Dienstag, 18. November 2014

Astnotizen.

Kommt ihr mit leeren Händen aus dem Wald zurück? Es gibt ja sehr gut zivilisierte Menschen, die gehen nur nach draußen, um dort spazieren zu gehen, aber sie verspüren keinerlei Drang alles Mögliche vom Boden aufzuheben und heimzutragen. Wenn sie etwas Schönes haben möchten, dann kaufen sie es einfach. Und dann gibt es die anderen. An denen ist die Evolution in gewissen Bereichen irgendwie gescheitert, die fühlen sich bei fast jedem Wetter draußen wohler als drin, ziehen den Wald und die Stille jeder Bar und Stadtgeräuschkulisse vor und können das Jagen und Sammeln, das Wühlen in der Erde und das Herstellen von Dingen einfach nicht lassen. Der urzeitlich-archaische Genpool ist in manchen Menschen wohl hartnäckiger als in anderen und verweigert sich jeder fortschrittsgerechten Mutation und Aberziehungsmaßnahme. Er lacht sich über Darwin ins Fäustchen und zwingt uns im voll digitalisierten Onlineshopping-Zeitalter im herbstlichen Wald in Pilzjagdfieber auszubrechen, Stöcke aufzuheben, Beeren zu pflücken und Moos, Zapfen und Blätter in unsere Taschen zu stopfen. So ist das nämlich. Ich kann nichts dafür, die Gene sind schuld.




Dann wird sie nach Hause getragen, die Beute aus dem Wald. Und dann liegen da auch noch all die angefangenen und nie vollgeschriebenen Schulhefte des Kindes aus vier Klassenjahren. Hebt man sowas auf? Die ersten Schreibübungen schon, aber der Rest? Und was ist mit all den unbeschriebenen Seiten? Einfach ins Altpapier? Das gibt doch noch prima Notizzettel. Und damit die nicht überall rumfliegen und dann auch nie da sind, wo man sie sucht und braucht, benötigt man auch noch einen Halter für die Notizzettel. Ah... genau... da kommen jetzt die Äste ins Spiel.



Man benötigt:

° einen schönen Ast (Treibholz wäre toll, dann spart man sich das Entrinden und Schleifen)
° unbeschriebene Heftseiten aus alten Schulheften
° 2 Stück Buchringe (Bastelladen), 2 Schrauben
° Schleifpapier 60er und 100er Körnung
° Schnitzmesser, Cutter, Lineal, Locher, Bohrmaschine mit 4mm-Bohrer, zwei Schrauben, Schraubendreher

So hab ich´s gemacht:

Die Äste mit einer Säge oder durch Brechen auf die richtige Länge bringen, dann die Rinde mit einem Messer abschälen. Den Ast mit Schleifpapier glätten. Ausprobieren, wie er am besten aufliegt. Im Bereich des späteren Notizzettelblocks sollte er etwas vorgewölbt sein, da sonst nach dem Festschrauben am Untergrund die Ringe schräg klemmen. Den Ast an zwei aufliegenden Stellen mit der Bohrmaschine durchbohren (4mm) und die Bohrlöcher ansenken.
Die unbenutzten Seiten aus den Heften herausreissen und mit einem Papierschneider (oder Lineal und Cutter) auf das gewünschte Maß bringen. Bei mir ist das etwas weniger als DIN A6. Alle Zettel möglichst gleichmäßig lochen.
Die Buchringe durch die Notizzettellochungen führen und auf den Ast auffädeln. Den Ast mit zwei Schrauben am Untergrund festschrauben. Darauf achten, dass die Ringe nicht festklemmen. Wenn der Ast an der Wand montiert werden soll, mit der Bohrmaschine Löcher vorbohren und Dübel benutzen. Beim Festschrauben auf Holz entfällt das.
Wenn die Zettel aufgebraucht sind, einfach die Ringe öffnen und neue Notizzettel anbringen.
Sollte ich jetzt noch jemals einen Notizzettel suchen, dann... bin ich selber Schuld.




Mehr Upcycling-Projekte von mir findet ihr > hier.
Ihr braucht Ideen für Adventskalender? Dann schaut doch mal > dort.
Meine Astnotizen wandern heute auch noch zum Creadienstag.
Astnotizen, Notizzettel, Notizzettelhalter aus Ast, Upcycling, Redesign, D.I.Y., Basteln mit Naturmaterialien, Notizzettel aus alten Schulheften

Kommentare:

  1. Wie toll! So einfach und so schlicht und so toll. Ja, ich bringe auch immer alles mögliche von draußen mit, aber ich habe so viel Respekt vor der Bohrmaschine... die Tür hätte ich wahrscheinlich nicht durchbohrt, aber genau da braucht man ja den Block.
    Und Buchringe sind sowieso das allerbeste! Danke für diese schöne Idee
    Grüße von Michaela

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  2. Das ist so schön! Es beeindruckt mich immer wieder, wie man aus einem einfachen, alltäglichen Stück Natur so ein wirkungsvolles (und nützliches!) Objekt schaffen kann. Danke für diese super Inspiration :-) Maral von "Mach mal"

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  3. also, wenn da sowas tolles draus wird, kann man alles nach hause tragen, was man findet! bei uns kommen die äste, dank dem paulahund, allerdings selten in verwertbarer form an. ;)
    herzliche grüße
    die frau s.

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  4. Toll! Gefällt mir unheimlich gut!
    Schöne Grüße
    Jutta

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  5. puh, miserabel zivilisiert bin ich, so betrachtet. hier hängt ein ganz ähnlicher und an ihm baumeln meine christbaumkugelköpfe vom vorigen jahr. mit schreibzweck veröst das ganze aber bei dir noch viel tausendmale verlockender. herrje, ich muss in den wald!

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  6. Hihi.... das ist gut, das hab ich von der Seite noch gar nicht betrachtet. Auch ich hab dieses Gen..... Ich glaub ich bin noch nie ausm Wald gekommen und hab nicht wenigstens ein klitzekleines Tannenzäpfchen irgendwo in die letzte Hosentaschenecke gestopft. Ehrlicherweise hab ich meist den halben Wald mit ihm Gepäck. Von manchem trennt man sich, manches wird gehütet wie ein Schatz um es Jahre später vielleicht wieder für irgendein Projekt hervorzukramen.....

    Dein "Projekt" gefällt mir unglaublich gut. So edel, schlicht und fein. Das mag ich. Vor allem durch das Entfernen der Rinde wirkt es so.... Total toll... das werd ich mir merken :-)

    LG
    Pamy

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  7. Aaarghh.. Katja!! Sag jetzt bitte nicht, Du hast diese wundervolle Tür angebohrt.. es schaut ganz so aus... grins schief!! Ähem.. entschuldige bitte, aber das war meine erste Reaktion.. Ich habe auch dieses Gen. Mein Göttergatte und meine Jungs auch, wir sind tatsächlich eine Familie von Jägern und Sammlern (okay, das mit dem Jagen sei nur so gesagt!). Ich habe einen ganzen Stockhaufen im Garten und versuche auch immer ihn mit meinen Projekten klein zu halten. Deine Idee mit den Astnotizen kommt auf meine To-Do-Liste.. sehr, sehr schön! Schlicht und edel! Wie ich es gerne mag! Hab' Dank! Herzlichst, Nicole

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  8. Ooooh jaa, da kenne ich : jagen und sammeln!!! Nicht schöneres.
    Deine DIY ist fantastisch und soooo edel schlicht.

    Greetings & Love
    Ines

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  9. So einfach kann es sein - wenn man kreativ ist! Toll!!!

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  10. Oh ja !!! Ich habe selbst beim Joggen meist ein Blümchen, Ästchen oder Früchtchen in der Hand :-)
    Deine Idee ist grandios, liebe Katja und wieder einmal so wunderschön ästhetisch umgesetzt !!! Ganz herzliche Grüsse , helga

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  11. Astreine Idee. Und sie fügt sich so schön in die Umgebung. Der Ast wirkt so handschmeichlerisch weich, dass man ihn unbedingt berühren möchte. Gefaällt mir sehr! Liebe Grüße, Wiebke

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  12. Herrlich und wundertoll! Das ist so ein toller Notizblock, den ich gerne nachbasteln werde, obwohl ich eher zu den von Dir erwähnten gut zivilisierten Menschen gehöre, die wohl einfach nur zu unkreativ sind, um auf sowas Geniales zu kommen. ;) Wird nachgemacht und beim nächsten Strandspaziergang werden die Augen nach passendem Treibholz aufgehalten.
    Liebe Grüße.
    P.S. Der viele Knoblauch ist nicht so dolle. Erst recht nicht, wenn man jungen nimmt. :D

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  13. Sieht supertoll aus! Das glänzende Metall mit dem hellen Holz! Ich sammle ja auch viel und gerne, aber oft hapert es bei mir an den Ideen!
    Lieben Gruß
    Gabi

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  14. Ein Blick in deine Wohnung beweißt, dass du in keinster Weise *vermüllst*, sondern dein Sammeltrieb die Wohnung nur noch mehr hübscht. Zudem super praktisch: wer braucht nicht ständig einen Notizzettel...
    Und zu deinen Naturgenen... tja, lächelnd erfreue ich mich daran, wie du sie in die nächste Generation weitergibst!!

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  15. Wunderschöne Idee!!
    Ich bin begeistert.
    liebe grüße Brigitte

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  16. Ahhh...dieses Stück Natur hast du also so eifrig bearbeitet...;-). Äste werden hier vom Nachwuchs auch gern bearbeitet...und ich suche danach mein bestes Küchenmesser...So etwas Schönes wie bei dir ist aber da noch nicht herausgekommen...man übt noch...;-). LG Lotta.

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  17. sehr schöne beute! ast mit gedächtnis ...

    liebe grüße . tabea

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  18. wunderbar..., die ewigkeiten der evolution lassen sich durch so ein paar millisekunden industrie- und konsumgesellschaft eben nicht wegdrücken ;-). ich habe auch immer die taschen voll und morgen schleppe ich wieder einen ganzen beutel voller beuteschätze mit in die schule (für die großen, die erzieher werden). lieben gruß ghislana

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  19. Unglaublich --- wunderbar!
    Manchmal habe nicht mal ich Worte für so eine grandiose Idee.
    Ich guck jetzt weiter - die Bilder - nochmals und nochmals!

    Herzliebst,
    Steph

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  20. Hihi...."Es gibt ja sehr gut zivilisierte Menschen, die gehen nur nach draußen, um dort spazieren zu gehen...." Zu denen gehöre ich nicht :-D
    Bei mir kommt auch immer irgendwas mit nach Hause. Und deine Idee ist einfach super!
    Liebe Grüße

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  21. eine typisch fabelhafte raumfee-idee! erfinde bitte noch den stiftehalter/-aufhänger dazu, denn die verschwinden hier immer! danke.

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  22. meine Gene sind - zumindest teilweise - auch noch urzeitlich (deine Beschreibung hat mir gerade ein breites Grinsen ins Morgenkaffee-Gesicht gezaubert)
    im Wald hält sich das meist in Grenzen, aber ganz schlimm wird es am Meer ;-)

    und die Ast-Idee finde ich zauberhaft - dekorativ und nützlich zugleich
    ich vermute, das Schälen kostet ein bisschen Zeit, ist aber sicher sehr meditativ

    lieben Gruß
    Uta

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  23. So geht es mir auch. Ich merke gar nicht, wie bunte Blätter in meine Hand und Kastanien in meine Tasche wandern. Und mein Sohn braucht immer einen Stock in der Hand. Der Notiz-Ast ist wunderschön.

    Liebe Grüße
    Manja

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  24. Wunderschöne Idee!
    Ich bin auch so eine, die mit ganz viel Gedöns aus dem Wald nach Hause kommt ☺
    Und mein Schatz fragt mich jedesmal, was ich mit Zeugs will.....doofe Frage, gell?
    Verdekorieren, was sonst ...☺
    Herzliche Grüße zu dir
    Ulli

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  25. Oh sieht das toll aus ! Eine wirklich grandiose Idee.
    Liebe Grüße von einer die auch nie ohne Naturbeute
    aus dem Wald kommt :)

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  26. unser auto sieht aus, wie ein transporter vom waldarbeiter, meine taschen, wie volgestopfte hamsterbacken, meine taschen eine mischung vom beiden. aber jetzt bin ich beruhigt! ich kann ja nichts für, es sind die gene! und hätten wir die nicht, würde nicht so großartiges dabei rauskommen, wie dein notizhalter. also, behalten wir sie, gene und naturgaben. lg, éva

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  27. Liebe Katja,

    zum Glück hab ich mich heute Abend mal wieder an den PC gesetzt und deinen tollen Blog entdeckt! Ich bleib grad mal als Leserin hier gell :-). Der ZettelAst ist ja mal klasse würde ich genau so übernehmen.. hach schööööön. So ich stöbern weiter.

    Glg von Sissi

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!