen Jahrhunderten aufgeschrieben haben über einen Glauben, den man nicht beweisen, sondern eben nur glauben kann oder nicht. Natürlich gibt es "den" Christ genauso wenig wie "den" Muslim oder "den" Juden - es ist Auslegungssache. Unbeleckt bin ich übrigens nicht, was die christliche Religionstheorie angeht, ich habe 8 Jahre Religionsunterricht durchlaufen. Das Bild vom Paradies als Ort der finalen Erlösung für die Tugendhaften und das des Fegefeuers für die Nichttugendhaften ist das, was mir damals vermittelt wurde. Aber womöglich hat sich dieses Bild in den letzten 35 Jahren auch geändert.

      LG, Katja

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    2. Warum ist es ein Problem, dass es nicht alle so sehen? Sehr viele sehen es so - jedenfalls wurde sich evangelischerseits schon vor 500 Jahren vom Fegefeuer verabschiedet - wobei ich denke, dass auch das ursprünglich ein (allerdings nicht biblisches!) Bild dafür war, dass ehrliche Selbsterkenntnis und der illusionslose Blick in die eigenen Abgründe ein schmerzhafter, aber heilsamer Läuterungsprozess sein kann. Was wir heute in psychologischen Begriffen beschreiben, wurde früher ja oft in Bildern ausgedrückt.
      Leider können solche Bilder und auch biblische Texte genauso missverstanden, verdreht und zwecks Machtausübung missbraucht werden wie alle anderen. Sturer Buchstabenglaube, Dummheit, Rechthaberei und Instrumentalisierung von Religion wurde schon von Jesus immer wieder angeprangert (und das war einer der Gründe, warum ihn die religiösen Oberhäupter loswerden wollten).
      Ich halte dich übrigens gewiss nicht für unbeleckt! Du hast mal geschrieben, dass du aus Interesse die Bibel gelesen hast. Da ist dir doch sicher auch ein gewisser Unterschied aufgefallen zwischen z.B. den Evangelien und dem, was du in deinem (vermutlich sehr traditionell-katholischen?) Reliunterricht gehört hast. Ich weiß, dass es, auch bei den Protestanten, Menschen gibt, die Angst vor der Freiheit des Denkens haben und sich an Worte klammern, ohne sie zu hinterfragen. Aber das ist wirklich nicht der heutige Stand der Theologie bei der großen Mehrheit der Christen, einschließlich der Theologen. Lies Jörg Zink, Fulbert Steffensky, Dorothee Sölle, Eugen Drewermann (ok, den haben sie leider rausgeschmissen bei den Katholen...), Frére Roger Schütz, Anselm Grün, Pierre Stutz - um nur mal einige sehr bekannte zu nennen. Nirgends wirst du diese engstirnigen Auslegungen finden, im Gegenteil: da öffnet sich ein weiter Raum. "Von der Freiheit eines Christenmenschen" hat schon Luther geschrieben.
      Und diese Freiheit des Denkens geht meiner Meinung nach direkt auf Jesus zurück, denn es ist genau die Freiheit, die er sich genommen hat: das, was in den heiligen Schriften überliefert war, ernstzunehmen, indem er es in seine Zeit hereinholte, es lebte und als etwas Lebendiges den Menschen (vor allem den einfachen) nahebrachte. Nicht "Bewahrung der Asche", sondern "Weitergabe des Feuers"!
      Du merkst: da ist auch so ein kleines Feuer in meinem Herzen, drum schreibe ich so lange Kommentare. Eine wie du, mit eigenem (Wort-)Feuer begabt, wird es wohl ertragen können... :-)

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    3. Warum ich das als Problem sehe, habe ich ja oben beschrieben - weil die wörtliche, mittelalterliche Auslegung des Koran eben den Absolutheitsanspruch erhebt und daraus der islamistische Terror erwächst, der momentan nicht unerhebliche Teile der Welt verwüstet. Die Christen haben die Reformation, wie du sie ja gut beschreibst, denn ansonsten könnte man auch aus der Bibel ziemlich viele Grausamkeiten und Absolutheiten herauslesen, wenn man denn wollte udn wie es ja auch passiert ist in früheren Zeiten. Dehslab halte ich es generell für schlimm, wenn Bücher, die vor tausenden von Jahren im Kontext ihrer Zeit verfasst wurden und deren Lehre auch heute Millionen Menschen folgen, nicht in die aktuelle Zeit übertragen werden, die mit der damaligen nichts mehr gemein hat.
      Natürlich kann ich lange und differenzierte Kommentare aushalten, auch wenn sie mir nicht in allen Punkten recht geben. Das gleiche nehme ich mir ja auch heraus und durchaus auch bisweilen, aus Gründen der Plakativität zu pauschalisieren und damit zu polarisieren - auch vor den Hintergrund des Wissens, dass es nicht faktisch korrekt ist, zu Pauschalisieren. ;-)

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    4. Liebe Katja,
      d'accord!
      Ich möchte dir noch sagen, dass meine Freude über und meine Bewunderung für deinen unverwechselbaren Stil, deine beeindruckenden Arbeiten, deine sauleckeren Rezepte und deinen Ideenreichtum (ach, und überhaupt für deine so eigenständige und mutige Lebensart) sich viel zu selten in Form (kürzerer!) Kommentare hier niederschlägt, einfach weil immer schon so eine lange Latte gehaltvoller Anmerkungen dasteht, dass ich es auch nicht mehr besser sagen könnte...
      Danke für diesen kleinen Diskurs, es bleibt ein spannendes Thema.
      Brigitte

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  18. ich schliesse mich gerne Brigitte an - vielen Dank für deine Worte.
    Ich versuche mal meine Gedanken nieder zu schreiben - obwohl das Deutsch nicht meine Muttersprache ist (ich hoffe ihr versteht mich trotzdem :-) ).
    Als Christ glaube ich, dass Jesus mich erlöst hat, weil er mich (uns Menschen) so sehr liebt. Gott hat uns als denkende Menschen geschaffen, das heißt wir sind frei zu entscheiden zwischen gut und böse. Da ich nicht immer nur gutes tue, brauche ich Jesus. Wir sprechen oft über Religion. Aber Gott mag keine Religion er möchte eine Beziehung mit uns. Das siehst du schon im ersten Kapitel der Bibel: Gott spazierte mit Adam durch dem Paradies. Die Beziehung ist wunderbar und fängt schon jetzt auf Erde an und hört nicht auf wenn wir sterben. Sie geht im Himmel weiter! Jesus hat gesagt: Ich bin der Weg, die Warheit und das Leben. Ich glaube, das heißt wenn ich seinen Weg gehe und seine Wahrheit glaube, habe ich ewiges Leben (im Himmel). Und das heißt auch, dass wer seinen Weg nicht geht und seine Wahrheit nicht glaubt kein ewiges Leben hat (also nicht im Himmel sein wird).
    Für mich bedeutet das, dass nicht jeder religiöser" Mensch im Himmel kommt. Nur der, der Jesus nachfolgst.
    Und jetzt habe ich doch ganz viel geschrieben - obwohl ich noch viel mehr dazu sagen könnte, höre ich hier auf.
    Ganz liebe Gruss, Marina.

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    1. Aber siehst du, auf genau das berufen sich islamistische Terrorregime auch, weil es so auch im Koran stehen soll (den habe ich nicht gelesen, kenne also den Wortlaut nicht sicher, aber es wird vielerorts so zitiert) - wer Mohammeds Weg nicht nachfolgt, gelangt nicht ins Paradies. Das würde diejenigen einschließen, die Jesus nachfolgen... und auf dieses Paradoxon bezieht sich mein Ausgangsgedanke.

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  19. Liebe Katja,
    da hast du mal wirklich ganz wahre Worte geschrieben. Egal welcher religiöser Gemeinschaft man angehört, immer wieder streben die oberen derselbigen nach Macht. Und die Gläubigen glauben den Worten und kuschen. Meist ohne selbst darüber nachzudenken oder sich eine eigene Meingung zu bilden.
    So lange es noch überall den Klerus gibt (ich nenn es einfach mal für alle Religionen so, die sich für die Absolute Religion halten) wird sich wohl wenig bewegen in dieser Welt.
    Aber jeder sollte selbst bei sich anfangen und seine Mitmenschen und den Ort auf dem wir leben respektieren und tolerieren.

    Liebe Grüße
    Gusta

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  20. Das Problem ist, dass du schreibst "die Christen", "die Muslime", "die Juden" glauben XY. Ich denke darum bekommst du hier so viel gut gemeinte Kritik. Erstens ist das, was du da beschreibst eben nicht der christliche Glaube (beim Rest kenne ich mich nicht aus) und zweitens komme ich persönlich als gläubige Christin leider nicht so gut weg. Getoppt von Kommentaren unter deinem Post, die Religion als sinnlos erachten, eben weil sie nur das kennen was sie aus den Medien und dem bisschen Religionsunterricht über Religion wissen.
    (Was jetzt irgendwie auch eine doofe Verallgemeinerung von mir ist ) mich stört am meisten, dass alle Gläubigen hier naiv und blind dargestellt werden. Klar, dass hier Emotionen hochkommen. Trotzdem lese ich deinen Blog gerne und auch weiterhin. Man ist eben nicht immer einer Meinung ;-)
    Schönes Wochenende! Regina

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    1. Liebe Regina,
      wie ich ja ein ganz kleines Stück weiter oben bereits schrieb, benötigt es manchmal etwas Pauschalisierung, um einen Grundgedanken verständlich zu machen. Was mich jetzt allerdings etwas irritiert ist die Frage, durch was genau du dich bei dem von mir Geschriebenen nicht gut weggekommen fühlst. Dass ich geschrieben habe, dass Christen an das Himmelreich glauben? Naiv und blind habe ich nirgends geschrieben.
      Im übrigen ist es auch eine Frage der Toleranz, ob ich als Gläubiger - egal welcher Religion - aushalten kann, dass andere nicht glauben, als ihr gutes Recht und ihren Weg und behaupten, der Glaube ist eben - eine reine Glaubenssache. Wir reden hier immerhin über Dinge, die genausowenig faktisch belegbar sind wie Homöopathie oder Esoterik und die nur davon leben, dass Menschen etwas glauben oder eben nicht. Da die göttliche Existenz sich nicht auf Beweise gründet, sondern nur auf Annahmen, muss es also auch Menschen gestattet sein, nicht zu glauben. Wenn du stark bist in deinem eigenen Glauben, dann sollte dich das aber nicht erschüttern können, oder nicht?

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    2. Der Glaube lebt wie du sagst von denen, die glauben. Die Glaubensgrundlagen, auf die wir uns berufen, können falsch ausgelegt und missbraucht werden. Aber das Problem in unserer Gesellschaft ist gefährliches Halbwissen und Vorurteile. Und in der christlichen Theologie ist das Paradies kein Ort, sondern ein Zustand über den man noch nicht viel weiß, nur dass das was du beschreibst falsch ist! Und wenn man sich im öffentlichen Raum zu so etwas äußert sollte man eben ganz genau Bescheid wissen. Halbwissen ist wie gesagt keine gute Grundlage. Ich kann dir nichts über Paradiesvorstellungen der anderen Religionen sagen, weil ich mich da erst einlesen müsste und somit würde ich niemals diese Religionen als fehlerhaft darstellen. Du hast leider bloß Vorurteile, die man im so nebenbei aufschnappt aneinander gereiht und jeder Gläubige ist verpflichtet sich dagegen zu wehren und richtig zu stellen, was richtig gestellt werden sollte. Falsche Eindrücke und Informationen richtig zu stellen, sehe ich als meine Aufgabe als Gläubige an. Unser Gott belohnt keine Verbrecher mit dem Paradies und unser Leben auf der Erde ist ganz als Nachfolge Jesu zu verstehen. Das heißt: Güte, Nächstenliebe, Vertrauen und Hilfsbereitschaft. Was wir daraus machen, da hast du voll und ganz Recht, ist meistens das Gegenteil! Vielleicht habe ich das auch falsch verstanden und mich deswegen kritisiert gefühlt. Weil ich auch sehe was in der Realität so vorgeht. Mir hat mal jemand gesagt:
      "Wenn Gott allmächtig ist, ist er ein riesen A*****, aber wenn Gott gut ist, ist er nicht allmächtig und muss wahnsinnig darunter leiden, wenn er sieht, was wir aus der Freiheit, die er uns gegeben hat machen." Zweifel sind immer berechtigt und gerade im Moment angebracht. An einen allmächtigen Gott kann ich auch schon nicht mehr glauben. Und ich hoffe wie du, dass wenn es etwas wie das Paradies gibt, dass hoffentlich die ganzen Mörder und Fanatiker nicht davon profitieren.
      Schönen Abend noch :-)

      Und danke, dass du auch auf anonyme Kommentare reagierst, auf deinem Blog fühlt man sich ernst genommen!

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  21. Liebe Regina (ich nehme mal an, das bist du),

    du schreibst, dass das Paradies im christlichen Glauben (welchem davon?) kein Ort, sondern ein Zustand ist, über den man nicht viel weiß. Wenn dem so ist, wie kannst du dann mit Sicherheit sagen, dass meine Annahme falsch ist? Welche davon überhaupt? Du hast jetzt schon ein paarmal angeführt, ich würde den christlichen Glauben als fehlerhaft bezeichnen, hätte Vorurteile dagegen und der christliche Glaube würde bei mir nicht gut wegkommen, so dass du als Gläubige dich "dagegen wehren" müsstest. Ich frage dich nochmal: gegen was konkret? Gegen das, was du glaubst, was ich glaube? Ich schreibe hier meine Meinung, das was ich glaube, denn das ist mein Blog und er gibt deshalb meine Meinung wieder - das woran ich glaube, so wie du an das glaubst, was du glaubst.
    Deiner Meinung, dass man über etwas ganz genau Bescheid wissen müsse (was voraussetzt, dass etwas faktisch beweisbar ist), um sich dazu im öffentlichen Raum zu äußern, widerspreche ich. Dann dürfte sich absolut niemand zum Glauben äußern, auch du nicht, denn das, worauf er sich stützt, ist nicht belegbar. Aber ganz abgesehen vom Thema Glauben - welchem auch immer - kann sich in unserem Land jeder öffentlich äußern, wenn er meint, etwas zum Thema beizutragen zu haben - das ist das Prinzip der Meinungsfreiheit. Wer die Meinung nicht teilt, hat das Recht des Nichtzuhörens/-lesens. Nach deiner Forderung müsste jegliche Demonstation (wo sich viele Menschen äußern) - wofür oder wogegen auch immer verboten sein, ebenos wie die meisten Fernsehedokumentationen oder Zeitungsberichte - denn wer kann von sich behaupten, das absolute, unangreifbare, allumfassende Wissen zu besitzen?
    Du schreibst zum Beispiel, "euer" Gott belohnt keine Verbrecher mit dem Paradies. Es ist noch nicht lange her, da waren sich verdammt viele Verbrecher sicher, dass sie zu "eurem Gott" ins Paradies kämen (eure Gott ist ja kein anderer wie vor ein paar hundert Jahren), wenn sie nur beichten, oder einen Ablass kaufen würden. Wie kannst du dir da also so sicher sein? Hast du unanfechtbare Beweise? Gibt es nicht. Also wie kannst du dich im öffentlcihen Raum dazu äußern? Das müsste ich dich jetzt fragen, wenn ich deinen Forderungen folgen würde. Mache ich aber nicht, weil ich davon ausgehe, dass jeder das glauben darf, was er möchte, solange er damit niemand anderem Schaden zufügt.
    Mit deiner Überzeugung "jeder Gläubige ist verpflichtet sich dagegen zu wehren und richtig zu stellen, was richtig gestellt werden sollte." habe ich allerdings ein Problem. Denn damit erhebst du den Anspruch bestimmen zu können, was die Pflicht jedes Gläubigen ist. Mit welcher Legitimation? Dieser Satz unterscheidet sich nicht so wahnsinnig von den Begründungen, mit denen in Paris Menschen erschossen wurden und der Forderung nach dem Verbot von Satire in der Islamischen Welt. Nein, ich glaube (schon wieder) nicht, dass es die Pflicht von Gläubigen ist, sich dagegen zu wehren, wenn jemand etwas äußert, was ihren Glauben (schon wieder) ihrer persönlichen Überzeugung nach (noch mehr Glauben) nicht angemessen beschreibt oder darstellt. Ich glaube, dass jemand der wahrhaft glaubt, voller Güte, Nächstenliebe Toleranz, Großmut und Selbstsicherheit sein sollte, so dass er die Meinungen anderer einfach so stehen lassen kann als das was sie sind - deren Meinung. An anderer Stelle hatte ich dazu schon mal geschrieben: wenn es einen Gott gibt, dann stelle ich ihn mir genauso vor und auch, dass er sich genau das von seinen Gläubigen wünscht. Aber das ist eben nur "mein Glaube". ;-)
    Gruß, Katja

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  22. Weißt du, du schreibst eindeutige Vorurteile auf, die nichts mit dem Glauben den ich kenne und der Theologie die ich studiere zu tun haben. Es geht mir nicht um das, woran Christen glauben, das ist wie du sagst Glaubenssache, aber Vorurteile und falsche Annahmen und Äußerungen über das was wir nicht glauben, muss jeder Christ, Muslim oder Jude richtig stellen. Und es gibt in jeder Theologie eine Lehrmeinung, die immer wieder überprüft und geändert wird, wie in jeder Wissenschaft. Wenn man sich damit auseinander gesetzt hat, hat man eine Basis um sich für oder gegen einen Glauben zu entscheiden. Wenn man also schreibt: "die Christen glauben XY" sollte man die Theologie als Grundlage nehmen und nicht handelsübliche Vorurteile. Ich kann ja auch nicht behaupten, dass alle gläubigen Muslime Kopftücher tragen, weil genau dies nicht stimmt und weil ich den theologischen Hintergrund nicht kenne. Ein Blog ist immer etwas Öffentliches und Glaube und Theologie sind so sensibel. Wenn du jetzt schreiben würdest "Christen glauben nicht an Auferstehung! " wäre das auch falsch und genauso falsch sind einige deiner Äußerungen. Tut mir leid, dass ich so darauf herumhacke aber Vorurteile Halbwissen haben schon für viel Unheil auf der Welt gesorgt. Ebenso wie falsche Glaubensinterpretatiomen. Und wir Theologen kämpfen gegen diese Probleme durch unsere Arbeit an. Viele Grüße, Regina

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    1. Halbwissen hat auf unserer Welt nicht annähernd so viel Unheil gestiftet wie Intoleranz und verbohrtes Beharren auf der eigenen Weltanschauung als die einzig richtige.

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  23. Hallo Raumfee,

    es war der Bärlauch, der mich auf deine Seite geführt hat!
    Und nun hier so eine interessante  Diskussion  zu einem Thema, über das ich schon viel nachgedacht habe.
    Schon immer störte mich, dass man "religiös geboren" wird und als Kind Beeinflussungen ausgesetzt ist, gegen die man sich nicht wehren kann. Ich habe bis zur Konfirmation  (fast) alles brav mitmachen müssen  -  als junge Erwachsene bin ich dann sehr bald aus der Kirche  ausgetreten.

    Es ist oft nicht so, dass der "Nichtgläubige" Akzeptanz  seiner Haltung erwarten kann und früher hatte ich das Gefühl, dass es besser ist, seine Haltung zu Glauben, Gott und Religion  für sich zu behalten. Das sehe ich mittlerweile  ganz anders.
    Warum sollte ich mich  rechtfertigen, wenn ich etwas völlig anders sehe, als die, die (z.B.) als Christen alles mitmachen, was die Religion /Kirche  ihnen vorgibt?
    Mit Sätzen wie "Jesus liebt mich", "Gott lässt mich nicht fallen", "Jesus liebt alle" etc. kann ich überhaupt nichts anfangen. Warum sollte dies so sein, welches Interesse sollten die beiden an mir haben? Es sind in meinen Augen mantraartige Formeln, unter denen man sich alles oder nichts vorstellen kann.
    Sehr auffällig  finde ich immer wieder, wie man von den "wissenden Christen" (um bei den Christen zu bleiben) oder den "theologisch Geschulten" angegangen wird, wenn man in eine andere Richtung denkt oder einen grundsätzlich  anderen Standpunkt hat. Richtig ungemütlich  können die werden! Oft fallen da Äußerungen in ähnlicher Weise  wie auch

    "Du hast leider bloß  Vorurteile,  die man so nebenbei  aufschnappt aneinandergereiht und jeder Gläubige ist  dazu verpflichtet, sich dagegen zu wehren und richtig zu stellen, was richtig gestellt werden sollte."

    schnell kommen einem Begrifflichkeiten wie  "Halbwissen/Vorurteile" entgegen. Wie nährt man hier eigentlich  die Gewissheit?

    Wie bizarr ist das Bestreben,  anders Denkenden gegenüber etwas  "richtig stellen" zu müssen  -  das kommt stark missionarisch rüber, hier wird schlicht behauptet, der andere sei auf der "falschen Fährte"! ( Ganz  abgesehen davon, dass es überhaupt  keine Beweise beispielsweise  für  die Existenz  eines Gottes gibt.)

    Das mit der "falschen Fährte" könnte  man ebenso umgekehrt annehmen. Der Unterschied  ist nur häufig, dass umgekehrt nicht solche Missionierungen angestrebt werden (obwohl einem manchmal sehr viel auf
     der Zunge liegt).

    Dennoch interessiere ich mich sehr für Religionen und ihre Denkweisen und habe viel dazu gelesen. Klassiker ist da ja "Der Gotteswahn " von Richard Dawkins, empfehlenswert  auch "Der Herr ist kein Hirte" von Christopher Hitchens und ganz besonders Bücher von Michael  Schmidt-Salomom (Evolutionärer Humanismus, Giordano Bruno Stiftung ) - gerade spicke ich sein "Jenseits von Gut und Böse " mit bunten Klebemarkern.
    Bemerkenswert in diesen Zusammenhängen ist das vielbändige Werk "Kriminalgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner - jeweils zu den Epochen  der Geschichte  ( Frühzeit, Spätantike, Die frühe Kirche ....)

    Nur ein paar Beispiele  als Empfehlung.

    In diesem Sinne: "Read more that ohne book!"

    Es grüßt herzlich, Margit



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    1. Vielen Dank für deine Meinung.
      Vieles was du schreibst, empfinde ich sehr ähnlich. Es ist für mich bizarr, wenn jemand die Richtigstellung von Fakten für etwas einfordert, das gar nicht faktisch beweisbar ist. Und selbst wenn es das wäre, hätte trotzdem noch jeder das Recht, es für sich anders zu sehen und sich anders darüber zu äußern. Toleranz Andersdenkender ist komischerweise unter den vermeintlich moralisch weniger gebildeten und "ungläubigen" Menschen verbreiteter als unter denen, die von sich selbst sagen, moralisches Handeln stünde für sie an erster Stelle (egal welcher Überzeugung, Ernährungsweise, Philosophie oder welchen Glaubens). Inwiefern das primär diejenigen betrifft, die sich im WWW zu diesen Themen äußern, oder einen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung darstellt, kann ich nicht sagen.
      Und ja, es macht immer Sinn, so viel wie möglich zu lesen, um sich (eine Meinung) zu bilden. Indofern danke für deine interessanten Buchtips - einige werden sicherlich auch bald hier landen.

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  25. Dann halt auf deutsch (englisch kommen merkwürdige Wörter):

    Lest mehr als ein Buch.

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  26. Zu Michael Schmidt-Salomom findest du auch etwas bei Pin, auch 2 Videos - wenn du Interesse hast.
    Lg, M.

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!