Sonntag, 30. Juni 2013

Eine Zeitreise ins Mittelalter.

Die haben wir am vergangenen Sonntag gemacht, als wir gleich um die Ecke der Gartenschau in Tirschenreuth den Geschichtspark Bärnau-Tachov besucht haben. Ein ganz besonderes Freilandmuseum, das zu einem Rundgang durch das 9. bis 13. Jahrhundert in der Oberpfalz einläd. Beginnend bei einem slavischen Dorf des Frühmittelalters, kann man sich über eine Turmhügelburg des 11. Jahrhunderts, bis zu einer hochmittelalterlichen Siedlung auf eine Zeitreise durch unsere Geschichte begeben. 



Teilweise von engagierten Vereinsmitgliedern und Praktikanten belebt, bekommt man so einen Einblick in das einfache und beschwerliche Leben der Menschen damals und in die unglaublichen Leistungen, die diese in Anbetracht der Werkzeugausstattung vollbracht haben, um Häuser und Burgen zu errichten. 
Wenn man sieht wie die Feuerstellen damals mitten in den Einraumhäusern ohne Kamin angeordnet waren, dann versteht man auch, warum aus dieser Zeit zwar einige Steinburgen, aber so gut wie keine Gebäude erhalten sind - sie wurden meistens Raub der Flammen. Lediglich ein über die Feuerstelle gespanntes Tierfell hemmte den Funkenflug in die offene Holz-Schilf-Dachkonstruktion.


Mit viel Engagement und vor allem mit den originalen Bautechniken und Werkzeugen des Mittelalters entstehen so rund um ein Gelände mit Wald, Wiesen, Weiden, Teich und Bach nach und nach immer mehr Gebäude des Mittelalters nach alten Plänen, die aufgrund von Ausgrabungen erstellt wurden. Momentan im Bau befindet sich eine Schänke und Herberge, an der man sehr gut sehen kann, wie die Wände aufgebaut, die Lehmböden gestampft, Die Dächer gedeckt, aber auch alle Holzelemente von Hand behauen wurden. Was für eine Knochenarbeit.



Sehr beeindruckend fand ich die Turmhügelburg, da ich vorher noch nie eine derartige Konstruktion gesehen hatte. Auf einem steilen Erdhügel gelegen und von einem Wassergraben umgeben, war der Turmfuß durch eine Palisadenwand mit umlaufendem Wehrgeng geschützt, von dem aus auch der Zugang zum 1. Stock erfolgte. Das Erdgeschoß war aus Sicherheitsgründen zugangsfrei und diente als Lebensmittellager. So konnte man sich selbst beim Eindringen des Feindes innerhalb der Palisaden noch im Turm verbarrikadieren und dort lange ausharren. Vom oberen Wehrgang aus hatte man einen guten Überblick über das gesamte Gelände und eventuell anrückende Feinde. Wirklich gefährlich war, wie oft in dieser Zeit, hauptsächlich das Feuer...




Auch ein Kult- und Opferplatz gehörte im Mittelalter zum Dorf, an dem man die Götter um reiche Ernte bat, um Kraft im Kampf, oder um Fruchtbarkeit und Gesundheit und dafür Opfer darbrachte.


Ein in der dazugehörigenden Gastronomie "Brot und Zeit" angegliedertes museumspädagogisches Zentrum bietet einen Geschichtslernort für Schulen und verschiedene themenorientierte Veranstaltungen übers Jahr geben allen anderen Interessierten spannende Einblicke in das Leben das Mittelalters.
Die Informationen zu den einzelnen Gebäuden, ihrer Konstruktion und Funktion werden entweder durch eine Broschüre, oder per Audioguide vermittelt. Die Häuser selber sind frei von Infotafeln und Technik, was den Charakter eines wirklichen Dorfes deutlich verstärkt.



Im angegliederten Museumsshop kann man allerlei wirklich thematisch passende Kleinigkeiten wie handgeschnitzte Schalen, Bögen, Feuereisen, Lederarbeiten und Bücher zum Thema bekommen. Wir üben seitdem fleissig mit Feuereisen und Feuerstein und geben die Hoffnung nicht auf, dass es doch mal klappt, damit Feuer zu machen. ;-)
Kurz vor Ende unseres Besuches hatte der Wettergott auch endlich ein Einsehen und schickte die Sonne über die Palisaden... allerdings erst nachdem wir schon komplett durchweicht vom Regen waren. Vermutlich hätten wir wohl zuerst zum Opferplatz gehen und dort etwas von unserem Picknick abgeben sollen...

Wer Lust bekommen hat, ein bißchen ins Mittelalter reinzuschnuppern:
Der Geschichtspark Bärnau-Tachov ist von März bis November dienstags bis sonntags geöffnet. Am 13. und 14. Juli findet dort ein großer slawischer Handwerkermarkt statt, der sicher einen Besuch lohnt.
Noch mehr Ideen für Ausflugsziele und Urlaube in Nordbayern findet Ihr in meiner Heimatrubrik.
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Samstag, 29. Juni 2013

In heaven No. 72 - La nuit.

Wenn man sich das Wort "Nacht" ganz oft vorsagt, dann klingt es schrecklich rauh, hart, heiser und unsympathisch und ich finde es gibt nicht annähernd die Stimmung wieder, die der Himmel zu dieser Tageszeit verbreiten kann. Sterne, Mond und die Wolkengebilde in seinem Licht sind deutlich weicher, schöner, poetischer als dieses Wort. Das italienische "notte" ist auch nicht viel besser, "night" schon besser, aber eindeutig das schönste Wort dafür ist "la nuit". Und nicht nur die Nacht, auch der Mondschein ist im Französischen eindeutig am schönsten beschrieben. Eine Sprache wie gemacht für Himmelsromantiker, denn wie sanft und weich rollt doch "claire de la lune" von der Zunge...


Abendhimmel über Tirschenreuth am vergangenen Samstag. Im Osten und im Westen. 

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe.   
Wo war für Euch diese Woche der Himmel? Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel hier zu verlinken.

Wie Ihr alle sicher wisst, wird Google Friend Connect in zwei Tagen abgeschaltet. Ich bedanke mich bei Euch für eure Treue und euer Interesse und würde mich sehr freuen, wenn ihr auch weiterhin regelmäßig bei mir vorbeischaut. Im Sommer wird es eine spannende neue Blogreihe geben und natürlich wird auch weiterhin in den Himmel geschaut, ausgeflogen, upgecycelt, geplant, ertrödelt und gekocht. 
Wenn Ihr meinen Blog weiterhin regelmäßig lesen möchtet, könnt Ihr das zum Beispiel über Bloglovin´, oder Blog-Connect tun.  In beide Feedreader kann man seine kompletten bisher gefolgten Blogs importieren. Die Buttons dazu findet ihr in meiner rechten Sidebar. Danke!

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Donnerstag, 27. Juni 2013

Kleines Gartenerlebnis.

Einen klitzekleinen Einblick in mein kleines Gartenabenteuer vom Wochenende habe ich Euch am Montag ja schon gegeben und Euch hoffentlich ein bißchen neugierig gemacht auf eine endlich mal wieder rundum geglückte Kooperation von Land, Stadt, Landschaftsarchitekten, Ingenieuren, Kunstschaffenden und Bürgern. Es zog uns am Wochenende nämlich zur Landesgartenschau nach Tirschenreuth in der Oberpfalz und was soll ich sagen - ich war beeindruckt. Nicht auf einer Industriebrache aus dem Boden gestampft, sondern eingebettet in die gewachsene Stadtlandschaft rund um den historischen Fischhof, entstand so eine unaufgeregte kleine Gartenschau, die gänzlich auf Spektakel und Brimbamborium verzichtet und auf entspannte Naturerlebnisse und den Nachnutzungseffekt durch die Bürger setzt.

Zentrum der Gartenschau bildet der vor über 200 Jahren trockengelegte und jetzt wieder geflutete Stadtweiher rund um den historischen Fischhof, der früher Ökonomiehof des Klosters Waldsassen und Sitz der Äbte war und heute das örtliche Amtsgericht beherbergt.
Rund um den zweistufig angelegten  neuen Stadtweiher gruppieren sich entlang eines ungefähr zwei Kilometer langen Weges thematische Gärten und Ausstellungselemente, Ruhezonen, Kunst und Aussichtspunkte, sowie verschiedene gastronomische Angebote.

 
Obwohl die von den Berliner Landschaftsarchitekten Geskes.Hack geplante Gestaltung in ihrer klaren, modernen Formensprache und in der Funktion sofort ablesbar ist, fügen sich alle landschafts-architektonischen Elemente und temporäre sowie bleibende Gebäude harmonisch in die Natur und auch in den historischen Fischhof und die Altstadtkulisse ein und wirken weder als angeberische Fremdkörper, noch biedern sie sich an die historische Architektur oder das Naturmotiv an, oder versuchen zu imitieren.
Beginnend mitten in der Stadt unterhalb der Kirche, öffnet sich als Entrée ein großer Platz mit angegliederter Gastronomie und Hotel, wie geschaffen für Feste, Märkte und laue Sommerabende mit einem Glas Wein. Von diesem Platz aus kann man direkt zu einem Rundweg um den See starten, oder aber über die spektakuläre, schwingende Spannbandbrücke (geplant von Annabau in Berlin) direkt auf die Fischhofinsel gelangen.
Beeindruckend schlicht und doch gestalterisch spannend und funktional tauglich für die Brückenbewegung ist die Konstruktion aus Lärche als senkrechtes Geländer weitergeführt und bietet je nach Perspektive fast vollen Durchblick, oder einen geschlossene "Schleuse" zur anderen Uferseite. 



Dort stößt man unterhalb des Fischhofs auf einen Senkgarten, eingefasst mit Hecken und einer umlaufenden Bank aus Granit und durch die tiefere Lage sowie die schwarze Splittung besonders windgeschützt und warm, gedeihen hier die Blumen besonders üppig und erreichen Höhen, die ich noch nie vorher gesehen habe. Dreieinhalb Meter hohe Meerzwiebeln, zweieinhalb Meter hohe Ritterspornblüten mit kinderarmdickem Stengeln... da fühlt man sich plötzlich ganz klein und andächtig. Überhaupt hat dieser Senkgarten durch die Ruhe, die Absenkung in das Gelände und die Granitbänke und Rampen etwas sehr Sakrales. Unwillkürlich unterhält man sich auf einmal nur noch im Flüsterton und das lauteste Geräusch ist das stetige Summen der Hummeln und Bienen. Schön.



Im historischen Zehnthof selbst, in dem sich die nördliche Oberpfalz mit ihren Spezialitäten präsentiert, wurde neben der alten Linde ein Stauden- und Kräutergarten nach historischem Vorbild angelegt, garniert mit Keramikarbeiten und "Graffl" aus der Region. Ein Wohlfühlgarten.



Weiter geht es am Seeufer entlang rund um die nordöstliche Storchenwiese. Basalt- und Gneisbrocken aus der Region dienen hier als in der Sonne aufgewärmte Sitzbänke und rufen alle paar Meter danach anzuhalten und ein bißchen auf den See zu schauen. Ein Holzpavillion bietet einen beeindruckenden Perspektivrahmen um den Blick auf die historische Fischhofbrücke... wenn man denn richtigrum reinschaut, denn sonst sieht man eben das Gebüsch dahinter...


Vorbei an einer schwebenden Biberburg aus Porzellanästen, einem Objekt der Künstlerin Veronika Riedl, nähert man sich der großen Storchenwiese. Und tatsächlich kreisen die großen Vögel immer wieder über unseren Köpfen und setzen zur Landung an. Die Flutung des Teiches hat durch die sich angrenzenden Sumpfzonen auch für sie hier wieder wertvollen Lebensraum geschaffen.



Die rund um die Storchenwiese aufgestellten Aussichtswürfel spiegeln formal in moderner Übersetzung die überall anzutreffenden Fischkästen des Oberpfälzer Seenlandes wieder und sind gleichzeitig naturverträglicher Ausblick über und Durchblick auf die Natur, die Landschaft, die Stadt und das Gartenschaugelände. Wie Rahmen fassen sie das Gelände zu einem Bild und laden über einen hinführenden Steg, eine Aussichtsplattform und mit integrierten Bänken zum Hinsetzen und Schauen ein. Entschleunigende Landschaftsarchitekur.



Überhaupt finden sich im gesamten Gartenschaubereich sehr viele Sitzgelegenheiten in Form von Holzbänken, großen Basalt- und Gneisblöcken, sowie Baumstämmen und wer das allein noch nicht als Einladung versteht, einen Gang runterzuschalten und einfach mal zu genießen anstatt zu hetzen, dem wird die Einladung auch noch mal schriftlich nahegebracht, oder er darf auf einer Lesebank neben einer Bücherkiste platznehmen, um dort in den zur Verfügung gestellten Büchern zu blättern und dabei auf die Storchenwiese zu schauen.



Stefan Link fordert die Besucher mit seiner Skulptur auf, doch einfach mal aus dem Rahmen zu springen, anstatt darauf zu warten, dass man aus nämlichem fällt - bewusstes Handeln anstatt passives Abwarten, direkt aus dem Himmel in die Landschaft eintauchen. Springen. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam in Bayern. So kann´s gehen.

Dem Mühlbach folgend erreicht man die obligatorische Blumenhalle mit Wechselausstellungen der Floristen und die dankenswerterweise sehr klein gehaltene Mustergartenausstellung, die zu jeder Gartenschau dazugehört, mich aber neben der Fusskühlmöglichkeit im Schwimmteich und der Rast in den Loungemöbeln nicht so brennend interessiert hat, wenn die Rosen auch wirklich sehr schön arrangiert waren.


Die Abstände zwischen den einzelnen Pausen wurden geringer, was sicher auch dem Umstand zu verdanken ist, dass rund ums Seeufer allerlei Sitzsäcke und Liegestühle plaziert sind, die ganz laut meinen Namen gerufen haben. Zum Tagesausklang gab es noch die Inspiration für den Ausflug am Sonntag, ein großes Eis und eine Runde Wasserspielplatz bei Fischers Fritz mit viel Geplansche - genau richtig, um diesen Rundgang abzuschließen.

Fazit:
So kann es also auch aussehen, wenn die Gestaltung und Organisation einer Landesgartenschau wirklich gelingt. Vielleicht ist es ja von Vorteil, wenn eine kleine Provinzkreisstadt in der nördlichen Oberpfalz mit nur 9.000 Einwohnern den Zuschlag für die Landesgartenschau erhält, ist ihr Ehrgeiz und ihre Kreativität daraus im Kleinen etwas nachhaltig Schönes zu machen doch anscheinend viel größer, als das in einer Stadt mit sieben Mal so vielen Einwohnern der Fall ist, in die jedes Jahr auch ohne Gartenschau schon so viele Touristen strömen, dass über dem großen Ganzen gerne mal so unwichtige Details wie Parkplätze, Toiletten, Sitzmöglichkeiten, Abfalleimer und Gastronomiestationen vergessen werden und man die riesigen,  schattenlosen Flächen mit künstlichen, sterilen Beeten, geschorenen Rasenflächen und ewigen Wiederholungen füllen muss. 
Die Gartenschau ist nicht überlaufen, das Gastronomieangebot innerhalb der Gartenschau Tirschenreuth vielfältig und lecker (ich empfehle die Truthahn-Austernpilzpfanne im Wokgarten am Fischhof) zu moderaten Preisen, es gibt ausreichend Parkplätze, Toiletten, Spielplätze, Eiswagen, Schatten und Abkühlmöglichkeiten, eine gute Beschilderung, viele Ruhezonen und Sitzgelegenheiten und das Personal ist durchgehend freundlich und engagiert. In Tirschenreuth wurde eine innerstädtische Brache beseitigt, eine alte Inselsituation wiederbelebt und neben einem attraktiven Stadtplatz am Seeufer eine tolle, sich in die Natur nahtlos einfügende Parkszenerie vor historischer Stadtkulisse geschaffen, die sicherlich einen nachhaltigen Nutz- und Erholungswert für die Bevölkerung weit über die Gartenschau hinaus haben wird. Gut gemacht, Tirschenreuth.

Die Gartenschau "Natur in Tirschenreuth" ist noch bis zum 25. August täglich von 9.00 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet.
Mehr Ideen für Ausflugsziele und Urlaube in Nordbayern findet Ihr in meiner Heimatrubrik und wenn Euch die Wanderlust generell befallen hat, dann gibt es heute sicherlich noch mehr Anregungen für den Rest der Welt bei Nic.
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