Dienstag, 27. Mai 2014

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Was Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1773 Götz von Berlichingen über dessen Sohn sagen ließ, birgt für mich eine tiefe Wahrheit. Wenn es zentrale Themen im Leben eines Menschen gibt, dann hat dieses für mich persönlich eine ganz besondere Bedeutung. Das Leben lehrt einen vieles, in mir hat es auch die Überzeugung reifen lassen, dass besonders helles Licht auch besonders harte Schatten wirft... und umgekehrt. Während Schatten ja erst durch das Licht entsteht, bin ich davon überzeugt, dass es in der Entwicklung von Menschen oft genug genau andersherum funktioniert und dass sich primär aus besonders viel Schatten ein starkes Licht entwickelt. Von den ganz großen Köpfen in Kunst, Schriftstellerei, Philosophie, Psychologie und Wissenschaft haben sehr viele eine haarsträubende Kindheit erlebt, in der das psychische und physische "Überleben" wichtigstes Ziel war. Wer als Kind schon Techniken entwickeln musste, um nicht zugrunde zu gehen, dessen Gehirn scheint auch besonders ausgeprägte, kreative und schnelle Verbindungen auszubilden. So entstehen unglaubliche Kunstwerke, Musik, Romane, Erfindungen und Forschungen und doch... bleiben auch die Schatten auf der Seele zurück.



Die wirklich großen Köpfe unserer Welt waren deshalb oft keine einfachen, angepassten Menschen und trugen meistens große Schattenseiten ins sich, denn Licht und Schatten lagen eben schon immer eng beisammen. Vincent van Gogh schnitt sich ein Ohr ab und tötete sich ebenso selbst wie Heinrich von Kleist, Ernest Hemingway, Virginia Woolf und viele andere. Leonardo da Vinci, das größte Genie aller Zeiten, galt als einsamer Sonderling, Albert Einstein war ein Egozentriker, lausiger Ehemann, empathieloser Vater und ein Frauenverächter. Friedrich Nietzsche starb im Wahnsinn, der geniale Mathematiker John Forbes Nash litt an Schizophrenie. Die genialsten Musiker der Welt, von Jimi Hendrix bis zu Amy Winehouse, vernichteten ihr Leben und ihr großes Talent durch exzessiven Drogenkonsum. Licht und Schatten.



Licht gibt es nicht ohne Schatten und je mehr vom einen, desto mehr vom anderen. Mal gewinnt das Licht, mal der Schatten, aber wir tragen immer beide Anteile in uns. Sie beide zu würdigen als die zwei sich bedingenden Teile eines Ganzen, als Licht und Schatten, Yin und Yang und sie im Gleichgewicht zu halten - ohne Glorifizierung und ohne Verdammen - bleibt wohl eine lebenslange Aufgabe von uns allen.


Was Glück man nennt, begehre nicht!
Laß nicht vom Unglück dich ermatten!
Die farbigsten Blumen blühen im Licht,
Die duftigsten im Schatten.

(Jakob Loewenberg, 1856 - 1929)
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Kommentare:

  1. Liebe Katja,
    sehr nachdenklich hast Du heute geschrieben und toll bebildert. Genie und Wahnsinn liegen oft nur eine Haaresbreite auseinander. Maikäfer habe ich dieses Jahr noch keine gesichtet.
    herzlich Judika

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  2. Puh. Großartig.
    Vielen Dank, liebe Katja, an diese Zeilen werde ich bestimmt öfters zurückdenken,
    vielleicht helfen sie mir, in Zukunft meine Schattenängste zu verringern.
    liebe Grüße von Petra

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  3. Liebe Katja,

    das Zitat von Jakob Loewenberg spiegelt das was Du schon ganz toll berichtet hast.

    Ja, Genie und Wahnsinn liegen sehr nah beieinander wie beim großen oder besser gesagt dem größten Philosoph Nietzsche, der wohl verrückt war im "Sinn Denken "der "normalen" Menschen.

    Liebste Grüße Petra

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  4. ich denke, jeder schleppt auch ein schattenbündel mit sich herum - es kommt wohl darauf an, WIE man es trägt. viele 'genies' waren auch gute mütter und väter und haben sich nicht durch drogen oder selbstmord umgebracht, sondern sind im hohen alter im kreis der familie gestorben.
    in diesem sinne: "lass nicht vom unglück dich ermatten"!
    herzlichst, mano

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  5. Wenn man sich selbst annimmt, wie man ist, ist das mit dem Würdigen der Licht- und Schattenseiten gar nicht mehr schwer. Alles ist gut!
    Liebe Grüße. :D

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  6. Wie so oft hast du wunderbare Worte gefunden und die Bilder dazu sind wahre Kunstwerke! Auch wenn dein Text (für mich) einen melancholischen Anklang hat, macht er doch auch Hoffnung und berührt. Jetzt wünsche ich dir viel Licht in deinem Leben und dass die Schattenseite zumindest so schön anzusehen sind wie die auf deinen Bildern.
    Sei herzliche gegrüßt,
    Dani

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  7. Ein schöner Post, liebe Katja. Für mich ist der Schatten, das Salz in der Suppe. Zuviel davon verdirbt die Speise, richtig dosiert ist es wunderbare Würze und Genußmittel. Das Licht ohne Schatten und umgekehrt ist nicht möglich. Beides gehört zum Leben dazu. Danke für diese nachdenklichen Zeilen. Liebe Grüße, M.

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  8. Liebe Katja ein sehr schöner und besinnlicher Post- danke. Zum Thema Schatten und Licht habe ich vor Jahren einen tollen Text gefunden (leider weiss ich den Autor nicht mehr)
    Wechselnde Pfade , Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht
    Das Wort Gnade würde ich heute mit ZUVERSICHT beschreiben. Alles gehört zum LEBEN
    einen schönen Tag wünscht
    heiDE

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  9. Ein ganz wundervoller Post, zu dem ein Aphorismus passt,
    den ich vor kurzem schrieb:
    'Wenn der Schatten behauptet, er sei bedeutungsvoll,
    dann nimm ihm das Licht'!
    LG Martina

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  10. Das ist so punktiert geschreiben... es fällt mir schwer etwas anzumerken.

    vielleicht so: Danke für die Gedanken, die entstehen!

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  11. Wunderbar nachdenkliche, tiefgehende Worte.
    ...
    Ganz liebe Grüße
    Christiane

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  12. Sehr schöner Post, wieder einmal! Danke!

    Ursula

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  13. Also wenn ich meine Kindheit so betrachte, da hätte aus mir ja eigentlich was richtig Großes werden müssen...ist es aber nicht...zum Glück....sonst wäre ich jetzt vielleicht schon tot....;-) LG Lotta.
    P. S. Meine liebe Katja, ich kenne da glatt noch eine Stadt, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten so richtig schick gemacht hat...die den 11. Platz der beliebtesten Städte Deutschlands belegt...wenn du sie besuchen würdest, dir fielen glatt die Augen aus...;-))))

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  14. Ja, Licht und Schatten liegen ganz nah zusammen und können ohne einander nicht existieren. Meine Oma sagte früher immer, nach Regen kommt immer wieder die Sonne und an diese immer wieder kehrende Sonne glaube ich ganz fest in Schattenzeiten.
    LG Verena

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  15. Ein wunderschöner Text und eindrucksvoll deine Bilder dazu. Ich für meinen teil, mag ja den Schatten sehr...vielleicht muss man ihn mögen, damit man im Gleichgewicht bleibt;)
    Alles Liebe, sarah

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  16. Que post más lindo !, una fotógrafia impecable
    Besos

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  17. Wunderschöner Post! vielen DANK
    Deine Worte helfen mir grade durch eine dunkle Zeit. Aber wie Du schon sagst: wo schatten ist, da ist auch Licht!

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  18. schön geschrieben.. ich war auch bis vor ein paar jahren so ein menschen, der zwischen wahnsinn und genie schwankte - aber irgendwann habe ich es dann doch geschafft, "einfach" mal in der mitte zu bleiben ^^

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  19. Ganz ganz toller Post. Regt zum Nachdenken an, Kompliment. LG Susanne

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  20. Lese hier nun schon seit geraumer Zeit still mit, dieser Post mit deinen wie immer beeindruckenden Bildern hat mich sehr berührt, da wollte ich mich einfach mal für deinen tollen Blog bedanken. LG

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  21. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!