Freitag, 16. August 2013

Zuhause bei... ars pro toto.

Sonja, alias ars pro toto beherrscht das, was ich auch gerne können würde: Reduktion auf das Wesentliche. Wenn ich noch dasitze und mich nicht entscheiden kann, welche Worte und welche von den vielen Fotos ich auswählen soll und dann doch alle nehme, beschränkt sie sich auf die schönsten. Fotos und Worte. Auf ihrem Blog zeigt sie Kunst für alle/s und "alles" scheint auch das zu sein was sie kann - ob nun Bühnenbild, Schreinerei, Werbung, Kinderbuchillustration, oder Filzen - sie hat schon viel gemacht und sie ist gut darin. Uns verbinden die zwei rechten Hände und die Sehnsucht nach dem Landleben, aber eines kann sie deutlich besser als ich: ihren kreativen Arbeitsplatz aufräumen

Liebe Sonja, was bedeutet "Zuhause" für dich? 

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Katjas Frage nach meiner Definition von Zuhause stellt mich vor ungeahnte Schwierigkeiten. OK, nicht ganz ungeahnt. So zwei, drei mal in meinem Leben hatte ich schon die Chance ins Ausland zu gehen (und dort länger als sechs Monate zu leben, meine ich). Ich hab's aber nicht gemacht. Oder nicht gekonnt. Warum? Was hält mich hier? Hier in Österreich, das ich oft als zu klein(geistig) und eng empfinde. Immerhin: Vor 20 Jahren habe ich zumindest das Bundesland gewechselt (im Irrglauben, von der zweitgrößten in die größte österreichische Stadt zu ziehen wäre kein Kulturschock. Da kannte ich die Wiener Seele noch nicht). Aber zu Besuch in meiner Heimatstadt, beim Anblick der Häuser in denen ich gelebt und gespielt habe, werde ich sentimental. Ist das Zuhause? Oder verwechsle ich da was?

Ich bin Kinderbuchillustratorin, ich arbeite freiberuflich. Daheim. Daheim ist für mich noch kein Zuhause. Daheim ist immer noch ein Kompromiss. Dem Pragmatismus untergeordnet. Eine Wohnung am Wiener Stadtrand (immerhin!), obwohl es mich aufs Land zieht. Ein Neubau in einem Altbau – Ihr wisst schon: Einer dieser aufgepflanzten Dachausbauten. Ein Arbeitszimmer, das aus allen Nähten platzt, während ich von einem weitläufigen Atelier träume. Besitz ist mir Belastung; mit jedem Umzug mehr Raum um ihn mit dem Ballast des Lebens anzufüllen, widerstrebt mir. Und wird mir doch von meinem Beruf aufgezwungen. Steuerliche Zettelwirtschaft, Skizzen, Originalillustrationen und tonnenweise Belegexemplare meiner Bücher. 

Dabei hänge ich nur an wenige Dinge mein Herz: Erbstücke, Fundstücke, Erinnerungsstücke. Und an Dinge, die sich gut in der Hand anfühlen.


Ich komme zu dem Schluss, dass Zuhause am ehesten mein Gefühlsmischmasch beschreibt. Geborgenheit. Sicherheit. Zugehörigkeit zur Mentalität und der kulturellen Prägung der Gesellschaft, in der ich sozialisiert wurde – ob mir das nun gefällt oder nicht. Meine Muttersprache. Sie ist Teil meiner Identität und ermöglicht erst einen Brückenschlag. Ich kann mir nicht vorstellen in einem anders sprachigen Land zu leben und habe den größten Respekt vor Menschen, die genau das tun (müssen). Wie schwer muss das sein? 
Aber das Wichtigste – das Fundament – ist die Verbindung zu geliebten Menschen (und Tieren). Dort ist mein Zuhause.


Danke für deine Antworten, liebe Sonja. 

Sonja ist 45 und lebt mit Mann und Maus am Stadtrand von Wien, wo sie als Kinderbuchillustratorin arbeitet. Aber auch mit dem Handwerken hat sie wieder begonnen und hoffentlich gibt es auch bald einen kleinen Shop, in dem man ihre schönen handgemachten Dinge und das Kleingemüse kaufen kann. Ja...???
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Wann fühlst Du dich zuhause? Was bezeichnest Du als dein Zuhause und was macht es dazu? Wo bist Du zuhause? Diese Fragen habe ich Menschen gestellt, die mich mit dem was sie auf ihren Blogs schreiben und zeigen auf die eine und andere Art berühren. Was sie geantwortet haben, das könnt ihr > hier nachlesen. Ihr wollt mehr über diese Gastblogreihe wissen? Dann könnt ihr > dort mehr darüber erfahren.

Kommentare:

  1. liebe Sonja, eine wunderbare Interpratation und in ganz vielem hab ich mich selbst ein bißchen wiedergefunden...ich könnte z.B. auch in keinem fremdsprachigen Land leben...und deine Fotos dazu sind wunderwunderschön...liebst Uli - die Kramerin

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  2. Sehr schöne Antwort! Und immer wieder beruhigend zu lesen, dass es vielen nicht leicht fällt, das Zuhause genau zu orten.

    Herzlichst,
    Steph

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  3. So feine Antworten! Ja, sogar der Wechsel von einem österreichischen Bundesland in ein anderes kann ein großer Kulturschock sein. Und das mit dem Ausland kenne ich. Ich war nicht einmal bereit mich in Deutschland zu bewerben - warum auch immer. Daheim und Zuhause - wirklich zwei sehr unterschiedliche Begriffe. Wie recht du hast!
    Lieben Gruß!
    Dania

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  4. wo immer dein wohnraum sein wird: ein hang zu und die sehnsucht nach funktionaler ordnung ist dir nicht abzusprechen - nett, sauber und aufgeräumt, mit einem... nicht chaotischen mischmasch, sondern wohl durchdachten mix aus patina und moderne. (so wie auch die grazer altstadt in den koren-jahren einfühlsam revitalisiert wurde.)

    bezeichnend auch deine betonung der muttersprache: essenziell für dein "zuhause"-gefühl wird immer der kommunikative kontakt mit lieben freunden sein. heimat im trappistenkloster? undenkbar!

    lg und ein schönes wochenende,
    ei

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  5. oh wie schön es bei diR ist.
    tRotz hinundheRgeRissenfühlen und suchen.
    ich glaube, dass die eigene definition von zuhause beim umzug ins ausland eine gRoße Rolle spielt.
    liebe gRüße. käthe.

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  6. Jeden Tag freue ich mich auf neue Antworten. Danke auch für diese. Ich kannte Sonja (s Blog) noch nicht und so manches, was sie sagt, geht mir auch durch den Kopf. Liebe Grüße, Wiebke

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  7. Liebe Katja,
    Die Frage "was bedeutet Zuhause" gefällt mir, so schwirrt sie auch in meinem Kopf herum und sucht, immer wieder aufs neue, eine Antwort.
    Mir geht es ähnlich wie Dir, liebe Sonja, ich brauche die Reduktion. Gerne bringe ich in meinem Wohnumfeld alles wieder auf Null. Reicht mein gut nutzbarer Stauraum nicht mehr aus, wird entrümpelt - ein Befreiungsschlag!
    Viele Grüße für Euch,
    Cora

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  8. Ach, auch wieder ganz anders, doch auch ganz wunderbare Gedanken zum Zuhause…ich bin nach wie vor beeindruckt, wie verschieden eine jede doch den Begriff neu definiert! Mange tack!
    Kram,
    Maren

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  9. Auch diese Sicht hat mir sehr gefallen. Die Vielschichtigkeit des Themas ist sehr beeindruckend. Auch die Bilder finde ich sehr schön!

    Ganz liebe Grüße
    Birgit

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  10. Wieder so eine ganz eigene und schöne Sicht zum Thema Zuhause...Ja, mir fällt das schwer, mich besonders im Einrichten auf das Wesentliche zu konzentrieren...und ich bewundere alle, die das können...es macht bestimmt so manches einfacher...LG Lotta.

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  11. freiheit und zuhause gehen vielleicht nicht gerade hand in hand. so frei jedenfalls, wie ich mich damals gefühlt habe, als ich in einem andersprachigen land gelebt habe, kam mir das leben sonst selten vor ... (aber ich weiß natürlich, was du meinst; auch: ich konnte ja aus freien stücken dort sein und wieder gehen, sobald mir danach war.) das aufgehoben sein bei denen, die man mag und liebt, ja, das hast du fein auf den punkt gebracht.

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  12. Liebe Sonja,

    finde mich in einigem Deiner Worte wieder. So sehr ich neugierig auf Worte und andere Länder bin, so sehr merke ich schnell, wie sehr Sprache (geschrieben, gehört, gesagt) auch für mich Zuhause bedeutet.

    Lieben Dank für Deinen Einblick in Wort + Bild! Minza

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  13. Wow, Sonja, was für ein schöner und prägnanter Einblick in deine Seele. Liebste Grüße
    Rebekka

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  14. Oh, ihre Filzsachen sind ja wunderschön! Eine sehr gelungene Darstellung vom Zuhause!
    Lg Carmen

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  15. Ein schöner Einblick - ich bin sofort ganz neugierig auf deinen Blog gewandert und habe Deine Illustrationen und Filztiere bewundert - wunderschön!
    herzliche Grüße von Tine

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  16. Das Herz an Dinge zu hängen, kann bisweilen die Perspektive eines Menschen durchaus einengen. Oder wie es in "Fight Club" heißt (gern zitiert): "The things you own will end up owning you."
    Was für ein sympathischer Einblick, liebe Sonja, liebe Katja, wunderbare Bilder und ja, hoffentlich gibt es bald den Shop dazu :-)
    Alles Liebe von Nina

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  17. liebe sonja, deine interpretation von zu hause ist so spannend, so nachdenkenswert. und ich träume mich jetzt in dein aufgeräumtes heim, denn ich wünsche so manches mal, ich könnte meinen "ballast" abwerfen!
    und katjas worte: so passend!
    hab es weiter gut! mano

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  18. Liebe Sonja,
    das sind einige sehr treffende Bemerkungen zu einem Thema, das sich schwer in Worte fassen lässt. So also wollte man Farben oder Klänge beschreiben. Es ist eben vor allem ein Gefühl, das "Zuhause". Und auch so abhängig vom Augenblick ... Ich denke, ich trage viel von diesem "Zuhause" mit mir herum ...
    Alles Liebe
    Gerd

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  19. Das mit der Mentalität und der Muttersprache ist wirklich nicht zu unterschätzen, wenn's ums Zuhause geht. Vielen Dank für diesen Denkanstoß.

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!