Dienstag, 20. August 2013

Zuhause bei... The Boxing Duck.

Rebekka habe ich schon vor meiner Bloggerzeit vor ungefähr 3 Jahren über ein Wohnforum kennengelernt. Mir fielen dort die Bilder ihres wunderschönen viktorianischen Hauses in Edinburgh und ihres Zaubergärtchens auf und ich verliebte mich in ihre flaschengrüne Arbeitszimmerwand. Dass wir neben der Vorliebe für sattmatte Farben auch die Liebe zum Kochen, zu Wildkräutern, Wiesenblumen, Bäumen und Himmelsbetrachtungen teilen wusste ich damals noch nicht, dazu musste ich erst ihren englischsprachigen Blog beating bowls und später dann The Boxing Duck kennenlernen.

Liebe Rebekka, Du lebst als Saarländerin schon seit vielen Jahren in Schottland.
Wo fühlst Du dich zuhause?

_________________________________________________

Vor einigen Wochen fragte mich Katja, ob ich Lust hätte, bei ihrem Sommerprojekt um die Bedeutung des Begriffs "Zuhause" mitzumachen. Ich sagte spontan zu, denn über diesen Begriff habe ich mir selbst schon öfter Gedanken gemacht.

Wenn ich meine Mutter besuche, sage ich, dass ich nach Hause fahre. Wenn ich von dort hierher zurückkomme, fahre ich ebenfalls nach Hause. Liegt das daran, dass meine Mutter weiterhin in meinem Elternhaus lebt? Sind diese vier Wände immer noch mein Zuhause, obwohl das Haus vor langer Zeit umgebaut wurde und mein Zimmer schon lange nicht mehr mein Zimmer ist? Oder ist das nur eine Redensart ohne tiefere Bedeutung? Andere Leute sagen nämlich nicht, dass sie nach Hause fahren, wenn sie ihre Eltern besuchen.

Einen weiteren Denkanstoß erhielt ich zusätzlich vor einiger Zeit von Éva, die das Blog Emil und die großen Schwestern schreibt. Éva ist gebürtige Ungarin und lebt nun schon seit über 20 Jahren in Deutschland. Sie stellte sich diese Frage ebenfalls und kam zu dem Schluss, dass Ungarn ihre Heimat und ihr deutscher Wohnort ihr Zuhause ist. Das hat mich schon einen Schritt weitergebracht. Ich fühle, was Deutschland und insbesondere das Saarland angeht, ebenso. Jedes Mal, wenn wir auf der Autobahn das Schild "Willkommen im Saarland" passieren, macht mein Herz einen kleinen Hüpfer. Als ich vor ein paar Jahren in Berlin war, hatte ich einen Kloß im Hals, als ich die Fahnen sah, die anlässlich des 50. Jahrestags der Wiedereingliederung des Saarlands vor der saarländischen Vertretung flatterten. Auf diesen stand "Schön, dass du da bist". Vielleicht werde ich mit zunehmendem Alter auch einfach nur sentimental.

All dies lässt jedenfalls den Schluss zu, dass "Zuhause" für mich unter anderem auf jeden Fall auch ein Gefühl ist. Damit bin ich einen weiteren Schritt weitergekommen.

Aber was ist denn eigentlich Edinburgh für mich? Hier lebe ich nun seit 23 Jahren, aber so richtig verbunden fühle ich mich mit den Schotten nicht. Warum bin ich dann da geblieben? Das ist eine gute Frage, deren Beantwortung den Rahmen dieses Posts sprengen würde. Nur so viel: Ich hatte zwei oder drei Mal Gelegenheit, nach Deutschland zurückzukehren, das erste Mal nach knapp anderthalb Jahren, dann erneut 1996 und 1997. Das erste Mal siedelte ich sogar nach Deutschland über, kam aber schon nach wenigen Wochen wieder nach Edinburgh zurück. Bei der zweiten Gelegenheit stellte ich fest, dass meine engsten Freunde, die wissen, was sich so bei mir tut, hier sind. Beim dritten Mal stellte ich fest, dass die Beziehung, die ich damals in Deutschland hatte, nicht wichtig genug war, um hier alles aufzugeben. So zogen die Jahre ins Land und ich muss wohl oder übel eingestehen, dass mein Zuhause nun hier ist. 

Doch was genau ist hier mein Zuhause? Ist es ein Ort oder ein Gefühl? Ich fühle mich in unserem Haus, das ich euch letztens vorgestellt habe, nicht nur sehr wohl, sondern auch sehr glücklich. Doch liegt das nicht eher daran, dass ich dieses Heim (!) mit einer Partnerin teile, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen möchte und der es genauso geht? Liegt es nicht daran, dass wir uns trotz unserer Unterschiedlichkeit auch nach knapp 14 Jahren immer noch freudestrahlend in die Arme fallen, wenn Sandie von der Arbeit nach Hause kommt? Haben wir ein gemeinsames Zuhause geschaffen, dessen Fundament unsere Liebe füreinander und der gegenseitige Respekt und die daraus resultierende Wärme und Geborgenheit ist? Wenn die Antwort auf diese Frage "Ja" lautet, bedeutet es wohl, dass für mich das "Zuhause" größtenteils ein Gefühl ist. Aber könnte ich auch in einer Mülltonne mit ihr glücklich sein. Hmmmm... Ganz ehrlich? Jein. Ich bin ein Komfortmensch, der lieber in einem schönen Hotel absteigt als zelten geht. Ich arbeite von Zuhause und brauche schöne Dinge und Ordnung um mich herum.

Nach all diesen Gedanken, Ausführungen und Exkursen bin ich nun zu folgendem Schluss gekommen: "Zuhause" ist für mich größtenteils ein Gefühl, sowohl in Schottland als auch im Saarland. Ein wichtiger Aspekt ist allerdings auch der Ort, in diesem Fall unser schönes Heim.

Vielen Dank, Katja, dass du mir Gelegenheit gegeben hast, bei deinem Sommerprojekt mitzumachen. Andernfalls hätte ich mir vielleicht nie die Zeit genommen, diesen Sachverhalt für mich zu klären.


Danke für deine Antworten, liebe Rebekka. 

Rebekka lebt seit 1990 in Edinburgh, Schottland, wo sie als Diplom-Übersetzerin arbeitet. Seit über 10 Jahren wohnt sie zusammen mit ihrer Lebensgefährtin in einem 1880 erbauten viktorianischen Haus mit kleinem Garten. 
_________________________________________________

Wann fühlst Du dich zuhause? Was bezeichnest Du als dein Zuhause und was macht es dazu? Wo bist Du zuhause? Diese Fragen habe ich Menschen gestellt, die mich mit dem was sie auf ihren Blogs schreiben und zeigen auf die eine und andere Art berühren. Was sie geantwortet haben, das könnt ihr > hier nachlesen. Ihr wollt mehr über diese Gastblogreihe wissen? Dann könnt ihr > dort mehr darüber erfahren.
Zuhause gesucht, Zuhause bei, Was ist Zuhause?, Wo fühlst Du Dich zuhause?

Kommentare:

  1. ich könnte mir ein Leben im Ausland über so lange Zeit überhaupt nicht vorstellen und kann verstehen, dass es nicht einfach ist, in so einer Lage den Befriff "Zuhause" zu definieren...ich finde, dass ist Rebekka in ihrerseits ganz typischen Art und Weise ganz wunderbar gelungen...
    liebst Uli - die Kramerin

    AntwortenLöschen
  2. hieR sagt man es auch 'nach hause fahRen'. und eigentlich ist zuhause füR mich was andeRes und doch sage ich es. abeR wie man sieht, ist zuhause ganz indviduell und mannigfaltig. dein 'zuhause' gefällt miR.
    liebe gRüße. käthe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Käthe, durch deinen Kommentar ist mir aufgefallen, dass wir im Deutschen wohl meist sagen, dass wir zum Elternbesuch "nach Hause fahren", das im Englischen aber nicht der Fall ist. Da habe ich zwei Dinge verwechselt. :) LG Rebekka

      Löschen
    2. Wenn ich meine Eltern besuchen fahre, sage ich eigentlich nicht, dass ich nach Hause fahre...aber sie wohnen mittlerweile auch in einem neuen Haus...vielleicht ist ja das der Grund...oder vielleicht auch nicht??? LG Lotta.

      Löschen
  3. Wunderschön geschrieben, ein tolles Thema Katja. Da wird man nachdenklich vorallem wenn man von der Heimat wegwohnt . Liebe Grüsse Herbi

    AntwortenLöschen
  4. Seit ich diese Reihe mit starkem Interesse lese, geistert mir das Thema, geistern mir die Worte "Zuhause" und auch "Heimat" noch mehr durch Kopf und Herz als sonst..., die Antworten darauf sind wohl so individuell wie die Menschen es sind, auch wie individuell sie von innen her sind und haben auch damit zu tun, wie sie das Leben bisher erfahren haben. Liebe Grüße Ghislana

    AntwortenLöschen
  5. liebe rebEkka, da ich euer haus ja schon kenne (wenn auch nur von bildern), glaube ich sofort, dass es dein zuhause ist! man sieht, dass du viel zeit darin verbringst. ich arbeite auch von zuhause aus und mir geht es ähnlich, auch wenn zuhause eher ein gefühl ist, schön aussehen darf es trotzdem! liebe grüße, wiebke

    AntwortenLöschen
  6. Ein wunderschönes Zuhause, liebe Rebekka. Eines, das das Wort verdient. Und ein sehr berührender Post!
    Katja, Danke für diese großartige Serie, die mir sehr weiterhilft auf meiner Suche.
    Liebe Grüße
    Sonja

    AntwortenLöschen
  7. Mit Spannung lese ich die täglichen Interpretationen über *Zuhause*. Immer kommen neue Aspekte hinzu. Spannend sind -für mich- vor allem die der Auswanderer...
    Wird es am Ende der vielen persönlichen Geschichten ein Resümee geben?

    Andrea

    AntwortenLöschen
  8. Ja, ich fahr auch immer nach Hause... ob zu meinen Eltern, in meine Wohnung oder manchmal auch zu Freunden in eine Stadt, in der ich mal gelebt habe... ein Zuhause ist eben sehr sehr vielschichtig. Für mich. :)

    AntwortenLöschen
  9. Ein schönes und interessantes Thema, das zum Nachdenken anregt.
    Mein Zuhause ist aber der Ort, an dem meine Kinder und mein Mann mit mir wohnen. Egal, wo das ist.
    Aber meine Heimat wird immer die Stadt sein, in der ich aufgewachsen bin. Auch wenn ich dort schon lange nicht mehr lebe. Sehe oder höre ich was über diese Stadt, kommt der Kloß zum Vorschein.
    Liebe Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
  10. Wundervoll zu lesen und sehr aufschlussreich! Ja, ich denke, das Zuhause ist auch wesentlich davon geprägt, mit wem man es teilt und ob der geliebte Partner sich dann auch zuhause fühlt...denn erst dann fühlt man sich wirklich angekommen...LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  11. Sehr schön geschrieben! Toll, dass Du Dich nun mit diesem Thema auseinandergesetzt hast. Manchmal braucht man eben einen Anstoß. Wenn ich meine Eltern besucht habe, bin ich nie "nach Hause gefahren", sondern habe "Mama oder Papa besucht". Was sagt das nun wieder aus? :-)

    Ganz liebe Grüße
    Birgit

    AntwortenLöschen
  12. Liebe Rebekka,
    es rührt mich wie Du über Deine LG und Dich schreibst, ihr habt ein sehr schönes Zuhause.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen
  13. Oh wie schön, Rebekka ist dabei!

    Ich habe den Hausrundgang verpasst und bin (eben angesehen) wieder total beeindruckt. Einige Ecken, Blickwinkel kenne ich, aber nun noch mehr! So schön bei Euch!
    Und Dein Blickwinkel zum Thema ist so nachvollziehbar! Danke Dir für's Zeigen und Teilhabenlassen!

    Liebe Grüße . Minza

    AntwortenLöschen
  14. Lauter liebe Gesichter hier bei deiner Zuhause-Serie. Wenn ich an Schottland denke, kommen bei mir unweigerlich romantische Gedanken auf, von einer Überdosis historischer Romane die ich gelesen habe. Rebekkas Haus würde ich gerne live sehen, strahlt es doch für mich eine ungemein beruhigende Atmosphäre aus.
    Liebe Rebekka, schön dass ich regelmässig aus der Ferne einen Blick in euer Zuhause werfen kann!
    Lg Carmen

    AntwortenLöschen
  15. Darueber habe ich auch schon oft nachgedacht- und viele Dinge kann ich genauso unterschreiben. Wir leben seit 19 Jahren in Schottland und seit 20 Jahren nicht mehr in Deutschland.
    Anderes sehe ich wieder ganz anders - aber das wuerde wohl den Rahmen sprengen *lach*
    Liebe schottische Gruesse,
    Nessie

    AntwortenLöschen
  16. Ein sehr liebenswerter zuhause-bericht, den ich mit Freude gelesen habe! lg aus berlin von mano

    AntwortenLöschen
  17. Schöne Geschichte. Die Leute, die sagen, sie fahren nach Hause, wenn sie zu ihren Eltern fahren, scheinen noch nicht angekommen zu sein. So könnte man zumindest annehmen. Beim Lesen Deiner Zeilen, kommt bei mir dieser Eindruck allerdings überhaupt nicht auf. So, jetzt werde ich mir mal den Hausrundgang anschauen! :)

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!