Donnerstag, 6. Februar 2014

Ankerplatz.

Es gibt es nicht allzu viele Spielzeuge, bei denen die Vorstellugen von Kindern mit den pädagogisch und ökologisch wertvollen ihrer Eltern konform gehen. Zumindest ab dann nicht mehr, wenn sie im Kindergartenalter mit anderen Kindern spielen und dort mit buntblinkendem Plastikspielmüll überzogen werden. Die unbehandelten Bauklötze, die geschnitzten Spieltiere und die traditionelle Holzeisenbahn liegen dann sehr schnell unbeachtet in der Ecke, während laufend Wünsche nach Playbomil, Leho und allem was blinkt und Geräusche macht geweckt werden. Eine der schlimmsten Erkenntnisse, zu denen Eltern gezwungen werden ist, dass pädagogisch wertvolles, analoges Spielzeug ohne Plastik und Blingbling nur in der kompletten sozialen Isolation weiterhin cool und begehrt bleibt - genauso wie Vollkornstullen mit Käse und Gemüseschnitze.
Bei uns gibt es eine Ausnahme - dank Corinna, der lieben Frau meines Cousins. Sie hat uns die Anker-Baukästen ihrer Kindheit vererbt und seitdem haben Mama und Sohn wieder einen gemeinsamen Nenner gefunden bei der Frage, welches analoge Indoor-Spielzeug toll ist. Ob Türme oder Brücken, Kirchen oder Tore, Badehäuser oder Burgen - man kann gemeinsam über den Bauplänen tüfteln, mauern und Dächer decken und sich am Ergebnis freuen. Es gibt seitdem immer irgendwo einen Ankerplatz bei uns.




Spielerisch und mühelos lernt man so ganz viel über Statik und Symmetrie, über Raumordnung, Geometrie, Volumen und natürlich - Architektur. Man kann sich an die Baupläne halten, oder aber sich ganz neue Gebäude ausdenken, muss sich konzentrieren, exakt sein und kann doch seiner Phantasie freien Lauf lassen. Architektur für Zuhause.

Nein, kein fliegendes Kind - nur eins auf der Schaukel.

Besonders freue ich mich immer auf das Einräumen der schönen Holzkästen, das einem meditativen Puzzlespiel gleicht. Perfekt fügt sich alles ineinander und ergibt ein Ganzes. Schöne Dinge wie diese samtigen, schweren Steine in den Händen zu haben und sie in eine Ordnung zu bringen, das hat etwas unheimlich Beruhigendes, Erdendes und Reales. Es ist echt und wertig, im Vergleich zu vielem anderen, mit dem man sich manchmal so beschäftigen muss.

Traditionelle Ankersteine bestehen aus Quarzsand, Leinöl, natürlichen Farbpigmenten und Kreide und werden seit 125 Jahren unverändert in Handarbeit produziert. Allein der intensive Leinölgeruch ist etwas gewöhnungsbedürftig und erinnert an alte Schulflure - aber das ist verschmerzbar. 16 verschiedene Steinsets im Holzkasten gibt es, dazu Ergänzungssets und auch Einzelbausteine für besondere Bauvorhaben und ich schätze, wir brauchen noch ein paar Steine mehr für das große Haus, das wir bauen wollen...
Und nein, das ist kein gesponserter Post, sondern einer der Begeisterung für ein pädagogisch wertvolles, traditionelles, nachhaltiges, elterntaugliches, analoges, schönes Spielzeug, das Kindern TROTZDEM Spaß macht. Ich bin sehr dankbar dass es noch Firmen gibt, die sich nicht genötigt sehen, gute Produkte dem Ramsch der Gegenwart anzupassen.
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Kommentare:

  1. Liebe Katja, von Ankerbaukästen schwärmt mein Vater seit langem... sie sind so wunderbar, wie du sie beschrieben hast. Stimmig und schön. Welch ein Glück, dass ihr die Kästen geerbt habt! Ich wünsch euch noch viele gemeinsame, experimentierfreudige Bauvorhaben! liebe Grüße, JULE

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  2. Wirklich schön, kannte ich bisher nicht. Wir haben "normale" Bauklötze, die zwar zwischendurch mal ein Eckendasein fristen, aber immer wieder vorgeholt werden. Aus ganz alten, die noch aus meiner Kindheit stammen, und immer wieder neu hinzugekommenen entstehen zimmerbodenfüllende Städte - herrlich!
    Ganz liebe Grüße
    Christiane

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  3. ich bin in völliger verzückung ob dieser wundervollen steine samt vorbilderbuch und dessen, was ihr daraus gezaubert habt, und es regt sich ein wilder habenwollenwunsch in mir :)

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  4. Fantastisk! Was für ein Schatz! Das Einräumen erinnert mich an die Bauecke im Kindi, zwar hatten wir einfache farblose Holzklötze, aber die mussten zur Aufräumzeit auch immer schön eingesetzt werden. Und nicht einfach in eine Kiste geworfen. Das war Meditation, damals schon. In der Tat.

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  5. Na da könnt ihr euer "Traumzuhause" schon mal in Kleinformat basteln....wie schön....LG Lotta.

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  6. oh, dass es die noch gibt! ich habe vor vielen jahren mal in einem "Öko-Spielzeugladen" gejobbt, da gab es diese Kästen auch. Danke für die Erinnerung, die werde ich auf die Wunschliste setzen. Schöne Grüße!

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  7. Die habe ich auf dem Flohmarkt auch schon ein paar Mal gestreichelt ;)!

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  8. Stimmt - das Einräumen der Ankerbausteine hat was meditatives. Ich finde gerade der Leinölgeruch hat so etwas erdendes, ganz anders als die L-steine, die halt nur nach Chemie riechen. Wir haben hier vier Kästen stehen und ich bedauere es sehr, dass sie bei unserem "Großen" (13) gerade gar nicht angesagt sind.

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  9. wie cool ist das denn! das kannte ich garnicht. aber das wäre sogar was für meinen herrn m. - den heimlichen architektur-freak. :)
    danke für den tip!
    herzliche grüße
    die frau s.

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  10. Ich bin ganz begeistert von diesem Baukasten. Allein die Farben sind ja irre schön und sehr beruhigend. Ein großartiges Spielzeug für Groß und Klein.
    Liebe Grüße. :)

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  11. Oh, wie wunderschön! Den hätte ich selber auch gerne! Der ist schon vom Ästhetischen her ein Highlight!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Sowas käme bei uns bestimmt auch gut an. Im Hort gelten die Kapla-Hölzer als das non plus ultra (das sind so Unmengen flacher Stäbchen, aus denen sich auch alles mögliche bauen lässt). Diese Steine gefallen mir aber auch sehr. Ich kenne sie aus dem Museum als Beispiel für Spielzeug von früher. :) Dass sie auch heute noch produziert werden, wusste ich gar nicht.

    Liebe Grüße,
    Lena

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  13. Na, da haltet Ihr aber einen wirklichen Schatz in Händen!

    Mil besitos, Christl

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  14. sowas schönes vererbt zu bekommen! habe ja gleich mal recherchiert, ihr habt einen richtig anständigen satz, so von der größe. wünsche euch viel freude mit den steinchen ...

    liebe grüße . tabea

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  15. oh ja, die sind ganz toll! Mein Papa, der einen Holzspielwarenladen hatte (was für ein Kinderparadies für mich!!), hatte sie auch im Programm. Der letzte, vor dem Ruhestand nicht mehr verkaufte Kasten warten jetzt auf meinen Sohnemann, bis der alt genug ist :-)
    Das Spielzeugproblem kenne ich übrigens auch nur zu gut, daher bin ich so überaus froh, dass wir einen Kindergarten haben, in dem's nicht blinkt, plastikt und grellt...

    Liebe Grüße,
    Stefanie

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  16. was für ein schatz! wie schade, dass ich sie in der kindheit meiner tochter nicht kannte! wenn mir auf dem flohmarkt mal so ein kasten über den weg läuft, werd ich sicher zuschlagen!
    liebe grüße, mano

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  17. So einen Baukasten kannte ich noch nicht, aber mit deinem Post sprichst du mir aus der Seele. Ich bin voller Verachtung für den SPIEL-ZEUG-MÜLL mit dem man (auch wenn man als Eltern darauf bedacht ist, sich das nicht ins Haus zu holen) von wohlmeinenden Familienmitgliedern und Freunden zugeschüttet wird. Ich weiß nicht, wie oft ich - vergeblich - darum bemüht war, das abzustellen. Hier hält sich das noch sehr in Grenzen und die Söhne beschäftigen sich immer noch am liebsten mit "echten Sachen" des täglichen Lebens.

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  18. die hätte ich auch gerne gehabt, obwohl ich sonst nicht so der bauklötzchentyp bin. als ich sie entdeckt habe, war mein sohn aber schon zu groß. :-(

    ursula

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  19. Ganz ganz feines Spielzeug - damit würd ich auch heut noch gerne meiner Bau-Leidenschaft nachgehen... ; )

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  20. Boah, bei den Illustrationen geht mir gleich das Herz auf! Die Bauklötze schauen auch irgendwie so aus, als könne man sie essen. Gefällt mir doppelt. ;-)
    Herzliche Grüße!

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  21. Boah...die sind ja der Wahnsinn oO

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  22. Das ist ja wundervoll, das muss ich mir merken (für meinen Mann zum Geburtstag!) - was für ein toller Tipp!!!! Danke wirklich von Herzen, Maria

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  23. Oh, ja!
    Hier gibt es auch einen Anker Kasten. - Nur ist der schon so alt, dass es keinen Leinölgeruch gibt. ;-)
    LG
    Cynthia

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  24. Freut mich sehr, dass ihr beiden so viel Spaß damit habt :-).
    Schön hier die Kästen wieder zu sehen.

    Lieben Gruß
    Corinna

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  25. Ich liebe traditionelle Spielzeuge und die Anker-Bauklötze sind besonders schön, nur schon die Anleitung alleine ist ein Kunstwerk.
    Ein kleiner Schatz, den man wohl nicht weggibt sondern aufbewahrt.
    Gestern habe ich übrigens in der milden Vorfrühlingsssonne die beiden Tannenbaumquirle geschnitzt. Ich habe an dich gedacht *lächel*
    Lg Carmen

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  26. Traditionelle Spielzeuge sind wunderbar. Vor allem diese Bauklötze. Viel mehr noch liebe ich aber Lego. Als Baumaterial, auch im hohen Alter, unübertroffen!

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  27. Ganz schoen toll :) das kannte ich bisher noch nicht! Herzlichen Dank dafuer!
    Herzlich Gabriella

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  28. Liebe Katja,
    nun wünschte ich mir sehr, ich dürfte sie mal anfassen. Ob sie auch mir einmal auf einem Flohmarkt begegnen werden? Hoffentlich.
    Jedenfalls bin ich von Deinen Bildern total hingerissen und bei aller Verschlankung der Besitztümer regt sich da ein Wunsch ...
    Alles Liebe.
    Nina

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!