Dienstag, 23. September 2014

Septembertisch . Der sommerliche Abschied

Ich liebe den Frühling, der sich mit einer so unbändigen Kraft und Energie emporreckt, ausdehnt und die Natur immer größer, grüner und lebendiger werden lässt, voll mit überschäumender, fetter Lebensfreude und Zuversicht. Der Sommer ist im besten Falle warm und saftig, doch wenn er mit seiner glühenden Hitze die Natur verbrennt und jeden Schritt zu einer schweißtreibenden Angelegenheit macht, bin ich mit ihm nicht wirklich so gut Freund. 
Aber dann kommt der Herbst mit seinem Nebel, der morgens wie ein watteweicher, fliessender Teppich über den taunassen Wiesen liegt. Er pfeift mir mit seinem Wind um Nase und Ohren, pustet den vollen Kopf frei und wirbelt die bunten Blätter von den Bäumen, den Drachen in die Luft und gibt mir den Atem zurück, den der Sommer mir genommen hatte. Vor allem aber schiebt er die Natur noch einmal kräftig an, so dass sie ein letztes Mal ihr Bestes gibt. Der Wald ist voll mit Pilzen und Beeren, die Bäume biegen sich unter Äpfeln, Birnen, Quitten und Zwetschgen, die Marktwagen unter Gemüse und Kürbissen und drumherum kleidet sich die Natur in die leuchtendsten Farben, als würde sie wie ein großes Feuer noch einmal hoch auflodern, bevor sie zum Winter hin erlischt. Diese letzte Fülle möchte ich immer festhalten, mich daran besaufen, sie bis zum letzten Tropfen auskosten... um dieses pralle Leben in meinem Kopf zu bewahren und hinüberzuretten über den grauen Winter, bis es endlich wieder Frühling wird.





Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird lesen, wachen, lange Briefe schreiben
und wird auf den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)






Die letzte Fülle auf meinem Tisch (mit einigen Bekannten):

Goldrute, Rainfarn, wilder Dill, lila Storchschnabel, Amaranth, Pfefferminze, wilde Astern, Traubenkirsche, Melde, Blutweiderich, Flockenblume, Schlehenfrüchte, Trichterwinde, Schafgarbe

Der große Krug ist vom Flohmarkt und der übriggebliebene Teil eines Waschgeschirrs von ca. 1920.
 
Viele verschiedene Monatsansichten versammelt auch im August  Tabea zum 12tel Blick bei sich.
Meine anderen Monatstische findet ihr  > hier.


Januar ° Februar ° März
April ° Mai ° Juni
Juli ° August  ° September

(Ein Klick auf den Monat führt euch zum entsprechenden Post) 

Monatstische, Jahresprojekt, 12tel-Blick, saisonaler Blumenschmuck, Wildblumenstrauß, Traubenkirsche, Blutweiderich, Goldrute, Dill, Melde, Storchschnabel, Flockenblume, Rainfarn

Kommentare:

  1. Ich kann gar nicht sagen, was mir mehr gefallen hat in deinem heutigen Post, die Fotos oder der Text. Es war wohl beides, das mich angerührt hat. Danke! Martina

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  2. Floristin hättest du auch problemlos werden können, oder? Zumindest so eine Art supercool-hippe (schreibt man das so?) Alternativ-Floristin. Ich würde mein Grünzeug jedenfalls bei dir kaufen ;)!

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  3. Wunder, wunder, wunderschöner Strauß, liebe Katja!! Und noch immer sind keine Kissen da.. lach!! Herr Rilke ist auch einer meiner Lieblingsdichter... freu!!
    Und ich hab da mal 'ne Frage: Darf ich Dein In heaven-Bild kopieren und bei mir als Aktion-Bild auf die rechte Seite stellen??
    Herzlichst, Nicole

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  4. liebe katja, schön hast du das beschrieben und wenn ich rilke glauben mag, werde ich wohl in der nächsten zeit "lesen, wachen, lange Briefe schreiben". eigentlich kein schlechter plan ... liebe grüße, wiebke

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    1. du hast recht, schlafen wäre wohl die bessere wahl. also hoffe ich auf entspannte herbstmonate (mit gesundem kind und arbeitsbergen die zu bewältigen sind ...)

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  5. Es ist Zeit- für lange Briefe-schreiben, es ist Zeit zum Lesen wie Rilke sagt- und für still-zu-werden mit der Natur-wie ich sage.
    Ein wunderbarer Post mit dem tollen Gedicht und einem phantastischen Herbststrauss von Dir. Ich freue mich immer wieder bei Dir zu lesen und zu Staunen über Deine < so gut in Worte- bringende< Zeilen. :)
    Gruß von
    heiDE

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  6. Schlicht - berührend - schön!
    Wann darf ich Platz nehmen ;-)?

    Es grüßt Dich herzlichst,
    Steph

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  7. Den letzten Satz unterstreiche ich dick! Und mit Rilke fange ich an zu schnurren ;)

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  8. reich und üppig geht er zu Ende… Winter ist es noch laaange nicht!
    liebe Grüsse!

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  9. jaaa...., die Zeit der Fülle, er ist so schön der Herbst, aufsaugen die Früchte der Sommerglut für die kalten Tage des Rückzugs... Lieben Gruß Ghislana

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  10. Du hast echt hübsche Lampen! Die sind mir noch nie aufgefallen... und Deine Tische, egal von welchem Monat, sind einfach bezaubernd. Hach. : )

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  11. Oh, ich liebe deine Monatstische, liebe Katja, und deine Texte !!!
    Dein Herbststrauss ist wunderbar, farbenprächtig und üppig...so schön !!!
    Ganz herzliche Grüsse, helga

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  12. ach, der herbst, mein allerliebster.
    fast unglaublich, was er noch an leben zu bieten hat.

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  13. so prall wie der herbst ist auch dein strauß, farbenfroh und opulent!
    ich mag ihn auch , bin aber eher ein frühlingskind, das nach dem langen, dunklen, kalten winter große freude beim wiedererwachen der natur empfindet. aber der herbst darf gerne bis in den dezember dauern!!
    liebe grüße, mano

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  14. Wieder ein wunderbarer Monatstisch.
    Wieder so wunderbar geschrieben.
    Wieder die wunderbare Raumfee.
    Wieder wunderbare Grüße, Kerstin

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  15. Wow, was für ein üppiger Strauss! Da hst du aber noch einmal alles eingesammelt, was der Sommer noch übrig gelassen hat ;-) Wunderschön!
    GLG Johanna

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  16. Toll und ich sag HALLO HERBST!
    Viel Freude mit deinem wunderbaren Herbststrauss wünsch ich dir.

    Liebe Grüsse
    Kuhmagda

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  17. Ein wundervoller Strauß und ein wirklich wundervolles Gedicht dazu. Das musste ich in der Schule mal auswendig lernen. Danke das Du mich daran erinnert hast!

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  18. Ich liebe dieses Rilke Gedicht! Und ich liebe es, in einem Klima zu leben,das vier Jahreszeiten und immer auch noch was dazwischen hat. Ich kann noch nicht mal sagen, welche mir die liebste ist. Es ist schön, die Jahreszeiten ganz sinnlich zu erleben, Kargheit und aufbrechendes Leben, pulsierende Zeiten und die Fülle, alles wahrzunehmen, macht dankbar und froh.
    Deine Tisch-verwandel-Bilder sind eine schöne Sammlung...
    "Frühling voller Leben ist, Sommer schäumend überfließt, Herbst ist die Fülle, Winter die Stille." heißt es in einem Kanon, der alle vier sehr schön zusammen fasst.
    Herzliche Grüße, JULE

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  19. Wow, was ein Strauß. Eine Ode an den Spätsommer!!! Der gefällt mir so richtig gut!
    Liebe Grüße. ;)

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!