Mittwoch, 10. September 2014

Muh.

Ich mag Kühe. Hatte ich das schon mal erwähnt? Besonders mag ich die Schumpen, wie die jungen weiblichen Kühe im Allgäu heißen. Dort sind sie einfach überall, sobald man auf mindestens 800m über Meereshöhe ist und das ist im Allgäu also quasi überall. Während die Milchkühe oft in Hofnähe gehalten werden, bevölkern die Jungkühe alle anderen Wiesen, auch die ganz hoch oben bis auf 2000 Meter. Sie bocken ausgelassen über die Alpwiesen, dass man vor Schreck gar nicht hinschauen möchte so nah am Abgrund, sie kratzen sich gegenseitig den Rücken, die kuscheln sich zusammen beim Schlafen, sie rangeln miteinander um die Hierarchie in der Herde und fressen sich an den Almkräutern die Bäuche rund. Wählerisch sind sie bei der Auswahl der Kräutlein die sie mögen und derer, die sie verschmähen. Neugierig kommen sie angetrottet, wenn man beim Wandern ihre Weiden überquert. Dann schauen sie dich mit diesen unglaublich schönen Plüschaugen an, schlenken ihre großen Ohren, prusten dir vor den Bauch und lecken dir mit ihrer Sandpapierzunge über die Hände, bevor sie den Kopf senken, um sich zwischen den Hörnern kraulen zu lassen.








Ich glaube, sie sind sehr glücklich, die Schumpen im Allgäu - zumindest bevor auch für sie der Ernst des Lebens beginnt. 
Seit ich gesehen habe, wie sozial, lebenslustig und neugierig Kühe sind, wenn sie gemeinsam auf der Weide leben können, mag ich nicht mehr durch meinen Einkauf dafür verantwortlich sein, dass sie in Massenställen auf Spaltenböden leben müssen, ihrer Hörner beraubt werden und vergorenen Mais und Sojabohnen fressen. Manches muss man erst sehen, um zu wissen, was man nicht mehr will. Eine Kuh muss Hörner haben, auf der Wiese leben und Gras fressen.
Die Schumpen rund um unser Urlaubsdomizil in Rückholz und die Milchkühe der örtlichen Käserei Lipp leben auf der Weide und dürfen ihre Hörner behalten. Inzwischen hat es sich rumgesprochen, dass Kuhhörner nicht nur entbehrlicher Kopfzierrat, sondern ein Stoffwechselorgan sind und dass das nicht nur eine Erfindung irgendwelcher abgedrehten Ökofreaks ist. Leider ändert das vielerorts trotzdem nichts - Kühe mit Hörnern sind halt unpraktisch bei der Massenstallhaltung...

Ich finde: So muss eine Kuh aussehen und so soll sie leben dürfen.
Massentierhaltung, Kühe auf der Weide, Alpvieh, Allgäu, Jungvieh, Jungkühe

Kommentare:

  1. Liebe Katja
    Was für ein schöner und wertvoller Post! Ich liebe Kühe und freue mich auch jedes Mal, wenn ich artgerecht gehaltene Tiere beobachten darf. Grandios ist das immer und erschreckend, dass es keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
    Vielleicht interessiert dich folgender Link (schweizerdeutsch): http://www.srf.ch/sendungen/doppelpunkt/martin-ott-der-mit-den-kuehen-spricht
    Liebe Grüsse, Martina

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Katja,
    Deinen Post habe ich gerade an meinen Mann weitergeleitet. Wir sind seinerzeit nicht nur auf Bio-Lebensmittel umgestiegen, weil wir diese ganzen Zusatzstoffe nicht mehr essen wollte und Bio einfach besser schmeckt. Auch weil uns wichtig ist, WIE z.B. die Tiere vorher leben konnten. Artgerecht und mit Würde. Martina hat es schön ausgedrückt, Dein Post ist schön und wertvoll. Man sieht doch so manches mit anderen Augen, wenn man sich die Mühe macht, mal genauer hinzusehen.

    Liebe Grüße
    Birgit

    AntwortenLöschen
  3. In der griechischen Mythologie wird Hera auch als die *Kuhäugige*bezeichnet - Wächterin über Fruchtbarkeit und Sexualität. Sie hätte heutzutage vermutlich mindestens genauso viel zu tun...

    Ich mag Kühe auch sehr. Auch als leidenschaftliche Milch- und Buttergenießerin...

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Katja, mich erinnert dein Post an einen Kindergartenausflug von vor wenigen Jahren, den ich wegen der kleinen Herren mit machte. Wir besichtigten einen Bauernhof, auf dem in erster Linie Rinder gehalten wurden. Was ich dort zu sehen bakam, raubte mir den Atem und sorgte lange Zeit für totales Entsetzen. Die Tiere waren kommplett verdeckt - eingekotet von Hals abwärts. Es herrschten Zustände dort, wie ich sie aus den ärmlichsten gegenden meiner alten Heimat her nicht kenne. Sogar meine kleinen Kinder waren geschockt. In der Türkei ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber die Kühe gehören sicherlich zu den glücklichen ihrer Art.
    Herzliche Grüße, M.

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Katja, das unterschreibe ich sofort: so muss eine Kuh leben dürfen. Den Begriff "Schumpen" kannte ich gar nicht. Das habe ich gelernt und finde es spannend, dass Hörner wichtig sind für den Stoffwechsel. Schade, dass wir Menschen keine haben, könnte die gut gebrauchen, nicht nur für den Stoffwechsel. Aber noch einmal zu den Kühen. Vegetarierin zu werden oder sogar Veganerin kann ich mir nicht vorstellen, aber ich will nur Fleisch und Milch von Tieren, die ein gutes Leben hatten. Das - finde ich - sind wir ihnen schuldig. Liebe Grüße Uta

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Katja,
    Danke für diesen Post.
    Wieder etwas gelernt, den Ausdruck Schumpen kannte ich nicht und wusste auch
    nicht das die Hörner für den Stoffwechsel gut sind.
    Ich gestehe, ich bin kein Vegetarier und möchte auch nicht ganz auf Fleisch verzichten. Wenn man aber darauf achtet wo man das Fleisch kauft und 1 bis 2 Tage
    in der Woche darauf verzichtet, ist der Tierwelt auch sehr geholfen. Aber wie alles hat auch das einen Haken, es müsste jeder Haushalt so verfahren.
    Liebe Grüße, Kerstin

    AntwortenLöschen
  7. Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe.
    Sorry, diesen Spruch konnte ich mir nicht verkneifen, liebe Katja.. grins!!
    Ich kann Dir nur aus ganzem Herzen zu stimmen, Kühe sind toll und verdienen eine natürliche Haltung. Was mich sehr traurig macht (auch noch bei Biobauern der Milchwirtschaft) ist, dass die Kälbchen in die Boxen müssen.. Ein so bedauernswerter Anblick: Kind und Mutter voneinander getrennt.. mmpf!!
    Herzliche Grüße, Nicole

    AntwortenLöschen
  8. ganz genau das finde ich auch.
    ich mag sie auch, die kühe, zugleich habe ich aber doch etwas respekt vor ihnen.
    so, wie du die begegnung beschreibst, sollte ich da aber vielleicht wirklich etwas mutiger sein.

    AntwortenLöschen
  9. Das sehe ich auch so :) Ich esse kein Fleisch, aber bei der Wahl von Milchprodukten gehts weiter mit der richtigen Wahl. Und das gute Gewissen lässt das alles gleich noch einmal viel besser schmecken :)

    AntwortenLöschen
  10. Ich habe vor einiger Zeit mal einen Artikel gelesen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Hornlosigkeit und Verträglichkeit von Kuhmilch, d. h. mit der Bestrebung zur Hornlosigkeit hat die Unverträglichkeit zugenommen. Außerdem scheint wohl das Wachstum des Schädels bei enthornten Kälbern sich zu unterscheiden von Schädeln von Hornträgern...warum ist hier dann die Frage...spannendes Thema...muss mal schauen, ob ich den Artikel irgendwo noch finde...Da mir hier in der Großstadt (kaum) Kühe begegnen, habe ich über dieses Thema dann nicht weiter nachgedacht...;-) LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  11. Ich mag Kühe auch sehr. Leider sind sie diesen Sommer bei uns in Österreich in Verruf gekommen, weil es drei Attacken auf den Almwegen gegeben hat und sogar eine deutsche Frau getötet wurde, was sofort zur Schlagzeile "Killerkühe in Österreich" in der Bildzeitung geführt hat. In allen Fällen waren es Mutterkühe mit ihrem Nachwuchs, die frei auf den Almwiesen herumlaufen dürfen und die natürlich das Bedürfnis hatten, ihre Jungen zu schützen, auch wenn ihnen nicht wirklich etwas gedroht hat. Außerdem glaube ich auch, dass es auch den Kühen auf die Nerven geht, wieviel mehr heutzutage auf den Almen los ist. Früher konnten sie selige ruhige Sommer mit dem Hirten dort verbringen, jetzt ist auf manchen Wegen halt die Hölle los. Leider haben die Diskussionen auch dazu geführt, dass man wieder vermehrt über das Entfernen der Hörner redet, das eigentlich schon wieder rückläufig war.
    Ursula

    AntwortenLöschen
  12. Da hast du vollkommen recht und ich bin ganz deiner Meinung, dass man gerade bei Fleisch sehr gut hinschauen sollte, wo es herkommt. Meine Tante züchtet Angus Rinder, die ebenfalls auf der Weide leben dürfen. Daher habe ich das Glück, genau zu wissen woher mein Rindfleisch kommt.
    Liebe Grüße, Dani

    AntwortenLöschen
  13. Ach, wenn ich eine Allgäukuh sehe bin ich schon glücklich. Wirklich nette und neugierige Tiere. Eine hat uns noch nicht einmal In Ruhe Pause machen lassen, weil sie so neugierig auf unsere Wasserflaschen war.

    Liebe Grüsse
    Nicole

    AntwortenLöschen
  14. Schön geschrieben <3 Auch das ist ein Grund dafür, dass ich mich vegan ernähre. Ich könnte jedes Mal heulen wenn ich an das Leid der Tiere denke, die in Massentierhaltung leben müssen ...

    Liebe Grüße,
    Susi

    AntwortenLöschen
  15. solch herrliche kühe hatten wir in dänemark auch. dort laufen sie gehörnt frei in einigen dünengegenden herum und haben sich offensichtlich auch als männliche wesen auf durchlaufende menschen eingestellt. leider habe ich nicht so schöne bilder von ihnen gemacht wie du von den allgäuer gesellen. das letzte foto ist wirklich prächtig!
    liebe grüße, mano

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!