Mittwoch, 28. August 2013

Zuhause bei... 45 lebensfrohe Quadratmeter.

Julika hat eine Traumaussicht von ihrem Balkon. Sie blickt hoch über der Stadt Chur direkt auf die Alpengipfel und sieht von dort die unglaublichsten Sonnen auf- und Untergänge. Ihr Beruf als Architektin führte sie aus der platten norddeutschen Ebene in die Schweizer Berge und nun könnte man ja meinen, dass sie dort ihr Traumzuhause gefunden hat. Und doch... können eine schöne Landschaft und 45 lebensfrohe Quadratmeter nichts ausrichten gegen das Zuhause in unserem Herzen, nach dem wir uns sehnen. 

Liebe Julika, Du lebst an einem der schönsten Orte der Welt, reist sehr gern durch die Welt und doch zieht es Dich jetzt dorthin zurück, wo deine Wurzeln liegen. Was macht dein Zuhause so wichtig für Dich?

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Zuhause - gesucht, gefunden und immer dabei

Hey! Ich bin Julika und ich blogge auf 45 lebensfrohe Quadratmeter übers Lesen, Wohnen, Kochen, Welt entdecken und über alles, was das Leben schöner macht. Mit viel Herz und einer Portion Verstand. Und heute erzähle ich hier bei der lieben urlaubenden Raumfee über das, was für mich mein Zuhause ist.

Ich war schon immer jemand, der gern Zuhause in den eigenen vier Wänden ist. Ich mag es, rumzukramen, zu lesen, zu zeichnen, zu kochen und zu backen, auf dem Balkon rumzusitzen und die Aussicht zu genießen und ich mag das Gefühl, mich in meine vier Wände zurückziehen zu können und wenn ich mag, zu tanzen, lachen, singen, hüpfen, rumliegen, Pläne schmieden, faul sein oder fleißig, die Tasse da erst morgen abzuwaschen, die Schuhe ungeputzt in den Schrank zu stellen, die reifen Erdbeeren auf dem Balkon direkt und ungewaschen in den Mund zu stecken, das Bett zu machen oder auch nicht und all mein Zeugs um mich herum zu haben.


Obwohl ich in den letzten zwölf Jahren zehnmal umgezogen bin und dabei in vier Ländern gelebt habe, war meine jeweilige Wohnung immer mein Zuhause. Und das auch immer fast augenblicklich. Ne Freundin hat mal zu mir gesagt, dass sie es unglaublich findet, dass die Wohnung nach nur zwei Tagen nach dem Umzug bereits nach mir aussieht. Das ist so, weil ich die Kisten nicht gepackt lassen kann, ich pack die zur Not auch nachts aus, schlafen kann ich ja immer noch später. Ich räum zwar nach dem Auspacken alles ständig hin und her, aber wenn ich nicht weiß, wo was ist, und das weiß ich nicht, wenn alles in Kisten verstaut ist, dann werde ich leicht verrückt. Denn erst wenn alles da ist, ich es sehen und woanders als in einem der zwanzig Kartons finden kann, stellt sich das Zuhause sein Gefühl ein. Auch in der neuen noch fremden Wohnung. Und ganz egal, wo sich diese Wohnung befindet. Denn alles, was mich an meine lieben Menschen oder an meine liebsten Orte oder Landschaften erinnert, hab ich bei mir. Durch Erinnerungsgegenstände, Fotos, Bilder oder ganz einfach in meinem Herzen. Und dieses Gefühl, Zuhause zu sein, ist toll! So sicher und geborgen und wohlig und warm.

Zum Beispiel fühle ich mich zuhause, wenn ich mein grünes Ringelshirt im Schrank sehe, mein erstes selbstbezahltes Shirt, das ich mir vor ungefähr zwanzig Jahren auf Föhr gekauft hab. Ich pass da nicht mehr rein und an manchen Stellen wird es nur noch durch Löcher zusammengehalten, aber das ist egal. Denn es erinnert mich an meine Kindheit, in der ich jedes Jahr aufs Neue mit meinem Bruder und meinen Eltern Urlaub auf Föhr gemacht habe. Es erinnert mich an Sand, Strandkörbe, Nordsee, Micky Maus Bücher, Möwen und die Mittelbrücke. Und seither fühle ich mich Zuhause, wenn ich Möwen sehe. Selbst wenn Sie auf einem See in der Schweiz zu finden sind.

Ich fühle mich zuhause, wenn ich den Ring trage, den mein Opa einst meiner Oma schenkte. Ich bin Zuhause, wenn ich mein Kätzchen sehe, die seit gut neun Jahren meine kleine Begleiterin ist. Und ich bin Zuhause, wenn ich mein altes rundes Regal betrachte, das ich mit sechzehn von meiner Mama zum Geburtstag bekommen habe. Bestückt heute mit noch jeder Menge Erinnerungen mehr, die mich alle an Orte und Menschen zurückbringen, die mir das Gefühl von Zuhause geben. Zum Beispiel den kleinen Glockenengel, der früher, als ich ganz klein war, immer neben meinem Bett stand und der an das Haus erinnert, in dem ich aufwuchs. Die drei Porzellanharlekine, die von meiner Sammelleidenschaft in den Neunzigern zeugen. Die Glocke aus Belgien, die ich mit einer lieben Freundin in einem schrulligen kleinen Laden gekauft habe. Die kleine goldene Bahn, die mein Vater mir mitgebracht hat. Und die einer von vielen Gründen ist, weswegen ich nach San Francisco reisen möchte. Denn auch da bin ich Zuhause. Auf meinen Reisen, weil ich da so nah bei mir selbst sein kann, wie sonst selten. Weil die Welt drumherum still steht und ich mehr als sonst den Moment genieße, den Sand unter den Füßen spüre, aufs Meer gucke, neue Städte und Lieblingsorte entdecke und ich mich frei und in mir verankert fühle. Und dabei auch noch die wunderschöne Welt entdecke, auf der wir ja alle irgendwie zuhause sind.


Neu ist für mich das Gefühl, mich auch in einer Landschaft oder einer Gegend Zuhause zu fühlen. Nagut, nicht ganz neu, der Blick auf die Nordsee ist schon lange eine Art Zuhause für mich, bestimmte Orte wie Wien und Trier oder Ausblicke auch. Neu aber ist für mich, dass ich mich zwar in meiner kleinen Wohnung in den Bergen Zuhause fühle, in den Bergen selbst aber nicht so sehr. Entdeckt habe ich das bei einem meiner vielen über Nacht Zugfahrten ins platte Norddeutschland. Morgens, als ich aufwachte und meine Glieder am Fenster stehend einrenkte und so einen wunderschönen Weitblick hatte und dann noch mit einem so tollen Sonnenaufgang! Ja, da war es irgendwie klar. Ungefähr hier gehöre ich hin. Und im Bauch wurde es warm. Dieses wohlige Zuhause sein Gefühl, mit dem alles leichter ist, das findet sich für mich im Norden Deutschlands. Da bin ich mir jetzt, nach langem unterwegs sein und an so vielen Orten gelebt zu haben, ganz ganz sicher. Und da mein Herz und mein Bauch so ziemlich die wichtigsten Entscheidungsfinder für mich sind, geht es für mich bald gen Norddeutschland, auf in ein neues Abenteuer, mit neuem Job, neuer Wohnung, die ganz bestimmt wieder schnell mein Zuhause wird, und neuem Balkon mit Aussicht. Jeay! ♥ Mein Bauch gluckst vor Freude und mein Herz hüpft! ... und Dir, liebe Katja, wünsche ich das auch. Ein so vielschichtiges Zuhause. Das Finden eines neuen Wohlfühlortes, ohne Atemnot, mit glucksendem Bauch und hüpfenden Herzen.

Alles Liebe! Julika*


Danke liebe Julika.

Julika lebt momentan noch in Chur in der Schweiz, wo sie als Architektin arbeitet. Bald jedoch geht es für sie in ihre alte Heimat nach Norddeutschland zu einem neuen Job und zu neuen Abenteuern.
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Wann fühlst Du dich zuhause? Was bezeichnest Du als dein Zuhause und was macht es dazu? Wo bist Du zuhause? Diese Fragen habe ich Menschen gestellt, die mich mit dem was sie auf ihren Blogs schreiben und zeigen auf die eine und andere Art berühren. Was sie geantwortet haben, das könnt ihr > hier nachlesen. Ihr wollt mehr über diese Gastblogreihe wissen? Dann könnt ihr > dort mehr darüber erfahren.
Zuhause bei..., Die Raumfee besucht, De Raumfee zuhause bei..., Gastposts Zuhause gesucht

Kommentare:

  1. liebe Julia, bei dir Zuhause würde ich mich auf der Stelle wohlfühlen...man sieht auf der ersten Blick, dass hier ein Mensch wohnt, der bei sich selbst angekommen ist, der sein Leben meistert und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt...schön auch all deine Erinnerungsstücke, die dich deine Herkunft und viel Erlebtes niemals vergessen lassen.... ich mag deine Sicht der Dinge sehr...
    liebst Uli - die Kramerin

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  2. Einer der schönsten Beiträge bisher. Mir hat das Lesen mehr als einmal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Hier hat jemand mit ganz viel Gefühl und Liebe geschrieben. In Deinem Bericht habe ich mich sehr wiedergefunden.

    Ganz liebe Grüße
    Birgit

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  3. weil ich noch nie in den bergen gewohnt habe, weißß ich nicht wie es mir gehen wrde. aber wahrscheinlich würde auch mich der norden so lange rufen, bis ich wiederkomme. "frei und in mir verankert". wie schön. liebe grüße, wiebke

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  4. Liebe Julika,
    Du scheinst angekommen zu sein: bei Dir in Dir.
    Dein Bericht liest sich so schöööön.
    herzlich Judika

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  5. heRzhüpfend auch die woRte.
    oh liebe julika .... du eRfReust mich gRad sehR!
    liebst. käthe.

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  6. Wundervoll - und in vielem ähnlich meinen Empfindungen. Wenn man sich in sich selbst zu Hause fühlt, kann man sich die ganze Welt zur Heimat machen..., und dennoch: es gibt eben ganz, ganz besondere "Zuhause-Gefühle" in Herz, Seele, Bauch und Sinn - und dann kommen sie - wie bei dir im Kopf an und er sagt: Ja, jetzt, hierher! Lieben Gruß Ghislana

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  7. Hahhh...als Norddeutsche bekomme ich besonders gegen Ende eine Gänsehaut ;)! Sehr schöner Post und und eine schöne Wohnung, wo auch immer...LG, Rieke

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  8. Und wieder so schöne Gedanken zum Thema Zuhause!
    Das mit den Möwen geht mir ganz genauso! Egal wo ich bin, wenn ich eine Möwe sehe oder auch vor allem höre, löst das sofort ein Glücksgefühl aus!

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  9. Hach julika, wie schön deine Ausführungen sind mit Fotos vom Foehrer Deich und veröffentlicht an deinem letzten Arbeitstag in Chur! Alles passt so gut zusammen, herzlichst deine Mama!

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  10. Hallo Julika, wieder so ein wunderbarer einfühlsamer Beitrag! Ich erkenne einiges auch bei mir wieder: das Auspacken und Sofort-zum-Zuhausemachen einer neuen Wohnung, die Bluse, die ich mir vor fast 30 Jahren in Italien von meinem ersten mit einer Übersetzung verdienten Geld gekauft habe, das Mit-mir-allein-sein-können, um zu lesen, zu kochen, zu träumen, zu singen und zu tanzen. Und noch einiges mehr. Nur das platte Norddeutschland würde mich, dich ich im hügeligen Saarland aufgewachsen bin, völlig depressiv machen. In die Ferne zu starren, ohne Abwechslung in der Landschaft, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Und wie du wünsche ich der lieben Katja, dass auch sie dieses Gefühl von Zuhause ganz bald (wieder) findet. LG Rebekka

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  11. ach, die liebe julika, eine spannende frau, die so unheimlich positiv ist. wenn man so eine ist, muss man sich bei sich ja fast zwangsläufig zuhause fühlen :)

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  12. Da bleibt mir nur zu sagen, schade für uns Schweizer, dass Julika wieder wegziehen möchte... Aber zum Glück, kann man sie ja auf ihrem Blog besuchen :)

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  13. ein wunderschönes zuhause und ein toller Beitrag

    Liebe Grüße
    Armida

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  14. Ich bin auch eine Alles-möglichst-schnell-Auspackerin. Von daher sehe ich auch einige Parallelen, auch wenn ich bisher nur mehrfach innerhalb einer Stadt umgezogen bin. ;)

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  15. Hach, Julika! Ich freu mich tierisch, dass Du in den Norden kommst.
    Wir haben zusammen studiert und mich hat es dann gleich auf's platte Land getrieben... Ich kann Deine Beweggründe also mehr als nachvollziehen! :)
    Bis ganz bald also!

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  16. Liebe Julika, du hast einen wundervollen Beitrag geschrieben!
    Nun sagst du dem Bündnerland *tschüss tschau moi* und
    kehrst zu deinen Wurzeln zurück, ich mag es dir gönnen, das Ankommen!
    Lg Carmen

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  17. So schön und spannend und sympathisch und mitnehmend Deine Worte und Bilder! Und die Worte Deiner Mama → ♥ !

    Liebe Grüße + alles Gute :) Minza

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  18. Hallo Julika,
    jetzt habe ich mir noch die Zeit genommen und Deinen wunderschönen Bericht über Dein Zuhause gelesen. Sehr schön hast Du alles beschrieben - war echt nett zum Lesen.
    Liebe Grüße
    Ani

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!