Mittwoch, 31. Juli 2013

rauchgraugläsern . zartgelbduftend

Zartgelbduftenes Blütenbäuschchen über rauchgraugläserem Vasenquartett. Freesien. Kindheitsblumen, aus der Mode gefallen, Schicksalsgenossinnen von Nelken, Alstromerien und Gerbera. Das waren die Achziger. Der Duft holt mich sofort dorthin zurück. Innerlich.



Zu den Freesien mischt sich Dill. Gelbgrüner Blütenschaum auch auf dem Tisch. Küchenparfum. 
Blumen von Mutti, ein Geburtstagskuchengruß von Annette, ein Kränzchen von Mano und ein Vögelchen für Glücksmomente. Danke, ihr Lieben.

Ein ganz herzliches Danke an Euch alle für eure Glückwünsche. Und ja, ich nehme die Ermahnungen ernst. Urlaub kommt. Leider kann man nicht immer einfach so den Stift hinwerfen (irgendwie erschreckend nah am Löffel abgeben...), wenn man Aufträge übernommen hat, an denen Bau- oder Einzugstermine hängen und deren Nichterfüllung negative Konsequenzen für andere hätte. Und dann... ich muss meine Miete bezahlen. Nein, in meinem Beruf verdient man sich keine goldene Nase (erzählt das bitte auch alle euren Töchtern, die das so gerne mal werden wollen), da muss man reichlich arbeiten, um seine Familie zu ernähren und um einen Urlaub zu finanzieren. Paradiesische Vorstellung, während des Urlaubs oder einer Krankheit weiterbezahlt zu werden... quasi fürs Nichtstun. Klar, hab ich mir damals so ausgesucht. Ich war jung und dumm und hab nicht auf meine Eltern gehört. ;-)

Auf jeden Fall reicht es momentan nicht zu Blogrunden und auch nicht, um Euch Worte dazulassen. Das tut mir leid, aber es würde zusätzlich vom Schlaf abgehen. Von den vier Stunden (von denen mich ein hustendes Kind heute Nacht zwei wachgehalten hat).
Es werden wieder andere Zeiten kommen und darauf freue ich mich. Und weil ihr nicht auf dem Trockenen sitzen sollt, wenn ich dann dran bin mit der überfälligen Erholung und meine Füsse lange in den Gebirgsbach hänge, hab ich mir was Feines für Euch ausgedacht. Und das wird toll, ich sags euch. Spannend, abwechslungsreich, nachdenklich, heimelig, persönlich und überhaupt. Ich bin schon ganz aufgeregt...
Freesien, altmodische Blumen, Rauchglasvasen, Betonkuchen, Geburtstagsblumen, Dill als Schnittblume, Dekoration, Innenarchitektur, Wohnen, Raumgestaltung, Do it yourself

Montag, 29. Juli 2013

Rückblick.

Wenn man seine Geburtstagsgeschenke erst zwei Tage später auspackt, weil dafür keine Zeit war, dann läuft etwas gründlich falsch. Wenn man wochenlang nie mehr als vier Stunden pro Nacht schläft und der Schreibtisch trotzdem kaum leerer wird, dann auch. Dann ist es Zeit über einige prinzipielle Dinge gründlich nachzudenken. Das werde ich tun. Bald. Wenn der Berg direkt vor mir kleiner geworden ist und die Berge die dann vor mir liegen deutlich höher und oben mit Schnee bedeckt sind. Dann werde ich fahren bis schön ist, wie ich das immer in den raren Momenten tue, wenn ich nichts muss und mir überlegen, wie und wo es weitergehen wird. Das wird es, nur nicht so wie die vergangenen Wochen.

Montag
Gegessen: Rigatoni mit Olivenöl, Basilikum und viel Parmesan.
Gemacht: Ein Schlafzimmer begrünt.

Dienstag
Gegessen: selbstgemachtes Sahneeis mit Schokosplitter. Geraspelte Schokoldade unter mit Puderzucker angeschlagene Sahne heben, einfrieren. Stiller Protest gegen den Betrug am Eis.
Gemacht: Einen Bären gebadet. Wer stinkt muss in die Wanne, so ist das bei uns.

Mittwoch
Gegessen: Pasta mit gebratenen Rahm-Champignons und viel Petersilie. Viel Knoblauch auch.
Gemacht: Jacken edel aufgehängt.
Donnerstag
Gegessen: Spaghetti mit Pfefferfrischkäse und Basilikum.
Gemacht: Haustiere gezählt und von Nahem betrachtet.
Freitag
Gegessen: Geburtstags-Sauerbraten mit Kloß & Preiselbeeren. Danke, Familie.
Gemacht: Loftgrundrisse befüllt.
Samstag
Gegessen: Karotten mit viel Knoblauch und Thymian
Gemacht: Kurz an meiner Seelenruhe gearbeitet. Danke, Katja!
Sonntag
Gegessen: Gemüse-Bratlinge mit Kräuter-Zitronen-Joghurt. Juhu, Gemüse im Kind. Ohne meckern.
Gemacht: Weiter. Einfach weiter.

























Gemüse-Bratlinge

Für die Bratlinge habe ich Kartoffeln vom Vortag gerieben und Zwiebeln, Karotten, Paprika, Thymian, Rosmarin, Liebstöckel und Knoblauch durch die Moulinette gejagt. Alles mit einem Ei und zwei Handvoll Haferflocken vermengen, kräftig salzen und pfeffern. Dünne Frikadellen daraus formen und in Olivenöl langsam ausbraten. Auf Küchenpapier entfetten.

Zitronen-Kräuterjoghurt

Zehnprozentigen Joghurt mit einer gepressten Knoblauchzehe, Zitronensaft, etwas Honig, Salz und Pfeffer würzen. Kräuter (hier: Kresse, Basilikum, Liebstöckel, Petersilie) hacken und unterrühren.

Die Bratlinge ins Joghurt eindippen - perfektes Fingerfood, auch kalt.


Getragen habe ich diese Woche hauptsächlich Schweißperlen auf den Stirn, bleigraue Ringe unter den Augen und Wasser in den Beinen vom ständigen Sitzen im Büro bei Wüstentemperaturen. Sehr kleidsam. Die erste Rubrik schenke ich mir also. Einen vollständigen Getragen-Gegessen-Gemacht-Rückblick gibt es immer Montag Nachmittag bei Frau Fee. Wer den Blick ins Auge der kleinen Krabbler nicht scheut, der kommt bei Steffi auf seine Kosten und mehr einfach Rezepte findet ihr > hier und montags bei den Glücksmomenten.
Wochenrückblick Raumfee, Gemüsebratlinge, Kartoffelbratlinge, Karottenbratlinge, Pasta mit Champignons, Innenarchitektur, Rezepte, Seelenruhe, Eis selbermachen

Samstag, 27. Juli 2013

In heaven No. 76 - Himmelsleiter.

Wie Ihr wisst, vermisse ich hier in der Stadt besonders den fehlenden Bezug zum Horizont. Wenn ich am Wochenende raus aus der Stadt fahre und ihn sehen kann, dann beruhigt und erdet mich das immer. Aufatmen. Er ist noch da. Blicke ich vom Schreibtisch aus durch die Häuserschlucht zum Himmel, dann wünsche ich mir oft eine Himmelsleiter, die mich so hoch nach oben führt, dass ich die Berge sehen kann. In die Wolken greifen. Heidi-Sehnsucht.

Da ist sie ja. 

Oder doch auf den Baum? 

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. Wo war für Euch diese Woche der Himmel? Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel hier zu verlinken.
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Donnerstag, 25. Juli 2013

Pimientos Yummi.

So nenne ich mein neues Lieblings-Sommergericht. Entstanden aus der Notwendigkeit schon mittags zu kochen weil Hitzefrei, einem fast leeren Kühlschrank wegen Zeit für Einkaufen ist grad nicht und einem Überangebot an roten Paprikaschoten wegen meiner planlosen Einkauferei. Habt Ihr auch Dinge, die Ihr bei jedem Einkauf in euren Wagen legt, ohne drüber nachzudenken, ob Ihr sie überhaupt braucht? Bei mir sind das Joghurt, Kartoffeln und rote Paprika. Den Kartoffelüberhang hab ich die letzten Tage schon weggegessen, aber es fanden sich noch vier Paprika  im Gemüsefach und in einem kleinen Jungsbauch viel Hunger. Es musste also man wieder schnell gehen und es sollte möglichst auch der kleinen männlichen Essensprinzessin schmecken. Nudeln sind immer da, Olivenöl und Knoblauch sowieso und die Kräuter wuchern das Fensterbrett zu. Also wie wäre es mit...

Gebratene Paprika mit Kräutern und Knoblauch auf Nudeln

Zutaten: 

250g Nudeln (hier: Dinkel-Bandnudeln), 4 rote Paprikaschoten, 2 Knoblauchzehen, ein Hand voll mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Oregano oder Basilikum, Olivenöl, Salz und schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Die Nudeln in reichlich Salzwasser bißfest garen. Inzwischen die Paprika waschen, entkernen und in große Stücke schneiden. Kräuter ernten, waschen und grob zerkleinern. Paprika und Knoblauch in Olivenöl anbraten. Wenn sie fast bißfest sind, die Kräuter dazugeben, salzen, pfeffern. 
Nudeln abgießen und mit den Paprika vermischen. Wer mag, hobelt noch Parmesan drüber. Yummi.
Schmeckt sicherlich auch kalt auf dem Grillbuffet, statt mit Nudeln zu angebratenen Kartoffeln, zu Reis, oder einfach nur mit einem Stück frischem Weißbrot. Wichtig ist, mit etwas die Soße auftunken zu können.

Guten Appetit!

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Ich bin völlig geplättet von eurer Resonanz auf meinen  Post zum Kleiderkauf in Übergrößen. Danke. Unglaublich. So viele Seitenaufrufe hatte ich noch nie und so viele Kommentare, ohne dass es was zu gewinnen gab auch nicht. ;-) Und ich hab noch überlegt, ob ich sowas überhaupt veröffentlichen soll, Kleider sind ja nicht wirklich mein Blogthema. Es scheint aber ein Problem sehr vieler Frauen zu sein und anscheinend auch nicht nur jenseits der 42. In den Kommentaren kamen einige Tips zu Shops, die ich mir angesehen habe. Leider treffen auch dort die primären Kritikpunkte zu. Eine Firma, bei der es tatsächlich eine trag- und bezahlbare Auswahl gibt, liefert leider nur innerhalb der Schweiz (La Redoute). Es bleibt also weiter zu hoffen, dass sich Designer der Problematik (und einer so großen Käuferschicht) doch noch irgendwann ernsthaft annehmen, sein ganzes Geld für geschneiderte Kleidung auszugeben, abzunehmen bis unterhalb der 42, zu resignieren und sich in berüschten, beglitzeren, ärmellosen animalbeprinteten, rosa-türkisen Kitteln ohne Schnitt lächerlich zu machen ............. oder selber nähen zu lernen.

Dienstag, 23. Juli 2013

Von gewichtigen Frauen und Designerscheuklappen.

Dass ich zwar eine Fee, aber keine Elfe bin, ist kein Geheimnis. Als das Universum die Kurven verteilt hat, hab ich wohl aus Versehen mehrfach "Hier" gerufen. Dementsprechend ist für mich das Einkaufen ist normalen Geschäften nicht möglich, es sei denn, es gibt dort eine Abteilung für Übergrößen, oder wie man so nett sagt: Plus Size. Da das schon immer so war und ich den Elfenstatus nie auch nur am Rande gestreift habe, kaufe ich also schon mein ganzes Erwachsenenalter in dieser Abteilung und diesen Geschäften ein. Dummerweise gehöre ich nicht nur zu den gewichtigen Frauen, sondern auch zu denen die sehr ungern "Shoppen" gehen. Man könnte doch meinen, dass die Einführung von Spezialgeschäften für große Größen und demensprechende Onlineshops Freude bei mir verbreiten würden, denn das macht das Einkaufen von schöner Kleidung in meiner Größe doch so viel einfacher... oder?

Nein, macht es nicht. Denn das Problem liegt woanders und zwar genau an der Stelle, die es eigentlich fachlich am besten können sollte: bei den Designern, die seit Jahren die gleichen Fehler machen. Deshalb richte ich heute mal ein offenes Wort an die Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gewichtige Frauen anzuziehen und versorge sie mit den Informationen, die ihnen anscheinend fremd sind:

  • Nein, die Körpergröße wächst nicht zwingend proportional zum Körperumfang, vor allem nicht zwischen Schritt und Taille. Hosen, deren Bund unter den Achseln sitzt, sehen in jeder Größe grotesk aus.
  • Nein, die Körbchengröße bleibt dagegen nicht gleich, egal wie groß der Unterbrustumfang ist. Die Brust lagert Fett ein, was zwar ein appetitlich gefülltes Dekoltée macht, aber nur, wenn es auch hübsch verpackt ist. Cups jenseits von F benötigen nicht nur Barbies mit Silikonbrüsten und einem Unterbrustumfang von 70cm. Und nein, gepanzerte Oma-BHs sind nicht die perfekte Wäsche für alle gewichtigen Frauen.
  • Nein, wenn man Oberarme hat wie ein russischer Kugelstoßer, nur nicht dessen Muskeln, dann möchte man im Sommer nicht zwingend ausschließlich Oberteile und Kleider ohne Ärmel tragen.Gleiches gilt für angeschnittene Flügelchen und Puffärmelchen, die bei Elfenärmchen einfach toll aussehen, aber in Gr. 58 deutlich unkleidsam sind. Ellbogenlange Ärmel sehen dagegen äußerst kleidsam aus und verhelfen der Trägerin zu einem deutlich angezogenerem Gefühl, ohne dass man deshalb einen Hitzschlag erleidet.
  • Nein, gewichtige Frauen brauchen auf ihren Shirts und Oberteilen nicht überall kleine Täschchen, die sie aussehen lassen, als hätte man den Spielanzug eines Kindergartenkindes auf Monstergröße aufgeblasen. Auch dicke Frauen haben für ihren Kram Handtaschen. Selbiges gilt für aufgedruckte Mäuse, Bärchen, Hasen und Sinnsprüche wie "Big Woman". Also wenn ichs nicht aufgedruckt hätte, könnt ich es mir nicht merken. Wer Größe 52 trägt, hat nicht automatisch den Horizont einer Dreijährigen.
  • Nein, großflächige Tier-, Strudel-, Blumen- und Blattmuster in Rosa und Türkis auf Polyester ermöglichen kein Mimikri zwischen den Grünpflanzen. Auch nicht in Gr. 56. Sie sehen einfach nur Kacke aus.
  • Nein, Oberteile die mitten auf dem ausladenden Hinterteil enden, tun nichts für Frauen jenseits der 46. Auch hier gilt annähernd der goldenen Schnitt, damit die Proportionen passen. Das heisst bei 70cm Breite mindestens 110cm Höhe, nicht 70cm. Ein Quadrat ist nicht immer die optimalste Lösung.
  • Nein, die Erfindung von Slinky-Stoff aus Polyester war kein Segen für gewichtige Frauen. Es war die Erfindung der weitesten, klebenden Cellulite-Wurstpelle der Welt.
  • Nein, wenn ein Kleidungsstück an Models präsentiert wird, die maximal Gr. 38-40 tragen, kann ich mir nicht vorstellen, wie es an mir aussehen würde. Nein, den Schnitt kann man auch nicht einfach proportional vergrößern und dann passt es schon. Womöglich liegt hier der Fehler.

Was tut man also, wenn man als gewichtige Frau gerne Oberteile aus Leinen hätte, die eine angemessene Länge haben, uni sind, mit geradem Schnitt, taschen- und kindermotivdrucklos und mit Ärmeln bis zum Ellenbogen? Früher ging man mit diesem Wunsch zum schwedischen Kleiderladen. Der muss aber inzwischen auch den Designer gewechselt haben und fertigt auch nach obigem Prinzip des Aufblasens von Size Zero-Schnitten.

Dann bleibt noch, ein Kleidungsstück, das man irgendwann, irgendwo in dieser Art findet,  in komplett vorhandener Stückzahl aufzukaufen und die kommenden Jahre abzutragen, es nähen zu lassen, oder eben selber zu nähen. Oder man geht den Mittelweg und schneidert sich entweder ein gut sitzendes Kleidungsstück nach, oder man kauft zwei nur mittelmäßig taugliche und macht daraus eines, dass passt.


Momentan ist das meine bevorzugte Variante, wenn ich ein Kleidungstück günstig bekomme. Zum Beispiel, um ein deutlich zu kurzes Oberteil unten mit dem zweiten anzusetzen, oder um aus dem Zweiten Ärmel für das erste zu nähen. Also Puff-Flügelchen ab, richtige Ärmel aus Oberteil Nummer zwei schneiden und annähen. Halstäschchen abtrennen. Wenn ich das nächste mal ein Hals-Täschchen in der Größe eines 2-Euro-Stücks benötige, sag ich Bescheid... o.k.?

Toll wäre es natürlich, man könnte solche Kleidung einfach kaufen. Denn auch gewichtige Frauen sehen nicht gerne aus wie wurstbepellte, omahafte Kugelstoßerinnen im Kindergartenspielanzug...
Übergrößen, Plus Size, Mode in Übergrößen, Übergrößenschnitte

Sonntag, 21. Juli 2013

Damals, in der Nebelhöhle...

So wird die Geschichte wohl anfangen, die ich irgendwann einmal hoffentlich meinen Enkeln erzählen werde. Ihr wisst schon, dann, als alte Indianerin. Schließlich war da ja noch die Sache mit den Erkenntnissen vom Wochenende und die haben sehr viel mit mir, dem Atmen und mit eben dieser Höhle zu tun. Der Nebelhöhle auf der Schwäbischen Alb.
Nun könnte man sich ja fragen, warum ich für besonderer Erkenntnisse in einer Tropfsteinhöhle unbedingt 300 km fahren musste, denn schließlich gibt es hier in unmittelbarer Nähe in der Fränkischen Schweiz auch genug schöne Tropfsteinhöhlen. Tja, manchmal ist eine Höhle eben nicht gleich eine Höhle. Die Nebelhöhle ist insofern etwas besonderes, als sie 40m unter der Erdoberfläche liegt. Steht man am Beginn der 144 Stufen, die schnurgerade 12 Stockwerke tief nach unten in den Berg führen, fühlt man sich wie einer von Jules Vernes Helden, der die Reise zum Mittelpunkt der Erde antritt, oder wie Jona auf dem Weg in den Bauch des Wals.



Die Höhle hat eine natürliche Kaminverbindung zur Erdoberfläche und in ihr herrscht aufgrund der Tiefe eine konstante Temperatur von 10°C. An sehr kalten Tagen im Winter kondensiert deshalb die aus diesem Loch austretende, feuchte Höhlenluft und es steigen Nebelschwaden aus dem Höhleninneren auf. Daher rührt der Name. Die Menschen dachten früher, es handle sich hier um einen Zugang zur Unterwelt, in der Dämonen und Geister wohnen. In meinem Fall müssen das gute Geister gewesen sein...



Die Höhle kann auf 450m Länge ohne Führung auf eigene Faust erkundet werden, was mir sehr entgegen kam. Das Erlebnis ohne Hetze, ohne Vortrag und ohne mindestens 30 desinteressiert dauerplappernde andere Besucher um mich herum ganz allein diese Höhlenkammern voller Zauberwesen erkunden zu können, war für mich neu und sehr beeindruckend. Das einzige Geräusch das Tropfen des Wassers. Watte auf den Ohren. Es ließ mich tief durchatmen. Aufatmen. Atmen. 



Generell komme ich mit Lärmverschmutzung schwer zurecht und die Angewohnheit vieler Menschen, Stille nicht aushalten und sich auch in der schönsten Natur nichts anschauen und erleben zu können ohne ständig "Action" zu haben und zu sprechen ist für mich furchtbar. Würde man mich fragen, welche menschliche Eigenschaft für mich am schwersten auszuhalten ist, dann steht Sprechdurchfall ganz oben auf der Liste. Um so schlimmer, wenn man solche Naturorte erleben möchte. 
Seid ihr schon mal ganz allein in einer Tropfsteinhöhlenkammer gestanden, hoch und tief wie eine Kathedrale und habt nichts anderes gehört als das Tropfen des Wassers? Ansonsten absolut Nichts. Nichtsnichts. Gänsehaut. Gänsehaut im positivsten Sinne, denn an einem Naturort in der Abwesenheit von menschlichen Geräuschen atmen zu können, versetzt mich in einen Zustand der Ruhe und Glückseligkeit. So einfach kann es sein.



Da war kein Gefühl von Unbehagen oder Platzangst, das mich sonst sehr schnell befällt, wenn ich in engen Räumen bin, kein Gruseln wegen der Dunkelheit und kein Wunsch, schnell wieder an die Erdoberfläche zu kommen, wie schon in vielen besichtigten Höhlen und Bergwerken erlebt. Der Gedanke der mir in diesem Augenblick kam war: Hier würde ich gerne einmal übernachten. Allein. Einfach nur in einem Schlafsack liegen und den Tropfsteinen beim Tropfen zuhören und dabei atmen. Das steht jetzt auf meiner Liste der Dinge, die ich in meinem Leben noch tun möchte.



Nach zwei Stunden in dieser unglaublichen Umgebung stand ich wieder am Fuß der Treppe. Ängstlich ob der 12 Stockwerke, die ich jetzt wieder nach oben steigen musste. Zum Ausgang, zu einem belebten Biergarten, zur Sommerhitze, mit dem Wissen um meine Bronchien, die sich beim Atmen zusammenkrampfen und um meine lädierten Knie. Ich fing an, Stufe für Stufe nach oben zu steigen und wartete dabei auf die einsetzende Atemnot, den stechenden Schmerz im Knie. Aber...
Nichts. Nichtsnichts.
Oben angekommen, war ich kaum außer Atem, glücklich und fühlte mich 20 Jahre jünger. So verwundert über meinen Körper war ich wohl noch nie.


Von dieser Höhle aus traten wir die Heimfahrt an. In die Innenstadt einer fränkischen kleinen Großstadt. Sonntagabend. Nach 20 Minuten kreisender Parkplatzsuche und dem anschließenden Fußmarsch nach Hause eine Straßentreppe von zwei Stockwerken. Oben angekommen der Ohnmacht nahe. Atemnot. Stechende Schmerzen im Knie. Gegenüber mein Haus. Der Geruch von staubiger Straße, Zigarettenrauch, Autoabgasen, muffigem Keller, ungelüfteter Alte-Menschen-Wohnung und Hundekot. Links der ewig an seinen Fahrzeugen schraubende Nachbar mit aufheulendem Gasgriff am Quad, rechts das Geschrei meiner dauerkeifenden Nachbarin mit schriller Stimme.
Ich sah mein Haus an und wusste, dass mich hinter der Tür die Sperrmüllberge meiner Nachbarin erwarten würden. Meine Beine waren wie gelähmt. Nur ein einziger Gedanke pochte in meinem Kopf: Ich will da nicht mehr rein. Ich will da nicht mehr wohnen. Nicht in diesem Haus, nicht in dieser Straße, nicht in dieser Stadt. In keiner Innenstadt. Tränen liefen mir übers Gesicht. Können Gedanken schreien? Dieser Gedanke schrie sich die Seele aus dem Leib.

Manchmal braucht es sehr lange, bis man die Anzeichen deuten, die geflüsterten Wünsche hören und formulieren kann, was man nicht mehr möchte, um dann herauszufinden, wo man hin will und wie man leben möchte. Oft hört man einfach nicht gut genug zu. Manchmal gibt der Körper die Antwort. Und manchmal schreit es irgendwann einfach im Kopf. Laut.

Die Raumfee ist also auf der Suche nach neuem Lebensraum...
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Samstag, 20. Juli 2013

In heaven No. 75 - Le grand bleu

Wolken sind ja bekanntlich mein blauer Himmel. Dort wo andere Menschen in Anbetracht eines wolkenlosen Blaus in Begeisterungsstürme ausbrechen, sehne ich mich nach Wolkenbergen, Wolkenstreifen, Wolkenmustern. Aber was soll man machen? Diese Woche war der Himmel einfach nichts anderes als Blau. Azurblau, Königsblau, Bergblau, Mauritiusblau, Hellblau, Schieferblau, Kobaltblau, Capriblau, Enzianblau. Blaublau.




Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. Wo war für Euch diese Woche der Himmel? Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel hier zu verlinken.
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Donnerstag, 18. Juli 2013

"Dornröschen, Dornröschen, lass dein Haar herunter!"

War das nicht so? Nein...? Zumindest kommt einem dieser Gedanke sofort, wenn man sich Schloss Lichtenstein auf der Schwäbischen Alb nähert. Hier muss Rapunzel im Turm gesessen haben und hier fiel mit Sicherheit auch Dornröschen in hundertjährigen Schlaf. Wenn sie die Wahl gehabt hätten, dann ganz bestimmt, da bin ich mir sicher. 
Das muss sich wohl auch Wilhelm Graf von Württemberg gedacht haben, als er, angeregt durch den Roman "Lichtenstein" von Wilhelm Hauff, das ehemalige Jagdhaus von Herzog Friedrich II. kaufte und sich nach dessen Abbruch an dieser Stelle hoch über dem Echaztal 1842 eine möglichst authentische Ritterburg im Mittelalterstil als Aufbewahrungsort für seine Kunstsammlung bauen ließ, die den verklärenden Vorstellungen der Romantik über die Ritterzeit exakt entsprach.







Gut sind die verklärten Vorstellungen der Romantik für uns heute, denn obwohl keine authentische Ritterburg des Mittelalters, ist diese kleine Burganlage ein absolutes Kleinod und lässt das Herz jedes Märchenliebhabers höherschlagen. Allein der Blick von dort oben über die Schwäbische Alb ist atemberaubend und mehr Horizont geht einfach nicht. Man steht auf der Zugbrücke, an den Zinnen, oder an einem der offenen Fenster des Schlosses, schaut in die Weite, atmet automatisch tief ein, seufzt noch tiefer und fühlt sich ein klitzekleines bißchen wie eine Märchenprinzessin... zumindest für diesen Augenblick. Wer braucht das nicht ab und zu mal...



Besonders erwähnenswert war die tolle Schlossführung - neben dem Informationsgehalt mit Sicherheit die kurzweiligste, launigste und lustigste, die ich jemals mitgemacht habe. Leider darf ich euch keine Fotos der wirklich ungewöhnlichen und tollen Innenräume zeigen, die könnt Ihr euch aber auf der Homepage des Schlosses anschauen.
Und soll ich Euch was sagen? 2009 wurde hier tatsächlich die Neuverfilmung für das Märchen Dornröschen  gedreht. Und falls ihr mal auf Rügen seid, dann findet ihr in Lietzow eine fast identische Kopie des Schlosses, rund 25 Jahre später nachgebaut.
Und danach? Erst mal in den angegliederten Biergarten und einen gelungenen Auflug ausklingen lassen, um sich anschließend aufzumachen nach........ das erzähle ich Euch ein anderes Mal.
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