Donnerstag, 4. Oktober 2012

Ein Stückchen Heimat.

Habt Ihr auch Orte, an denen Ihr Euch heute noch voll und ganz zu Hause fühlt, obwohl Ihr schon lange nicht mehr dort lebt? Orte, an denen Ihr heimisch seid? Nicht umsonst gibt es bei mir die Rubrik "Heimat", denn ich trage einige solche Orte in meinem Herzen und ab und zu nehme ich Euch auch dorthin mit.
Ein Ort, an dem immer ein Stück meines Herzens wohnen wird, ist Coburg. Dort habe ich 5 Jahre lang gelebt, gefeiert, geliebt und studiert. Ich habe mich dort zu Hause gefühlt. Seitdem kehre ich jedes Jahr mit Freunden zum Coburger Flohmarkt und den Designtagen zurück - inzwischen mit Kind und Kegel und nur zur Freude - um das Stück meines Herzens zu besuchen, das damals dortgeblieben ist.
So sind wir auch am letzen Sonntag um 5 Uhr morgens im Schein des Vollmondes Richtung Nordost aufgebrochen...

Dieses Jahr war alles etwas anders, denn die Stadt hatte beschlossen, denn alljährlichen Frühjahrsflohmarkt Anfang Juni, der mit 10.000qm Fläche der größte neuwarenfreie Trödelmarkt in Bayern ist,  zu streichen und nur noch den Herbst-Flohmarkt zu veranstalten, der dann auch noch kurzfristig verschoben wurde, so dass er nicht ganz so groß war wie gewohnt.

Groß genug war er aber immernoch, um uns bis mittags zu beschäftigen. Zwar war der erste Kauf um 6 Uhr morgens gleich ein Anorak und Winterstiefel für den Kurzen, um die Temperatur von 3°C erträglicher zu machen, aber die Sonne kroch um 7 Uhr am strahlend blauem Himmel über den Hofgarten auf den Schloßplatz und tauchte Schloß Ehrenburg und das Theater schon in goldenes Licht, während der Platz selbst noch im Zwielicht lag. Und mittags erschienen bei perfektem Herbstwetter, 20°C und dem obligatorischen Eis in der Cortina die Winterklamotten schon wieder völlig deplaziert.

Landestheater // Erinnerungs-Eis

Häuser am Albertsplatz

Marzipanbratwürste beim Marktplatzcafé // Münzen und Bankgebäude im Marktbrunnen

Baum am Albertsplatz // Coburger Kanaldeckel
Der "Coburger Mohr" im Stadtwappen stellt übrigens den heiligen Mauritius dar, den Schutzparton der Stadt Coburg und seiner Kirche und er findet sich in der Stadt überall wieder - sogar auf den Kanaldeckeln.

Was gehört noch zu einem Heimat-Ausflug nach Coburg? Sicher eine auf Kiefernzapfen gegrillte Coburger Bratwurst und natürlich der Spaziergang durch den Hofgarten auf die Veste, um von dort oben übers Coburger Land und den Thüringer Wald zu schauen. Dabei schnell noch das Raumfeemobil mit Kastanien gefüllt und das Herz mit strahlendem Sonnenschein.

Kastanienbeute // Ketschentor

Burgtor // Veste Coburg

Fürstenbau in der Veste // ehemaliges Hotel Festungshof & Thüringer Wald

Zur Rückfahrt nach Hause gehört außerdem für uns der Abstecher nach Seßlach, wo wir damals so oft im Roten Ochsen bei Hausbier (damals die Halbe zu 1,60 DM) und weißem Käs´ mit Bratkartoffeln ein sonntägliches Spätstück eingenommen haben.
Der hatte aber am Sonntag Nachmittag leider geschlossen, weshalb wir uns mit einem Besuch der Antikscheune und des Holzbildhauers begnügt haben, bevor es wieder auf den Heimweg ging.

Rathaus Seßlach // Antikscheune

Holzbildhauerei Schott in Seßlach // Haustreppe in der Luitpoldstraße

Haus in der Luitpoldstraße // Briefkasten des Holzbildhauers

Arbeiten der Holzbildhauerei Schott
So lange her und doch wars, als ob es gestern gewesen wäre.
Ein Stückchen Heimat. Für immer.

Es gibt einen Ort, an dem meine Wurzeln liegen. Aber ich wachse, meine Äste strecken sich immer weiter aus, berühren viele Orte und Menschen und werden das auch weiterhin tun. Überall dort, wo ich ein Stückchen Herz auf dieser Reise zurückgelassen habe, fühle ich mich auch heute noch heimisch. Beheimatet. Deshalb glaube ich auch, dass ich überall eine Heimat finden kann, auch zukünftig, egal wo das Leben mich hinträgt - wenn ein Ort und dessen Menschen mein Herz berühren.
Einen interessanten Punkt hat Birgit heute Morgen zum Thema "Heimat"  beigetragen, der mich seitdem beschäftigt: Hat Heimat auch etwas mit der Spache zu tun? Fühlen wir uns dort heimischer, wo man die gleiche Sprache spricht, wo man seine Gedanken und Gefühle adäquat im Worte fassen und die anderer Menschen verstehen kann? Hmm... ich denke, da ist viel dran. Tatsächlich liegen die meisten meiner Herzensorte im deutschsprachigen Raum, obwohl ich schon an vielen Orten der Welt war, an denen es nicht weniger schön war und an denen ich mich zumindest mit Englisch auch einigermaßen verständlich machen konnte. Aber sich richtig ausdrücken zu können und die Menschen dort auch wirklich zu verstehen... ja, das hat auch für mich sehr viel mit Heimat zu tun.

Mehr Heimatgefühle sammelt heute Nic.Coburg, Coburger Flohmarkt, Ehrenbürg, Veste Coburg, Schloßplatz, Seßlach Roter Ochse, Seßlach Antikscheune, Coburg Marktplatz, Coburger Mohr, Flohamrkt, Coburger Hofgarten, Cortina

Kommentare:

  1. Ich muss schon staunen....da steht Ihr zum Sonntagmorgen freiwillig 5.00Uhr auf? Ich weiß nicht, ob ich meine Familie dazu bewegen könnte...?! Es ist schon schwierig, jedes Jahr die Familie zum Osterfeuer früh 6.00 Uhr zu bewegen.. Aber gelohnt hat sich Euer Ausflug ganz offensichtlich!!! Meine zweite Heimat ist Freiberg in Sachsen...ich liebe diese Stadt und kehre immer wieder gern für einen Tag dorthin zurück...irgendwann werde ich auf meinem Blog mal davon berichten...und über Freiberger Eierschecke...wer die nicht kennt, hat was verpasst...LG Lotta.

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  2. Marzinpanwürste??? Nein echt jetzt - da ist nicht wirklich Marzipan drin , oder??? Schöne Eindrücke von Coburg - da war ich auch noch nie...bin auch bei der Heimat dabei heute...wie läuft das denn - wann kann man sich verlinken? Muss nämlich eigentlich was anderes tun, als am Rechner zu sitzen...Liebe Grüße, Anette

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    1. Sie SIND aus Marzipan. Konditorenware. :-)

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  3. Wieder ein kleiner Rundgagz durch unser schönes Deutschland. Ich freue mich immer wieder, wenn ich mitgenommen werde an Orte, die ich nicht kenne, bzw. von denen ich nie gehört habe. (Coburg gehört hier natürlich nicht dazu!) Und dank www kann man immer nochmals nachlesen! ;-)
    Schon ein interessanter Gedanke, woran man Heimat festmacht. Erinnerungen, Sprache, Menschen, Orte, sogar Düfte. Und wie beschreibt sich das Gefühl "Heimat".? Wie spüre ich, dass ich mich heimisch fühle?
    LG
    Claudia
    LG
    Claudia

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  4. liebe Katja,
    freu', da mache ich doch heute mal wieder mit !
    und mache heute einen Heimatpost ...
    denn eine kleine Heimat.Tasche habe ich gemacht ;)

    Heimat ..
    es gibt Länder, Orte, Menschen
    die sind Zuhause ...
    doch vor allem ist es doch die
    Heimat ..
    in uns
    zu uns
    die uns immer wieder ruft :)

    liebe Grüsse
    von Simone



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  5. viele schöne bilder! danke für die "reise". :)
    heimat - hab eben schon bei annette angemerkt, dass mir das thema heute irgendwie nicht so leicht von der hand geht. na, mal sehen, ob im laufe des tages noch was draus wird.

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    1. komsich, das mit der extrawurst wundert mich gar nicht. :))
      aber das ist ja auch das schöne an diesem thema - jeder denkt da irgendwie anders drüber. sehr spannend heute!

      und ja - es ist schon fast ein bisschen peinlich, wieviele urlaubsbilder man hat, aber aus der eigenen stadt so gut wir nix! das muss sich ändern! :)

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  6. ganz besonders schön, Dein post heute! liebe Grüsse von "nebenan"…

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  7. Guten Morgen Katja! Es ist immer wieder schön, wenn du mich auf eine Reise nimmst in Gegenden unseres Landes, die ich gar nicht kenne. Danke für die schönen Fotos!
    GLG
    Astrid

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  8. Sehr schöne Einblicke in einen Teil Deiner Heimat. Das war eine wunderbare Reise, das reinste Schlaraffenland mit Marzipanbratwürsten und Kiepen voller Kastanien. Wie ich gerade bei Lebenslustiger schrieb, habe ich noch nie woanders gelebt, als an meinem Geburtstort, also immer in der Heimat. Ich glaube allerdings auch, dass Sprache eine Menge damit zu tun hat.

    Liebe Grüße und einen tollen Tag. :)

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  9. eine schöne tradition, die zwischenheimat zu besuchen. sollte ich auch machen. habe da auch eine irgendwo ;) heimat ist ein thema. mein »schön alt werden«, ist eine art damit umzugehen, mit meiner jetzigen zweiten heimat. das schöne im alten und verwelten zu sehen ;) das mich umgibt. ich suche mir für nächstes jahr ein neues thema aus, das im kern einen anderen spekt bearbeitet.

    liebe grüße . heute mit grauem himmel . tabea

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  10. Guten Tag liebe Katja! Hach ist das schön bei Dir mitzulesen...man versinkt in die eigenen Gedanken. Danke dass Du uns immer wieder ein Lächeln auf unser Gesicht zauberst! Schön, das es Dich gibt!
    Herzlich grüsst Dich Rebecca

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  11. Hallo liebe Katja, schön Dein Post heute........irgendwann in meiner Schulzeit war ich auch mal in Coburg....mein Gott wie lang ist das schon her !
    In Franken sind ja eigentlich meine Wurzeln (so ganz im Nordosten) und es gibt dort wirklich sehr schöne Ecken !
    Wir sind aber nun schon so lange in München, da sind wir Franken mittlerweile gut integriert ;-)
    ♥BunTine

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  12. Liebe Katja,

    was für ein prachtvoller Post! Nicht nur gespickt mit vielen Bildern, sondern auch ganz tief aus dem Herzen geschrieben - man spürt in jeder Zeile, wie sehr du an diesem Fleck Erde hängst, wie sehr deine Seele sich in Coburg ansässig gemahct hat. Schön, einfach schön.

    Hast du denn die Winterklamöttchen für den Kurzen gleich wieder an den Mann/die Frau gebracht? :-)

    Die Arbeiten des Holzhauers Schott sind wunderschön, hab mir mal seine Seite angeschaut, da werd ich gleich wehmütig! Ich will auch!

    Marzipanwürschte? Bäx .. aber gut, jeder hat einen anderen Geschmack. Mit Marzipan kann man mich aber jagen, mir die Freundschaft kündigen und meinen Großen erfreuen :-)

    Ich denke nicht, dass Heimat sich vorallem darauf begründet, dass man ein und die selbe Sprache sprechen muss. Mir geht es in Frankreich in der Provence so ... kann kein Wort Französisch und dennoch komm ich dorthin und bin angekommen, ebenso Italien ...
    Meines Erachtens hängt es mit der Herzlichkeit der Einwohner zusammen und mit dem, was man selbst an Herz zu geben bereit ist.

    Hab einen wundervollen Tag,

    Katja

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  13. du hast mir solche lust auf coburg gemacht, liebe katja. dort war ich noch nie und scheinbar hat es ja das zeug zum herzensheimatort:)
    am meisten freue ich mich heute, dass ich dich ins grübeln stürzen konnte;)das kommt gleich nach der wunderbaren deutschstunde in meiner 10.klasse vorhin...auch schule ist ein stückchen heimat für mich;)
    und bloggerland zählt mittlerweile auch dazu, denn mit dem herzen, da hast du recht...und ich war schon des öfteren gerührt hier-z.b. bei dir:)
    heimatliche grüße von birgit

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  14. Das ist ja gar nicht meine Gegend - und so ziemlich das Gegenteil meiner Heimat. Für einen Besuch sieht es aber sehr einladend aus in deiner Heimat.

    Liebe Grüße,
    Anja

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  15. Wie immer tolle Fotos und Einblicke. Ich wusste gar nicht, dass Coburg so schön ist. Die Sache mit der Sprache kann ich auch nachvollziehen, deshalb wird auch sicher Frankreich für uns nie Heimat sondern nur ein zu Hause werden können. Aber das muss es ja auch nicht, denn wir können immer wieder "heim" kommen. Das ist vielleicht gerade das schöne an der Heimat, dass man immer wieder dort hin zurückkommen kann.
    Hab einen schönen Tag und sei ganz herzlich gegrüßt,
    Dani

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  16. was für tolle bilder!! ich glaube schon, dass heimat auch was mit der sprache zu tun hat. wenn jemand badischen dialekt spricht, geht mir sofort das herz auf :)
    liebe grüsse, holunder

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  17. Wieder mal so schöne Bilder und Worte... Hach!

    Ich kenne diese Heimatgefühle auch und habe sie z.B. manchmal, wenn ich ein bestimmtes Lied höre oder einen alten Film sehe - damit verbinde ich dann Momente, die irgendwie heimelig sind! Heimat ist für mich mit schönen Erinnerungen verbunden und ja, wahrscheinlich auch mit der Sprache.

    Liebe Grüße

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  18. Tolle Bilder eine wundervolle Stadt da kann Frau es sich gute gehen lassen mit seiner Familie.

    Sei lieb Gegruesst von Conny

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  19. Bestimmt hat die Sprache etwas damit zu tun.
    Ich bin weiß Gott nichtige lang genug hier, um das wirklich sagen zu können, aber aus dem Bauch heraus würde ich laut JA rufen.
    Und mein Mann bestätigt diese Theorie sicher auch. Zwar hat er mehr als die Hälfte seines Lebens in Deutschland gelebt, aber seine Kindheit hat er nun mal vor allem hier verbracht, und fühlt sich sehr Zuhause in Deutschland - aber HEIMAT, das wird immer Brasilien sein, ganz bestimmt.

    Hach, Flohmarkt!!!!! Hach, göttliche kalte frische Luft....
    Ich habe Heim(at-)weh...............

    Herzlich, wie immer, der Gruß,
    Doro
    :)

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  20. Wieder so ein Artikel, der einen in seinen eigenen Erinnerungen schweifen lässt. TOLL!!! :)

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  21. Ach, in Coburg hab ich auch studiert.
    Allerdings habe ich nur 1,5 Jahre dort gewohnt.
    Und beim Flohmarkt war ich auch und habe fürchterlich gefroren bei den 3°C, die sich im Schatten ziemlich lange gehalten haben.
    Doch es hat sich gelohnt. Ich habe schöne Schätze mit nach Hause gebracht, allerdings habe ich festgestellt, dass selten das zu mir kommt, was ich mir im Vorfeld vornehme zu finden, sondern immer Anderes.
    Aber...das ist Leben.....

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende Silke

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  22. Ich liebe Flohmaerkte! Das sieht nach einem richtig tollen aus, war leider noch nie in Coburg, das sollte sich irgendwann mal aendern! Fuer mich ist Heimat da wo mein Liebster ist und an allen Orten lass ich ein Stueck von meinem Herzen. Momentan ist das in Australien :) Lg, Kristina

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  23. Erst, als ich im Ausland lebte, merkte ich, wie viel "Heimat" für mich in der Sprache steckt. Und das trotz der einigermaßen gut beherrschten Landessprache. Und in der Musik. Dazu empfehle ich den Film eines Freundes "Sound of Heimat".

    Allerdings bin ich auch nicht dort geboren, wo ich letztendlich meine Heimat gefunden habe...
    Gruß, Bele

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  24. Liebe Katja,

    Heimat hat auf jeden Fall mit Sprache zu tun, ich bin in Unterfranken aufgewachsen, wohne jetzt woanders. Unsere Kinder, sprechen anders: Und zwar für die Unterfranken: Hochdeutsch und für die Menschen hier: Bayrisch!!! als ob Franken Bayern wäre!!!

    2010 hatte eine Freundin von mir einen runden Geburtstag. Es entstand die Idee ihr einen Ausflug zusammen mit der alten Clique zu schenken. Wir trafen uns in Untermerzbach am Schloß, bauten ein Picknik auf, stärkten uns und liefen zusammen den damals neugeschaffenen Fränkischen Bilbelweg

    http://www.untermerzbach.de/Startseite/Tourismus/Bibelweg/Der-fraenkische-Bibelweg-entsteht/K142.htm

    Für mich war es eine tolle Wanderung durch den Wald, für andere hatte es mehr "heiligen" Charakter. In Seßlach hatten wir in einer Gaststätte ???? einen Tisch für 20 Personen bestellt und aßen dort Schäufela. Heimat, das ist für mich da wo es Bier aus Halbliter-Krügen gibt und Schäufela auf der Karte steht.
    Selbst koche ich kein Schäufela dafür aber Apfelküchla....

    Danke, dass Du mich durch Deinen Post an diesen Sommertag in 2010 erinnert hast.
    Gruß, Judika

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!