Sonntag, 25. August 2013

Zuhause bei... Held & Lykke

Auch Wiebke lernte ich schon vor meinen Blogzeiten in einem Wohnforum kennen, wo mir die Fotos ihrer tollen Wohnung sofort ins Auge fielen. Mit großer Stilsicherheit mixt sie alte Möbel und neue, Vintage, Selbstgemachtes und Gekauftes zu einem modernen, skandinavischen Ambiente mit Berliner Flair. In jeder Ecke gibt es wundervolle Kleinigkeiten zu entdecken und alles fügt sich perfekt zu einem Ganzen.  Wenn sie etwas in die Hand nimmt, dann ist auch das einfachste Ding danach veredelt und wer Kissen mit grafischen Mustern liebt, der wird bei ihr mit Sicherheit fündig. 
Auf ihrem Blog Held & Lykke, was auf Dänisch "Viel Glück und alles Gute" bedeutet, schreibt sie über ihre grafischen Projekte, Fundstücke und ihre Erlebnisse in Berlin. Wie auch ich träumt sie von ausreichend Schlaf und der Ruhe auf dem Land, lebt aber in der Großstadt. Die kleidet sich bei ihr jede Woche in Streifen - vertikal natürlich, das macht schlank - und zeigt, dass sie vielschichtige, spannende, aber auch ruhige, grüne Ecken hat.

Liebe Wiebke, Du bist Halbdänin, in Norddeutschland geboren, in einem Ökodorf auf dem Land in Hessen aufgewachsen und lebst heute mit deinem Kind in der Großstadtmetropole Belin. Wo fühlst Du Dich zuhause?

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Liebe Katja, 
Deine Anfrage hat mich ins Grübeln gebracht und ich habe gemerkt, dass ich diese Frage gar nicht so leicht beantworten kann. Mir fällt ganz viel dazu ein, aber nicht alles kann ich so gut beschreiben, wie ich es gerne möchte.

Zuhause ist für mich zuerst mein Sohn, meine Wohnung und meine leider weit verstreute Familie.

Mit vier Jahren bin ich mit meiner Familie von Norddeutschland nach Hessen in die Waldlandschaft der Rhön gezogen, wo ich in einem idyllischen Ökodorf mit meinen fünf Geschwistern bis zu meinem 21. Lebensjahr aufgewachsen bin. Wir haben sehr viel Zeit in der freien Natur verbracht, mit tollen Freunden, gemeinsam begangenen Jahresfesten und nur drei Minuten Fußweg zur Schule. Es wurde alles selbst gemacht, geschneidert, gefärbt, eingekocht, gesammelt, getrocknet, gebaut und angebaut, gebastelt, gemalt und gestrickt. Das steckt bis heute in mir drin.

Leider gibt es dieses Zuhause nicht mehr. Meine Mutter wollte wieder nach Hause, nach Dänemark und mein Vater kam mit. Zwei Schwestern und ein Bruder leben auch dort. Die andern beiden sind mindestens anderthalb Stunden entfernt, also sehen wir uns alle nicht sehr oft. Obwohl ich gerne in der Stadt lebe, fehlt mir diese Gemeinschaft und das Dorf manchmal sehr, in dem ich seit vielen Jahren nicht mehr war, weil ich es so in Erinnerung behalten will, wie es war und heute sicher nicht mehr ist.



Umso wichtiger ist mir deshalb meine direkte Umgebung, meine Wohnung, die mein Zuhause ist. Mir ist aufgefallen, dass ich ähnlich wohne, wie meine Eltern gewohnt haben: viel, Skandinavien, Flohmarkt, Gefundenes, Handgefertigtes, Selbstgebautes (ganz wenig schwedisches Möbelhaus) und ganz viele Bücher. Ich habe auch eine Poul Hennigen Leuchte über dem Esstisch, eine Architektenlampe auf dem Schreibtisch und zusammengewürfeltes Geschirr.


Diese ganzen gesammelten Schätze bilden mein Zuhause aus Dingen, viel wichtiger sind mir aber die Beziehungen zu Menschen, die mir Heimat geben. Trotzdem fühle ich manchmal heimatlos und nicht wirklich angekommen, würde gerne mehr in mehr ruhen und mehr Talent zum Glücklichsein haben. Ich bin also noch auf dem Weg!


Vielen Dank, liebe Wiebke, für deine Gedanken zum Thema Zuhause.

Wiebke ist 41 Jahre alt, hat nach einer Ausbildung als Werbetechnikerin visuelle Kommunikation studiert und lebt seit fast 5 Jahren in Berlin. Sie hat einen dreijährigen Sohn und arbeitet als freie Grafikdesignerin. Neben ihrem Blog Held & Lykke hat sie einen kleinen Kartenladen und einen Shop bei Envelop, wo man sich aus ihren grafischen Entwürfen Kissenbezüge machen lassen kann.

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Wann fühlst Du dich zuhause? Was bezeichnest Du als dein Zuhause und was macht es dazu? Wo bist Du zuhause? Diese Fragen habe ich Menschen gestellt, die mich mit dem was sie auf ihren Blogs schreiben und zeigen auf die eine und andere Art berühren. Was sie geantwortet haben, das könnt ihr > hier nachlesen. Ihr wollt mehr über diese Gastblogreihe wissen? Dann könnt ihr > dort mehr darüber erfahren.
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Kommentare:

  1. Oh, bei dir ist aber leicht wohlfühlen!

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  2. Toll, wenn man so aufwachsen kann! Kein Wunder, dass man sich dann in einer Großstadt wie Berlin nicht so wohlfühlt! Die Wohnung sieht toll aus und ich würde wahrscheinlich den ganzen Tag vor dem Bücherregal festhängen!

    Liebe Grüße von Jenny

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  3. Eine spannende Lebens- und Wohngeschichte! Dass du nicht mehr zurückkehren magst ins Dorf deiner Kindheit, kann ich sehr gut nachvollziehen - es ist einfach desillusionierend! Ich fahre in 2 Tagen wieder dorthin & weiß, dass ich es nicht mag. Aber noch ( wieder ) leben meine Eltern dort....
    Einen schönen Sonntag!
    LG
    Astrid

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  4. Scheint doch noch Menschen zu geben die nicht dem Weiß Trend und Shabby / Vintage Style zu verfallen ;O)
    Lieben Gruß
    Ramona

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  5. fein katja, dass du uns wiebke vorgestellt hast:) so viele neue facetten sind da bei ihr zu entdecken...einen dankesgruß von birgit

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  6. Schön, etwas mehr über Wiebke zu erfahren und wie sie aufgewachsen ist! Ihre Wohnung kannte ich schon von sli, wo sie zu meinen liebsten zählt, weil man die Liebe zum Detail und Ihre Herkunft, ihr besonderes Elternhaus in vielen Dingen wieder findet.
    Viele Ihrer Worte und Gedanken kann ich gut verstehen und nachempfinden!

    Sowieso ein sehr schönes Thema, mit Interesse lese ich hier die vielen unterschiedlichen Gedanken dazu. Heimat und Zuhause differieren heute wahrscheinlich mehr als früher, weil nur wenige wirklich lebenslang an dem Ort bleiben, an dem sie aufgewachsen sind. Das macht es einerseits interessant, aber manchmal auch nicht unbedingt einfacher...

    Liebe Grüße!
    Svenja

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  7. Das hört sich nach einer traumhaften Kindheit an! Und es tut mir leid, dass alles auseinandergerissen ist. Stelle ich mir schlimm und schmerzhaft vor ... die, die heute wieder im Schoße der Familie lebt und im Hause der Kindheit. Aber liebe Wiebke, die Fotos Deiner 4 Wände sind super - so habe ich´s noch nicht gekannt!

    Allerherzlichst,
    Steph

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  8. liebe wiebke, danke für das erzählen und für die einblicke.
    ein wundervolles zuhause mit so vielen liebevollen und originellen ideen. gemütlich und persönlich.
    würde mich sehr wohlfühlen bei dir.
    liebe grüße, éva

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  9. ich sag dir wiebke: dort, wo du gerade bist, ist es ganz schön schön. und trotzdem: die worte über das ankommen und das glücklichsein klingen wohlbekannt nach. hier klingt überhaupt so viel nach - bis ins eigene (zu)haus(e) ...

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  10. die entwurzelung, wenn das kindheitszuhause nicht mehr da ist — die erleb ich hier mit beim monsieur und die ist kein spaß. menschen, ja, und auch die eigenen dinge. ich wünsch dir leichteres glücklichsein, auch wenns manchmal gar nicht so einfach ist.

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  11. denk immeR dRan, liebe wiebke .... es gibt viele wege. und wiR müssen nicht immeR den steinigsten wählen. wiR düRfen geRn den geRaden nehmen. uns leichtigkeit eRlauben. sehR geRn sogaR.
    viel glück füR dich!

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  12. Liebe Katja, vielen Dank für den Denkanstoss und dass ich an dieser wunderbaren Reihe teilnehmen durfte! Danke auch an die lieben Leser, die ihr Gedanken zu meinen schreiben. Es bleibt ein spannendes Thema.
    Schöne Grüße, Wiebke

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  13. ein wunderbarer bericht, liebe wiebke. deine kindheit im dorf in der rhön muss ein traum gewesen sein und natürlich kommt mir bullerbü in den kopf, ein kindheitsparadies! wie schön, dass du es dir immer wieder in deine gedanken holen kannst und so vieles für dein heutiges leben daraus mitgenommen hast. ich wünsch dir weiterhin viele glückliche treffen mit deiner ganzen familie!
    liebe grüße von mano

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  14. Deine Wohnung ist wunderschön. Besonders das Zimmer Deines Sohnes finde ich toll. Beim Lesen Deines Berichts über Deine Kindheit habe ich auch dauernd an Bullerbü gedacht :-) Aber auch Deine Gedanken von Heimatlosigkeit sind mir nicht unbekannt. Ein sehr lesenswerter Post!

    Ganz liebe Grüße
    Birgit

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  15. Liebe Wiebke, wie schön auf diese Weise mehr über dich zu erfahren, z. B. deine Kindheit und Familie. Es scheint sich hier bei vielen Beiträgen herauszukristallisieren, dass für viele von uns Zuhause ein Gefühl ist, das mit anderen Menschen zu tun hat. Wenn ich das nächste Mal nach Berlin komme, melde ich mich vorher. Vielleicht können wir uns dann auf einen Kaffee treffen. :) LG Rebekka

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  16. Schön, mehr von Dir zu erfahren. Dein Einrichtungsstil gefällt mir. Und die Dielen sind ja einfach nur zum Niederknien!!!

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  17. Danke für den Einblick!!! So schön, mehr von Dir zu erfahren, liebe Wiebke! Ich fühle mit, finde mich wieder, finde Dein Wohnen so schön und Deine Worte so sympathisch!

    Liebe Grüße :) Minza

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!