Sonntag, 18. Mai 2014

Die Geschichte vom verzauberten Wald, verhagelten Falken, einem Kasperltheater in der Höhle und einer großen Burg.

Wenn man einen Ausflug macht, dann hat man die Wahl irgendwo hinzufahren und dann direkt wieder nach Hause, oder sich ein Ziel auszusuchen, bei dem der Weg dorthin schon der halbe Spaß ist und der Tag kaum ausreicht um all das zu sehen, was möglich wäre. Noch besser ist es natürlich, wenn nicht nur der Weg schön ist, sondern sich am Ziel auch gleich mehrere schöne Optionen häufen - so wie zum Beispiel rund um Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz. Von Nürnberg kommend, führt der Weg nur ein kurzes Stück über die Autobahn und durch ein paar eher nüchterne Ortschaften und schon fährt man durch eines der schönsten Täler der Fränkischen Schweiz, das Ailsbachtal. Der Bach schlängelt sich durch satte Wiesen, rechts und links ragen die Felstürme aus dichten Wald, ab und zu weiden Schafe am Bachufer und eine alte Mühle schmückt die Szenerie. Würde man nicht in einem Auto sitzen und auf einer asphaltierten Straße fahren, wäre man wohl nicht verwundert, wenn plötzlich Pferdefuhrwerke entgegenkämen und ein paar Edelleute auf ihren Schimmeln..... dafür braucht man gar nicht so viel blühende Phantasie, denn die Landschaft auf dem Weg zur Burg Rabenstein ist einfach märchenhaft.

Auf dem Parkplatz angekommen, führte uns der Fußweg in gemütlichen 20 Minuten durch einen der schönsten Wälder der Fränkischen Schweiz zu unserem ersten Ausflugsziel. Man kann die Strecke sicherlich auch in strammen 10 Minuten gehen, aber nur wenn man ein Banause ist und sich von diesem Märchenwald nicht berühren lässt, den man dabei durchquert.




Die großen Felsen mit Efeu und Moos überwachsen und die riesigen Bäume geben sich in sattem Frühlingsgrün über dem Weg die Hände und bilden einen fast geschlossenes Dom. Ein bisschen wie im Urwald fühlt man sich inmitten all des satten, wuchernden Grüns und den vielen Vogelstimmen und wenn die Felsen sich immer wieder annähern und nur einen schmalen Durchschlupf freilassen, dann ist das ein bisschen, wie einen verbotenen Märchenwald zu betreten und unwillkürlich senkt man die Stimme fast zu einem Flüstern.




Wenn die Felsen irgendwann nur noch ein Tor übriglassen, dann hat man sein Ziel erreicht und steht vor dem Eingang zur Sophienhöhle - einer der schönsten Tropfsteinhöhen in der Fränkischen Schweiz. Dass ich eine ganz besondere Beziehung zu Tropfsteinhöhlen habe, habe ich euch ja vor einem Jahr schon erzählt, nachdem ich die Nebelhöhle besucht hatte. Aber nicht nur die, oder die Teufelshöhle bei Pottenstein, auch die Sophienhöhle hat aufgrund ihrer skurrilen Tropfsteinformationen und der gut inszenierten Beleuchtung das Potential zu einem märchenhaften Ort.










Märchenhaft, geheimnisvoll und beeindruckend ist die Sophienhöhle auf jeden Fall, allerdings würde ich aus der leidvollen Erfahrung des vergangenen Sonntags jedem das Erlebnis "Sophie at night" empfehlen, wenn man samstags zwischen 18 und 20 Uhr die Höhle ohne Führung auf eigene Faust und in eigenem Tempo erkunden kann. Denn leider muß eine Führung nicht zwingend Mehrwert bieten, wenn man das Pech hat, von einen talentfreien "Moderator" begleitet zu werden, der sich nicht entscheiden kann, ob er ein Kasperltheater für Zweijährige oder eine Comedy auf Ballermannniveau aufführen will. Ich habe schon viele gute Führungen in Burgen, Höhlen und anderen Sehenswürdigkeiten mitgemacht und auch einige fantastische mit engagierten und unglaublich gebildeten Fachleuten, die ihr Wissen so kompetent wie humorvoll und kurzweilig weitergegeben haben. Die Führung durch die Sophienhöhle markiert leider einen traurigen Tiefpunkt in meiner persönlichen Sehenswürdigkeitenführungskompetenzstatistik. Da ich aus Selbstschutz meine Ohren irgendwann ausschalten musste, kann ich euch leider nicht viele fachliche Informationen zur Sophienhöhle geben, aber es reicht auch völlig aus, sich die wunderschönen Kalksteingebilde anzuschauen und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen für Geschichten von Engelschören, geheimen Zusammenkünften, Pilgerreisen und Unterwasserwesen, dem jüngsten Gericht, Drachenrittern und der Reise zum Mittelpunkt der Erde ...

Beim Verlassen der Höhle erwartete uns strömender Regen, wieder an der Burg Rabenstein angekommen war die Sonne zurück. Allerdings war die Freude über die dann doch stattfindende Vorführung der Jagdvögel der Falknerei nur von kurzer Dauer, denn vom plötzlich einsetzenden Hagel waren weder Falke noch Bussard oder Adler wirklich erbaut. Aber wie das im Maiapril eben so ist, war es nur ein kurzer Schauer und die Falknereivorführung konnte doch noch beendet werden. Interessant und kurzweilig war es trotz der Wetterkapriolen, aber Fotos gibt es davon keine, denn das Fotografieren ist nicht gestattet. Wer seine eigenen Bilder verkaufen will, der kriegt eben auch nicht so viel kostenlose Werbung im Netz - so ist das.

Der Besuch auf Burg Rabenstein selbst wurde ein kurzer, denn als kürzlich Führungstraumatisierte verzichteten wir auf einen Hausrundgang (den ich vor drei Jahren aber schon mal gemacht habe und damals ganz gut fand) und begnügten uns mit der imposanten Außenansicht des 800 Jahre alten Gemäuers.



Kein Sonntagsausflug ohne Nahrungsaufnahme und da die Burgschenke (schließlich war Muttertag) ausgebucht war, wichen wir auf den Gasthof Neumühle unterhalb der Burg aus. Wenn man es nimmt wie es kommt erweist sich das oft als glückliche Wendung, denn die Bedienung war freundlich, die Karte angenehm überschaubar und regional, das Essen kam schnell und war hervorragend. Lamm und Forelle stammen aus hauseigener Zucht und sind absolut empfehlenswert - wir kommen gerne wieder. In Franken fällt es nicht leicht, Vegetarier zu werden zu bleiben, denn die Vegetarierin unter uns aß die Forelle und niemand hat sie dazu überredet...

Ich werde auf jeden Fall wiederkommen - das nächste Mal sicherlich an einem Samstag, um mich den ganzen Tag im Märchenwald herumzutreiben und anschließend in die Höhle abzutauchen... führungslos und still.
Burg Rabenstein, Sophienhöhle, Falknerie, Fränkische Schweiz, Ailsbachtal, Ahorntal, Ausflugsziele rund um Nürnberg, Franken, Mittelfranken, Naturorte Franken

Kommentare:

  1. Ich mag deine "Ausflugtipps" sehr.

    Liebe Grüsse und euch einen schönen Sonntag.

    Nicole

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  2. Oh ja...wir haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass es abseits der touristischen Trampelpfade ganz wunderbare Gasthäuser gibt...Wunderschön...euer Muttertagsausflug...trotz Wetterkapriolen. Bei uns sollte zum Muttertag eigentlich eine große Geburtstagsrunde für den Schwiegervater stattfinden...aber dann kam eine akute Verschlechterung seines Gesundheitszustandes dazwischen...der leider anhält. Ich wünsche dir einen erholsamen Sonntag! LG Lotta.

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  3. Guten Morgen liebe Katja,
    an Deiner Sehenwürdigkeitenführungskompetenz ist nicht zu zweifeln! Danke für diesen Sonntagsausflug, ich werde es heute nicht weit bringen, aber so habe ich doch das Gefühl schon etwas erlebt zu haben... Diese Höhle ist unheimlich schön. Ich bin schon sehr gespannt, was Du heute erleben wirst!
    Deine Sarah

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  4. Hallo Katja,
    Die Kalkablagerungen sehen aus wie Höhlennixenhaare, finde ich! Da braucht man wirklich keinen Guide um sich verzaubern zu lassen! Schade, das die Gegend so weit weg von Belgien ist....! Aber eines Tages...!
    Gros bisou
    Sandra

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  5. Teufelshöhle, die war das Ziel von x Schulausflügen, in der Sophienhöhle war ich noch nicht, Sophie by Night ohne Führer, das würde reizen. Ich mussss einfach bald wieder mal in fränkische Schweiz. Eine Vegetarierin, die Fisch ist?
    herzlich Judika

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  6. Und die Felsengesichter beobachten jeden Besucher ? Der Wald ist wunderschön , da würde ich auch gerne durchspazieren und mich verzaubern lassen . Meine Erfahrung ist auch dass kleine Wirtshäuser , ein wenig abseits des Rummels gemütlicher sind und nicht nur eine Massenabfertigung !
    Einen feinen Sonntag wünsche ich dir !
    Liebe Grüße ,Ursula

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  7. Ganz fantastische Aufnahmen hast du uns da mitgebracht von deinem Ausflug.
    Danke - auch für die wundervolle Schilderung! Einen schönen Sonntag! Martina

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  8. Jedes Mal, wenn ich deine tollen Ausflugsberichte lese, nehme ich mir vor, auch bald so einen Ausflug zu machen. Aber irgendwie rennt mir die Zeit immer davon und es kommt ständig etwas anderes dazwischen. Aber auch heute wieder nehme ich es mir fest vor!
    liebe Grüße und vielen Dank für die tollen Bilder,
    Dani

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  9. wen ich deine ausflugsberichte lese und betrachte, dann denk ich mir mittlerweile gar nicht mehr, dass du aber glück hast, so tolle landschaften und ereignisse in deiner nähe zu haben, sondern, dass ich bestimmt nur tomaten auf den augen habe und einfach mal aus der hefe kommen müsste, um wunderschöne dinge in meiner nähe zu entdecken ;o) so weit bin ich immerhin schon mal!!!

    liebe grüße durch den dauerregen . tabea

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  10. hätte ich deinen post ein paar tage früher lesen können, hätten wir doch tatsächlich gestern dort vorbeischauen können - wir fuhren auf der a 9 durch die fränkische schweiz und wollten unterwegs eine erholungspause einlegen...
    vielleicht klappt es beim nächsten mal - deine fotos sind nämlich sehr, sehr verlockend!
    liebe grüße von mano
    ... salomonssiegel, geißblatt und alte linden haben es mir auch angetan! ganz verzaubert hat mich aber auch deine wunderschöne pustepost!

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  11. Liebe Katja,
    der Wald ist ja schon so schön und reicht für einen Tag zur Erkundung und Entspannung. Schade, dass ihr so einen miesen Führer in der Höhle hattet, aber Du hadt es dann ja richtig gemacht und auf Durchzug gestellt. Danke, dass Du uns auf diesen schönen Ausflug mitgenommen hast.

    Liebe Grüße
    Birgit

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  12. Vielen Dank für's Mitnehmen auf diesen wunderbaren Spaziergang. Wohl dem, der bei solch einem Höhlenführer die Ohren ausstellen kann. Höhlen sind ja irgendwie faszinierend, aber ein bisschen gruselig finde ich sie auch. Wahrscheinlich hat mich das Buch "Allein mit der Angst" von Véronique Le Guen, welches ich vor über zwanzig Jahren las, doch etwas mehr mitgenommen, als gedacht.
    Liebe Grüße und einen schöne Woche für Dich! ;)

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  13. Eine Augen- und Seelenweide... Lieben Gruß Ghislana

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  14. Ach, wie wunderschöne. Jetzt habe ich Sehnsucht nach Wald! In und um Hamburg gibt es davon nicht so viel. Wir haben früher im Teutoburger Wald gewohnt. Und das vermisse ich sehr. Umso mehr, weil die Jungs im Wald total abgehen :-)
    Liebe Grüße!
    Steffi

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!